Graciano Rocchigiani

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Graciano Rocchigiani Boxer
Graciano Rocchigiani
Daten
Geburtsname Graciano Rocchigiani
Gewichtsklasse Halbschwergewicht
Nationalität Deutsch
Geburtstag 29. Dezember 1963
Geburtsort Duisburg
Stil Rechtsauslage
Größe 1,88 m
Kampfstatistik
Kämpfe 48
Siege 41
K.-o.-Siege 19
Niederlagen 6
Unentschieden 1

Graciano „Rocky“ Rocchigiani (* 29. Dezember 1963 in Rheinhausen, heute Duisburg-Rheinhausen) ist ein deutscher Profiboxer. Er ist der Bruder von Ralf „Ralle“ Rocchigiani.

Amateur[Bearbeiten]

1982 wurde der Rechtsausleger Rocchigiani in Sindelfingen für die Neuköllner Sportfreunde, bei denen er das Boxen erlernt hatte,[1] Deutscher Meister im Halbmittelgewicht und wechselte im Jahr darauf ins Profigeschäft. Er bestritt 122 Amateurkämpfe.

Profi[Bearbeiten]

Sein Profidebüt fand am 10. September 1983 in Köln statt, wo er den Veteranen Esperno Postl aus Österreich durch technischen KO in der zweiten Runde besiegte. 1985 gewann er gegen Rüdiger Bitterling die Deutsche Meisterschaft im Mittelgewicht und 1986 durch einen Punkterfolg über Manfred Jassmann den Meistertitel im Halbschwergewicht.

Am 11. März 1988 gewann er den IBF-Weltmeistertitel im Supermittelgewicht, einer neu eingeführten Gewichtsklasse, die damals noch nicht das heutige Ansehen genoss. Rocchigiani besiegte in seinem 24. Profikampf vor 6000 Zuschauern in der Düsseldorfer Philipshalle den US-amerikanischen Titelträger Vincent Boulware in der achten Runde durch technischen K. o.[2] Er wurde dadurch, nach Max Schmeling und Eckhard Dagge, der dritte deutsche Weltmeister im Profiboxsport. Nach drei Titelverteidigungen legte er den Titel dann allerdings nieder, um wieder im Halbschwergewicht zu boxen. Dort sicherte er sich 1991 den Europameistertitel.

Im Gegensatz zu seinem Rabauken-Image außerhalb des Ringes war Rocchigiani im Ring ein extrem disziplinierter Boxer, der nur schwer von seiner Taktik abzubringen war. Auffälligster Teil seiner Boxtechnik war eine sichere Doppeldeckung, aus der heraus er mit hoher Boxintelligenz ein sehr gutes Verhältnis von Schlägen zu Treffern erreichte und so einer der effektivsten Boxer seiner Zeit war.

Comeback[Bearbeiten]

In den Neunzigern unterlag er dem bis dahin ungeschlagenen Chris Eubank im Kampf um den WBO-Titel im Supermittelgewicht umstritten nach Punkten. Sogar die Kommentatoren des den Kampf übertragenden britischen TV-Senders hatten Rocchigiani vorne gesehen. Daraufhin scheiterte sein Versuch gegen Frederic Seillier zum zweiten Mal Europameister zu werden, er erreichte nur ein Unentschieden.

1995 wurde er zum zweimaligen Kontrahenten von Henry Maske, gegen den er im ersten Kampf umstritten nach Punkten unterlag. Er hatte Maske von Beginn des Kampfes an sehr effektiv mit Aufwärtshaken attackiert, wobei er sich selbst hinter seiner bewährten Doppeldeckung verschanzte. Zweimal während des Kampfes war Maske anscheinend angeschlagen, in der letzten Runde gar am Boden, wobei der Ringrichter dies nicht als regulären Niederschlag wertete. Maskes Punktsieg wurde damit begründet, dass „Rocky“ viele andere Runden wegen zu geringer Aktivität abgegeben habe. Der Rückkampf war im Vergleich zum ersten Kampf eine einseitige Angelegenheit mit klarer Überlegenheit Maskes, den Rocchigiani zu keinem Zeitpunkt in Bedrängnis bringen konnte und daher eindeutig verlor.

Auch gegen Dariusz Michalczewski trat er zweimal an, wiederum war der erste Kampf, der am 10. August 1996 am Hamburger Millerntor stattfand, sehr umstritten. Nachdem er die erste Kampfeshälfte dominieren konnte, wurde er in der siebten Runde wegen Schlagens nach einem Unterbrechen-Kommando disqualifiziert. Michalczewski hatte den Abbruch durch das Signalisieren der Kampfunfähigkeit provoziert, was von Rocchigiani angesichts des vermeintlich leichten Schlagens später als Simulieren interpretiert wurde. Das Duell wurde für den nach Punkten zurückliegenden Michalczewski gewertet. „Rocky“ fühlte sich wie schon gegen Maske betrogen und sah den Grund in seiner geringen Lobby, da er keinen Promoter hatte und nicht so populär wie Henry Maske war. Wie schon gegen Maske war er auch im Rückkampf gegen Michalczewski im April 2000 chancenlos und unterlag vorzeitig. Ein möglicher dritter Kampf kam trotz mehrerer Versuche nie zustande.

Am 21. März 1998 holte er den vakanten Halbschwergewichtstitel des WBC. Der Gewinn des Titels war insofern umstritten, als der Titelverteidiger Roy Jones Jr. ihn nie offiziell abgegeben hatte. Der Verband hatte dies aber so verstanden und einen Kampf um die vermeintlich vakante Krone zwischen Rocchigiani und Michael Nunn ausgelobt. Der WBC-Verband erkannte ihm den Titel jedoch später wieder ab, wogegen Rocchigiani erfolgreich klagte. Ihm wurden 31 Millionen US-Dollar Schadenersatz zugesprochen, woraufhin der WBC Konkurs anmeldete. Der WBC versuchte einen Vergleich zu erwirken. Mitte Juli 2004 ging Rocchigiani auf das Vergleichsangebot von 4,5 Mio US-Dollar ein.

Seinen letzten Kampf verlor er am 10. Mai 2003 gegen Thomas Ulrich.

Am 15. November 2007 wurde bekannt, dass Rocchigiani am 24. Mai 2008 in Hannover für ein drittes Duell gegen Dariusz Michalczewski zurückkehren wird. Dieser Kampf wurde am 24. Januar 2008 abgesagt. Im Zusammenhang mit dem abgesagten Boxkampf Michalczewski gegen Rocchigiani war berichtet worden, der Mitorganisator Andreas Grajewski habe Rocchigiani ausgeladen. Rocky ließ dies jedoch per Gegendarstellung über die dpa richtigstellen. Vielmehr scheiterte der Kampf offensichtlich am fehlerhaften Vertragswerk des Veranstalters.

Nach der Boxkarriere[Bearbeiten]

2007 veröffentlichte Rocchigiani seine Autobiographie Rocky – Meine 15 Runden über den Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag.[3]

Im Duisburger Stadtteil Neudorf leitete Rocchigiani sein eigenes Box-Trainingscenter mit dem Namen Rocky's Gym. Ab Januar 2009 bestand eine Kooperation mit Arena Box-Promotion unter Leitung von Promoter Ahmet Öner. Rocky trainierte mehrere Boxer (u. a. Selcuk Aydin und Herbie Hide) aus dem Hamburger Boxstall in seinem Gym an der Grabenstraße.[4] Seit Anfang 2010 ist Rocky's Gym geschlossen. Inzwischen zog er zurück nach Berlin. Laut einem Interview, das Rocchigiani im August 2011 der Berliner Zeitung B.Z. gab, wohnt er in einer Pension am Grunewald und träumt von der großen Millionen-Show, einem Giga-Kampf gegen seinen Erzfeind Dariusz Michalczewski.[5]

Privat[Bearbeiten]

Rocchigiani besuchte bis zur neunten Klasse die Realschule[6] und erlernte den Beruf des Gebäudereinigers (anderen Angaben zufolge Ausbildung abgebrochen[2]). Sein Vater Zanubio ist Eisenbieger aus Sardinien, seine Mutter stammt aus Berlin. Graciano Rocchigiani wohnte bis Anfang der 1990er Jahre im Berliner Bezirk Schöneberg.

1995 heiratete der Boxer seine Partnerin Christine. 2001 trennte sich das Paar.[7]

Rocchigiani wurde mehrfach zu Freiheitsstrafen verurteilt, darunter wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung, aber auch wiederholten Fahrens ohne gültige Fahrerlaubnis. Im Januar 2007 musste er in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Senne zum zweiten Mal wegen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen eine neunmonatige Gefängnisstrafe antreten; auf eigenen Wunsch jedoch ließ er sich schließlich in den offenen Vollzug nach Moers-Kapellen verlegen, um sein Fitnessstudio in Duisburg weiter betreiben zu können. Im November 2007 wurde Rocchigiani vorzeitig aus der Haft entlassen.[8][9][10]

Im Juni 2012 wurde er zu einer Geldstrafe von 3.600 Euro wegen Nötigung verurteilt. Er hatte in einem seit Tagen schwelendem Streit einer Freundin das Handy entrissen.[11]

2012 wurde bekannt, dass Rocchigiani sein Vermögen verloren hat und Hartz IV bezieht. Nach Aussage seiner Ex-Frau Christine hat er sein Alkoholproblem zwischenzeitlich überwunden. Heute lebt er in Schönefeld bei Berlin.[12] Laut dem Wikipediaeintrag zu World Boxing Council erhält er den Rest seines Schadenersatzes (also insgesamt noch 3 Millionen Dollar über 10 Jahre) bis zum Jahr 2014 in Form einer jährlichen Rate von 300.000 Dollar.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Homepage der NSF-Boxabteilung
  2. a b Graciano Rocchigiani. In: Internationales Sportarchiv 09/2004 vom 28. Februar 2004, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 24/2012 (abgerufen via Munzinger Online).
  3. Bild am 23. Dezember 2007
  4. Bild am 13. Januar 2009
  5. Rocky Rocchigiani: Ich war ein Vollidiot; B.Z. vom 6. August 2011
  6. Rybarczyk, Christoph: Die Stunde der Abrechnung. In: Hamburger Abendblatt, 14. Januar 2000 (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft).
  7. Bild.de vom 12. Oktober 2012
  8. Rheinische Post vom 27. März 2007
  9. Bild im Januar 2007
  10. Rheinische Post
  11. nt-v vom 26. Juni 2012
  12. Focus online vom 13. Oktober 2012
Vorgänger Amt Nachfolger
vakant
Chong-Pal Park
Boxweltmeister im Supermittelgewicht (IBF)
11. März 1988–1989
vakant
Lindell Holmes