Grüne Minze

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Grüne Minze
Mentha spicata 02.jpg

Grüne Minze (Mentha spicata)

Systematik
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Tribus: Mentheae
Untertribus: Menthinae
Gattung: Minzen (Mentha)
Art: Grüne Minze
Wissenschaftlicher Name
Mentha spicata
L.

Die Grüne Minze (Mentha spicata), auch Ährige Minze, Speer-Minze oder Krause Minze[1] gehört zur Familie der Lippenblütengewächse (Lamiaceae).

Beschreibung[Bearbeiten]

Erscheinungsbild und Blatt[Bearbeiten]

Die Grüne Minze wächst als ausdauernde, krautige Pflanze mit Wuchshöhen von 30 bis 130 Zentimeter. Sie bildet unterirdische Ausläufer aus und besitzt einen angenehmen aromatischen Geruch. Die aufrechten, vierkantigen, grünen bis rötlichen Stängel verzweigen üblicherweise im oberen Bereich und sind kahl bis fast kahl.

Die Laubblätter sind gegenständig am Stängel angeordnet und am Blattgrund drüsig. Die einfache, annähernd kahle Blattspreite ist bei einer Länge von 2 bis 7 Zentimeter und einer Breite von 0,5 bis 2 Zentimeter eiförmig-länglich bis schmal-lanzettlich geformt und ungestielt oder mit bis zu zwei Millimeter langen Stielen versehen. Der Spreitengrund ist herzförmig, gerundet oder breit keilig, der Spreitenrand unregelmäßig gesägt und der Spreitenapex spitz bis lang zugespitzt.

Blütenstand und Blüte[Bearbeiten]

Die von Juli bis September erscheinenden Blüten mit etwa zwei Millimeter langen Blütenstielen sind in vielblütigen Scheinquirlen angeordnet. Sie stehen in endständigen, an der Basis unterbrochenen, zylindrischen, ährenartigen Blütenständen mit einer Länge von vier bis zehn Zentimeter. Die fünf bis acht Millimeter langen, linealischen Tragblätter sind kürzer oder gleich lang wie die Blüten.

Die fünf ungleichen, 1,5 bis 2 Millimeter langen, drüsigen Kelchblätter sind glockenförmig verwachsen und entweder haarlos oder an den Kelchzipfeln bewimpert. Die mehr oder weniger gleichförmigen, dreieckig-lanzettlichen Kelchzipfel sind etwa ein Millimeter lang. Die fünf weißen, bleichrosa bis violettlichen Kronblätter bilden die etwa 2,5 bis 4 Millimeter lange, haarlose Krone und sind zu einer etwa zwei Millimeter langen Kronröhre verwachsen. Die fast gleichförmigen Kronzipfel besitzen eine ausgerandete Spitze. Die vier gleich langen Staubblätter ragen aus der Krone heraus.

Frucht[Bearbeiten]

Die grüne Minze bildet dunkelbraune Klausen.

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Grüne Minze ist in Europa, Nordafrika, Vorderasien, der Kaukasusregion, im zentralasiatischen Turkmenistan, in Pakistan, Nepal und China beheimatet.[2] Die ursprüngliche europäische Verbreitung erstreckt sich von den mitteleuropäischen Staaten Schweiz, Slowenien und Kroatien über Südosteuropa mit den Mittelmeerinseln bis Zypern sowie von Italien mit Sizilien und Sardinien bis zur spanischen Baleareninsel Mallorca. Darüber hinaus ist sie im weiteren Europa als Neophyt verbreitet[3] und wurde auch global weitverbreitet kultiviert und eingebürgert.[1] So besiedelt die Grüne Minze in Deutschland[4] nährstoffreiche Stauden- und Unkrautfluren. In Österreich wird sie mehr oder weniger häufig kultiviert und verwildert gelegentlich unbeständig.[5]

Systematik[Bearbeiten]

Mentha spicata wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum, Band 2, S. 578 beschrieben.[6] Synonyme für Mentha spicata sind Mentha aquatica var. crispa (L.) Benth., Mentha cordifolia Opiz ex Fresen., Mentha crispa L., Mentha crispata Schrad., Mentha lejeuneana Opiz, Mentha pudina Buch.-Ham. ex Benth., Mentha rosanii Ten., Mentha crispa L., Mentha spicata var. ciliata Druce, Mentha spicata var. crispa (Benth.) Danert, Mentha spicata var. viridis L., Mentha undulata Willd., Mentha ×villosa var. cordifolia (Opiz ex Fresen.) Lebeau, Mentha viridis (L.) L..[3][1]

Die Grüne Minze ist eine oktoploide Art und möglicherweise aus einer Hybridisierung von Mentha longifolia und Mentha suaveolens entstanden.[5] Sie ist eine der Stammarten der Pfefferminze (Mentha x piperita).[5]

Neben der nominotypischen Unterart werden zwei Unterarten anerkannt:

  • Mentha spicata L. subsp. spicata
  • Mentha spicata L. subsp. condensata (Briq.) Greuter & Burdet (Syn.: Mentha microphylla K.Koch, Mentha spicata subsp. tomentosa (Briq.) Harley, Mentha tomentosa d’Urv., Mentha tomentosa subsp. condensata Briq., Mentha tomentosa subsp. tomentosa Briq., (nom. illeg.)): Die Heimat liegt im Süden und Südosten Europas mit Italien, dem früheren Jugoslawien, Bulgarien, Albanien, Griechenland inklusive Kreta, auf Zypern und der westlichen Türkei. Die Art wurde in Neuseeland eingebürgert.[1]
  • Mentha spicata L.subsp. glabrata (Lej. & Courtois) Lebeau (Syn.: Mentha viridis var. glabrata Lej. & Courtois): Diese Unterart ist auf der Baleareninsel Mallorca beheimatet und wurde in Deutschland eingebürgert.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Verwendung[Bearbeiten]

Die Grüne Minze ist eine der bekanntesten Minz-Arten überhaupt und Grundlage für zahlreiche industrielle Produkte, wie zum Beispiel Zahnpasten, Kaugummis (Spearmint) und Süßigkeiten. Die getrockneten Spitzen und Blätter werden medizinisch als Stimulanzien sowie als windtreibende und nervenstärkende Mittel angewendet. Die Grüne Minze enthält Carvone aus der Stoffgruppe der monocyclischen Monoterpene, die als Bestandteil von ätherischen Ölen genutzt werden.

Insbesondere in Nordafrika und Vorderasien, wo es zahlreiche Varianten der Grünen Minze gibt, hat sie eine wichtige Bedeutung in der Küche (→ Nanaminze). Meist wird sie zur Zubereitung von Tees, zum Würzen von Saucen, sowie als Garnierung gebraucht.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Xi-wen Li & Ian C.Hedge: Lamiaceae. Mentha. In: Wu Zheng-yi & Peter H.Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 17, Science Press u. a., Beijing u. a., ISBN 0-915279-24-X, Mentha spicata, S. 238 (Abschnitt Beschreibung, textgleich mit gedrucktem Werk, Online).
  •  I.C. Hedge: Labiatae. Mentha. In: S.I.Ali & M.Qaiser (Hrsg.): Flora of Pakistan. Volume 192, Mentha spicata, S. 264 (Abschnitt Beschreibung, textgleich mit gedrucktem Werk, Online).
  • Jelitto, Schacht, Simon: Die Freiland – Schmuckstauden, Bd. 2, S. 612, Ulmer, 2002, ISBN 3-8001-3265-6.
  • Erich Götz: Pflanzen bestimmen mit dem Computer, 2001, ISBN 3-8252-8168-X.
  • Avril Rodway: Kräuter und Gewürze. Die nützlichsten Pflanzen der Natur – Kultur und Verwendung. Tessloff Verlag, Hamburg 1980, ISBN 3-7886-9910-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d GRIN Taxonomy for Plants. Taxon: Mentha spicata (L.) Huds. In: Germplasm Resources Information Network. United States Department of Agriculture – Agricultural Research Service, Beltsville Area, abgerufen am 24. September 2011 (englisch).
  2. World Checklist of selected Plant Families. Mentha spicata L. Kew Royal Botanic Gardens, abgerufen am 24. September 2011 (englisch, Verbreitung).
  3. a b c Details for: Mentha spicata L. In: The Euro+Med Plantbase Project. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin-Dahlem, 24. Juli 2010, abgerufen am 22. September 2011 (englisch).
  4. Grüne Minze. In: FloraWeb.de. letzter Zugriff 24. September 2011
  5. a b c  Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3. verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9, S. 800.
  6.  Carl von Linné: Species Plantarum. 1 Auflage. 2. Band, Stockholm 1753, S. 576 (Mentha spicata, eingescannt bei Biodiversity Heritage Library).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Grüne Minze – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien