Grafenau (Niederbayern)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Grafenau
Grafenau (Niederbayern)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Grafenau hervorgehoben
48.85611111111113.396944444444609Koordinaten: 48° 51′ N, 13° 24′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Freyung-Grafenau
Höhe: 609 m ü. NHN
Fläche: 63,79 km²
Einwohner: 8237 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 129 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 94481,
94568 (Auwies)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 08552
Kfz-Kennzeichen: FRG, GRA, WOS
Gemeindeschlüssel: 09 2 72 120
Stadtgliederung: 52 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausgasse 1
94481 Grafenau
Webpräsenz: www.grafenau.de
Bürgermeister: Max Niedermeier (CSU)
Lage der Stadt Grafenau im Landkreis Freyung-Grafenau
Landkreis Regen Landkreis Deggendorf Landkreis Passau Schöfweg Waldhäuserwald Schönbrunner Wald Schlichtenberger Wald Sankt Oswald Pleckensteiner Wald Philippsreuter Wald Mauther Forst Spiegelau Graineter Wald Annathaler Wald Zenting Waldkirchen Thurmansbang Spiegelau Schönberg (Niederbayern) Neuschönau Sankt Oswald-Riedlhütte Saldenburg Röhrnbach Ringelai Philippsreut Perlesreut Neureichenau Mauth Jandelsbrunn Innernzell Hohenau (Niederbayern) Hinterschmiding Grainet Grafenau (Niederbayern) Fürsteneck Freyung Eppenschlag Schöfweg Leopoldsreuter Wald Frauenberger u. Duschlberger Wald Haidmühle Österreich TschechienKarte
Über dieses Bild

Die bayerische Stadt Grafenau liegt im Landkreis Freyung-Grafenau im Regierungsbezirk Niederbayern. Der staatlich anerkannte Luftkurort im Bayerischen Wald erlangte 1376 die Stadtrechte und gilt somit als die älteste Stadt des Bayerischen Waldes. Grafenau ist Sitz der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Grafenau
Der Grafenauer Kurparksee

Die Stadt liegt im Mittelgebirge Bayerischer Wald auf einer Höhe zwischen 600 und 700 Metern über NHN unmittelbar am Nationalpark Bayerischer Wald. Entlang des östlichen und südlichen Stadtrandes fließt die Kleine Ohe (Grafenauer Ohe), ein Quellfluss der Ilz (Fluss). Sie speist einen 1976 künstlich angelegten See (siehe Foto) im Sport- und Erholungspark der Stadt.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die politische Gemeinde Grafenau hat 52 amtlich benannte Ortsteile[2]:


Topografische Karten von Grafenau des Bayerischen Landesvermessungsamts: TK 25 (7146), TK 50 (L7146).

Die Stadt Grafenau vom südlichen Stadtteil Schlag aus gesehen.

Klima[Bearbeiten]

Die Temperatur beträgt im Jahresmittel 7–8 °C. Grafenau erfüllt seit 1965 – nachgewiesen durch ständig erneuerte und kontrollierte Gutachten durch den Deutschen Wetterdienst – die bioklimatischen und lufthygienischen Voraussetzungen zum Führen des Prädikats Luftkurort.

In der näheren Umgebung werden vom DWD folgende Wetterstationen abgerufen:

  • Sankt Oswald-Riedlhütte (ID 4392)
  • Saldenburg-Entschenreuth (ID 4354)
  • Waldhäuser (Nat.Park) (ID 5306)
  • Mauth-Finsterau (ID 3211)
  • Spiegelau-Klingenbrunn (ID 4778)

Die vierstelligen Nummern in Klammern sind die entsprechenden Identifikationsnummern der angegebenen Stationen.

Geologie[Bearbeiten]

Grafenau liegt in der Moldanubischen Region des kristallinen Grundgebirges in der Landschaft des hinteren Bayerischen Waldes. Das hier angesprochene nordostbayerische Grundgebirge ist der westliche Teil der Böhmischen Masse. Dazu gehören die Landschaften des Bayerischen Waldes, des Oberpfälzer Waldes, des Fichtelgebirges und des Frankenwaldes. Die Einheit der Böhmischen Masse bildet den Ostteil des europäischen variszischen Orogens. Die variszische (auch varistische oder variskische) Gebirgsbildung vollzog sich hauptsächlich in den Perioden des Devons und Karbons im Erdzeitalter des Paläozoikums. Die vorherrschenden Gesteine sind von mächtigen Granitkörpern durchdrungene Gneise.

Die Zuordnung Grafenaus zum Hinteren Bayerischen Wald wird durch ihre Lage (unmittelbar) östlich der Störungszone des Großen Pfahles reglementiert.

Geschichte[Bearbeiten]

Brunnen zum Andenken an die Bedeutung des Salzhandels für Grafenau

Der erste schriftliche Nachweis über Grafenau stammt aus dem Jahr 1255. Im Jahr 1376 erhob Kaiser Karl IV. sie zur ersten Stadt des Bayerischen Waldes, da die Stadt dadurch das Recht erhielt eine Stadtmauer zu errichten und somit der Salzhandel mit Böhmen gesichert wurde. Grafenau lag am Goldenen Steig welcher eine Handelsverbindung zwischen Österreich, Bayern und Böhmen darstellte. Kurz zuvor, im Jahr 1375, fiel das Gebiet um Grafenau, verwaltet vom Schloss Bärnstein aus, nach dem Aussterben der Grafen von Hals an Landgraf Johann I. von Leuchtenberg. 1417 kam es an Graf Etzel von Ortenburg und 1438 an die Wittelsbacher.

1450, 1468 und 1504 wurde Grafenau von Böhmen überfallen und die Gulden Strass unpassierbar gemacht. Im 16. Jahrhundert ging der Salzhandel zurück und somit verlor Grafenau an wirtschaftlicher Bedeutung. Noch heute erinnert das jährliche Säumerfest, das 1976 zur 600-Jahr-Feier der Stadt erstmals veranstaltet wurde, an die Säumer genannten Salzhändler.

1521 erhielt Grafenau sein erstes Rathaus. Schon 1523 wurde Grauenaw in der von Johannes Aventinus angefertigten ersten Landkarte von Bayern ausgewiesen.

Im Jahre 1634 grassierte die Pest in der Folge von Einquartierungen fremder Truppen im Dreißigjährigen Krieg und 1742 plünderten die Panduren (ungarische Husaren) Grafenau. In den Jahren 1504, um 1545, zwischen 1550 und 1572, 1639, 1832, 1844 und 1850 wüteten Stadtbrände. Dennoch wurde die Stadt immer wieder neu aufgebaut. Die Guldenstraße wurde bis 1772 immer wieder repariert. 1845/46 entstand auf dem Stadtplatz das markante alte Rathaus mit seinem zierlichen Türmchen an der Stelle früherer Rathäuser.

Im Zweiten Weltkrieg blieb Grafenau unbeschädigt. Im Gegensatz zur Nachbargemeinde Schönberg kam es in Grafenau auch beim Einmarsch der Amerikaner zu keinen kriegerischen Handlungen, da der Stadtpfarrer Rankl mit seiner Nichte den Truppen mit einer weißen Fahne entgegenging und ihnen die Kapitulation der Stadt Grafenau anbot.

Am 3. Februar 1946 fanden die ersten Gemeindewahlen nach dem Zweiten Weltkrieg statt. Seit 1965 ist Grafenau ein staatlich anerkannter Luftkurort. Nicht zuletzt aufgrund der Integration zahlreicher Flüchtlinge und Vertriebener erfolgte in den Nachkriegsjahren ein intensiver Wohnungsbau. Die Zahl der Gebäude stieg von 186 im Jahr 1945 auf 562 am 31. Dezember 1978 (ohne Eingemeindungen).

Am 6. September 1967 fand in der Stadt die offiziell Gründungsversammlung des Zweckverbandes zu Förderung des Projektes eines Nationalparks Bayerischer Wald statt.

Bis 1972 war Grafenau Kreisstadt. Im Zuge der Kreisreform verlor die Stadt diesen Status. Durch die Zusammenlegung der beiden Altlandkreise Grafenau und Wolfstein entstand der Landkreis Freyung, ab dem 1. Mai 1973 Landkreis Freyung-Grafenau, mit dem Verwaltungssitz in Freyung.

Bis 1974 wurde in Grafenau die Brasiltabakfabrik Bogenstätter betrieben. Zunächst in Perlesreut, unweit von Grafenau, wurde die Tabakfabrik bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs mit einer Dieselmotoranlage betrieben, die gleichzeitig den Ort mit Strom versorgte. Mit der Verknappung von Rohöl während der Kriegsjahre wurde die Anlage ab Herbst 1915 nach Grafenau in die ehemalige Mittermühle am Venusberg verlegt[3] um dort die Produktion - aus heutiger Sicht ihrer Zeit voraus - bis zur Stilllegung der Fabrik alternativ mit Wasserkraft aufrechtzuerhalten. Die Schnupftabakfirma Alois Pöschl kaufte die Firma und damit auch die Rezepte auf. Noch heute wird der Schmalzler "Perlesreuter Waldler Fresko" der Firma Bogenstätter von der Firma Pöschl mit unveränderter Rezeptur hergestellt und vertrieben.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. April 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Rosenau eingegliedert. Am 1. Januar 1972 kam Großarmschlag hinzu.[4] Neudorf folgte am 1. Januar 1974. Die Gemeinde Schlag und Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Haus im Wald kamen am 1. Januar 1978 hinzu.[5]

Religion[Bearbeiten]

Die katholische Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt

Die Geschichte der katholischen Seelsorge in Grafenau ist eng mit dem benachbarten Sankt Oswald-Riedlhütte verknüpft. Am 14. Juni 1389 wurde die Kirche in St. Oswald geweiht. Sieben Jahre später, am 5. August 1396, wurde die Gründung des Paulinerklosters St. Oswald beurkundet. Sowohl Kirche als auch Kloster sind Stiftungen des Landgrafen Johanns I. von Leuchtenberg. Über den Zeitpunkt der Errichtung der Stadtpfarrkirche und der Pfarrei in Grafenau ist nichts bekannt. Grafenau wurde zunächst als Säkularpfarrei vom Kloster St. Oswald seelsorgerisch betreut. In der Stiftungsurkunde des Klosters ist von der „Kürchen und Pfarr unser lieben Frau Marie Gottes Mutter in der Grafenau, die unser rechtes Erb ist...“ zu lesen.[6] Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Kloster St. Oswald aufgrund seiner hohen Verschuldung als Propstei von der Abtei Niederalteich (bei Deggendorf) übernommen. Ab 1604 wurde die Seelsorge Grafenaus einem dem Kloster St. Oswald angehörenden Vikar anvertraut. Während der Säkularisation wurde die Propstei St. Oswald aufgelöst. 1806 wurde Grafenau erneut Stadtpfarrei. Grafenau gehört zum Bistum Passau. Der katholische Stadtpfarrer von Grafenau ist Dekan Kajetan Steinbeißer, seine evangelische Kollegin ist Pfarrerin Sonja Schuster. Die Geschichte der evangelischen Seelsorge in Grafenau und der Umgebung beginnt mit der Privatisierung der Glashütten und der Industrialisierung der Holzgewinnung. Fränkische und Sächsische Unternehmer übernahmen großteils diese Industriezweige und holten evangelische Facharbeiter aus ihrer Heimat nach. 1901 wurde die Martin - Lutherkirche eingeweiht und 1934 die Grafenauer Holzkirche. Nach dem Krieg kamen viele evangelische Flüchtlinge und 1969 wurde die bedeutend größere Christuskirche eingeweiht, sowie die Dietrich - Bonhoefferkirche Schönberg. Seit 1948 ist die ev. Gemeinde Grafenau eine eigenständige Gemeinde. Zu ihr gehören Spiegelau,Schönberg, Klingenbrunn,Innernzell und das Umland. Die Gemeinde ist Teil des Dekanats Passau.

Kirchen der Stadt:

Die katholische Stadtpfarrkirche von innen
  • Kapelle in Waldhäuser (betreut die Pfarrei Grafenau)
  • katholische Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt. Das neubarocke Bauwerk entstand 1905 bis 1907 nach Plänen von Architekt Michael Kurz. Die Altäre stammen aus der Zeit um 1730, zahlreiche Figuren aus der Zeit der Gotik und des Barocks.[7]
  • katholische Filialkirche Herz Jesu (Neudorf)
  • katholische Filialkirche Mariä Unbefleckte Empfängnis (Großarmschlag)
  • katholische Gemeindekirche Hl. Herz Jesu (Haus im Wald)
  • Spitalkirche Hl. Dreifaltigkeit (1759)
  • evangelische Christus-Kirche(1969)
  • evangelische Martin - Lutherkirche (1901)((Spiegelau))
  • evangelische Dietrich - Bonhoefferkirche (1968) ((Schönberg))
  • Wallfahrtskirche Brudersbrunn (1842), daneben Gedächtniskapelle, die 1952 Paula Holzhäuer aus dem Ortsteil Elsenthal für ihren im KZ ermordeten Vater errichten ließ[8]

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

1. Bürgermeister ist Max Niedermeier (CSU). In der Stichwahl vom 3. Juni 2012 wurde er gegen Wolfgang Kunz (SPD) mit 60,6 % zu 39,4 % zum Nachfolger des erkrankten Helmut Peter gewählt.

Stadtrat[Bearbeiten]

Sitzverteilung im Stadtrat nach der Kommunalwahl 2008

Der Stadtrat in Grafenau hat 20 Sitze. Diese teilen sich nach der Kommunalwahl am 2. März 2008 so auf (Stimmenanteil in Klammern):

  • CSU: 8 Sitze (38,7 %)
  • SPD: 6 Sitze (29,4 %)
  • FDP: 1 Sitz (9,0 %)
  • UWG: 5 Sitze (23,0 %)

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen Grafenaus bildet einen geteilten Schild ab, welcher im oberen Teil weiße und blaue Rauten zeigt. Im unteren Teil befindet sich ein schwarzer Bär zwischen Zinnen, welcher die Burg Bärnstein symbolisieren soll. Die Wehrhaftigkeit Grafenaus soll durch die Zinnenmauer dargestellt werden. Das Stadtarchiv verfügt über die Originalurkunde zur Verleihung des Stadtwappens aus dem Jahr 1508.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Grafenau unterhält Städtepartnerschaften mit dem österreichischen Schärding (seit 1976) und mit dem tschechischen Kašperské Hory (deutsch: Bergreichenstein; seit 1991).

Verkehr[Bearbeiten]

Straße[Bearbeiten]

Der neue Busbahnhof
Liniennetz des Stadtbusses
Der Haltepunkt von Grafenau

Die Bundesautobahn 3 (Europastraße E56) ist die nächstgelegene Bundesautobahn zu Grafenau. Dem aus nördlicher und westlicher Richtung kommenden Reisenden bietet die Abfahrt Hengersberg in knapp 40 Kilometern Entfernung die schnellste Verbindung über die Bundesstraße 533 und Bundesstraße 85 hin zur Stadt. Für den Reiseverkehr in südliche Richtung (Passau/Österreich) bieten sich die Auffahrten auf die BAB 3 bei Passau an. Zwischen Hengersberg und Passau liegen die Autobahnanschlussstellen Iggensbach, Garham/Vilshofen und Aicha v. Wald.

Zur Stadt Grafenau führt die Bundesstraße 533. Sie zweigt im Südwesten von der B 85 ab und führt dann in West - Ost - Richtung auf der Grafenauer Südumgehung am Stadtrand vorbei. Im Westen zweigt die Staatsstraße 2132 von der Bundesstraße 533 ab. Diese führt über Spiegelau nach Zwiesel, wo Anschluss an die B 11 besteht. Folgt man in östlicher Richtung der Bundesstraße 533, führt diese in die benachbarte Kreisstadt Freyung. Von dort aus führt die Bundesstraße 12 in westlicher Richtung weiter nach Passau und in östlicher Richtung zum nächstgelegenen Grenzübergang zur Tschechischen Republik bei Philippsreut. Dieser Übergang ist etwa 30 Fahrkilometer in östlicher Richtung von Grafenau entfernt.

Zugverbindung[Bearbeiten]

Mit dem Zug ist Grafenau über die Bahnstrecke Zwiesel–Grafenau im Zweistundentakt mit Regionalbahnen der Relation Zwiesel–Grafenau zu erreichen. Die Inbetriebnahme der Strecke erfolgte am 1. September 1890. Im Zuge einer Modernisierung des Bahnhofsareals wurde der Gleisbereich bis auf ein Gleis reduziert. Da Bahnhofareal wurde 2008 komplett neu gestaltet und der Öffentlichkeit übergeben. Eine Taktverdichtung auf Stundentakt ist in den nächsten Jahren geplant. Die Bahnstrecke ist Teil des Nationalparkverkehrskonzept Bayerischer Wald.

Öffentlicher Nahverkehr[Bearbeiten]

Der Grafenauer Busbahnhof wird von der RBO und weiteren privaten Busunternehmen bedient. Diese verbinden Grafenau mit Zielen in der Region. Daneben existiert ein Stadtbus der Firma Sieghart Reisen, welcher Wochentags zwischen ca. 7 und 18 Uhr im annähernden Stundentakt auf vier Linien verkehrt. Dieser wird während des Volksfestes um ein tägliches Nachtliniennetz auf zwei Linien ergänzt. Grafenau ist an die Igelbusse des Nationalparks Bayerischer Wald angebunden.

Der Busbahnhof liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bahnhof der Stadt. Im Zuge eines 1,3 Millionen teuren Umbaus wurde das gesamte Bahnhofsgelände bis zum Jahr 2009 umgebaut und ein neuer Busbahnhof errichtet. Bis November 2007 wurden zwei Kreisverkehre, eine Bushaltestelle sowie ein Parkplatz neu angelegt.

Im Stadtgebiet Grafenau gilt das Bayerwald-Ticket auf Regionalbuslinien der RBO. Seit dem 1. Mai 2010 ist die Stadt neben weiteren Bayerwaldgemeinden an dem GUTi - Gästeservice Umwelt-Ticket beteiligt, das seinen Gästen kostenlosen Beförderung auf allen Bahn- und Busverbindungen im Bayerwald-Ticket-Tarifgebiet anbietet. Dieses gilt abweichend auch im Grafenauer Stadtbus.

Luftverkehr[Bearbeiten]

In ca. 4,5 km Entfernung (Luftlinie) zum Stadtzentrum an der Abzweigung B 85 / B 533 südwestlich der Stadt liegt der Flugplatz Grafenau[9]. Dieser wurde 1963 von einer örtlichen Speditionsfirma errichtet und später vom Flugsportverein Grafenau übernommen. Er besitzt eine 500 m lange Naturstart- und Landebahn.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In der zentralortlichen Hierarchie rangiert die Stadt als Mittelzentrum.[10] Im Rahmen der Regionalentwicklung gehört das Mittelzentrum Grafenau zur Planungsregion Donau-Wald.[11]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

  • AMF (Mineralfasern)
  • AVS Ing.J.C.Römer GmbH (Ventile, Armaturen)
  • Bucher Bräu GmbH & Co. KG (Getränke)
  • BWmedien GmbH (Internetdienstleistungen)
  • elumeg GmbH (Elektrokabelfabrikation)
  • Ludwig Baierer e.K. (Mineralöle, Brennstoffe, Tankstelle)
  • Sedlbauer AG (Elektronik)
  • SLE (Microelektronik)
  • Zambelli (Dachsysteme)
  • Bogenshop Binder (Bogensport)
  • Spectaculum Historica (Eventmanagement)

Medien[Bearbeiten]

Freizeit/Tourismus[Bearbeiten]

Stadtmitte von Grafenau

Am 24. Mai 1964 fand die offizielle Eröffnung des Berliner Feriendorfes auf dem Grafenauer Schwaimberg durch Wilhelmine Lübke, Gattin des damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke statt. Zu dieser Zeit war es mit 125 Bungalows das größte und modernste Feriendorf in Europa. Finanziert wurde die Anlage durch die Stiftung Hilfswerk Berlin in Zusammenarbeit mit der ARD-Fernsehlotterie Ein Platz an der Sonne. Das Feriendorf wird aktuell von der holländischen Roompot-Holiday-Gruppe betrieben. Diese will es um 150 weitere Häuser, sowie mehrere zusätzliche Freizeiteinrichtungen, wie etwa einen Skilift oder ein Hallenbad, erweitern.

Der nächstgelegene Campingplatz Camping am Nationalpark liegt im Nachbarort Spiegelau. Er ist ganzjährig geöffnet und hat eine Kapazität von 100 Plätzen (inklusive Wohnmobile).

Am Südrand der Stadt zum benachbarten Stadtteil Schlag liegt eine Liftanlage mit zwei Schleppliften. Diese wird in den schneelosen Monaten zur Bobbahn (schienengeführt) umfunktioniert. Die Gesamtlänge der Bahn beträgt über 1000 Meter. Der Höhenunterschied liegt bei knapp über 100 Meter.

Am östlichen Rand des Grafenauer Kurparks stehen im Sommer Asphaltstockbahnen zur Verfügung. Im Winter wird die Anlage als Eishalle (Eislaufen und Eisstockschießen) genutzt.

Für Piloten von Hängegleitern befindet sich in der Nähe zu Grafenau am Berg Büchelstein eine Startrampe.

Im August 2005 wurde der Golfclub am Nationalpark Bayerischer Wald e.V. eröffnet. Die Anlage umfasst 90 ha mit 18 bespielbaren Löchern.

Seit 2004 gibt es die Bogenregion Bayerischer Wald mit Sitz in Grafenau. Traditioneller Bogensport kann am 3D Jagdparcours am Brudersbrunn mit 28 Zielen, am 3D Erlebnisparcours im Natursportzentrum Rosenau mit 24 Zielen, auf der 3D Bogenwiese am Kunsthof in Neudorf und in einer Halle am Kunsthof ausgeübt werden.

Am Grafenauer Langlaufzentrum Rosenau besteht die Möglichkeit zum Einstieg in die Bayerwaldloipe.

Einrichtungen[Bearbeiten]

Schulen[Bearbeiten]

Das erste Schulhaus der Stadt befindet sich in der Scharrerstraße (Nr. 35).[12] Die Überlassung des Gebäudes zur Einrichtung einer Schule wurde am 27. Juni 1610 vom Probst zu St. Oswald, P. Laurentius Seyberer, beurkundet. [13]

Mit den Osterferien 1945 enden zunächst alle Unterrichtsaktivitäten der Gemeinschaftsschule im Nationalsozialismus. Fortgeführt wird der Schulunterricht in Grafenau erst wieder – entsprechend den Anweisungen und Vorgaben des Militärgouverneurs – ab dem 19. September 1945.[14]

Am 1. Oktober 1950 wird eine dreiklassige Staatliche Mittelschule für Knaben als Vorläufer der heutigen Realschule eröffnet.

Am 7. September 1965 wird das Gymnasium als kommunale Schule gegründet. Die Schule wurde am 1. August 1967 verstaatlicht. Im Jahr 1993 erhielt sie ihren bis heute gültigen Namen Landgraf-Leuchtenberg-Gymnasium.

Neben den erwähnten Schularten ist Grafenau Standort für Haupt- (Probst-Seyberer-Schule), Sonder- (Don Bosco-Schule), Grund-, Berufsfach-, Berufs-, Musik- und Volkshochschule mit insgesamt durchschnittlich 2300 Schülern.

Verwaltungen[Bearbeiten]

Die Stadt beherbergt seit 1976 im ehemaligen Rathaus den Sitz der Verwaltung des Nationalpark Bayerischer Wald.

Gesundheitswesen[Bearbeiten]

Die Kliniken des Landkreises Freyung Grafenau GmbH betreibt in zentraler Lage ein Krankenhaus welches mit einem Helikopterlandeplatz ausgestattet ist.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Drei Brunnen in der Grafenauer Altstadt

Der Marktplatz steigt nach Norden stark an. Hier befindet sich das neugotische, mit einem Treppengiebel versehene Rathaus aus dem Jahr 1845. Am oberen Ende steht die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt.

Als Luftkurort besitzt die Stadt Grafenau ein Freibad, einen Kurpark und ist am „Golfplatz am Nationalpark Bayerischer Wald“ beteiligt. Des Weiteren verfügt Grafenau über drei Museen.

Grafenau zeigt an zwei Standorten öffentlich aufgestellte Bronzeplastiken des Künstlers Heinz Theuerjahr: Am Gymnasium der Stadt ist der Auerhahn zu sehen, im Grafenauer Kurpark der Große Bär[15].

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Grafenau (Niederbayern)

Museen[Bearbeiten]

Das Stadtmuseum unterrichtet den Besucher über die Geschichte Grafenaus und bezieht dabei auch die Darstellung der früheren Stadtapotheke ein. Des Weiteren werden historische Handwerkstraditionen dargestellt.

Im Kurpark sind zwei Bauernhäuser Ort für das Bauernmöbelmuseum, welches die Malereikunst der Bauernmöbel aus dem 18. und 19. Jahrhundert im Bayerischen Wald ausstellt. Des Weiteren zeugen zahlreiche zeitgenössische Gegenstände vom bäuerlichen Leben.

Das Schnupftabakmuseum ist das weltweit einzige zu dieser Thematik und gibt über Geschichte, Herstellung sowie Verbreitung des Schnupftabaks Auskunft. Dort befindet sich auch das größte Schnupftabakglas der Welt mit einem Gewicht von über 30 Kilogramm.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Anfang Juli: Traditionelles Volksfest (Seit 1950)
  • Anfang August: Säumerfest (Seit 1976)
  • Ende August: Rockfestival Lichteneck (Seit 1995)
  • Adventszeit: Weihnachtsmarkt am Stadtplatz

Trivia[Bearbeiten]

  • Unter der Regie von Klaus Lemke fanden unter anderem in Grafenau und Umgebung die Dreharbeiten zum Film Arabische Nächte statt. Der Film wurde 1979 uraufgeführt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111212/005632&attr=OBJ&val=650
  3. Vgl. Hanno Trurnit: Glasherrn, Brauer, Tabakreiber. Familiengeschichte aus dem Bayerwald. Morsak Verlag Grafenau. 2010. S. 28ff. ISBN 978-3-86512-021-2
  4.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 473.
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 627.
  6. Hauptstaatsarchiv München GU Bärnstein 74
  7. Zeittafel zur Geschichte der Pfarrei Grafenau. Abgerufen am 5. August 2010.
  8. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 143
  9. Webseite Flugplatz Grafenau
  10. Landesentwicklungsprogramm 2006 des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie. Abgerufen am 12. August 2010.
  11. Homepage des Regionalen Planungsverbandes Donau-Wald. Abgerufen am 12. August 2010.
  12. Vgl. Zeittafel zur Geschichte der Pfarrei Grafenau. Abgerufen am 5. August 2010.
  13. Bayer. Hauptstaatsarchiv München, Nr. 1646. Vgl. Hermann Neumann: Vom Schulwesen bis 1945 in: 600 Jahre Stadt Grafenau 1376 - 1976 Grafenau, 1976, S. 240.
  14. Vgl. Hermann Neumann: Vom Schulwesen bis 1945 in: 600 Jahre Stadt Grafenau 1376 - 1976 Grafenau, 1976, S. 245.
  15. Liste der öffentlich ausgestellten Plastiken Heinz Theuerjahrs

Literatur[Bearbeiten]

  • Kreistag des Landkreises Grafenau (Hrsg.) Das Bild Eines Altbayerischen Kreises - Grafenau. Verlag Morsak, Grafenau, 1972.
  • Hermann Neumann: 600 Jahre Stadt Grafenau 1376 - 1976. Verlag Morsak, Grafenau, 1976, ISBN 3-87553-063-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Grafenau (Niederbayern) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien