Grönland (Schiff)

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Grönland
Grönland Bbord-FHB1737T3.JPG
p1
Schiffsdaten
Flagge DeutschlandDeutschland Deutschland
Schiffstyp Nordische Jagt
Heimathafen Bremerhaven
Eigner Deutsches Schiffahrtsmuseum, Bremerhaven
Bauwerft Toleff Toleffsen, Matre in Skanevik, Norwegen
Kiellegung 1867
Indienststellung 1868
Verbleib Museumsschiff DSM
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
25,80 m (Lüa)
Breite 6,06 m
Tiefgang max. 3 m
Vermessung 49,90 BRT
 
Besatzung 12 Mann
Ab 2000
Maschine DEUTZ BTM-1013
Maschinen-
leistung
200 PS
Takelung und Rigg
Anzahl Masten 1
Anzahl Segel 7
Segelfläche ca. 300 m²

Die Grönland ist das älteste heute noch segelnde Seeschiff Deutschlands. 1867 in Norwegen gebaut, war die Grönland 1868 das Schiff der ersten deutschen Arktisexpedition. Sie gehört mittlerweile zur Flotte des Deutschen Schiffahrtsmuseums in Bremerhaven.

Geschichte[Bearbeiten]

Sie wurde 1867 als Robbenfänger von Toleff Toleffsen in Skanevik in Norwegen für die Küstenschifffahrt gebaut. Sie gehört zum Typ Nordische Jagt, der bis um 1900 in großer Zahl gebaut wurde. Der Bug war für seine Aufgabe speziell gegen das Packeis verstärkt.

Arktisexpedition[Bearbeiten]

1868 kaufte Kapitän Carl Koldewey das Schiff für die Erste Deutsche Arktisexpedition und taufte es auf den Namen Grönland.[1] Am 24. Mai 1868 stach es vom norwegischen Bergen aus in See. Die Expeditionsfahrt führte Schiff und Mannschaft auf 81°45' nördliche Breite. Das war damals der nördlichste zu Schiff erreichte Punkt und ist bis heute noch immer der nördlichste per Segelschiff ohne Hilfsantrieb erreichte.[1][2] Die Fahrt führte zurück über Bergen und am 10. Oktober 1868 lief die Grönland zum ersten Mal in Bremerhaven ein.[1] Für die Zweite Deutsche Arktisexpedition 1869 erachtete man die Grönland als zu klein, weshalb sie 1871 nach Norwegen zurück verkauft wurde.

1871 bis 1970[Bearbeiten]

Zwischen 1871 und 1970 war das Boot als Küstensegler, Fischerboot, Robbenfänger und Freizeitschiff bei verschiedenen Eignern in Norwegen. 1917 wurde es in ein Motorschiff umgebaut.

Museumsschiff[Bearbeiten]

In den 1970er Jahren plante der Norweger Björn Hansen, die Grönland aufgrund ihrer Bedeutung in der Polarforschung in sein privates Schiffahrtsmuseum aufzunehmen. Die Grönland geriet jedoch ins Hintertreffen gegenüber der Gjøa – Roald Amundsens Expeditionsschiff bei der Entdeckung der Nordwestpassage 1906.[1]

Zwischen 1970 und 1973 wurde es von seinem Eigner Egil Björn-Hansen als Museumsschiff rekonstruiert und danach vom Deutschen Schiffahrtsmuseum erworben.[3] Im Herbst 1972 gelang es Gert Schlechtriem als Direktor des Deutschen Schiffahrtsmuseums, eine Vereinbarung über den Kauf mit Egil-Björn-Hansen aus Oslo zu verhandeln. Der Kaufvertrag wurde am 26. Januar 1973 in Bremerhaven besiegelt. Der Kaufpreis betrug 120.000 DM.[4]

Restaurierung[Bearbeiten]

Detail (Zier an der Pinne)

Inzwischen war das Schiff von Kiel nach Heiligenhafen zur Bootswerft Sakuth geschleppt worden, wo in den nächsten Monaten der Schiffsrumpf für die Überführung nach Bremerhaven vorbereitet wurde. Takler von den Howaldtswerken in Kiel bearbeiteten das Rigg.

Die Bundesmarine stiftete nicht mehr benötigte Segel von der Gorch Fock, welche die Segelmacherei Hinsch aus Glückstadt für das Expeditionsschiff verwenden konnte. Das neue Großsegel stammte aus der Spende eines Kaufmanns aus Bremerhaven. Als fachmännischer Berater konnte der norwegische Kapitän Skarpness von der Insel Stord gewonnen werden, der noch auf eigene Segelerfahrungen mit nordischen Jagten zurückgreifen konnte. Konstruktionspläne existierten nicht. Der komplette Innenausbau und die völlige Herstellung der Takelage mit dem stehenden und laufenden Gut konnten erst später in Bremerhaven erfolgen.[5]

Heimfahrt[Bearbeiten]

Vom 7. bis zum 9. September 1973 fand die Überführung der Grönland im Schlepp des Seenotrettungskreuzers Theodor Heuss der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger von Heiligenhafen nach Elsfleth statt. Probeweise konnten auch schon die Segel gesetzt werden. Kapitän Gustav Wulf leitete mit einer Mannschaft aus Sportseglern die Überführungsfahrt.

Die offizielle Begrüßung mit dem Einlaufen unter Segelzeug von der Wesermündung nach Bremerhaven erfolgte schließlich feierlich am 14. September 1973. Die festliche Einfahrt in den Alten Hafen, dem ältesten Hafenbecken Bremerhavens, fand einen Tag später statt.[4]

Heutiger Verbleib[Bearbeiten]

Die Grönland an der Kaje vorm Deutschen Auswandererhaus in Bremerhaven

Heute ist die Grönland Teil der Flotte des Deutschen Schiffahrtsmuseums in Bremerhaven. Bis 2005 wurde es über ein Jahr lang bei Bültjer in Ditzum saniert und restauriert. Das Schiff entspricht, bis auf einige Anpassungen an moderne Sicherheitsstandards, heute wieder weitgehend dem Bau- und Ausrüstungsstand des Jahres 1868.[4]

Die Grönland ist eines der ältesten noch segelnden deutschen Seeschiffe. Als Traditionsschiff des Deutschen Schiffahrtsmuseums in Bremerhaven ist sie nicht nur ein schwimmendes Denkmal[6], sondern ihr Betrieb dient zugleich der Erhaltung und Erforschung traditioneller seemännischer Fähigkeiten und Kenntnisse. Sie ist das einzige aktive Museumsschiff des Deutschen Schiffahrtsmuseums. Ihr Liegeplatz im Museumshafen des Deutschen Schiffahrtsmuseums befindet sich direkt vor dem Deutschen Auswandererhaus. Eine ehrenamtliche Stammcrew kümmert sich um die Pflege des wertvollen Schiffes.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ingo Heidbrink (Hrsg.): 81° 4,5’ Nord unter Segeln. Die Nordische Jagt GRÖNLAND – vom ersten deutschen Polarforschungsschiff zum aktiven Museumsschiff. Bremerhaven 2005.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Grönland (Schiff) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Gekürzt übernommen von: Die Geschichte der Grönland, Deutsches Schiffahrtsmuseum, abgerufen 8. März 2012
  2. Gekürzt übernommen von: Website der Grönland, Deutsches Schiffahrtsmuseum, abgerufen 8. März 2012
  3. Nordische Jagt Grönland, Schiffe und mehr (PDF, 166 kB)
  4. a b c Gekürzt übernommen von: Die Grönland heute, Deutsches Schiffahrtsmuseum, abgerufen 8. März 2012
  5. Absatz wörtlich übernommen von: Die Grönland heute, Deutsches Schiffahrtsmuseum, abgerufen 8. März 2012
  6. Denkmaldatenbank des LfD