Gran Tamerlano (Mysliveček)

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Werkdaten
Originaltitel: Il Gran Tamerlano
Form: Opera seria
Originalsprache: Italienisch
Musik: Josef Mysliveček
Libretto: Agostino Piovene
Uraufführung: 26. Dezember 1771
Ort der Uraufführung: Teatro Regio-Ducale in Mailand
Ort und Zeit der Handlung: Kleinasien zu Beginn des 15. Jahrhunderts
Personen
  • Tamerlano (Timur Tamerlan), Khan der Mongolen – Bariton
  • Bajazete (Bajazet), türkischer Sultan, in Gefangenschaft – Bass
  • Asteria, seine Tochter – Sopran
  • Andronico (Andronicus), ihr Geliebter – Tenor
  • Irene, Tamerlans frühere Geliebte – Mezzosopran
  • Idaspe (Daspes), einer der Generäle Tamerlans – Alt (Hosenrolle)

Il gran Tamerlano („Tamerlan der Große“) ist eine opera seria in drei Akten des tschechischen Komponisten Josef Mysliveček.

Komponist Mysliveček

Handlung[Bearbeiten]

Hintergrund der Handlung bildet die Schlacht von Ankara im Jahre 1402, bei der der Mongolenherrscher Timur / Tamerlan den Sultan des Osmanischen Reiches Bajazet / Bayezid I. besiegte und gefangensetzte. Neben dem Sultan wird auch seine Tochter Asteria gefangengesetzt, in die sich wiederum der Mongolenherrscher verliebt. Asteria freilich liebt Andronico, mit dem wohl ein Sohn Manuel II. gemeint sein dürfte, der 1408 bis 1425 Fürst von Thessaloniki war.

Erster Akt[Bearbeiten]

Tamerlano, der Sieger über den türkischen Sultan Bajazete, verliebt sich in dessen Tochter Asteria, die er zusammen mit dem Vater gefangengenommen hat. Diese jedoch liebt Andronico, einen griechischen Fürsten, der als Verbündeter an der Seite Tamerlanos gekämpft hatte. Andronico liebt natürlich auch Asteria, was natürlich Tamerlano gar nicht weiß. Tamerlanos hatte bereits versucht Druck auf Bajazet auszuüben, um ihm die Heirat zu erlauben, was allerdings fehlgeschlagen war. Nunmehr will er Andronico dafür gewinnen und verspricht ihn mit einem eigenen Königreich und dazu noch mit der eigentlich mit ihm verlobten, aber inzwischen „überflüssigen“ Irene, belohnen, wenn er den gefangengesetzten Sultan Bajazete überreden kann, ihm seine Tochter Asteria zur Frau zu geben. Diese Verlautbarung bringt natürlich Irene selbst auf den Plan, die sich nicht so einfach verscheuchen lassen, sondern lieber um ihre Liebe bzw. um Tamerlano kämpfen will.

Zweiter Akt[Bearbeiten]

Bajazete weigert sich strikt, Tamerlano seine Tochter zur Frau zu geben, selbst als ihm mit dem Tod gedroht wird. Seine Tochter Asteria gibt, vermeintlich um den Vater zu retten, aber eigentlich in der geheimen Absicht, damit nah an Tamerlano heranzukommen und ihn umzubringen, klein bei und willigt in die Hochzeit. Als ihr Vater ihr Verrat vorwirft, gibt sie ihren eigentlichen Plan zu, was wiederum Tamerlano dazu bringt, Rachepläne zu schmieden.

Dritter Akt[Bearbeiten]

Als eine Rache muss Asteria nunmehr als Magd für Tamerlano arbeiten – und ihr Vater dabei zusehen. Bajazete gibt daraufhin seiner Tochter ein Gift, damit sie „es tapfer gebrauche“. Er selbst wolle ihr in den Tod folgen, wenn sie die Rache erfolgreich vollzogen habe. Asteria versucht mithilfe des Giftes vom Vater Tamerlano zu vergiften, was aber von Irene beobachtet und, indem sie sich nun Tamerlan zu erkennen gibt und ihn vor dem Giftanschlag warnt, vereitelt wird. So wird Tamerlano klar, wer ihn wirklich liebt und er steht der Heirat Asterias mit Andronico nicht länger im Weg. Schwer enttäuscht von sich (dass er bei der Schlacht verloren hat) und von seiner Tochter – und dazu unversöhnlich sich mit den neuen Verhältnissen abzufinden – gibt sich Tamerlano sein Gift und verstirbt.

Das Libretto[Bearbeiten]

Das Libretto stammt von Agostino Piovene (1671–1721). Erstmals 1711 von Francesco Gasparini in Venedig zur Aufführung gebracht, wurde es, meist unter dem ursprünglichen Titel Tamerlano unter anderem vertont von

sowie nach Mysliveček von

Einer der bekanntesten Vorgänger war Antonio Vivaldi, der das Libretto unter dem Titel Bajazete, allerdings als Pasticcio, 1735 in Venedig zur Aufführung brachte. Abweichend von der überwiegenden Zahl der Opern ist der Titelheld in ""Il Gran Tamerlano"" von Mysliveček keine Kastratenrolle, sondern für Bariton geschrieben und mit Bajazet haben wir, wie auch bei Vivaldi, eine veritable Bassrolle. Bei Georg Friedrich Händel, der den gleichen Stoff – allerdings nach einem Libretto von Nicola Francesco Haym – 1724 in London als Tamerlano zur Uraufführung und in den Jahren bis 1731 mehrfach zur Wiederaufführung brachte, sind Tamerlano traditionsgemäß ein Kastrat und Bajazet ein Tenor.

Uraufführung und Nachwirkung[Bearbeiten]

Millico (Tamerlanopart)

Myslivečeks “”Gran Tamerlano”” wurde am 26. Dezember 1771 im Teatro Regio Ducale in Mailand uraufgeführt und eröffnete die Karnevalsaison 1772. Die Besetzung sah wie folgt aus:

Die Uraufführung war äußerst erfolgreich und viele Arien sind in anderen Opern der Zeit wiederverwendet worden, so z. B. „Di quel amabil ciglio“ oder die Arie „Il caro e solo oggetto.“ Die Eröffnungssinfonie mag, wie Daniel E. Freeman gezeigt hat, Mozart als Anregung für seine Sinfonie Nr. 9 gedient haben.

1776 wurde die Oper in Pavia ein weiteres Mal zur Aufführung gebracht.

Moderne Aufführungen[Bearbeiten]

Eine erste Wiederaufführung fand 1967 in Brno, in der damaligen Tschechoslowakei, statt. 10 Jahre später gab es in Prag eine Wiederaufführung, allerdings in verkürzter Form.

Arien und Duette in Il Gran Tamerlano[Bearbeiten]

1. Akt

Akt I, Szene 1 – Arie Bajazette, „Superbo di mia sorte“
Akt I, Sz. 4 – Tamerlano, „Vanne la sorte mia“
Akt I, Sz. 5 – Andronico, „Chi non ode i miei sospiri“
Akt I, Sz. 7 – Tamerlano, „Che per voi sospiro“
Akt I, Sz. 10 – Asteria, „Sento nel alma mia“
Akt I, Sz. 13 – Irene, „Tradito ed appresso“
Akt I, Sz. 14 – Chor, „Già ti cede il mondo intero“
Akt I, Sz. 15 – Duett Tamerlano und Asteria, „Di quel amabil ciglio“

2. Akt

Akt II, Szene 2 – ARIA Bajazette, „In mezzo alle tempeste“
Akt II, Szene 4 – ARIA Andronico, „Se ti mirre se quest'alma“
Akt II, Szene 5 – ARIA Bajazette, „Sazia il tuo fiero orgoglio“
Akt II, Szene 6 – ARIA Asteria, „Cadrò, sì cada, io stessa“
Akt II, Szene 8 – ARIA Irene, „Quell'empio cor istabile“
Akt II, Szene 9 – ARIA Tamerlano, „Il caro e solo oggetto“
Akt II, Szene 10 – ARIA Idaspe, „Fra il mar turbato, e nero“
Akt II, Szene 11 – ARIA Asteria, „Nacqui in seno alla sventura“
Akt II, Szene 12 – Chor, „Lieti sposi, ah venga Imene“
Akt II, Szene 13 – Quartett Tamerlano, Bajazette, Asteria und Andronico, „Smanio, veneggio e fremo“

3. Akt

Akt III, Szene 2 – ARIA Bajazette, „Pria di salir“
Akt III, Szene 4 – ARIA Tamerlano, „M'offende il nemico“
Akt III, Szene 7 – ARIA Asteria, „Non mi vedo“
Akt III, Szene 9 – Chor, „Doppo il nembo e la procella“

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Libretto Venedig 1723 online
  2. Libretto online
  3. Libretto Italienisch und Deutsch für München 1754 online
  4. Libretto online
  5. Libretto online