Grafschaft Hoya

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Flag-Holy-Roman-Empire.png

Territorium im Heiligen Römischen Reich

Grafschaft Hoya
Wappen
Hoya wapen.svg
Karte
Hoya 1400.png
Grafschaft Hoya (gelb) um 1400
Alternativnamen von (der) Hoyen
Herrschaftsform Grafschaft
Herrscher/Regierung Graf
Heutige Region/en DE-NI
Reichstag Reichsfürstenrat, Weltliche Bank: Teil einer 1 Kuriatstimme des niederrheinisch-westfälischen Grafenkollegiums
Reichsmatrikel 2 Reiter, 8 Fußsoldaten, 28 Gulden (1522)
Reichskreis niederrheinisch-westfälisch
Hauptstädte/Residenzen Hoya, Nienburg
Dynastien Haus Hoya,
ab 1582 Calenberg bzw. Kurhannover
Konfession/Religionen römisch-katholisch, ab 16. Jh protestantisch
Sprache/n Deutsch
Fläche 1.400 km² (um 1800)[1]
Einwohner 60.000 (um 1800)[1]

Die Grafschaft Hoya war ein Territorium des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation im Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis vorwiegend westlich der Mittelweser. Nach ihr wurde der frühere gleichnamige Landkreis und die heutige Samtgemeinde benannt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Herkunft der Grafen von Hoya ist nur sagenhaft überliefert. Für sie gibt es mehrere Varianten. Deren Kern ist, dass ein adliger Räuber durch Friesen – vielleicht auch selbst friesischer Herkunft – aus dem Raum zwischen Oldenburg und dem heutigen Wilhelmshaven vertrieben wurde und weiter südlich mit reicher Beute einen neuen Stammsitz zu errichten suchte, wobei er in Konflikte mit dem Bischof von Verden und dem Grafen von Wunstorf geriet. Letztlich konnte er sich auf einer Weserinsel mit seiner neu errichteten Burg Hoya festsetzen.

Urkundlich ist als erster Graf von Hoya 1202 ein Heinrich im Gefolge des Erzbischofs Hartwig II. von Bremen nachweisbar. Er führte 1215, 1219 und 1220 in seinen Siegeln zwar die beiden Bärentatzen der späteren Grafen von Hoya, aber mit der Inschrift SIGILLVM HENRICI DE STVMPENHVS. Die Überlieferungen lassen vermuten, dass sein Vater nicht zu den ab 1091 bezeugten Edelherren und Grafen von Stumpenhusen, die ihre Burg bei Wietzen hatten, gehörte, sondern seine Mutter eine Schwester des Grafen Widekind von Stumpenhausen (zuletzt 1180 bezeugt) war. Eventuell war der Vater von Graf Heinrich I. von Hoya derjenige, welcher in der Chronik des Stifts Bücken nur „der Friese“ genannt wird und Hoya auf der Weserinsel errichtete.

Um 1205 wurden die Herren von Hodenberg, Schutzvögte des Stifts Bücken, durch den Graf von Hoya, mit dem sie angeblich verwandt waren, verdrängt. 1215 erfolgte der Kauf der Freigrafschaft Nienburg. Das war Auslöser für jahrhundertelange Auseinandersetzungen mit dem Bistum Minden, das sein Territorium bedroht sah. Dennoch weiteten die Grafen von Hoya ihr Gebiet über Liebenau, Steyerberg, Stolzenau, Uchte und Diepenau weiter nach Süden aus. 1338 kauften sie die Grafschaft Altbruchhausen, worauf etwas später der Erwerb der Grafschaft Neubruchhausen folgte. Zeitweise gehörten zur Grafschaft Hoya auch Thedinghausen, Wildeshausen und sogar das Kloster Loccum. In seiner größten Ausdehnung reichte das Territorium der Grafschaft von Bremen im Norden bis zum Hochstift Minden im Süden, von den Grafschaften Oldenburg und Diepholz im Westen bis zur Weser im Osten. Es umfasste somit fast die gesamte Mittelweserregion und eine Fläche von 2250 km² – etwa so groß wie das heutige Saarland.

St. Martinus zu Hoya, Grablege der Grafen von Hoya

1345 wurde die Grafschaft zwischen zwei Grafenbrüdern in die obere Grafschaft (Nienburger Linie) und die untere Grafschaft (Hoyaer Linie) geteilt. Zur Unterscheidung nannten sich die Herren der Obergrafschaft „Graf von Hoya“ und der Herr der Niedergrafschaft „Graf von Hoya und Bruchhausen“. Die Grafschaft wurde gemeinsam regiert, wichtige Entscheidungen wurden zusammen getroffen. 1497 starb die Hoyaer Linie aus und fiel an Nienburg.

Die Hoyaer Fehde war eine Fehde von 1351 bis 1359 zwischen der Hansestadt Bremen und der Grafschaft Hoya. Das durch Pest einwohnergeschwächte Bremen ließ mehrere Jahre mehr Zuwanderungen aus dem Umland zu und frühere Leibeigene erwarben nach einem Jahr in Bremen ihre Bürgerfreiheit. 1356 beanspruchte der Graf von Hoya für einige seiner umgezogenen Eigenleute – nunmehr freien Bürger – die Auslieferung, die Bremen nicht gewährte. Es kam zur Fehde zwischen Bremen und Hoya, welches vom Herzog von Jülich unterstützt wurde. Bremen verlor 1358 bei einem Gefecht an der Aller und musste hohe Auslösesummen für seine Gefangenen zahlen.

Anfang des 16. Jahrhunderts begann der Niedergang der Grafschaft. Die Grafen von Hoya waren – hauptsächlich durch ihre militärischen Unternehmungen – hoch verschuldet. Des Weiteren wurden sie von ihren mächtigen Nachbarn, den Herzögen zu Braunschweig-Lüneburg, bedrängt. Im Jahr 1512 wurde die Grafschaft von den Welfenherzögen besetzt und die Grafenfamilie fand bei ihrer ostfriesischen Verwandtschaft Zuflucht. 1519 durften die Grafen zurückkehren und ihre Grafschaft wieder in Besitz nehmen. Dafür musste eine hohe Summe gezahlt und die Grafschaft von den benachbarten Herzögen zum Lehen genommen werden.

Schon 1523 bekannte sich Graf Jobst II. von Hoya zu den Lehren Luthers, der 1525 den Reformator Adrian Buxschott nach Nienburg schickte.

Am 25. Februar 1582 starb der letzte Graf von Hoya, Otto VIII., auf dem Schloss Hoya, dem Stammsitz der Familie. Die Grafschaft Hoya wurde unter den welfischen Linien aufgeteilt. Diese waren später auch als Kurfürsten und Könige von Hannover Landesherren der Grafschaft Hoya. 1866 fiel die Grafschaft mit Hannover an Preußen. Seit 1946 ist die Grafschaft Hoya niedersächsisch.

1932 bis 1977 existierte der Landkreis Grafschaft Hoya mit Sitz in Syke. Die Samtgemeinde Hoya benannte sich 1979 in "Samtgemeinde Grafschaft Hoya" um, somit ist eine Beziehung zu der ehemaligen Grafschaft hergestellt worden. Dieser Name wird auch nach Fusion mit der Samtgemeinde Eystrup 2011 beibehalten [2].

Grafen von Hoya[Bearbeiten]

Regierungszeiten der Grafen von Hoya[Bearbeiten]

  • Hoyaer Linie 1345–1497 (Niedergrafschaft)
    • 1345–1383 Gerhard III.
    • 1383–1428 Otto III.
    • 1428–1451 Otto V.
    • 1451–1497 Otto VII. und 1457–1503 Friedrich (gemeinschaftlich)

Grafen auf Bischofsstühlen[Bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten aus dem Grafenhaus[Bearbeiten]

Grafschaft Hoya[Bearbeiten]

Grafschaft Hoya in einem Kupferstich von 1794

Zur Grafschaft Hoya gehörten im Wesentlichen folgende Schlösser, Burgen und Klöster. Die Schlösser und Burgen dienten gleichzeitig als Verwaltungssitz eines Amtes.

Schlösser und Burgen[Bearbeiten]

Klöster[Bearbeiten]

Münzen[Bearbeiten]

Historische Zeugnisse ihres Wirkens sind die Münzen, die uns die Grafen von Hoya hinterlassen haben. Ihr Land war zu klein, um eine eigene Währung einzuführen. Sie haben darum Münzen benachbarter Münzstände nachgeahmt.

Zuerst lassen die Grafen ab etwa 1230 Hohlpfennige prägen, die denen der Stadt Hamburg und der Markgrafschaft Brandenburg ähnlich sind. Nur das im Münzbild hinzugesetzte eigene Wappen der Bärentatzen unterscheidet sie von ihren Vorbildern. Nach einer längeren Unterbrechung folgen ab dem Anfang der Siebziger Jahre des 14. Jahrhunderts die Sware, die in den gleichzeitigen Münzen der Bischöfe von Münster ihr Vorbild haben. Später werden die Sware der Stadt Bremen nachgemacht. Am Ende der Prägetätigkeit der Grafen von Hoya stehen die Nachahmungen von Münzen, die ein Wendischer Münzverein prägt. Es ist das der Hohlpfennig, Blaffert und der Witte, die als fremdes Geld in der Grafschaft umgelaufen sind.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen der Grafen von Hoya zeigte stets zwei aufgerichtete, nach außen gewendete, schwarze Bärentatzen.

Schon die Edelherren von Stumpenhusen, Vorgänger der Grafen, führten die Bärentatzen auf ihrem Schild. Nachdem die Grafschaft an die Welfen fiel, führten sie die Bärentatzen als Helmzier auch auf ihrem Wappen. Z.B. bei Herzog Georg Wilhelm (1648-1705), was man in der Residenzstadt Celle noch an einigen Stellen sehen kann.

Heute sind die Bärentatzen in den Wappen vieler Kommunen im Gebiet der ehemaligen Grafschaft Hoya zu finden. Oft auch nur eine Bärentatze. Das sind u.a. die Landkreise Nienburg (Weser) und Diepholz, die Städte Nienburg/Weser, Hoya, Syke, Bassum und Sulingen, die Samtgemeinden Siedenburg, Bruchhausen-Vilsen, Eystrup, Kirchdorf , Uchte, Heemsen, Marklohe sowie in den Gemeinden Maasen, Mellinghausen, Staffhorst, Steyerberg, Stolzenau, Bücken und Wietzen. Des Weiteren nutzen viele Organisationen und Vereine die Bärentatzen als Zier.

Bekannt sind die "Nienburger Bärentatzen", ein Biskuitgebäck, das die Nienburger Familie Facompré kreierte. In vielen Bäckereien rund um Nienburg sind sie erhältlich.

In der Stadt Nienburg existiert die "Nienburger Bärenspur": 500 Bärentatzen auf dem Pflaster der Altstadt zeigen Touristen den Weg zu den Sehenswürdigkeiten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gernot Erler: Das spätmittelalterliche Territorium Grafschaft Hoya (1202–1582). Universität (Philosophische Fakultät), Göttingen 1972 (Dissertation).
  • H. Gade : Historisch-geographisch-statistische Beschreibung der Grafschaften Hoya und Diepholz. 2 Bände. Schaper, Hannover 1901 (Nachdruck. Leseberg, Nienburg 1980–1981, ISBN 3-920244-08-7 (Bd. 1), ISBN 3-920244-09-5 (Bd. 2)).
  • Klaus Giesen: Die Münzen der Grafen von Hoya. Geld- und Münzgeschichte, Münzfunde, Geprägekatalog. Numismatischer Verlag Künker, Osnabrück 2004, ISBN 3-9801644-6-2.
  • Wilhelm von Hodenberg (Hrsg.): Hoyer Urkundenbuch. 8 Bände u. Registerband. Jaenecke, Hannover 1848–1856.
  • Bernd Ulrich Hucker: Die Grafen von Hoya. ihre Geschichte in Lebensbildern (= Schriften des Instituts für Geschichte und Historische Landesforschung, Vechta 2). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 1993, ISBN 3-927085-84-7.
  • Museum Nienburg (Hrsg.): Die Grafschaften Bruchhausen, Diepholz, Hoya und Wölpe. Ein Streifzug durch die Geschichte (= Schriften des Museums Nienburg, Weser 18). Museumsverein für die Grafschaften Hoya, Diepholz und Wölpe, Nienburg 2000, ISBN 3-9802844-7-6.
  • Dieter Riemer: Grafen und Herren im Erzstift Bremen im Spiegel der Geschichte Lehes. Mauke, Hamburg 1995, ISBN 3-923725-89-2, S. 131–137 (Zugleich: Oldenburg, Univ., Diss.).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Köbler, Gerhard: "Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart", München 1995, S. 277/78
  2. Presseartikel zur Fusion