Grabkammer

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Dieser Artikel erläutert die Grabkammer als Bestattungsort; zum gleichnamigen Roman von Tess Gerritsen siehe Grabkammer (Roman).

Eine Grabkammer ist ein Bestattungsort für einen oder mehrere Tote. Familiengrabkammern werden auch Gruft genannt. Grabkammern kommen in den meisten Kulturen in eher sozial höher stehenden Schichten vor. Sie sind typisch für Kulturen, die an ein Leben nach dem Tode glaubten und die den Toten reich mit Beigaben ausstatteten.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Als älteste Grabkammern sind die Felsengräber und megalithischen Kammern der Jungsteinzeit (Dolmen etc.) anzusehen, denen bronzezeitliche folgten.

Formen der Grabkammer[Bearbeiten]

Lykische Grabkammer (Felsengrab) in Kaş

An Formen sind grob zu unterscheiden:

Katakombe[Bearbeiten]

In Katakomben werden Grabkammern in Anlehnung an das meist sehr schlicht mit einer Liege ausgestattete Schlafzimmer eines altrömischen Hauses als Cubiculum bezeichnet. Katakomben wurden seit Beginn des 3. Jahrhunderts angelegt.[1]

Kulturkreise[Bearbeiten]

Altes Ägypten[Bearbeiten]

Grabkammer der Unas-Pyramide

Seit der Naqada-Kultur (ca. 3500 v. Chr.) werden die Toten im Alten Ägypten nicht nur im Boden begraben, sondern bei hochstehenden Personen auch in Kammern beigesetzt.[2] Diese waren meist Gruben in der Erde, die mit Lehm verputzt wurden. Das Dach bestand aus Holzbalken. Ab der 2. Dynastie werden Grabkammern in den Fels gehauen und sind über einen Schacht oder eine Treppe erreichbar.[3] Grabkammern sind im Alten Ägypten noch selten dekoriert. Die Dekoration befand sich meist in den Kulträumen oberhalb der Grabkammern. Ausnahmen sind die Pyramiden am Ende des Alten Reiches, die mit Texten versehen sind und einige Grabkammern hoher Beamter dieser Zeit, die lange Listen von Opfergaben zeigen. Im Neuen Reich (ca. 1500 – 1100 v. Chr.) sind Grabkammern von Königinnen und Königen ausgemalt, diejenigen von Beamten bleiben mit wenigen Ausnahmen undekoriert.

In einer Pyramide ist die Grabkammer der Ort, an dem die Toten bestattet wurden. Es fanden sich oft mehrere Kammern in einer Pyramide, die jedoch nicht alle belegt waren. In manchen Pyramiden gab es sogar drei Grabkammern, die jeweils in eine andere Himmelsrichtung ausgerichtet waren. Zentral stand in der Grabkammer der Sarkophag. Die Zugänge zu den Grabkammern verlaufen meist in einem steilen Winkel nach oben oder auch nach unten, auf ein Niveau unterhalb der Pyramide. Es gibt aber auch Gänge parallel zum Boden. Viele Grabstätten waren meist labyrinthartig angelegt und mit vielen Fallen versehen, um Grabräuber fernzuhalten oder abzuschrecken. Die Schätze oder auch Grabbeigaben wurden, um den Toten auf seinem Weg im Totenreich vorzubereiten, in einer Vorkammer aufbewahrt. Die Gänge zu den Grabkammern wurden meist durch schwere Granitblöcke gesichert.[4]

Weitaus mehr Grabkammern befinden sich aber im Tal der Könige und im Tal der Königinnen bei Theben-West am Nil. Die Zugänge, Nebenräume und Grabkammern selbst sind oft mit Ausschnitten aus dem ägyptischen Totenbuch verziert.[5]

Etrusker[Bearbeiten]

Tomba dei Leopardi

Von den antiken Völkern trieben die Etrusker den aufwendigsten Totenkult. Dementsprechend waren hier Bestattungen in Grabkammern weit verbreitet, wobei Mehrfachbestattungen anscheinend die Regel waren. Die Grabkammern waren also für eine gewisse Zeit zugänglich. Besonders aufwendige Grabkammern sind reich mit Malereien dekoriert worden, viele Gräber wie zum Beispiel das Tomba dei Leopardi fanden sich in den Nekropolen Monterozzi bei Tarquinia und Banditaccia bei Caere (Cerveteri).[6]

Mesopotamien[Bearbeiten]

In Mesopotamien wurde kein aufwendiger Totenkult betrieben. Erdbestattungen waren die Regel. Aus sumerischer Zeit gibt es die Königsgräber von Ur. Hier sind Könige und Königinnen in aus Ziegeln errichteten Grabkammern beigesetzt worden. In der Folgezeit scheinen Grabkammern fast ausschließlich bei Herrschern vorzukommen.[7] Bei den Parthern (ca. 250 v. Chr. - 224 n. Chr.[8]) sind Familiengrüfte bezeugt, die unterhalb der Fußböden, auf Kellerniveau in den Häuser errichtet wurden. Auch hier scheint diese Sitte auf ein sozial hohes Niveau beschränkt gewesen zu sein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dieter Arnold: Lexikon der ägyptischen Baukunst. Artemis & Winkler, Zürich 1997, ISBN 3760810993.
  • Der Brockhaus, Archäologie: Archäologie - Hochkulturen, Grabungsstätten, Funde. Brockhaus, Mannheim/ Leipzig 2009, ISBN 9783765333217.
  • Elmar Edel: Die Felsgräbernekropole der Qubbet el Hawa bei Assuan. Abteilung 1. / aus dem Nachlass verfasst und herausgegeben von Karl-J. Seyfried und Gerd Vieler Band 1: Architektur, Darstellungen, Texte, archäologischer Befund und Funde der Gräber QH 24 - QH 34p. Schöningh, Paderborn 2008, ISBN 978-3-506-76343-3.
  • Hans Kayser : Die Mastaba des Uhemka – Ein Grab in der Wüste. Fackelträger, Hannover 1964.
  • Nicholas Reeves, Richard H. Wilkinson: Das Tal der Könige. Weltbild, Augsburg 2000, ISBN 3828907393.
  • Alberto Siliotti: Tal der Könige: die berühmtesten Nekropolen der Welt. Müller, Köln 2004, ISBN 3-89893-560-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Brockhaus: Archäologie - Hochkulturen, Grabungsstätten, Funde. S. 326f. → Katakombe
  2. Siehe auch: Mitteilung des Deutschen Archäologischen Institutes Kairo Nr. 38 S. 219
  3. Dieter Arnold: Lexikon der ägyptischen Baukunst. S. 77-80 → Felsgrab, → Felsgrabbau
  4. Dieter Arnold: Lexikon der ägyptischen Baukunst. S. 199-202 → Pyramide
  5. Alberto Siliotti: Tal der Könige.
  6. Brockhaus: Archäologie - Hochkulturen, Grabungsstätten, Funde. S. 185-189 → etruskische Kultur
  7. Brockhaus: Archäologie - Hochkulturen, Grabungsstätten, Funde. S. 577-580 → sumerische Kultur, Kunst
  8. Brockhaus: Archäologie - Hochkulturen, Grabungsstätten, Funde,.S. 467 → parthische Kunst, Satz 1