Grafschaft Hohenwaldeck

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Die reichsunmittelbare Grafschaft Hohenwaldeck war eine immediate Grafschaft des Heiligen Römischen Reichs im bayerischen Reichskreis.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Grafschaft Hohenwaldeck entstand aus der Vogtei Pienzenau des Bistums Freising, die schon im 11. Jahrhundert bestand. Sie umfasste das gesamte Schlierachtal mit dem Schliersee und dem Spitzingsee bis zur Tiroler Grenze. Als Vögte waren die Herren von Waldeck eingesetzt. Diese hatten ihren ursprünglichen Sitz in Altenwaldeck, wo sich heute noch oberhalb von Au bei Bad Aibling die Fundamente der alten Stammburg befinden. Dort hatten die Waldecker bereits 779 ihren Sitz. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts erscheint bereits Miesbach als zentraler Ort, an dem eine Burg errichtet wurde, von der aus wohl die Vogtei verwaltet wurde. Im 13. Jahrhundert scheint Miesbach auch die Marktrechte erhalten zu haben. Der bayerische Herzog Ludwig II. versuchte später die Herrschaft an sich zu reißen, musste aber 1294 die Burg Miesbach an den Bischof Emicho zurückgeben.

1312 leitete Arnold von Waldeck die Ablösung der Oberherrschaft des Bistums ein. Erst 1476 erreichte Wolfgang von Waldeck die endgültige Anerkennung durch Kaiser Friedrich III..

1483 bis 1487 folgten die Höhenrainer, von 1487 bis 1516 die Sandizeller als Besitzer der Herrschaft Waldeck. Ab 1516 regierten die Maxlrainer die Herrschaft. Die endgültige Anerkennung durch das große Nachbarland Bayern erfolgte erst 1559 im so genannten Salzburger Vertrag, bei dem sich das bayerische Herrscherhaus die Nachfolge nach einem möglichen Aussterben der Maxlrainer sicherte.

Seit dem öffentlichen Bekenntnis des Herrschaftsinhabers Wolf Dietrich von Maxlrain zur Lehre Luthers im Jahre 1563 war die Herrschaft neben der Reichsgrafschaft Ortenburg ein Zentrum der Reformation im südlichen Bayern. Wolf Dietrich gehörte damals zu den Führern der protestantischen Adelsopposition, musste aber nach einem Handelsembargo des bayerischen Herzogs 1583/84 schließlich einer Rekatholisierung seines Ländchens zustimmen. 1637 erhob Kaiser Ferdinand II. Waldeck zur Grafschaft mit dem neuen Namen Hohenwaldeck.

Nach dem Aussterben der Maxlrainer im Jahre 1734 kam Hohenwaldeck an die Wittelsbacher, die es als gesonderten Teil in das Kurfürstentum integrierten. Erst 1803 wurde die Grafschaft Hohenwaldeck aufgelöst und in ein Landgericht umgewandelt, dessen Nachfolger der heutige Landkreis Miesbach ist.

Orte[Bearbeiten]

Hauptort war der Markt Miesbach, wo sich mit dem Anwartshaus der Sitz des nächsten Erben der Grafschaft befand.

Im 12. und 13. Jahrhundert dürften die Waldecker auch die Burg Hohenwaldeck am Südende des Schliersees bewohnt oder jedenfalls als Fliehburg genutzt haben.

Neben Miesbach war Schliersee wichtigster Ort im Herrschaftsgebiet. Dort befand sich bis 1493 das Kloster Schliersee, ehemals Eigenkloster der Waldecker. Südlich des Schliersees gründete der letzte Graf Johann Josef Max Veit zu Beginn des 18. Jahrhunderts im Josefsthal eine Erzgrube, die allerdings keinen Erfolg brachte. Das zugehörige Wirtshaus (Neues Haus) war der Ausgangspunkt für die Entstehung des Ortes Neuhaus.

Als Residenz diente Schloss Wallenburg nördlich von Miesbach. Nahe beim Schloss befand sich - an der sog. Galgenleite - auch das hochgräfliche Halsgericht.

Ein weiterer Sitz der letzten Herrschaftsinhaber, der Maxlrainer, war Schloss Maxlrain bei Bad Aibling, das vornehmlich als Winterresidenz genutzt wurde.

Wappen[Bearbeiten]

Wappen in einem Wappenbuch des 16. Jh.

Das erste Wappen der Herrschaft Waldeck entsprach dem Wappen der Waldecker. Es zeigt einen halben Falken (oder Adler, je nach Interpretation), darunter zwei gekreuzte Stäbe, die als Gerichtsstäbe gedeutet werden, was auf den Rang der Waldecker als Inhaber bestimmter Rechte hinweist. Der Falke weist auf das Wappen der Falkensteiner hin, von denen manche annehmen, dass sie die Urahnen der Waldecker gewesen sein könnten. 1548 verlieh Kaiser Karl V. Wolfgang von Maxlrain das Wappen der Waldecker, das er fortan in sein angestammtes Familienwappen als Herzschild integrierte. Waldeck, resp. Hohenwaldeck hatte fortan ein viergeteiltes Wappen mit einem steigenden Löwen und einem von zwei silbernen Wellenbändern schräg geteilten schwarzen Feld, jeweils diagonal angeordnet und durch ein Tatzenkreuz geteilt. Darauf in einem Herzschild das Wappen der Waldecker, rot auf silbernem Grund, wobei der Falke (oder Adler) auch manchmal in voller Größer über den gekreuzten Balken erscheint.

Das Wappen der ersten Herrschaftsinhaber, der Waldecker, ist heute Gemeindewappen der Gemeinde Hausham. Im Stadtwappen von Miesbach ist das durch die Wellenbänder geteilte Teil des Maxlrainer Wappens integriert. Der Maxlrainer Löwe ist heute - als halber Löwe - das Stadtwappen von Bad Tölz. Dies geht auf einen Familienangehörigen dieses Herrengeschlechts zurück, der dort Inhaber der Pflegschaft war.

Herrschaftsinhaber[Bearbeiten]

Name Regierungszeit(en) Gemahlin Abstammung
Wolfgang von Waldeck 1476-83 Amalie von Nussdorf Reichslehen 1476
Georg von Höhenrain 1483-87 Amalie Notthafft von Wernberg Neffe des Wolfgang von Waldeck
Hochprant von Sandizell 1487-1502 unbekannt Neffe des Wolfgang von Waldeck
Wolfgang von Sandizell 1502-16 unbekannt Sohn des Hochprant von Sandizell
Hans von Sandizell 1516 unbekannt Sohn des Wolfgang von Sandizell
Veit von Maxlrain 1516-18 Margaretha von Waldeck Schwiegersohn des Wolfgang von Waldeck
Wolfgang von Maxlrain 1518-61, 1548 Reichsfreiherr Anna von Frundsberg, Tochter des Georg von Frundsberg Sohn des Veit von Maxlrain
Wolf Dietrich von Maxlrain 1561-86 Veronika von Pienzenau Sohn des Wolfgang von Maxlrain
Wolf Wilhelm von Maxlrain 1586-95 Johanna Perner zu Guetteroth Bruder des Wolf Dietrich von Maxlrain
Ludwig von Maxlrain 1595-1603 Barbara Scholastika von Sandizell Sohn des Wolf Dietrich von Maxlrain
Georg von Maxlrain 1603-35 I. Maria von Degenberg, II. Christina Sidonia von Auersberg Bruder des Ludwig von Maxlrain
Wilhelm von Maxlrain 1635-55, 1637 Reichsgraf I. Maria Christina von Gumppenberg, II. Maria Juliana Crivelli Sohn des Ludwig von Maxlrain
Wolf Veit von Maxlrain 1655-59 I. Elisabeth Kurz zu Senftenau, II. Barbara Rufina von Preysing Enkel des Wolf Wilhelm von Maxlrain
Johann Veit von Maxlrain 1659-1705 I. Katharina Constantia Adelheid von Spiering, II. Franziska Klara von Törring, geb. von Lamberg Neffe des Wolf Veit von Maxlrain
Johann Joseph Max Veit von Maxlrain 1705-34 Maria Regina Helena von Muggenthal Enkel des Wolf Veit von Maxlrain
Karl Albrecht von Bayern 1734-45 Erbfall nach Salzburger Vertrag von 1559
Maximilian III. Joseph von Bayern 1745-77 Sohn des Karl Albrecht von Bayern
Karl Theodor von Bayern 1777-99 Erbfall an die Pfälzer Linie
Maximilian IV. Joseph von Bayern 1799-1803 Erbfall an die Zweibrücker Linie
Auflösung der Grafschaft und staatsrechtliche Vereinigung mit Bayern 1803

Literatur und weiterführende Links[Bearbeiten]

  • Wilhelm Knappe: Wolf Dietrich von Maxlrain und die Reformation in der Herrschaft Hohenwaldeck. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Reformation und Gegenreformation. Leipzig u.a.: Deichert, 1920
  • Alexander Langheiter: Miesbach. Ein Kulturführer. Miesbach: Maurus, 2006, ISBN 978-3-00-017020-1.
  • Alexander Langheiter: 900 Jahre Miesbach. Chronik & Kulturführer. Miesbach: Maurus, 2013, ISBN 978-3940324078
  • Ignaz Joseph von Obernberg: Geschichte der Herrschaft Waldeck in Oberbaiern. Verfasst im Jahre 1798. München 1804.
  • Sigmund Riezler: Zur Geschichte der Herrschaft Waldeck (Hohenwaldeck) in den bayerischen Alpen. München: Straub, 1890.
  • Andreas Scherm: Unterwegs im Gestern. Kulturhistorische Wanderungen im Oberland und Umland von München. Miesbach: Maurus, 2007. ISBN 978-3-940324-00-9.
  • Michael Nadler: Hohenwaldeck, Herrschaft/Reichsgrafschaft, in: Historisches Lexikon Bayerns