Graal-Müritz

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Graal-Müritz
Graal-Müritz
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Graal-Müritz hervorgehoben
54.2512.255Koordinaten: 54° 15′ N, 12° 15′ O
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Rostock
Höhe: 5 m ü. NHN
Fläche: 8,34 km²
Einwohner: 4184 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 502 Einwohner je km²
Postleitzahl: 18181
Vorwahl: 038206
Kfz-Kennzeichen: LRO, BÜZ, DBR, GÜ, ROS, TET
Gemeindeschlüssel: 13 0 72 036
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Ribnitzer Straße 21
18181 Graal-Müritz
Webpräsenz: www.graal-mueritz.de
Bürgermeister: Frank Giese
Lage der Gemeinde Graal-Müritz im Landkreis Rostock
Rostock Schwerin Landkreis Mecklenburgische Seenplatte Landkreis Vorpommern-Rügen Landkreis Nordwestmecklenburg Landkreis Nordwestmecklenburg Landkreis Ludwigslust-Parchim Admannshagen-Bargeshagen Bartenshagen-Parkentin Börgerende-Rethwisch Hohenfelde (Mecklenburg) Nienhagen (Landkreis Rostock) Reddelich Retschow Steffenshagen Wittenbeck Baumgarten (Warnow) Bernitt Bützow Dreetz (Mecklenburg) Jürgenshagen Klein Belitz Penzin Rühn Steinhagen (Mecklenburg) Tarnow (Mecklenburg) Warnow (bei Bützow) Zepelin Broderstorf Klein Kussewitz Blankenhagen Poppendorf (Mecklenburg) Roggentin (bei Rostock) Broderstorf Thulendorf Altkalen Behren-Lübchin Boddin Finkenthal Gnoien Lühburg Walkendorf Behren-Lübchin Glasewitz Groß Schwiesow Gülzow-Prüzen Gutow Klein Upahl Kuhs Lohmen (Mecklenburg) Lüssow (Mecklenburg) Mistorf Mühl Rosin Plaaz Reimershagen Sarmstorf Diekhof Dolgen am See Hohen Sprenz Laage Wardow Dobbin-Linstow Hoppenrade Krakow am See Kuchelmiß Lalendorf Lalendorf Alt Sührkow Dahmen Dalkendorf Groß Roge Groß Wokern Groß Wüstenfelde Hohen Demzin Jördenstorf Lelkendorf Prebberede Schorssow Schwasdorf Sukow-Levitzow Thürkow Warnkenhagen Alt Bukow Am Salzhaff Bastorf Bastorf Biendorf (Mecklenburg) Carinerland Kirch Mulsow Rerik Bentwisch Blankenhagen Gelbensande Mönchhagen Rövershagen Benitz Bröbberow Kassow Rukieten Schwaan Vorbeck Wiendorf (Mecklenburg) Cammin (bei Rostock) Gnewitz Grammow Nustrow Selpin Stubbendorf (bei Tessin) Tessin (bei Rostock) Thelkow Zarnewanz Elmenhorst/Lichtenhagen Kritzmow Lambrechtshagen Papendorf (Warnow) Pölchow Stäbelow Ziesendorf Bad Doberan Dummerstorf Graal-Müritz Güstrow Kröpelin Kühlungsborn Neubukow Sanitz Satow TeterowKarte
Über dieses Bild

Das Seeheilbad Graal-Müritz ist eine amtsfreie Gemeinde im Landkreis Rostock in Mecklenburg-Vorpommern. Der nordöstlich der Stadt Rostock gelegene Ort dehnt sich über eine Länge von vier Kilometer entlang der Ostseeküste aus.

Geografie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Graal-Müritz liegt etwa mittig zwischen der Hansestadt Rostock und der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Graal-Müritz grenzt im Norden an die Mecklenburger Bucht der südwestlichen Ostsee und ist landwärts von dem Waldgebiet „Rostocker Heide“ umgeben. Im Osten befindet sich das Naturschutzgebiet Ribnitzer Großes Moor.

Die amtsfreie Gemeinde Seeheilbad Graal-Müritz liegt im, die Hansestadt Rostock umschließenden, Landkreis Rostock. Das Gemeindegebiet grenzt im Westen an die kreisfreie Hansestadt Rostock, im Osten an den Landkreis Vorpommern-Rügen (Amt Ribnitz-Damgarten) sowie im Süden an das Amt Rostocker Heide (insbesondere die Orte Gelbensande und Rövershagen).

Geschichte[Bearbeiten]

Graal und Müritz[Bearbeiten]

Entstehung der beiden Ortsteile
Statue von Klara von Assisi, Gründerin des Klarissenklosters, am Buswendeplatz in Müritz

Graal und Müritz waren bis 1938 zwei getrennte Orte. Der ältere östliche Gemeindeteil Müritz wurde erstmals 1328 urkundlich erwähnt. Er befindet sich hinter dem heutigen Kindersanatorium Tannenhof. Der Name des Ortes stammt von der wendischen Bezeichnung muryz (= am Meer gelegener Ort) ab, der Bezeichnung für das Stück Land in der Rostocker Heide, das Fürst Heinrich der Löwe dem Kloster St. Claren in Ribnitz 1328 schenkte. Die Urkunde vom 13. Dezember 1328 beschreibt neben vier Hufen Wald auch die Erlaubnis, einen Hof anzulegen. Nachdem die Schenkung vom Papst bestätigt wurde, informierte Bischof Brunward von Schwerin in einer weiteren Urkunde vom 31. Dezember 1330 das Kloster über die Schenkung. Die Leitung des Klosterhofs übernahm bis 1450 ein Meier, danach ein Hofmeister. Er verwaltete vier Knechte, drei Mägde, einen Kuhhirt, einen Gänsehirt sowie einen Schweinewirt. Als Bezahlung für seine Arbeit erhielt er pro Jahr u. a. acht Reichstaler, je zwei Kühe und Schweine sowie einige Scheffel Korn und Ballen Leinwand. Er war, wie auch die Mägde und Knechte auf Lebenszeit angestellt. Die Haupteinnahmequelle des Hofes war die Rinderzucht sowie die Pflege kranker Tiere. Durch diese Wirtschaftskraft war es möglich, am 29. November 1352 vom Ritter Johannes von Plessen drei weitere Hufen Land abzukaufen. Damit konnte auf dem Gelände bis zum grothen Strom, dem heutigen Stromgraben, ein zweiter Hof gegründet werden.[2] Ab 1352 erweiterten die Nonnen des Klosters St. Claren den Hof Müritz, um den sich später eine Ortschaft bildete.

Strittig ist, ob sich in Müritz zu dieser Zeit ein schlossähnliches Bauwerk befunden haben soll. 1967 suchte der Verein für Heimatgeschichte in der Nähe des Seedeichs und stieß in rund 30 bis 40 Zentimetern Tiefe auf einen festen Untergrund sowie einige Tonscherben. Der Graal-Müritzer Claus Witt war der Auffassung, dass es sich dabei um die Überreste eines dänischen Schlosses handelte, in denen Adelige ihre unehelichen Kinder entbanden. Der Heimatforscher Werner Timm hielt dies hingegen für eine Legende.

Die Ursprünge des westlichen Gemeindeteils Graal liegen in einem Hof von 1525 (später fürstlicher Meierhof), um den sich die Ortschaft bildete. Der Name leitet sich vermutlich vom slawischen Lokator Gral, also Ort des Gral ab.[3] Erstmals schriftlich belegt ist der Ort Graal 1567 in den Zollakten der nahegelegenen Hansestadt Rostock.

Beide Orte lebten hauptsächlich vom Fischfang und von der Kleinlandwirtschaft (Büdnerei). Im Zuge der Reformation wurden die Klöster im Land 1549 säkularisiert und die beiden Meierhöfe gingen 1569 in den Besitz des Herrscherhauses in Mecklenburg über. Einzig das Ribnitzer Kloster widersetzte sich bis zum Tod der letzten Äbtissin Ursula dieser Veränderung. Unter Herzog Christian Ludwig wurde das Land aus dem Graaler Hof am 21. Oktober 1752 in Parzellen aufgeteilt. 1753 wurde für Graal die erste Ortssatzung für die zehn Büdnereien erlassen. 1806 wurden beide Orte von den napoleonischen Truppen besetzt, welche 1811 mit dem Versprechen materieller Hilfen nach ihrer Rückkehr auch sechs Einheimische für die französische Marine werben konnten. Sie erhielten für ihre Dienste westlich des Müritzer Meierhofes je eine Parzelle. Der Hof des Erbpächters in Müritz wurde hingegen von den Truppen verwüstet. Er erhielt als Entschädigung die siebte Parzelle.[2] 1815 entstanden die ersten Häuser in der Langen Reihe I bis XII sowie die Büdnereien XIII bis XIX. 1816 wird Müritz zum Dorf. Zwei Jahre später siedelten sich fünf weitere Gehöfte auf dem Gebiet der heutigen Strandstraße an.

Entwicklung des Bade- und Kurbetriebs
Gedenkstein für Friedrich Bunge hinter der Lukaskirche

Ab 1819/20 treffen die ersten Badegäste ein. Sie wurden vom Oberforstmeister Philipp von Stenglin aus Gelbensande auf Müritz aufmerksam gemacht. Der Badebetrieb nimmt bis etwa 1860 einen stetigen Aufschwung. 1840 werden die beiden Badeorte erstmals in schriftlichen Veröffentlichungen erwähnt, Müritz 1851 erstmals als Seebad.[2] Eine schwere Sturmflut führte 1872 zu erheblichen Schäden an der Küste. 1873 errichtet Joachim Witt die erste Badeanstalt in Müritz. In dieser Zeit warb der Pastor Friedrich Bunge für den Badeort. Er wollte in Müritz eine Kapelle errichten lassen und wandte sich an den Großherzog Friedrich Franz II. Nach einer Intervention aus Ribnitz, welche die neue Konkurrenz fürchtete, wurde das Projekt jedoch abgelehnt. Dennoch warb Bunge für Müritz als Badeort, um somit mehr potenzielle Kirchgänger in den Ort zu locken. 1875 wurde ihm diese Tätigkeit untersagt und er verließ enttäuscht die Gemeinde. Ein Gedenkstein hinter der Lukaskirche erinnert an sein Leben und Arbeiten.

Nachdem 1877 Carl von Mettenheimer, damaliger Landesmedizinalrat und Leibarzt des mecklenburgischen Großherzogs, die bioklimatischen Vorzüge von Wald, Moor und Ostsee an diesem Küstenabschnitt hervorhob, nahm der Bade- und Kurbetrieb erheblichen Aufschwung. Am 1. Juli 1880 öffnete das erste Hotel namens „Anastasia“ in Müritz. Beide Orte entwickelten sich in zu beliebten Familienbädern an der mecklenburgischen Küste. Bereits vier Jahre später zählte man 470 Gäste, 1890 über 1000. Zu ihnen zählten unter anderem Franz Kafka (welcher hier 1923 Dora Diamant kennenlernte), Erich Kästner und Lyonel Feininger. Westlich des alten Ortskerns entstand in Graal ein rechtwinklig angeordnetes Straßennetz mit großen Hotels an der Kaiser-Wilhelm-Straße (heute Parkstraße).[2]

Weitere Punkte in der Ortsgeschichte aus dieser Zeit sind die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr (1876), die Eröffnung der ersten Schule (1903), der Bau der Chaussee nach Hinrichshagen sowie der Bau von Seebrücken in beiden Orten (1905). Die heutige Lukaskirche wurde 1908 im Beisein des Großherzogs Friedrich Franz IV. von Mecklenburg-Schwerin samt Gattin Alexandra eingeweiht. Die Lukaskirche entstand nach Entwürfen des Geheimen Hobaurates Gotthilf Ludwig Möckel, welcher ebenfalls das in der unmittelbaren Nachbarschaft gelegene Jagdschloss Gelbensande gestaltete. Die heute noch existierende Strandpromenade zwischen beiden Ortsteilen wurde 1909 errichtet. Auch die technische Entwicklung macht nicht vor dem Ort halt. Nach einem Wasserwerk und -turm (1913) wurde der Ort von 1921 mit elektrischem Strom versorgt.

In 1920ern eröffnen zahlreiche Erholungsheime aufgrund des natürlichen Heilklimas. Der Kurbetrieb stellt auch heute noch, zusammen mit dem regulären Tourismus, den wichtigsten Wirtschaftszweig von Graal-Müritz dar. 1929 eröffnete die erste Jugendherberge im Ort.

Graal-Müritz[Bearbeiten]

1938–1990
Strandkörbe am Strand von Graal-Müritz (1987)

1938 entstand Graal-Müritz per Dekret durch den Zusammenschluss der beiden Ortschaften Graal und Müritz. Schwerer Seegang und starke Eisbildung verursachten 1941 die Zerstörung der beiden Seebrücken sowie der Strandpromenade. Erst 1992 wurde wieder eine neue Seebrücke im Ort errichtet. Das Universitätsklinikum Rostock verlagerte während der Bombenangriffe auf Rostock von 1942 die Universitätskinderklinik nach Graal-Müritz. Nachdem am 2. Mai 1945 Graal-Müritz kampflos von der Roten Armee eingenommen worden waren, kamen erst ab 1947 wieder die ersten Urlaubsgäste hierher, ab nun vorwiegend durch sozialistische Gewerkschaften oder volkseigene Betriebe. Im Februar 1953 wurden einige Hotelbesitzer im Zuge der Aktion Rose verstaatlicht.

Von 1955 bis 1960 wurde der Rhododendronpark Graal-Müritz vom Rostocker Gartenarchitekt Friedrich-Karl Evert angelegt. 1956 wurde ein Zeltplatz mit über 4000 Plätzen errichtet. Seit 1960 ist der Ort staatlich anerkanntes Seeheilbad. Die bauliche Substanz des Ortes, insbesondere die historisch bedeutsamen Bauten im Stil der norddeutschen Bäderarchitektur, litt während der DDR-Zeit zunehmend an mangelnder Pflege und Reparatur.

Graal-Müritz heute

Mit der politischen Wende von 1989/90 folgten im Rahmen der Städtebauförderung umfangreiche Erneuerungs- und Sanierungsanstrengungen, wodurch viel an historischer Substanz gerettet werden konnte.[4] Seit 1993 ziert den Ort zum ersten Mal seit 1941 wieder eine Seebrücke. Der Urlauberbetrieb nimmt regen Aufschwung und der Ort entwickelt sich auch mehr und mehr zum beliebten Wohnort im Rostocker Umland. So wurden 2002 erstmals wieder mehr als 4000 Einwohner gezählt. Neben zahlreichen Pensions- und Hotelneubauten bekam der Ort ein „Haus des Gastes“ sowie ein Wasser- und Sportzentrum namens „Aquadrom“. Ab 2005 wurde auch der 4,5 ha große Rhododendronpark Stück für Stück saniert.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Datum Einwohner
1. Januar 1939 1.466
1. Januar 1971 3.262
31. Dezember 1981 4.156
3. Oktober 1990 4.064
31. Dezember 1998 3.794
31. Dezember 2003 4.173
31. Dezember 2005 4.235

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung und Bürgermeister[Bearbeiten]

Rathaus Graal Müritz

Seit der Gemeinderatswahl am 7. Juni 2009 sind die Sitze in der Gemeindevertretung folgendermaßen verteilt[5]:

Sitzverteilung in der Gemeindevertretung
Sitze
CDU 3
Die Linke 4
SPD 2
Wirtschaftliche Vereinigung Graal-Müritz 2
FDP 1
Gesundheit und Wohnen 1
Bürger für Graal-Müritz 1
Stiftung Graal-Müritz 1
Gesamt 15

Bürgermeister ist Frank Giese.

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

FIAV 100000.svg Flagge mit dem Wappen der Gemeinde Graal-Müritz

Das Wappen wurde auf der Stadtverordnetensitzung am 10. Juli 1955 angenommen und unter der Nr. 30 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert. Das Wappen wurde von dem Graal-Müritzer Walter Gutknecht gestaltet. Blasonierung: „Gespalten; vorn in Blau einen senkrecht stehenden, nach außen gekehrten, silbernen Fisch, hinten in Gold ein grünes aufrecht stehendes Eichenblatt.“

Die Flagge der Gemeinde Ostseeheilbad Graal-Müritz zeigt in fünf Längsstreifen die Farben Silber (Weiß), Blau, Gold (Gelb), Grün und Silber (Weiß). Die beiden äußeren Streifen nehmen je ein Drittel, die mittleren Streifen je ein Neuntel der Flaggenhöhe ein. Auf der Mitte des Flaggentuches liegt, jeweils auf die halbe Höhe der silbernen (weißen) Streifen übergreifend, das Gemeindewappen. Die Länge des Flaggentuchs verhält sich zur Höhe wie 5:3.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Es besteht eine Partnerschaft mit der schleswig-holsteinischen Gemeinde Barsbüttel.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke und Denkmale[Bearbeiten]

Siehe auch Liste der Baudenkmale in Graal-Müritz

350 m lange Seebrücke und Strand

Der Architektur des Ortes wird – wie in vielen anderen Kur- und Badeorten der mecklenburgischen Ostseeküste – durch zahlreiche Bauten im Stil der norddeutschen Bäderarchitektur geprägt.

Die Seebrücke ist 350 m lang, 3 m breit und verfügt am Ende über einen Brückenkopf mit einer Breite von 12,5 m. An dieser Stelle beträgt die Wassertiefe durchschnittlich 4,2 m. Die Gründungspfähle bestehen aus 2,5 cm dickem Stahl ST 52 mit einer Länge von 11 bis 17 m bei einem Durchmesser von 76,2 cm. Als Holzüberbau wurde Lärchenholz verwendet, die Anlegedalben bestehen aus Eichenholz. Die Brücke wurde von Oktober 1992 bis März 1993 mit Mitteln aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ sowie mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung von der Gemeinde und Kurverwaltung Graal-Müritz nach einem Entwurf von b & o Ingenieure aus Hamburg errichtet. Von April bis Oktober werden von der Seebrücke aus Ostsee-Kreuzfahrten nach Warnemünde und zum Darß angeboten.

Zuvor bestanden bereits mehrere Seebrücken, die meist von Sturmfluten oder schwerem Eisgang zerstört wurden. So errichtete der Besitzer des ersten Hotels („Anastasia“) am Ort in Graal-Müritz bereits 1882 eine Landungsbrücke, um seinen Gästen Dampferverbindungen nach Warnemünde anzubieten. Ein Jahr später wurde diese Brücke im November 1883 durch eine Sturmflut zerstört, wie auch die daraufhin erneuerte Brücke. Sie wurde im Winter 1890/1891 so stark beschädigt, dass auch sie abgerissen werden musste. In der Nähe des Stromgrabens wurde 1905 eine 320 Meter lange Seelandungsbrücke von einem Privatmann finanziert. Fünf Jahre später errichtete der Baumeister Thiel, der auch für den Wasserturm der Gemeinde verantwortlich zeichnete, eine weitere, 225 Meter lange Brücke. Beide wurden in einer Sylvester-Sturmflut 1913 zerstört. Die neuerlichen Aufbauten hielten bis 1940/1941, als schwerer Eisgang wiederum starke Beschädigungen an den Brücken hervorrief, die zum Abriss führten. Ein weiterer, kurzer Steg wurde von der Roten Armee abgerissen, da man Fluchtversuche von Urlaubern über die Ostsee fürchtete.[6]

Das Heimatmuseum verfügt über eine Dauerausstellung mit dem Titel „Vom Fischerdorf zum Seeheilbad“. Der erste Zeitraum beschreibt die Gründerzeit von 1328 bis 1880, der zweite die Zeit der Gemeinde im Dritten Reich. Der letzte Abschnitt befasst sich mit der Entwicklung von Graal-Müritz seit 1945. Weiterhin ist eine Galerie des Malers Joachim Weyrich zu sehen.[7] Daneben gibt es eine Galerieholländer-Windmühle, die 1852 erbaut wurde und seit den 1960er Jahren als Wohnhaus fungiert.[8]

Die Lukaskirche ist nach dem Heiligen Lukas benannt. Sie wurde im Stile der Neuromanik erbaut und am 18. Oktober 1908 im Beisein des Großherzogs Friedrich Franz IV. von Mecklenburg-Schwerin samt Gattin Alexandra geweiht. Die St.-Ursula-Kirche ist nach Ursula, die neunte und letzte Äbtissin des Klarissenklosters in Ribnitz benannt. Die Filialkirche gehört zusammen mit der Kirche St. Paulus in Marlow und der Pfarrkirche Maria-Hilfe der Christen St. Klara in Ribnitz-Damgarten zur Katholischen Kirche Ribnitz. Sie gehört zu einer gleichnamigen Familienferienstätte. Die Inneneinrichtung wurde vom Berliner Bildhauer Paul Brandenburg, die Bleiglasfenster vom Nettetaler Künstler Johannes Beeck entworfen.

Auf dem Gelände der Rehaklinik befindet sich seit 1951 ein Gedenkstein für Richard Aßmann, der während der Köpenicker Blutwoche 1933 von SA-Männern ermordet wurde. Seit 1978 erinnert an ihn auch eine Büste, die vom Bildhauer Wolfgang Eckardt geschaffen wurde.

Porträtbüste von Richard Aßmann

In der Straße Am Wasserturm befindet sich ein 1913 fertiggestellter, 32 Meter hoher Wasserturm. Baumeister war Wilhelm Piehl, dem später die Ehrenbürgerschaft der Gemeinde verliehen wurde. Der Turm versorgte die Gemeinde bis 1988 mit Trinkwasser und fasste rund 150 m³. Seit 2005 befindet er sich in Privatbesitz.[9]

Natur[Bearbeiten]

Der 4,5 ha große Rhododendronpark Graal-Müritz befindet sich im Westen des Ortes.

Graal-Müritz ist als Seeheilbad ein klassischer Bade- und Kurort. Der Ort verfügt über einen 4 km langen, natürlichen Sandstrand entlang der südwestlichen Ostseeküste und ist umgeben vom Waldgebiet „Rostocker Heide“. Das Gemisch aus See- und Waldluft erzeugt ein natürliches Heilklima, wodurch sich neben zahlreichen Hotels und Pensionen auch mehrere Kurkliniken etabliert haben.

Im Osten grenzt Graal-Müritz an das Naturschutzgebiet Ribnitzer Großes Moor, in dem auf einem Naturlehrpfad naturkundliche Führungen angeboten werden.

Der Rhododendronpark Graal-Müritz ist mit seine 4,5 ha Größe und etwa 2.500 Stauden einzigartig in Mecklenburg-Vorpommern und einer der größten seiner Art in Deutschland.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Auf einer Open-Air-Bühne am Vorplatz der Seebrücke, im Konzertpavillon des Rhododendronparks sowie in einer Strandmuschel finden regelmäßig musikalische Veranstaltungen statt.

Die Veranstaltungshöhepunkte des Jahres[10] sind:

  • Neujahrsfeuer an der Seebrücke (1. Januar)
  • Kunsthandwerkermarkt zum Frühlingsanfang (März)
  • Osterfeuer an der Seebrücke (März/April)
  • Rhododendronparkfest im Rhododendronpark (Mai)
  • Mittsommernachtsfest (Juni)
  • Seebrückenfest mit Feuerwerk(Juli)
  • Sommerfest mit Sommerparty (August)
  • Fest der Moorgeister (September)
  • Schneckenlauf (November), jeder Teilnehmer des Laufs erhält am Ziel eine Streuselschnecke, die von den Bäckern des Ortes gesponsert werden
  • Weihnachtsmarkt (Dezember)

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Solarbetriebene DLRG-Wasserrettungsstation

Die Wirtschaft von Graal-Müritz ist von kleinen und mittelständischen Unternehmen aus Handwerk und Tourismus geprägt. Daneben sind vor allem mehrere Reha-Kliniken, Hotels und zahlreiche Pensionen von ökonomischer Bedeutung. Im Bereich Tourismus hat sich der Kurort vor allem auf Aktivurlaub und Gesundheitsangebote spezialisiert.

Reha-Klinik-Gebäude

Verkehr[Bearbeiten]

Regionalzug auf der Strecke Rostock–Graal-Müritz

Mit dem Auto aus Richtung Hamburg (A 20) bzw. Berlin (A 19) ist Graal-Müritz über die Ausfahrt Rostock per Landstraße 22 erreichbar. Aus Richtung Osten bzw. Ribnitz-Damgarten/Stralsund ist Graal-Müritz ebenso über die L 22 erreichbar.

Per Bahn ist Graal-Müritz von Rostock Hauptbahnhof aus direkt per Eisenbahn erreichbar. Aus Richtung Stralsund muss in Rövershagen umgestiegen werden.

Der nächstgelegene Flughafen ist Rostock-Laage.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

  • Grundschule
  • Förderschule
  • Greenhouse School, Integrierte Ganztags- und Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe in gemeinnütziger, privater Trägerschaft[11]

Kirchen[Bearbeiten]

Die Lukaskirche in Graal-Müritz.

Traditionell gehören die meisten Christen der Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburgs an.

  • Hauptkirche in Graal-Müritz ist die evangelisch-lutherische Lukaskirche. Sie wurde von Hofbaurat Gotthilf Ludwig Möckel ab 1905 im Auftrag des mecklenburgischen Großherzogs im neuromanischen Stil entworfen und am 18. Oktober 1908 geweiht. Die Gemeinde gehört zum Kirchenkreis Rostock.
  • Die Katholische Kirche St. Ursula befindet sich auf dem Gelände der Katholischen Familienferienstätte St. Ursula und gehört mit Ribnitz-Damgarten und Marlow zur Pfarrgemeinde Maria Hilfe der Christen des Erzbistums Hamburg.

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

  • Sportplatz des TSV Graal-Müritz
  • Erlebnisschwimmbad „Aquadrom“ mit diversen zusätzlichen Kur-, Gesundheits- und Sportmöglichkeiten
  • Jugendhaus am Sportplatz

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Personen mit Bezug zum Ort[Bearbeiten]

  • Wilhelm Arnold, Maler, verbrachte von 1930 bis 1936 den Sommer in Graal im Haus „Daheim“
  • Herbert Bartholomäus, (* 1910; † 1973), Maler, Grafiker und Illustrator. Er schuf beispielsweise im Auftrag des Assmann-Sanatoriums Zeichnungen einzelner Gebäude, wie beispielsweise des Rhododendronparks.
  • Paul Brandenburg, (* 1930), Bildhauer; gestaltete den Innenraum der katholischen Kirche St. Ursula
  • Severa Dennstedt, (* 1893; † 1971), Malerin und Schriftstellerin
  • Johanne Engel (* 1875; † 1960), Bildhauerin, lebte im heute denkmalgeschützten Haus „Min Hüsing“
  • Lyonel Feininger (* 1871; † 1956), Grafiker, Maler und Karikaturist, kam 1905 nach der Trennung von seiner ersten Frau Clara mit seiner zweiten Frau, Julia Berg (geb. Lilienthal), nach Graal-Müritz. Aus der Zeit sind lediglich zwei Fotos erhalten geblieben.
  • Hans Vollrath Kirsch, (* 1886; † 1953), Schriftsteller, Dichter und Heimatkundler. Er wurde in der Zeit des Nationalsozialismus mehrfach verhaftet und in das KZ Sachsenhausen verbracht.
  • Heino Kleiminger, ehemaliger Fußballnationalspieler (DDR) und Fußballtrainer des TSV Graal-Müritz
  • René Graetz, (* 1908; † 1974 in Graal-Müritz), Bildhauer, Grafiker und Maler
  • Franz Kafka (* 1883; † 1924) lernte im Juli 1923 in Graal-Müritz Dora Diamant (* 1898; † 1952) kennen
  • Carl Malchin, (* 1838; † 1923), Restaurator und Landschaftsmaler; von ihm stammen unter anderem die Werke „Torfbrücke“ (1901) und „Teerofen bei Müritz“ (1906).
  • Carl von Mettenheimer (* 1824 in Frankfurt (Main), † 1898 in Schwerin), deutscher Mediziner, Naturwissenschaftler und Komponist. Er eröffnete 1884 in Graal-Müritz das erste Kinderkrankenhaus an der Ostsee
  • Karl Lorenz Rettich (* 1841; † 1904), Maler, lebte von 1897 bis zu seinem Tod im Sommer in Graal-Müritz in der „Villa Antonie“
  • Paul Schreiber, (* 1873; † 1921), Maler, gestaltete nach Vorgaben Möckels die evangelische Kirche. Er lebte im Haus „Daheim“, welches er 1919 verkaufen musste.
  • Franz Schreker, (* 1878; † 1934), Komponist, verbrachte den Sommer 1923 in Graal und komponierte hier Teile seiner Oper "Irrelohe".
  • Gerhard Torner, (* 1935), Bildhauer, der heute in Klein-Müritz bei Ribnitz-Damgarten lebt.
  • Mathias Löttge (*1958), Mitglied des Landtages Mecklenburg-Vorpommern 2006 bis 2011 und Bürgermeister im Seeheilbad Graal-Müritz und in der Stadt Barth von 1994 bis 2006, lebt heute in Born auf dem Darß.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2012 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b c d Joachim Puttkamer: Ostseeheilbad Graal-Müritz. Perle am Meer. 2005.
  3. Paul Kühnel: Die slavischen Ortsnamen in Meklenburg. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 46, 1881, ISSN 0259-7772, S. 3–168, hier S. 55.
  4. Tourismus- und Kur GmbH Graal-Müritz (Hrsg.): Ostseeheilbad Graal-Müritz von A bis Z. 2006, sowie Gastgeberverzeichnis Graal-Müritz. 2006, http://www.graal-mueritz.de/aktivitaeten-vor-ort.php
  5. Gemeinde Graal-Müritz, Bürgermeister und Gemeindevertretung
  6. Uwe Gerig (Hrsg.): Graal-Müritz. 1994 S. 6.
  7. Tourismus und Kur GmbH: Graal-Müritz: Das Ostseeheilbad mit Tradition, A–Z. 2012–2013, S. 11.
  8. Tourismus und Kur GmbH: Gastgeberverzeichnis. 2012, S. 13.
  9. Tourismus und Kur GmbH: Gastgeberverzeichnis. 2012, S. 15.
  10. Jährliche Veranstaltungshöhepunkte
  11. Greenhouse-School Graal-Müritz

Literatur[Bearbeiten]

  •  Uwe Gerig (Hrsg.): Graal-Müritz. Ruth Gerig, Königstein/Ts 1994, ISBN 3-928275-36-4, S. 48.
  •  Dorothea Puttkammer, Joachim Puttkamer: Ostseeheilbad Graal-Müritz. Perle am Meer. Geiger, Horb am Neckar 2005, ISBN 3-86595-005-1, S. 96.
  •  Joachim Puttkamer: Bildende Künstler in Graal-Müritz. 1. Auflage Auflage. Klaschmohn Verlag GmbH & Co. KG, Bentwisch/Rostock 2003, ISBN 3-933574-28-5, S. 52.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Graal-Müritz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Graal-Müritz – Reiseführer