Graham Greene

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

(Weitergeleitet von Graham Greene (Schriftsteller))
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wikipedia:Hauptseite
Dieser Artikel befasst sich mit dem Schriftsteller, siehe auch: Graham Greene (Schauspieler)

Graham Greene (* 2. Oktober 1904 in Berkhamsted (Hertfordshire); † 3. April 1991 in Vevey (Schweiz)) war ein britischer Schriftsteller. Er gilt als der Autor von Weltruf mit den meisten Nominierungen überhaupt für den Literaturnobelpreis, erhielt ihn aber letztendlich doch nicht. Greenes jüngerer Bruder war Sir Hugh Carleton Greene (1910-1987).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Greene hatte als Sohn eines Schuldirektors eine schwierige Kindheit, weil er zwischen der Loyalität zu seinem Vater und der zu seinen Mitschülern hin- und hergerissen wurde. Er war früh begeistert von Joseph Conrad, aber auch von den Spionageromanen von John Buchan ("Die 39 Stufen"). Für seine spätere Entwicklung als Schriftsteller sind auch Robert Louis Stevenson (ein entfernter Verwandter von Greene) und Henry James wichtig.

Greene studierte am Balliol College, Oxford. Als Jugendlicher spielte er gelegentlich Russisches Roulette und kam in psychiatrische Behandlung. Nach dem Studium arbeitete er einige Jahre als Journalist.

1926 konvertierte er mit 22 Jahren zur Überraschung seiner anglikanischen Umgebung zum katholischen Glauben, u. a. um seine Frau, eine überzeugte Katholikin, heiraten zu können. Das Paar trennte sich nach dem Zweiten Weltkrieg wegen Greenes zahlreicher Affären (er war u. a. ein häufiger Gast in Bordellen), blieb aber bis zu Greenes Tod verheiratet. Zeitlebens war er ein Kritiker der Amtskirche, eines seiner Bücher, Die Kraft und die Herrlichkeit (The Power and the Glory), landete gar zeitweilig auf dem vatikanischen Index der "Verbotenen Bücher", obwohl es eine einzigartige Darstellung der besonderen Berufung des katholischen Priesters ist.

In den 1930er Jahren schrieb er für mehrere britische Zeitungen Filmkritiken (in denen er Alfred Hitchcock regelmäßig verriss), und einige Äußerungen über den US-Kinderstar Shirley Temple führten zu einem Verleumdungsprozess, der die Zeitschrift "Night and Day" in den Ruin trieb. In dieser Zeit begann auch seine Leidenschaft für das Reisen, die er zeitlebens beibehielt; so war er beispielsweise als junger Mann kurze Zeit Mitglied der Kommunistischen Partei, weil er hoffte, so umsonst nach Russland reisen zu können.

Während des Zweiten Weltkrieges war er beim britischen Außenministerium, genauer beim Auslandsgeheimdienst angestellt, wo er dem legendären Spion Kim Philby unterstellt war. Daher stammen seine genauen Kenntnisse der verborgenen Seiten des Diplomatischen Korps, die er in seinen Romanen (etwa Unser Mann in Havanna) so genussvoll ironisierend darstellt.

Seine zum Teil außerordentlich erfolgreichen Romane thematisieren immer wiederkehrend zentrale Punkte der human condition wie Schuld, (Un-)Glaube und Verrat im äußeren Gewand von Abenteuergeschichte, spy story und Krimi, sodass auch die nach spannender Unterhaltung suchenden Leser das ihre darin fanden. Greene war unter anderem ein vehementer Kritiker des Kolonialismus und seiner Auswüchse. Greene selbst unterteilte seine Werke lange in "novels" (die ernsten Romane wie "Schlachtfeld des Lebens", 1934) und "entertainments" (die Unterhaltungsromane wie "Jagd im Nebel", 1939), gab diese Unterscheidung aber später auf, weil er ebenso wie viele Leser entdeckte, dass die "entertainments" wie A Gun For Hire zu seinen besten Romanen gehören. Besonders in seinen frühen Romanen herrscht eine schäbige, triste Atmosphäre, in der die Menschen Erlösung suchen (bis "Ein ausgebrannter Fall", 1960). Im englischen Sprachgebrauch etablierte sich für diese Atmosphäre der Begriff "Greeneland". In seinen späteren Romanen, etwa ab "Die Reisen mit meiner Tante" (1969), verband er seine traditionellen Themen wie Religion und Verbrechen zunehmend mit einem grotesken, makabren Sinn für Humor (wie in "Dr. Fischer aus Genf oder Die Bombenparty").

Greene selbst wurde von dem ewigen Gefühl der Langeweile getrieben, dem er entkommen wollte (wie er in seiner Autobiographie "Ways of Escape" erzählt). Das führte ihn zum Alkohol (der in vielen seiner Romane eine große Rolle spielt, so beim "Schnaps-Priester" in "Die Kraft und die Herrlichkeit" und in der entscheidenden Szene von "Unser Mann in Havanna"), in alle Krisengebiete seiner Zeit, in viele Affären und zu einer erstaunlichen Produktivität: außer als Romancier und Journalist arbeitete er als Dramatiker (sein erstes Stück, "The living-room", war ein großer Erfolg) und Drehbuchautor (z. B. bei Der dritte Mann und "Die Stunde der Komödianten"). In dem Film "Die amerikanische Nacht" von François Truffaut hat er eine stumme Rolle. Er war auch ein gefürchteter Verfasser von Leserbriefen.

Große Verbreitung fanden einige seiner Romane in Deutschland, als sie in den 50ern als preiswerte Taschenbücher im Rowohlt-Verlag herauskamen.

Seine weltweite Beliebtheit zeigt sich auch an den zahlreichen Verfilmungen fast aller seiner Romane durch Regisseure wie John Ford, Otto Preminger, Joseph L. Mankiewicz, Neil Jordan und Carol Reed (Der dritte Mann, "Unser Mann in Havanna"), und in den letzten Jahren v. a. "Das Ende einer Affäre" mit Julianne Moore und Ralph Fiennes und Der stille Amerikaner mit Michael Caine und Brendan Fraser. Zu seinem großen Freundeskreis gehörten der Schriftsteller Evelyn Waugh (ein katholischer Konvertit wie Greene selbst), Omar Torrijos, der Präsident von Panama, und der Filmproduzent Alexander Korda. In seinen späten Jahren wurde Greene zu einem scharfen Kritiker der US-Außenpolitik und unterstützte die Politik von Fidel Castro. Er wurde von François "Papa Doc" Duvalier, dem Staatschef von Haiti, nach dem kritischen Buch "Die Stunde der Komödianten", in dem Greene das Terrorregime der Tontons Macoutes dargestellt hatte, mit Verleumdungen verfolgt (so bezeichnete Duvalier Greene in einer Broschüre als "Folterer").

So präsent wie Greene in der Öffentlichkeit über 40 Jahre lang auch war, liebte er es doch, sich möglichst geheimnisvoll und bedeckt zu geben, was sein eigenes Privatleben betraf. Das führte dazu, dass auch nach seinem Tod heftige Diskussionen über ihn geführt werden, etwa was die Frage betrifft, ob er seine Arbeit für den Geheimdienst wirklich nach dem Zweiten Weltkrieg beendet hatte.

Mit 86 Jahren starb Graham Greene am 3. April 1991 in Vevey in der Schweiz. Er ist auf dem Friedhof von Corseaux begraben.

[Bearbeiten] Auszeichnungen

[Bearbeiten] Werke

  • 1925 - Babbling April
  • 1929 - The Man Within (Zwiespalt der Seele)
  • 1930 - The Name of Action
  • 1932 - Rumour At Nightfall
  • 1932 - Stamboul Train (auch The Orient Express) (Orient-Express)
  • 1934 - It's a Battlefield (Das Schlachtfeld des Lebens)
  • 1935 - The Bear Fell Free
  • 1935 - England Made Me (Ein Sohn Englands)
  • 1936 - A Gun for Sale (auch This Gun For Hire) (Das Attentat)
  • 1936 - Journey without Maps (Der Weg nach Afrika)
  • 1938 - Brighton Rock (Am Abgrund des Lebens)
  • 1939 - The Confidential Agent (Jagd im Nebel)
  • 1939 - The Lawless Roads (auch Another Mexico) (Gesetzlose Straßen)
  • 1940 - The Power and the Glory (auch The Labyrinthine Ways) (Die Kraft und die Herrlichkeit)
  • 1943 - The Ministry of Fear (Zentrum des Schreckens)
  • 1946 - The Little Train
  • 1948 - The Heart of the Matter (Das Herz aller Dinge)
  • 1950 - The Little Fire Engine
  • 1950 - The Third Man (Der dritte Mann)
  • 1951 - The End of the Affair (Das Ende einer Affäre)
  • 1952 - The Little Horse Bus
  • 1953 - The Shipwrecked
  • 1954 - Twenty-One Stories: Beinhaltet unter anderem die Geschichte "The Destructors" (Zerstörungswut)
  • 1955 - Loser Takes All (Heirate nie in Monte Carlo)
  • 1955 - The Quiet American (Der stille Amerikaner)
  • 1958 - Our Man in Havana (Unser Mann in Havanna)
  • 1960 - A Burnt-Out Case (Ein ausgebrannter Fall)
  • 1966 - The Comedians (Die Stunde der Komödianten)
  • 1969 - Travels With My Aunt (Reisen mit meiner Tante)
  • 1971 - A Sort of Life (Eine Art Leben)
  • 1973 - The Honorary Consul (Der Honorarkonsul)
  • 1974 - Lord Rochester's Monkey (Lord Rochesters Affe)
  • 1975 - The Return Of A.J. Raffles
  • 1978 - The Human Factor (Der menschliche Faktor)
  • 1980 - Doctor Fischer of Geneva: or The Bomb Party (Dr. Fischer aus Genf oder Die Bomben-Party)
  • 1982 - Monsignor Quixote (Monsignore Quijote)
  • 1984 - Getting to Know the General (Mein Freund, der General)
  • 1985 - The Tenth Man (Der zehnte Mann)
  • 1988 - The Captain and the Enemy (Ein Mann mit vielen Namen)

[Bearbeiten] Verfilmungen

  • 1941 - Die Narbenhand (This gun for hire) - Vorlage: Roman "A Gun for Sale" - Regie: Frank Tuttle
  • 1944 - Ministerium der Angst (Ministry of fear) - Regie: Fritz Lang
  • 1945 - Jagd im Nebel (Confidential agent) - Regie: Herman Shumlin
  • 1947 - Befehl des Gewissens (The fugitive) - nach dem Roman "Die Kraft und die Herrlichkeit" - Regie: John Ford
  • 1947 - Brighton Rock - Regie: John Boulting
  • 1947 - Piratenliebe (The Man Within) - Regie: Bernard Knowles
  • 1948 - Kleines Herz in Not (The fallen idol) - Vorlage: Erzählung "The Basement Room" - Regie: Carol Reed
  • 1949 - Der dritte Mann (The third man) - nach dem gleichnamigen Roman - Regie: Carol Reed
  • 1953 - Das Herz aller Dinge (The heart of the matter) - nach dem gleichnamigen Roman - Regie: George More O’Ferrall
  • 1955 - Das Ende einer Affäre (The end of the affair) - Regie: Edward Dmytryk
  • 1956 - Heirate nie in Monte Carlo (Loosers take all) - Regie: Ken Annakin
  • 1957 - Die Brücke der Vergeltung (Across the bridge) - Regie: Ken Annakin
  • 1957 - Die heilige Johanna (Saint Joan) – Drehbuch von Greene nach dem Bühnenstück von George Bernard Shaw - Regie: Otto Preminger
  • 1957 - Mit dem Satan auf Du (Short cut to hell) - Vorlage: Roman "A Gun for Sale" - Regie: James Cagney
  • 1957 - Vier Pfeifen Opium (The quiet American) – nach dem Roman Der stille Amerikaner - Regie: Joseph L. Mankiewicz
  • 1959 - Unser Mann in Havanna (Our man in Havanna) - Regie: Carol Reed
  • 1961 - Die Kraft und die Herrlichkeit (The power and the glory) - Regie: Marc Daniels
  • 1967 - Die Stunde der Komödianten (The Comedians) - Regie: Peter Glenville
  • 1972 - England made me - Regie: Peter Duffell
  • 1972 - Reisen mit meiner Tante (Travels with my aunt) - Regie: George Cukor
  • 1979 - The Human Factor - Regie: Otto Preminger
  • 1982 - Der Honorarkonsul (The honorary consul) - Regie: John Mackenzie
  • 1985 - Monsignore Quixote (Monsignor Quixote) - Regie: Rodney Bennett
  • 1986 - Leihen Sie uns ihren Mann? (May we borrough your husband?) - Regie: Bob Mahoney
  • 1988 - Der 10. Mann (The tenth man) - Regie: Jack Gold - mit Anthony Hopkins
  • 1989 - Liebesroulette (Money talks) - Vorlage: Roman "Heirate nie in Monte Carlo" - Regie: James Scott
  • 1990 - Eine Falle für den Killer (This gun for hire) - Vorlage: Roman "A gun for sale") - Regie: Lou Antonio
  • 1999 - Das Ende einer Affäre (The end of the affair) - Regie: Neil Jordan
  • 2000 - Die doppelte Nummer (Double take) - Regie: George Gallo
  • 2002 - Der stille Amerikaner (The quiet American) - nach dem gleichnamigen Roman - Regie: Phillip Noyce

[Bearbeiten] Literatur

  • Allain, Marie-Francoise: Graham Greene : Gespräche mit Marie-Francoise Allain. 1981
  • Atkins, John A.: Graham Greene. - London: Calder & Boyars, 1970
  • Greiwe, Ulrich: Graham Greene und der Reichtum des Lebens. - München: Dt. Taschenbuchverl., 2004. - (dtv; 24417) - ISBN 3-423-24417-8
  • Hazzard, Shirley: Begegnung auf Capri. Erinnerungen an Graham Greene. - Wien, Zsolnay Verlag, 2002, ISBN 3-552-05201-1
  • Rischik, Josef: Graham Greene und sein Werk. - Bern, Univ., Diss., 1951
  • Shelden, Michael: Graham Greene : eine Biographie. - Göttingen: Steidl, 1995 - ISBN 3-88243-368-X
  • Sherry, Norman: The Life of Graham Greene. - Harmondsworth: Penguin Books, 1990 ff (vol. 1-3)
  • Stratford Philip: Faith and fiction : creative processes in Greene and Mauriac. - Notre Dame, Ind., Univ., Diss., 1967
  • West, William J.: The Quest for Graham Greene. - New York: St. Martin's Pr., 1988 - ISBN 0-312-18161-2

[Bearbeiten] Weblinks

Persönliche Werkzeuge