Grace Jones

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Grace Jones (2007)

Grace Jones (* 19. Mai 1948 in Spanish Town bei Kingston, Jamaika, als Grace Mendoza) ist eine jamaikanische Sängerin, Model und Schauspielerin.

Sie ist bekannt für ihre extravagante Kleidung und ausgefallene Auftritte, in denen sie z. B. in Männerkleidung oder in Gorilla-Kostümen auftrat. Ihr perfekt gestyltes, androgynes und betont unterkühltes Image ist bedeutender Bestandteil der Bühnenperson Grace Jones. Durch ihr Spiel mit den Geschlechterrollen wurde sie im Umfeld des Studio 54 zu einem Idol der schwulen Gemeinschaft. Berüchtigt wurde sie für ihr Temperament. So griff sie den britischen Gastgeber Russell Harty in einer Fernsehsendung an, als dieser sich einem anderen Gast zuwandte.

Schule und Modelkarriere[Bearbeiten]

Grace Jones auf ihrer „Hurricane“ Tour 2009

Grace Jones ist die Tochter eines Predigers, der sie und ihren jüngeren Bruder in der Mitte der 1960er Jahre nach Syracuse (bei New York) brachte. Der Umzug verlief nicht ohne Schwierigkeiten. Der strengere Lebensstil in New York kollidierte mit dem eher lockeren von Jamaica, und Grace Jones wurde von ihren Lehrern als eher kompliziert eingestuft. An der Highschool war sie die einzige schwarze Frau und wollte zunächst Sprachlehrerin werden. Sie besuchte kurz eine Schauspielschule und wurde von einer Modelagentur entdeckt, war aber auch Schauspielerin in kleineren Rollen. Als Model arbeitete sie in den 1970er Jahren für Vogue oder Elle in Paris.[1]

Musikkarriere[Bearbeiten]

Grace Jones' Karrierebeginn ist mit der Geschichte des Studio 54 in New York verbunden. So begann sie auch in einer Discothek zu singen. Sie nahm drei Alben mit Musik auf, die stark von der Disco-Mode der 1970er Jahre geprägt war. In Zusammenarbeit mit dem Fotografen und ihrem zeitweiligen Lebensgefährten Jean-Paul Goude und den Produzenten Chris Blackwell und Alex Sadkin nahm sie jedoch Anfang der 1980er Jahre einen Imagewechsel vor. Sie orientierte sich auf ihren drei folgenden Alben musikalisch an New Wave und Reggae. Die Aufnahmen sind geprägt von einer Band, der als Rhythmus-Duo die jamaikanischen Musiker Sly Dunbar und Robbie Shakespeare angehörten, und vom oft unterkühlt wirkenden Sprechgesang Grace Jones'. Insbesondere das zweite dieser Alben, Nightclubbing, kam sowohl bei Kritik als auch Publikum sehr gut an und etablierte Grace Jones als international erfolgreichen Popstar. Später machte sie dem Zeitgeschmack folgend auch Hip-Hop-Dance-Musik. Ihr größter Hit war das von Trevor Horn produzierte Stück Slave to the Rhythm, das 1985 Platz 4 in den deutschen Single-Charts erreichte. Ab Mitte der 1980er Jahre ließ ihr kommerzieller Erfolg nach, wenngleich sie noch zwei weitere Platten veröffentlichte und weiterhin auftrat. Ab 1989 erschienen vorerst keine neue Aufnahmen von ihr; nach 19 Jahren veröffentlichte sie im November 2008 wieder ein neues Album mit dem Titel Hurricane.

Viele von Jones’ bekanntesten Stücken sind Coverversionen. So ist Nightclubbing ursprünglich ein Stück von Iggy Pop, geschrieben von ihm und David Bowie, Love Is the Drug ist ursprünglich von Roxy Music, Private Life von den Pretenders, Walking in the Rain von Flash and the Pan und Warm Leatherette von The Normal. Von Joy Division coverte sie She’s Lost Control. Eines ihrer bekanntesten Stücke aus der frühen Zeit ihrer Karriere ist La vie en rose, ursprünglich von Édith Piaf, das Grace Jones im Bossa Nova-Disco-Stil interpretierte. Ein typisches Merkmal dieses Vorgehens ist, dass sie diese Kompositionen einer oft radikalen Metamorphose unterzog, so dass diese in Verbindung mit dem Image von Grace Jones einen anderen Sinngehalt bekamen.

Grace Jones (2011)

Im Jahr 2008 machte im Internet das Gerücht eines neuen Albums die Runde. Gerüchte um zwei nicht veröffentlichte Alben hatte es aber bereits Mitte der 1990er Jahre gegeben. Im September 2008 bestätigte der Produzent Ivor Guest, dass Jones die Aufnahmen für ihr neues Album abgeschlossen hat. Nick Hooker führte beim Video zur ersten Singleauskopplung (Corporate Cannibal) dieses Albums Regie. Jones holte für dieses Album alte und neue Bekannte zusammen. Mit von der Partie sind unter anderem Sly and Robbie, Brian Eno, Bruce Woolley, Wally Badarou, Tricky, Wendy and Lisa, Uziah „Sticky“ Thompson, Mikey 'Mao' Chung, Barry Reynolds, John Justin, Martin Slattery, Philip Sheppard, Paulo Goude, Robert Logan, Don-E und Tony Allen. Am 7. November 2008, nach 19 Jahren Pause, erschien ihr neues Album Hurricane nun auch in Deutschland und schaffte den Sprung in die Top 20 der Albumcharts.

2009 kehrte Jones mit ihrer „Hurricane Tour“ wieder auf die Bühne zurück und war auch in Deutschland zu sehen. In Deutschland trat sie am 17. März 2009 im Tempodrom in Berlin und am 26. März 2009 in der Philipshalle in Düsseldorf auf.

Filmkarriere[Bearbeiten]

Zudem war Jones als Schauspielerin tätig; ihre bekannteste Rolle ist wohl die der an Gegenspieler Zorins Seite kämpfenden extravaganten May Day im James-Bond-Film Im Angesicht des Todes (1985). Weitere bekannte Filme, in denen sie mitwirkte, sind Conan der Zerstörer aus dem Jahr 1984 mit Arnold Schwarzenegger, Vamp 1986, in dem sie nicht nur die Hauptrolle des Vampirs Katrina spielt, sondern auch sich selbst zitiert, indem sie eine ihrer extravagant-erotischen Stage-Shows aufführt; 1987 sah man sie neben Dennis Hopper seine MG-bewaffnete Sekretärin in Straight to Hell spielen, zusammen mit vielen anderen Musikern, u. a. Elvis Costello; Siesta 1987 und Boomerang von 1992 mit Eddie Murphy. 2001 spielte sie einen Hybrid, halb Mann halb Frau, im Horrorfilm Wolfgirl. 2007 war Jones in einer Nebenrolle in der Falco-Biographie Falco – Verdammt, wir leben noch! zu sehen.

Filmografie[Bearbeiten]

Verschiedenes[Bearbeiten]

1978 wurde die Zeitschrift stern von Alice Schwarzer zusammen mit der Schauspielerin Inge Meysel und weiteren prominenten Frauen im Rahmen der sogenannten Sexismus-Klage wegen entwürdigender Frauendarstellung verklagt, nachdem ein Titelbild Grace Jones in Ketten dargestellt hatte.

Zu Beginn der 1980er Jahre hatte sie eine Beziehung mit Dolph Lundgren, dem sie zu einem Auftritt im Bond-Film Im Angesicht des Todes verhalf.

Im Heft Juli 1985 der deutschen Ausgabe des Playboy-Magazins war Grace Jones auf dem Titelblatt sowie im Rahmen einer Fotoserie unbekleidet zu sehen.

Im Rahmen des Diamond Jubilee Concert zu Ehren des 60. Thronjubiläums von Königin Elisabeth II. sang Grace Jones ihren Hit aus dem Jahre 1985, Slave to the Rhythm. Während der gesamten Dauer des Auftrittes ließ die mittlerweile 64-jährige einen Hula-Hoop-Reifen um ihre Hüften kreisen.

Ihr Titel I’ve Seen That Face Before (Libertango) ist in dem Film Frantic eingegliedert.

Diskografie[Bearbeiten]

Alben[Bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[2][3] Anmerkungen
Flag of Germany.svg DE Flag of Austria.svg AT Flag of Switzerland.svg CH Flag of the United Kingdom.svg UK Flag of the United States.svg US
1977 Portfolio 109
(? Wo.)
1978 Fame 97
(? Wo.)
1979 Muse 156
(? Wo.)
1980 Warm Leatherette 45
(2 Wo.)
132
(? Wo.)
1981 Nightclubbing 8 Gold
(20 Wo.)
35
(19 Wo.)
32
(? Wo.)
1982 Living My Life 46
(2 Wo.)
15
(23 Wo.)
86
(? Wo.)
1985 Slave to the Rhythm 10
(20 Wo.)
7
(18 Wo.)
9
(11 Wo.)
12
(8 Wo.)
73
(20 Wo.)
1986 Inside Story 38
(9 Wo.)
15
(6 Wo.)
30
(1 Wo.)
61 Silber
(2 Wo.)
81
(16 Wo.)
1989 Bulletproof Heart 55
(7 Wo.)
2008 Hurricane 19
(6 Wo.)
23
(5 Wo.)
28
(6 Wo.)
42
(2 Wo.)
weitere Alben
  • 2011: Hurricane – Dub

Kompilationen[Bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[2][3] Anmerkungen
Flag of Germany.svg DE Flag of Austria.svg AT Flag of Switzerland.svg CH Flag of the United Kingdom.svg UK Flag of the United States.svg US
1985 Island Life 22
(18 Wo.)
10 Gold
(18 Wo.)
22
(5 Wo.)
4 Gold
(30 Wo.)
161
(7 Wo.)
alternativer Albumtitel: Dance Collection
weitere Kompilationen
  • 1984: Biggest Hits
  • 1986: Greatest Hits Of
  • 1993: The Ultimate
  • 1996: Island Life 2
  • 1998: Private Life: The Compass Point Sessions
  • 2003: Classic Grace Jones
  • 2003: The Best of Grace Jones
  • 2006: The Grace Jones Story (2 CDs)
  • 2006: The Ultimate Collection (Box mit 3 CDs)
  • 2013: Icon

Singles[Bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[2][3] Anmerkungen
Flag of Germany.svg DE Flag of Austria.svg AT Flag of Switzerland.svg CH Flag of the United Kingdom.svg UK Flag of the United States.svg US
1977 Sorry / That’s the Trouble
Portfolio
71
(7 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1976
1977 I Need a Man
Portfolio
83
(6 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1975
1980 Private Life
Warm Leatherette
17
(8 Wo.)
1981 Pull Up to the Bumper
Nightclubbing
26
(9 Wo.)
53
(4 Wo.)
1981 I’ve Seen That Face Before (Libertango)
Nightclubbing
16
(24 Wo.)
9
(5 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1980
1981 Walking in the Rain
Nightclubbing
67
(7 Wo.)
1982 The Apple Stretching / Nipple to the Bottle
Living My Life
50
(4 Wo.)
1983 My Jamaican Guy
Living My Life
56
(3 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1982
1985 Slave to the Rhythm
Slave to the Rhythm
4
(19 Wo.)
7
(14 Wo.)
5
(12 Wo.)
12
(10 Wo.)
1986 Pull Up to the Bumper (Remix) /
La vie en rose (Remix)
Island Life
12
(9 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1985
1986 Love Is the Drug
Island Life
57
(5 Wo.)
35
(4 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1980
1986 I’m Not Perfect (But I’m Perfect for You)
Inside Story
39
(9 Wo.)
24
(2 Wo.)
56
(3 Wo.)
69
(9 Wo.)
1987 Party Girl
Inside Story
53
(6 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1986
1990 Amado mio
Bulletproof Heart
83
(4 Wo.)
2000 Pull Up to the Bumper
Keep On Moving (It’s Too Funky in Here)
60
(1 Wo.)
Grace Jones vs. Funkstar Deluxe
weitere Singles
  • 1976: I’ll Find My Way to You / Again and Again
  • 1977: La vie en rose
  • 1978: Do or Die
  • 1978: Autumn Leaves Part. 1 & 2 (Les feuilles mortes)
  • 1978: Comme un oiseau qui s’envole
  • 1978: Am I Ever Gonna Fall in Love in N.Y. City
  • 1978: Fame
  • 1979: On Your Knees
  • 1980: Pars
  • 1980: A Rolling Stone
  • 1980: Breakdown
  • 1980: The Hunter Gets Captured by the Game
  • 1980: Warm Leatherette
  • 1981: Feel Up
  • 1981: Demolition Man
  • 1981: Use Me
  • 1981: Pull Up to the Bumper
  • 1982: Nipple to the Bottle
  • 1982: Unlimited Capacity for Love
  • 1983: Living My Life
  • 1983: Cry Now, Laugh Later
  • 1985: Jones the Rhythm
  • 1986: Grace Jones Musclemix
  • 1986: Re-Mix Re-Mask
  • 1986: Crush
  • 1987: Victor Should Have Been a Jazz Musician
  • 1989: Love on Top of Love (Killer Kiss)
  • 1990: Megamix
  • 1992: 7 Day Weekend
  • 1993: Evilmainya
  • 1993: Sex Drive
  • 1996: Love Bites
  • 2003: Fly to the Cloud (William U feat. Grace)
  • 2004: Clandestine Affair (mit Tricky)
  • 2005: I’ve Seen That Face Before (Libertango) – Hell Interpretations (mit DJ Hell)
  • 2008: Williams’ Blood
  • 2008: Corporate Cannibal
  • 2009: Well Well Well
  • 2010: Love You to Life
  • 2011: Dancefloor (Brigitte Fontaine feat. Grace Jones)
  • 2014: Me! I Disconnect from You

Quellen[Bearbeiten]

  1. „Grace Jones: Still a slave to the rhythm“, The Independent, 18. Juni 2008
  2. a b c Chartquellen: Singles Alben US1 US2
  3. a b c Gold-/Platin-Datenbanken: DE AT UK

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Grace Jones – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien