Schwarzburg (Adelsgeschlecht)

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Stammwappen der Grafen von Schwarzburg

Die Schwarzburger gehören zum alten Thüringer Hochadel.[1] Der Stammsitz „Swartzinburg" liegt im Tal an der Schwarza westlich von Saalfeld im Thüringer Landkreis Saalfeld-Rudolstadt und wurde 1071 erstmals urkundlich erwähnt.[2] Im Jahr 1599 entstanden die beiden Grafschaften und späteren Fürstentümer Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen. Günther Victor von Schwarzburg-Rudolstadt legte 1918 für beide zuletzt in Personalunion regierten Fürstentümer infolge der Novemberrevolution die Regierungsgeschäfte nieder und erklärte seinen Thronverzicht.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Blick auf die Stadt Schwarzburg um 1900 mit dem gleichnamigen Schloss
Schloss Schwarzburg, der Stammsitz der Familie, um das Jahr 1890
Sizzo III. stiftete um 1142 das Kloster Georgenthal, wo eine Gedenkplatte an den Grafen erinnert
Karte Thüringens aus dem Jahr 1910:
 Schwarzburg-Rudolstadt
 Schwarzburg-Sondershausen
Käfernburger Gemälde mit Gundar, Sigerius und Sizzo

→ zur Vorgeschichte siehe Sizzonen

Die gesicherte Geschichte beginnt ab der Mitte des 12. Jahrhunderts. Frühere Gelehrte versuchten, eine fränkische Herkunft der Schwarzburger herzuleiten. Ein im 8. Jahrhundert lebender Gundar sei ein Ahn der Familie und ein Sohn eines fränkischen Königs gewesen. Papst Gregor II. erwähnte Gundhareus (Gundar) im Jahr 722 in einem Schreiben.[3] Auf dem Käfernburger Gemälde[4] werde dieser Gundar neben Sigerius und Sizzo dargestellt. Gundar soll der Erbauer der Käfernburg bei Arnstadt gewesen sein. Sigerius sei nach der Reinhardsbrunner Chronik sein Sohn und Sizzo habe um 1000 gelebt. Das Geschlecht soll von den Sizzonen abstammen, die am Anfang des 11. Jahrhunderts in Thüringen in Erscheinung traten.

Unter Historikern unbestritten ist die gemeinsame Abstammung der Schwarzburger und Kevernburger. Als Allodialbesitz verfügte die Familie während ihrer Geschichte über Ilmenau, Remda und Plaue. Unter der Herrschaft der Schwarzburger standen auch die Reichslehen Schwarzburg, Ehrenstein und Königsee. Als Lehen existierten ebenfalls von Böhmen Rudolstadt, von Kurmainz Sondershausen, von Kursachsen Frankenhausen, von Sachsen-Weimar Arnstadt und von Sachsen-Gotha Ilm und Paulinzella.[5] Hinzu kamen weitere Lehen von Fulda und Hessen-Kassel.

Sizzo III. (* um 1080, † 1160) war das erste sicher nachweisbare Familienmitglied. Er wurde in Urkunden als Graf von Kevernburg benannt (1141, 1143 und 1144). Auch wurde Sizzo III. als Graf in Thüringen, Graf im Längwitzgau und Graf von Schwarzburg bezeichnet. Der Graf stiftete um 1142 das südlich von Gotha gelegene Kloster Georgenthal und wirkte als Vogt von Paulinzella. Im Schrifttum wird oftmals als dessen Vorfahre Gunther der Eremit (* um 955; † 1045) angeführt. Die Verwandtschaft ist nicht zu belegen, obschon Gunther auf der Grabplatte des Königs Günther XXI. von Schwarzburg-Blankenburg (* 1304; † 1349) abgebildet ist. In der Zeit nach Sizzos III. bildeten sich die getrennten Grafschaften Kevernburg und Schwarzburg heraus. Die Schwarzburger konnten ihren Besitz vergrößern, die Kevernburger wurden bedeutungslos.

Die Grafen von Schwarzburg[Bearbeiten]

Schloss Heidecksburg in Rudolstadt, die Residenz der Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt

Sizzo III. von Kevernburg wurde 1103 erstmals erwähnt und nannte sich ab 1123 Graf von Schwarzburg. Er ist der gemeinsame Stammvater des Hauses Kevernburg-Schwarzburg. Nach der Erstnennung des Stammsitzes Schwarzburg 1071 dauerte es noch über 100 Jahre bis die Familienmitglieder dauerhaft den Namen Schwarzburg führten. In der Mitte des 12. Jahrhunderts bestand der Besitz der Schwarzburger aus der Käfernburg mit dem Gebiet um Arnstadt, der Schwarzburg mit den Gebiet des Thüringer Waldes und aus der Burg Rabenswalde bei Wiehe mit dem Gebiet der unteren Unstrut und der Finne.

Heinrich I., der älteste Sohn Sizzos III., besaß die Schwarzburg mit den dazugehörigen Ortschaften und die Hälfte der Stadt Ilm. Sein Bruder Günther II. verfügte über die Käfernburg und erbte nach dem Tod Heinrich I. die Grafschaft Schwarzburg. Die Schwarzburger sehen erst in der Generation nach Günther II. den Beginn ihrer Eigenständigkeit. Sein Sohn Heinrich II. war der Erbe der Schwarzburg und gilt als Stammvater der Grafen und Fürsten von Schwarzburg. Er unterstützte den späteren König Philipp von Schwaben aus dem Geschlecht der Staufer bei seinen Bemühungen, im Heiligen Römischen Reich die Vormacht zu erlangen. Ebenfalls stand er ab 1228 an der Seite des Stauferkaisers Friedrich II. bei dessen Kreuzzug nach Palästina. Heinrich II. wurde zum Dank für seine Dienste mit Saalfeld und Ranis belehnt, die bis 1389 im Eigentum der Familie blieben. Der Graf hatte die drei Söhne Heinrich III. († 1259), Günther VII. († 1274) und Albrecht II. († 1278). Heinrich III. bekam nach dem Tode des Vaters die Schwarzburg und Kranichfeld, Günther VII. erhielt Blankenburg und Albrecht II. wurde finanziell abgefunden.

Günther II. war der Stifter des Hauses Kevernburg. 1191 fiel die Grafschaft Hallermund an den Grafen, wodurch mit seinem Sohn Ludolf II. die käfernburger Nebenlinie Hallermund entstehen konnte. Mit dem Tode Ottos III. von Hallermund erlosch die Linie 1412. Die Linie Kevernburg existierte lediglich bis 1385. Nach einer Interimsphase bei den Landgrafen von Thüringen gelangte die Käfernburg 1446 an die Schwarzburger Verwandten. Die Käfernburg blieb bei den Schwarzburgern, allerdings zerfiel das Gebäude nach dem Dreißigjährigen Krieg. Albert I. († 1236), ein Sohn von Günther III., begründete die käfernburger Nebenlinie Rabenswalde. Die Besitzungen Alberts I. bestanden aus der Burg Rabenswalde, der Burg und der Stadt Wiehe und diversen Gebieten. Er regierte von Burg Rabenswalde aus und nannte sich Graf von Rabenswalde und Graf von Wiehe. Der Graf wurde 1249 in einer Urkunde genannt, in der er sich mit anderen Edlen der Herrschaft des Markgrafen Heinrich von Meißen unterwarf. Die Linie Rabenswalde hatte nur kurzen Bestand und erlosch mit Friedrich 1312.

Mit Günther VII. († 1274) begann erstmals die historisch bedeutende Linie Schwarzburg-Blankenburg. Nachdem sein Bruder Heinrich III. von Schwarzburg 1259 erbenlos gestorben war, fiel die Linie Schwarzburg-Blankenburg wieder mit der Linie Schwarzburg zusammen. Heinrich V. († 1285), der Sohn von Günther VII., begründete dann wiederholt die Linie Schwarzburg-Blankenburg. Günther IX. († 1289), der Bruder Heinrichs V., stiftete im Jahr 1274 die Linie Schwarzburg-Schwarzburg, die bis 1397 bestand. Die von der Linie Schwarzburg-Schwarzburg abgespaltenen Nebenlinien Schwarzburg-Wachsenburg (1327) und Schwarzburg-Leutenberg (1362) existierten fort. Günther X. (XVIII.) († 1354) war Begründer der Linie Schwarzburg-Wachsenburg und residierte auf der Veste Wachsenburg bei Arnstadt. Er erhielt zusammen mit seinem Bruder Heinrich IX. um 1310 die Leuchtenburg als Pfand und 1333 als Eigentum. Die Grafen hatten neben Wachsenburg diverse Wohnsitze, darunter auch Kranichfeld. Die Familie war aus finanziellen Gründen gezwungen, die Wachsenburg 1369 an die Thüringer Landgrafen zu verkaufen. Die Seitenlinie Wachsenburg wurde 1450 nicht mehr fortgeführt. Heinrich XI. (XV.) († 1402) stiftete die Linie Schwarzburg-Leutenberg. Das Schloss und die Stadt Leutenberg wurden durch Kauf erworben, und Leutenberg wurde dauerhaft die Residenz. Im Jahr 1564 erlosch die Linie Leutenberg, und der Besitz ging an die dann existierende Linie Schwarzburg-Rudolstadt.

Am Anfang des 14. Jahrhunderts bewegten sich die Schwarzburger im Flussgebiet der Gera nach Norden und ebenfalls entlang der Saale nach Nordosten vor und bauten auf diese Weise Besitzungen auf. Auch konnte im nördlichen Thüringen Besitz erlangt werden. Die Familie erwarb in diesem Gebiet 1338 Schlotheim und 1340 Frankenhausen ergänzt durch eine Erbschaft. Am Ende des 14. Jahrhunderts entstanden so im nördlichen Thüringen bereits nahezu die Territorien, die später den schwarzburgischen Unterherrschaften Sondershausen und Frankenhausen entsprachen. Die Gebiete der unteren Unstrut und der mittleren Saale gingen den Grafen hingegen bald wieder verloren.[6] Rudolstadt gelangte 1334 endgültig in den Besitz der Schwarzburger.[7]

Die Grafen von Schwarzburg hatten auch Ambitionen im Heiligen Römischen Reich. Zu den Wittelsbachern hatten die Schwarzburger ein äußerst gutes Verhältnis. Günther XXI. von Schwarzburg-Blankenburg, ein Enkel von Heinrich V., wirkte ab 1330 als Befehlshaber und Diplomat für Kaiser Ludwig IV. den Bayern. Als Eigenbesitz verfügte der Graf nach einer Erbteilung lediglich über Blankenburg und ein Viertel von Saalfeld. Später kamen Arnstadt sowie im nördlichen Thüringen Schlotheim und Frankenhausen hinzu. Nach Ludwigs Tod im Oktober 1347 ließ sich Günther XXI. am 30. Januar 1349 in Frankfurt am Main als Vertreter der bayerischen Partei zum Gegenkönig zu Karl IV. aus dem Haus Luxemburg wählen. Am 6. Februar des gleichen Jahres fand die Krönung in Frankfurt statt. Günther XXI. konnte seinen Anspruch jedoch nicht durchsetzen und verzichtete am 26. Mai 1349 im Vertrag von Eltville auf die Königsschaft. Er erhielt eine finanzielle Kompensation und eine Amnestie für seine Anhänger. Kurze Zeit später erkrankte er schwer und starb am 14. Juni 1349 im Johanniterkloster in Frankfurt, vermutlich an der Pest. Seine Ruhestätte fand der Graf als einziger deutscher König im Kaiserdom St. Bartholomäus zu Frankfurt.

Die Schwarzburger waren auch Akteure im Thüringer Grafenkrieg, der sich zwischen 1342 und 1346 ereignete.[8] Als Ergebnis der Thüringer Grafenfehde wurde Thüringen territorial umgegliedert und blieb bis 1918 im Wesentlichen unverändert. Bei den einzelnen Fürstentümer selbst waren die Veränderungen durch Landesteilungen allerdings signifikant. Hegemonialmacht waren nach dem Krieg die Wettiner, deren Hauptgegner die Grafen von Orlamünde und die Grafen von Schwarzburg waren. 1389 waren die Schwarzburger gezwungen, Saalfeld an die Wettiner zu verkaufen. Die Herrschaft Ranis mit Kamsdorf und Goßwitz ging ebenfalls an die Wettiner. Wenngleich dem Machtstreben der Schwarzburger eine Grenze gesetzt wurde, blieben sie wie auch die Reußen historisch präsent.

Unter der Herrschaft von Günther XL. von Schwarzburg (* 1499; † 1552) aus der Linie Schwarzburg-Blankenburg waren die schwarzburgischen Besitzungen nahezu vereint. Die Reformation brachte gesellschaftliche Veränderungen. Er hinterließ die vier Söhne Albrecht, Johann Günther, Günther und Wilhelm. Die beiden zuletzt genannten Grafen starben kinderlos. Die Linien der Regenten Albrecht VII. und Johann Günther I. wurden die geschichtlich relevanten. Es entstanden die Linien Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen, die anfangs als Linie zu Arnstadt bezeichnet wurde. Eine Aufteilung in zwei neu geschnittene Territorien wurde im Stadtilmer Vertrag vom 21. November 1599 festgelegt. Die Gebiete der beiden Grafschaften und späteren Fürstentümer Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen veränderten sich dann über 300 Jahre nicht mehr und blieben so bis 1918. Die Territorien zählten im Heiligen Römischen Reich zum Obersächsischen Reichskreis.

Die Schwarzburger Fürstentümer[Bearbeiten]

Günther Victor regierte bis 1918 die schwarzburgischen Fürstentümer
Prinz Friedrich Günther verstarb 1971 und war der letzte Chef des Hauses Schwarzburg.

Aus den beiden voneinander unabhängigen Grafschaften Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen entwickelten sich Fürstentümer. Kaiser Leopold I. sprach 1697 die Erhebungen in den Reichsfürstenstand aus. Christian Wilhelm nahm die Standeserhöhung für Schwarzburg-Sondershausen an. Hingegen lehnte Albert Anton diese aus verschiedenen Gründen für Schwarzburg-Rudolstadt ab. Im Falle der Rudolstädter Linie wurde diese dann 1710 von Kaiser Joseph I. erneut ausgesprochen und akzeptiert. Die Einführung der Primogenitur verhinderte zukünftige Zerteilungen des Besitzes. Bei Schwarzburg-Rudolstadt wurde der Vorrang des Erstgeborenen 1710 bestimmt und durch den Kaiser 1716 bestätigt. Bei Schwarzburg-Sondershausen galt die Primogenitur ab 1716 und wurde 1719 bestätigt.[9]

Das Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt zählte 1910 circa 100.000 Einwohner, das Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen circa 90.000 Einwohner. Der letzte regierende Fürst von Schwarzburg, Günther Victor von Schwarzburg-Rudolstadt, legte am 23./25. November 1918 als letzter deutscher Fürst die Regierungsgeschäfte nieder. Nach dem Ende der Monarchie entstanden im Jahr 1918 die Freistaaten Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen. Das Land Thüringen wurde 1920 gebildet, das die Gebiete der beiden schwarzburgischen Fürstentümer enthielt. Die bedeutsamere Hauptlinie Schwarzburg-Rudolstadt erlosch 1925 in direkter Linie mit dem Tode des kinderlosen Fürsten, der neben Schwarzburg-Rudolstadt auch das Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen in Personalunion geführt hatte, da die zweite Hauptlinie bereits 1909 mit Fürst Karl Günther von Schwarzburg-Sondershausen beendet wurde. Chef des Hauses Schwarzburg wurde 1925 Prinz Sizzo von Leutenberg, der sich ab 1910 Prinz zu Schwarzburg nannte. Sein Sohn Prinz Friedrich Günther verstarb 1971 kinderlos.[10] Friedrich Günthers Schwester Marie Antoinette hat Nachfahren, die Graf respektive Gräfin zu Solms-Wildenfels heißen.[11]

Ökonomisch betrachtet wurde um 1900 im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt in der Oberherrschaft der Forstwirtschaft nachgegangen und in der Unterherrschaft dem Ackerbau. In den Tälern der Schwarza, Lichte und Loquitz existierten Schieferbrüche, in Frankenhausen eine Saline. Die wichtigsten Industrien stellten die Porzellan- und die Glasindustrie in der Oberherrschaft dar. Im Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen gab es Land- und Forstwirtschaft. Darüber hinaus war Bergbau, Hüttenwesen und diverse Industrie vorhanden.

Herrschaftsgebiete und Residenzen[Bearbeiten]

Die Gebiete der Schwarzburger ließen sich in die Oberherrschaft oder Unterherrschaft einordnen. Die Schwarzburger Oberherrschaft umfasste ein Gebiet in den heutigen Landkreisen Saalfeld-Rudolstadt (Stadt Rudolstadt) und Ilm-Kreis (Stadt Arnstadt) im südlichen Mittelthüringen, die Schwarzburger Unterherrschaft lag im heutigen Kyffhäuserkreis (Städte Sondershausen und Frankenhausen) in Nordthüringen.

Schwarzburg-Rudolstadt setzte sich ab 1599 aus dem größeren Teil der Oberherrschaft und dem kleineren Teil der Unterherrschaft zusammen. Zu Schwarzburg-Sondershausen zählte der größere Teil der Unterherrschaft und der kleinere Teil der Oberherrschaft. Die Residenz befand sich für Schwarzburg-Rudolstadt in Rudolstadt mit der Heidecksburg und für Schwarzburg-Sondershausen in Sondershausen mit Schloss Sondershausen.

Die Oberherrschaft von Schwarzburg-Rudolstadt bestand aus den Amtsgerichtsbezirken Rudolstadt, Stadtilm, Königsee, Oberweißbach, dem abgetrennten Gerichtsbezirk Leutenberg und vier kleineren Parzellen. Die Unterherrschaft von Schwarzburg-Rudolstadt beinhaltete die Amtsgerichtsbezirke Schlotheim und Frankenhausen. Die Ämter Kelbra und Heringen in Nordthüringen waren zwischen 1419 und 1815 im gemeinschaftlichen Besitz der Grafen von Schwarzburg (ab 1599 Schwarzburg-Rudolstadt) und Grafen zu Stolberg (ab 1706 Stolberg-Roßla) unter Lehnsoberherrschaft der albertinischen Wettiner (späteres Kurfürstentum Sachsen).

Die Landesteile des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt grenzten an die Nachbarstaaten.

Das Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen hatte die folgenden Nachbarstaaten:

Zuvor residierten Schwarzburger Grafen im Längwitzgau, im Südosten Thüringens nördlich des Thüringer Waldes zwischen den Flüssen Gera und Schwarza, auf den Burgen Schwarzburg, Blankenburg, Wachsenburg, Leuchtenburg, Leutenberg und der Käfernburg, die später durch Schloss Neideck in Arnstadt ersetzt wurde. Weitere Sitze des Geschlechts waren im Kyffhäuserkreis im Norden von Thüringen die Burgen Straußberg und Frankenhausen sowie das Schloss Ebeleben.

Die Regenten von Schwarzburg-Rudolstadt[Bearbeiten]

Schwarzburg-Rudolstadt wurde von folgenden Grafen respektive Fürsten regiert:

Die Regenten von Schwarzburg-Sondershausen[Bearbeiten]

Als Regenten von Schwarzburg-Sondershausen wirkten:

Die Bauwerke der Schwarzburger[Bearbeiten]

Das Residenzschloss Heidecksburg wurde bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts als Barockbau erstellt[14] und befindet sich in der Altstadt von Rudolstadt. Zuvor existierte ein dreiflügeliges Renaissanceschloss, das 1735 abbrannte. Die ursprüngliche Burg der Grafen von Orlamünde stammte einst aus dem 13. Jahrhundert. Die Burg ging 1334 durch Kauf an die Schwarzburger, wurde jedoch in der Thüringer Grafenfehde 1345 zerstört. Die Bauarbeiten für das heutige Schloss nahmen 1737 ihren Anfang, wobei das Gebäude in seinen Ausmaßen dem vorherigen Renaissanceschloss ähnelt. Das Schloss entsprach den Repräsentationsbedürfnissen der Linie Schwarzburg-Rudolstadt nachdem diese 1710 in den Reichsfürstenstand erhoben wurde. Als Architekt wurde Johann Christoph Knöffel verpflichtet. Die Heidecksburg war von 1574 bis 1918 die Residenz der Grafen respektive Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt. Heute dienen die Räumlichkeiten unter anderem dem Thüringer Landesmuseum Heidecksburg und dem Thüringer Staatsarchiv Rudolstadt.

Schloss Sondershausen in Sondershausen war die Residenz der Linie Schwarzburg-Sondershausen. Die frühere Burg wurde 1287 erstmals erwähnt. Der Architekt Carl Scheppig gab im 19. Jahrhundert dem Gebäude das heutige Aussehen im Stil des Klassizismus. Das Schloss beherbergt in der Gegenwart ein Museum. Die Schwarzburg, der Stammsitz der Familie, liegt in Schwarzburg. Die „Swartzinburg“ wurde als Burg in einer Urkunde des Bischofs Anno II. von Köln 1071 genannt. Im Jahr 1664 wurde der Gebäudekomplex festigungsartig ausgebaut, um bei einem Angriff von osmanischem Truppen zur Gegenwehr fähig zu sein. Nach der Erhebung der Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt in den Reichsfürstenstand wurde der Stammsitz der Familie aufgewertet und als Nebensitz genutzt. Schloss Schwarzburg wird derzeit umfangreich restauriert,[15] wobei das bereits 1971 sanierte Kaisersaalgebäude ein Besuchermagnet ist. Das Zeughaus der Schlossanlage soll im Jahr 2015 fertiggestellt sein.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Stammwappens der Grafen von Kevernburg-Schwarzburg lautet: „Auf Blau ein goldener, auch rotgekrönter, leopardisierter Löwe“. Nach der Erhebung in den Reichsfürstenstand 1697 bzw. 1710 wurde ein neues, gemehrtes Wappen angenommen.

Frühe Familienmitglieder[Bearbeiten]

Name Lebensdaten Bemerkungen
Sizzo III. * um 1080, † 1160 Stammvater von Kevernburg-Schwarzburg
Heinrich I. * um 1130, † 1184 Sohn von Sizzo III.
Günther II. * um 1135, † 1197 Sohn von Sizzo III., Stifter der Linie Kevernburg
Günther III. † 1223 Sohn von Günther II., dessen Sohn Albert I. war Stifter der käfernburger Linie Rabenswalde
Ludolf II. † 1255 Sohn von Günther II., Stifter der käfernburger Linie Hallermund
Heinrich II. * um 1150, † 1236 Sohn von Günther II., Stammvater der Schwarzburger
Heinrich III. † 1259 Sohn von Heinrich II.
Günther VII. † 1274 Sohn von Heinrich II., Linie Schwarzburg-Blankenburg
Günther IX. † 1289 Sohn von Günther VII., Stifter der Linie Schwarzburg-Schwarzburg
Heinrich V. † 1285 Sohn von Günther VII., nunmehr Schwarzburg-Blankenburg

Chronologische Entwicklung der Stammlinien[Bearbeiten]

Kevernburg-Schwarzburg
urkundlich 1103
Kevernburger (bis 1385)
Schwarzburger
Hallermund
1191-1412
Schwarzburg-Blankenburg
(ab 1275)
Schwarzburg-Schwarzburg
1275–1397
Rabenswalde (Wiehe)
1227–1312
Aus Schwarzburg-Blankenburg entstanden die Linien:
Schwarzburg-Rudolstadt (seit 1599), Schwarzburg-Sondershausen 1599–1909
Aus Schwarzburg-Schwarzburg entstanden die Linien:
Schwarzburg-Wachsenburg 1327–1450, Schwarzburg-Leutenberg 1362–1564

Vertreter[Bearbeiten]

Siehe Stammliste von Schwarzburg

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Haus Schwarzburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Immo Eberl: Die frühe Geschichte des Hauses Schwarzburg und die Ausbildung seiner Territorialherrschaft. In: Thüringen im Mittelalter: Die Schwarzburger. Thüringer Landesmuseum Heidecksburg, Rudolstadt 1995, S. 81
  2. Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder: Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 7. Auflage 2007, S. 647 in der Google-Buchsuche
  3. Immo Eberl: Die frühe Geschichte des Hauses Schwarzburg und die Ausbildung seiner Territorialherrschaft. In: Thüringen im Mittelalter: Die Schwarzburger. Thüringer Landesmuseum Heidecksburg, Rudolstadt 1995, S. 80
  4. Arnold Boie: Das Käfernburger Gemälde, S. 279
  5. Brockhaus' Konversationslexikon, 14. Auflage, 1894-1896
  6. Ernst Devrient: Der Kampf der Schwarzburger um die Herrschaft im Saaletal, in: Festschrift für Berthold Rein, Jena 1935, S. 1-44
  7. C. Polack: Die Landgrafen von Thüringen zur Geschichte der Wartburg (1865), S. 329
  8. Peter Langhof: Die Thüringer Grafenfehde und die Schwarzburger, S. 132
  9. Georg Leopold von Zangen: Die Verfassungs-Gesetze deutscher Staaten in systematischer Zusammenstellung (1828), S. 122
  10. Klaus Reinhold: Chronik Arnstadt, 2. Auflage, S. 198 (PDF; 5,8 MB)
  11. Genealogische Datenbank im Internet - Geneall
  12. Informationen über Schwarzburg-Rudolstadt von HGIS Germany
  13. Informationen über Schwarzburg-Sondershausen von HGIS Germany
  14. Thüringer Landesmuseum Heidecksburg: Residenzschloss Heidecksburg
  15. Ostthüringer Zeitung vom 13. Juni 2012