Grünbrücke

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Wildbrücke über die A 14 bei Schwerin
Eine Grünbrücke über die A50 bei Woeste Hoeve in den Niederlanden
Grünbrücke Ecoduct Kikbeek A2 in Belgien
Grünbrücke über den Trans-Canada Highway im Banff-Nationalpark zwischen Banff and Lake Louise in der kanadischen Provinz Alberta

Eine Grünbrücke oder Wildbrücke ist ein Ingenieurbauwerk und dient vornehmlich wildlebenden Tieren als Hilfsmittel, stark befahrene Verkehrswege wie Autobahnen, Bundesstraßen und Bahnstrecken gefahrlos zu queren. Grünbrücken verbinden Lebensräume des Wildes, die durch Verkehrswege zerschnitten sind, und versuchen die Folgen der zunehmenden Landschaftszerschneidung zu mildern.

Aufbau und Klassifizierung[Bearbeiten]

Damit eine Grünbrücke ihrem Zweck entsprechend vom Wild benutzt wird, muss sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. So haben Wildbrücken in der Regel eine Mindestbreite von 50 Metern, damit sie von größeren Tieren wie Hirschen angenommen werden. Der Begriff Grünbrücke wird dabei besonders bei größerer Breite und Bewuchs genutzt. Die Breite der Brücken variiert und kann mehr als 80 Meter betragen. In diesem Fall wird das Kreuzungsbauwerk als Landschaftstunnel bezeichnet.[1] Es gibt auch Kleintierbrücken, die nur wenige Meter breit sind.

Die Lage der Querungsstelle spielt ebenfalls eine besondere Rolle: Grünbrücken werden an bekannten Wildwechseln erbaut, um die Tiere möglichst unkompliziert über die Brücke zu führen. Um die Sicht auf die zu querenden Verkehrswege abzuschirmen, werden die Seitenränder der Brücke oft heckenartig bepflanzt, wobei meistens die übrige Fläche der Brücke bepflanzt ist. Im Allgemeinen sind dies Stauden, Gras und Büsche. Eine Grünbrücke querende Wege werden durch Gitterroste gesichert, weil Wild- und Nutztiere diese Gitterroste meiden, da sie für deren Beine gefährlich sein könnten.

Die West Autobahn in Österreich wurde im Bereich der Stadt Salzburg (Abfahrt Salzburg-Mitte) mit einer Grünbrücke eingehaust, die dazu dient, das ursprüngliche, von der Autobahn geteilte Dorf Liefering als Siedlungsraum wiederherzustellen. Über der Autobahntrasse befindet sich ein Park.

Nutzen[Bearbeiten]

Untersuchungen zur biologischen Wirksamkeit von Grünbrücken haben gezeigt, dass sie in großem Maße zur Verbindung von Lebensräumen beitragen. Sie werden nicht nur von größeren Wildtieren zur Querung genutzt, sondern auch von wirbellosen Tieren wie Faltern, Spinnen und Käfern. Nach einer Untersuchung der Landesforstanstalt Eberswalde, die von Mai 2005 bis April 2006 durchgeführt wurde, passierten fast 2300 Wildtiere eine Grünbrücke über die A 11 in Brandenburg. Bei Versuchsreihen auf einer Brücke in Kroatien über die Autobahn zwischen Karlovac und Rijeka haben Forscher mit Infrarotschranken die Tierwanderungen gemessen. Dabei wurden Tiere ab der Größe eines Fuchses erfasst. Innerhalb eines Jahres passierten rund 6.000 Tiere diese Brücke, darunter Bären, Wölfe und Luchse. Bei den Untersuchungen wurden Infrarot-Fotofallen genutzt.[2] [3]

Grünbrücken haben eine verbindende Funktion und tragen zu einer Reduzierung von Wildunfällen bei. Der Bau von Wildbrücken erfolgt in Europa, Nordamerika und Australien.

Alternativen[Bearbeiten]

Ebenfalls zur Querung von Verkehrswegen eignen sich durchführende Wildbrücken. Diese sollten aber eine Höhe von 10 Metern nicht unterschreiten, da sie sonst von einigen Arten schlecht angenommen werden. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, Kleintieren oder Amphibien eine sichere Querung von Verkehrswegen in Form von Kleintiertunneln/Kleintierdurchlässen zu ermöglichen. Diese Röhren können von Amphibien, aber auch von kleinen Säugetieren wie Dachsen oder Ottern benutzt werden. Tunnel werden jedoch von Huftieren gemieden. Zu beachten ist dabei allerdings, dass die jeweils gegenüberliegende Öffnung für die wechselnde Tierart den Ausgang erkennen lässt.

Kosten[Bearbeiten]

Laut ADAC-Angaben belaufen sich die Baukosten je Grünbrücke in Deutschland auf ein bis drei Millionen Euro.[4] Wenn eine Grünbrücke zeitgleich mit einer Autobahn gebaut wird, ist ihre Errichtung preisgünstiger, als wenn sie nachträglich errichtet wird.[5]

Ausführungen[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Derzeit gibt es in Deutschland 37 Grünbrücken über Autobahnen oder Bundesstraßen, etwa ebenso viele sind im Bau oder geplant. Der ADAC, der BUND und andere Verbände sehen einen erheblich höheren Bedarf. Das Bundesamt für Naturschutz geht von 30.000 „Konfliktstellen“ im überregionalen Verkehrsnetz aus.[4] An solchen Gefahrenstellen stirbt ein Großteil der in Deutschland durch „nicht jagdliche Einwirkungen“ (Fallwild) zu Tode kommenden Tiere: jährlich sind dies 202.000 Rehe, 16.000 Wildschweine und 3.100 Hirsche.[6]

Im Rahmen des Konjunkturpakets II wurden einige Wildbrücken geplant und beschlossen, zum Beispiel vier Brücken bei Geldern. Eine solche 50 Meter breite Grünbrücke kostet im Schnitt drei Millionen Euro. Der Landesjagdverband NRW befürwortet die Brücken, weil er hofft, dass sie die Inzucht bei einigen Wildarten verringern. Vor allem Rotwild sei davon betroffen.

An folgenden Stellen findet sich mindestens eine fertiggestellte Grünbrücke:

Info Simple.svg In den Artikeln der Bundesautobahnen und -Straßen sind fertige und geplante Grünbrücken in den Listen der Anschlussstellen und Bauwerke aufgeführt und mit diesem grünen Symbol AB-Brücke-gruen.png gekennzeichnet.

Österreich[Bearbeiten]

Die erste wissenschaftliche Forderung nach Wildbrücken erfolgte beim Bau der Ostautobahn im Jahr 1987 im Zuge des Alpen-Karpaten-Korridors. Dieser Forderung wurde nicht nachgekommen. Erst im Jahr 1997 nach Herausgabe der Richtlinie Wildschutz (RVS 3.01) wurden weitere Untersuchungen an Autobahnen und Schnellstraßen durchgeführt. Nach diesen Berechnungen ergibt sich für die damals aktuelle Länge von 2000 Kilometern übergeordneten Straßen ein Bedarf von 84 Tunnel und Überführungen, sowie 422 Unterführungen mit einer Breite größer als 30 m.[15]

In Österreich wurde von der ASFINAG im Jahr 2004 auf der Süd Autobahn in Kärnten der Bärentunnel mit einer Länge von 91 Meter Länge nachträglich errichtet, da sich das Gebiet im Natura 2000-Gebiet Schütt-Graschelitzen befindet und Teil des LIFE - Natur Projektes 'Schütt - Dobratsch' ist.[16]

Weiters existieren Grünbrücken über die Donauufer-Autobahn bei Jedlesee, im Abschnitt Eibesbrunn - Schrick der Nord Autobahn, bei der Parndorfer Platte über die Ost Autobahn sowie über Strecken der ÖBB, z.B. im Bereich der Koralmbahn.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Grünbrücken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. DIN 1076 Unterscheidung Brücke und Tunnel ab einer Länge von 80 Metern (PDF; 199 kB)
  2. Reinhard Möckel: Nutzung einer umgestalteten Straßenbrücke als Tierquerungshilfe in Brandenburg. Artenschutzreport 2010, H. 26, S. 45-49.
  3. Rheinische Post 18. Februar 2012 (Seite C4 Schwalmtal/Brügfgen/Niederkrüchten): Grünbrücke ist ein Erfolg
  4. a b ADAC: Grüne Brücken für Bambi und Co. ADAC Motorwelt. Heft 4, 2008. B2706E. S 76f.
  5. Querungshilfe für Wildtiere, RP 11. August 2010

    „Die Grünbrücke an der A 52 hat rund 2,3 Millionen Euro gekostet, weil sie in einem Zug mit der Autobahn gebaut wurde. Bei nachträglicher Einrichtung liegen die Kosten bei etwa 3,5 Millionen Euro.“

  6. Jagd Online – Deutscher Jagdschutzverband: Daten und Fakten
  7. A3/L284: Grünbrücken fertig gestellt. Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen, 27. November 2013, abgerufen am 1. Dezember 2013.
  8. Infoblatt Grünbrücken A3
  9. Wild wechselt sicher die Seiten, Gmünder Tagespost vom 21. Dezember 2011
  10. Grünbrücke A 9, BW 13 Ü 0, Landesbetrieb Straßenwesen des Landes Brandenburg, Dezember 2011
  11. Grünbrücke A 12, BW 15 Ü 2a, Landesbetrieb Straßenwesen des Landes Brandenburg, November 2012
  12. Reinhard Möckel: Nutzung einer umgestalteten Straßenbrücke als Tierquerungshilfe in Brandenburg. Artenschutzreport 2010, H. 26, S. 45-49.
  13. Grünbrücke A 13, BW 9 Ü 3, Landesbetrieb Straßenwesen des Landes Brandenburg, Dezember 2011
  14. Querungshilfe für Wildtiere, RP 11. August 2010
  15. Straße und Wild in Österreich (MS PowerPoint; 12,3 MB) vom Umweltbundesamt von 27. November 2003 abgerufen am 30. Januar 2012
  16. ASFINAG: Neue Grünbrücke "Bärentunnel" sichert Wildquerung über die A 2 Süd Autobahn im Kärntner Natura 2000-Gebiet Schütt - Graschelitzen. vom 27. August 2004 abgerufen am 21. September 2010