Granatgruppe

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Granat ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Siehe auch Granat (Begriffsklärung).
Granat
Almandine-163762.jpg
Almandin (Garnet Ledge, Wrangell, Wrangell Island, Wrangell-Petersburg Borough, Alaska, Vereinigte Staaten) mit Rhombendodekaeder- und Trapezoederflächen (Größe: 2,3 × 2,3 × 2,2 cm)
Chemische Formel allgemeine Strukturformel: X3[8]Y2[6](ZO4)3[1]
Mineralklasse Silikate und Germanate – Inselsilikate (Nesosilikate)
9.AD.25 (8. Auflage: VIII/A.08) nach Strunz
51.04.03a bis 51.04.03d und 51.04.04 nach Dana
Kristallsystem kubisch
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin kubisch-hexakisoktaedrisch; 4/m 3 2/m
Farbe variabel, häufig rotbraun, gelbgrün, schwarz
Strichfarbe weiß
Mohshärte 6,5 bis 7,5
Dichte (g/cm3) 3,5 bis 4,3
Glanz Glas-, Fett-, Harzglanz
Transparenz durchsichtig bis undurchsichtig
Bruch muschelig, splitterig, spröde
Spaltbarkeit unvollkommen
Habitus gedrungen
Häufige Kristallflächen {110}, {211}
Kristalloptik
Pleochroismus keiner
Weitere Eigenschaften
Magnetismus ferrimagnetisch

Die Granatgruppe ist eine wichtige Gruppe gesteinsbildender Minerale aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und der Abteilung der Inselsilikate (Nesosilikate). Die Granat-Minerale kristallisieren meist im kubischen Kristallsystem und bilden überwiegend isometrische Kristalle mit den charakteristischen Formen des Rhombendodekaeders (veraltet auch Granatoeder), Ikositetraeders sowie deren Kombinationen.

Die allgemeine Granatformel lautet: X3[8]Y2[6][ZO4]3[1] oder auch A32+B23+[RO4]3[2][3], wobei 'X', 'Y' und 'Z' bzw. 'A', 'B' und 'R' allerdings keine chemischen Elemente vertreten, sondern definierte Plätze im Kristallgitter darstellen. Die jeweiligen Gitterplätze können dabei von verschiedenen Elementen oder besser Ionen besetzt werden:

  • X: zweiwertige Kationen umgeben von acht Sauerstoffanionen, meist Mg2+, Fe2+, Mn2+ und Ca2+
  • Y: vorwiegend dreiwertige Kationen umgeben von sechs Sauerstoffanionen, meist Al3+, Fe3+, Cr3+ und V3+, aber auch Ti3+, Zr4+, Sn4+
  • R: vorwiegend vierwertige Kationen umgeben von vier Sauerstoffanionen, meist Si4+, aber auch Al3+, Fe3+, Ti4+, P5+, As3+,5+

Zusätzlich ist bei den so genannten Hydrogranaten ein [ZO4]-Baustein noch durch vier [OH]-Bausteine ersetzt.

Granate sind im Allgemeinen durchsichtig bis durchscheinend, bei vielen Fremdbeimengungen und in derben Mineral-Aggregaten auch undurchsichtig. Unverletzte bzw. unverwitterte Kristallflächen weisen einen glas- bis fettähnlichen Glanz auf. Die Farbe der Granate ist sehr variabel, auch wenn rötliche Farbvarietäten überwiegen. Die Palette reicht von einem hellen Grün über Gelbgrün bis Dunkelgrün, Hellgelb über Gelborange und Orangerot sowie von einem hellen Rosa bis zu einem fast schwarz wirkenden Dunkelrot. Seltener finden sich farblose und braune Varietäten und sehr selten auch farbwechselnde (Changierende) und blaue Granate[4]. Die Strichfarbe ist allerdings immer weiß.

Ihre relativ hohe Dichte (3,5 bis 4,5 g/cm3), Mohshärte (6,5 bis 7,5) und Lichtbrechung (n = 1,61 (Katoit) bis n = 1,96 (Calderit)[5] machen sie sowohl als Schmuckstein als auch für industrielle Anwendungen interessant.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Geöffnete Frucht des Granatapfels
im Vergleich zu einer Granatmineralstufe

Die Bezeichnung Granat wurde erst im Mittelalter geprägt, hat aber ihren Ursprung im lateinischen Wort granum für Korn oder Kern bzw. granatus für körnig oder kernreich und bezieht sich einerseits auf das Vorkommen des Minerals in Körnern, welche Ähnlichkeit mit den Kernen des Granatapfels (Punica granatum) haben, andererseits aber auch auf die orangerote bis rotviolette Farbe von Blüte, Frucht und Kernen des Granatapfels.

Schon in der Antike wurden Granate als Schmucksteine genutzt. Im Mittelalter waren sie zusammen mit Rubinen und Spinellen unter der Bezeichnung Karfunkel (auch Karfunkelstein) bekannt – die meisten stammten damals aus Indien. Besonders populär waren sie aber im 19. Jahrhundert, als böhmische Pyrope so begehrt waren, dass sie bis nach Amerika verschifft wurden.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte die Granatgruppe zur allgemeinen Abteilung der „Inselsilikate (Nesosilikate)“, trägt die System-Nr. VIII/A.08 und bestand aus den Mitgliedern Almandin, Andradit, Calderit, Goldmanit, Grossular, Henritermierit, Hibschit, Holtstamit, Hydrougrandit (diskreditiert 1967 als unnötiger Gruppenname), Katoit, Kimzeyit, Knorringit, Majorit, Morimotoit, Pyrop, Schorlomit, Spessartin, Uwarowit, Wadalit und Yamatoit (diskreditiert, da identisch mit Momoiit).

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet die Granatgruppe ebenfalls in die Abteilung der „Inselsilikate“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit weiterer Anionen und der Koordination der beteiligten Kationen, so dass die Granatgruppe mit der System-Nr. 9.AD.25 entsprechend der Zusammensetzung der Mitglieder Almandin, Andradit, Blythit, Calderit, Goldmanit, Grossular, Henritermierit, Hibschit, Holtstamit, Hydroandradit, Katoit, Kimzeyit, Knorringit, Majorit, Momoiit (IMA 2009-026), Morimotoit, Pyrop, Schorlomit, Spessartin, Skiagit, Uwarowit und Wadalit in der Unterabteilung „Inselsilikate ohne weitere Anionen; Kationen in oktahedraler [6] und gewöhnlich größerer Koordination“ zu finden ist.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet die Granatgruppe in die Abteilung der „Inselsilikatminerale“ ein. Hier ist sie allerdings unterteilt in die Untergruppen „Pyralspit-Reihe“ (System-Nr. 51.04.03a), „Ugrandit-Reihe“ (System-Nr. 51.04.03b), „Schorlomit-Kimzeyit-Reihe“ (System-Nr. 51.04.03c), „Hydrogranate“ (System-Nr. 51.04.03d) und „Tetragonale Hydrogranate“ (System-Nr. 51.04.04) innerhalb der Unterabteilung „Inselsilikate: SiO4-Gruppen nur mit Kationen in [6] und >[6]-Koordination“ zu finden.

Untergruppen, Einzelminerale und Varietäten[Bearbeiten]

Traditionell werden die Granate in folgende Untergruppen unterteilt. Die unten genannten Zusammensetzungen beziehen sich auf die so genannten Endglieder der Granatgruppe, das heißt in ihnen werden die in der allgemeinen Formel unbestimmten Positionen E und G vollständig mit Atomen eines Elementes besetzt:

Pyralspit-Gruppe
  • Pyrop (Magnesium-Aluminium-Granat): Mg3Al2[SiO4]3[1]
  • Almandin (Eisen-Aluminium-Granat): Fe3Al2[SiO4]3[1]
  • Spessartin (Mangan-Aluminium-Granat): Mn3Al2[SiO4]3[1]

Ebenfalls zu dieser Gruppe gezählt werden

  • Majorit (Magnesium-Eisen–Granat): Mg3(Fe,Al,Si[6])2[SiO4]3[1]
  • Knorringit (Magnesium-Chrom-Granat): Mg3Cr2[SiO4]3[1]
  • Calderit (Mangan-Eisen-Granat): Mn3Fe23+[SiO4]3
  • Momoiit (IMA 2009-026): (Mn2+,Ca)3(V3+,Al)2(SiO4)3
Ugrandit-Gruppe
  • Uwarowit (Calcium-Chrom-Granat): Ca3Cr2[SiO4]3[1]
  • Grossular (Calcium-Aluminium-Granat): Ca3Al2[SiO4]3[1]
    • Grandit: Intermediäres Glied der Mischreihe Grossular-Andradit
    • Plazolith: Intermediäres Glied der Mischreihe Grossular-Katoit
  • Andradit (Calcium-Eisen-Granat) Ca3Fe2(SiO4)3

Ebenfalls zu dieser Gruppe gezählt werden

Schorlomit-Gruppe
  • Schorlomit (Calcium–Eisen-Titan-Granat): Ca3Ti24+[Fe23+SiO12][1]
  • Morimotoit (Calcium–Eisen2+-Titan-Granat): Ca3Ti4+Fe2+[SiO4]3[1]
  • Kimzeyit (Calcium-Zirkon-Aluminium-Titan-Granat): Ca3Zr2[Al2SiO12][1]
Hydrogranate
  • Hibschit: Ca3Al2[(SiO4)>1,5((OH)4)<1,5][1], zählt nicht als eigenständiges Mineral sondern als intermediärer Mischkristall der Reihe Grossular–Katoit.
  • Katoit: Ca3Al2[(SiO4)>1,5((OH)4)<1,5][1]
  • Hydroandradit: Ca3Fe23+[(SiO4)>1,5((OH)4)<1,5][1], zählt nicht als eigenständiges Mineral sondern als Varietät von Andradit.
  • Henritermierit: Ca3(Mn3+,Al)2[(SiO4)2(OH)4][1]

Ebenfalls zu dieser Gruppe gezählt wird der Wadalit: Ca6Al5[O8|(SiO4)2Cl3][1]

Weitere Granate
  • Blythit (Mangan-Granat): Mn32+Mn23+[SiO4]3[6], nicht anerkanntes Mineral, da rein hypothetisches Endglied der Granat-Gruppe als Mn3+-Analogon zu Spessartin.
  • Khoharit (Magnesium-Eisen-Granat): Fe3+-Analogon zu Pyrop und rein hypothetisches Endglied, daher kein anerkanntes Mineral.[7]
  • Skiagit: Fe2+-Analogon zu Andradit bzw. Fe3+-Analogon zu Almandin und rein hypothetisches Endglied, das erst bei Drücken von über 100 kbar kristallisiert[8], daher kein anerkanntes Mineral.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Achtaragdit vom „Akhtaragda River mouth“, Wiljui-Becken, Russland (Größe: 2,5 × 2,4 × 1,5 cm)
  • Achtaragdit (auch Achtarandit, engl. Akhtaragdit): Pseudomorphose von Grossular-Katoit-Mischkristallen (Hydrogrossular) nach Mayenit[9], möglicherweise auch von Hibschit nach Wadalit[10] vom Wiljui in Russland. Achtaragdit findet sich meist in Form tetraedrischer oder triakistetraedischer Kristalle von weißgrauer bis graubrauner Farbe.
  • Bredbergit (nach James Dwight Dana, um 1900): Veralteter und nicht mehr gebräuchlicher Name für eine magnesiumreiche Andradit-Varietät
  • Demantoid (nach Nils von Nordenskiöld, um 1870): Durch Fremdbeimengungen gelbgrün gefärbte Andradit-Varietät
  • Melanit (nach Abraham Gottlob Werner, 1799[11]): Wird als titanreiche Varietät von Andradit angesehen und wurde nach dem griechischen Wort μέλας für schwarz benannt, da er überwiegend in grauschwarzen bis pechschwarzen Kristallen oder derben Aggregaten vorkommt.
  • Topazolith (nach P. C. Bonvoisin, 1806[12]): Hellgelbe, „topasähnliche“ Andradit-Varietät, die erstmals im Valle di Lanza in der italienischen Region Piemont entdeckt wurde[13]
  • Xalostocit: Bezeichnung für eine dichte Verwachsung von durchscheinend rosafarbenen Grossularen mit weißem Marmor, die nach dem Fundort Xalostoc im mexikanischen Bundesstaat Morelos benannt wurde.[14]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Granate kommen in massiver Form oder körnig, häufig aber auch als makroskopische Kristalle vor, die bis zu 700 kg schwer werden können.

Besonders häufig findet man Granate in metamorphen Gesteinen wie Gneis, Glimmerschiefer oder Eklogit; daneben treten sie auch in magmatischen Gesteinen und sedimentär in Schwermineralseifen (Strandsedimente, Flusssedimenten) auf. Die meisten natürlich gefundenen Schmuckstein-Granate stammen heute aus den USA, aus Südafrika und Sri Lanka.

Die genaue chemische Zusammensetzung steht immer mit jener des umgebenden Gesteins im Zusammenhang: So kommt beispielsweise der magnesiumreiche Pyrop häufig in Peridotiten und Serpentiniten vor, während grüner Uwarowit vor allem in chromhaltigem Serpentinitgestein auftritt.

Metapelite (Glimmerschiefer, Gneis)[Bearbeiten]

Bei der Metamorphose von silikatischen Peliten bilden sich almandinreiche Granate ab ca. 450 °C bei der Reaktion von Chloritoid + Biotit + H2O zu Granat + Chlorit. Bei niedrigen Temperaturen sind die Granatmischkristalle reich an Spessartin und werden bei steigenden Temperaturen zunehmend almandinhaltiger. Ab ca. 600 °C bildet sich Granat beim Abbau von Staurolith. Bei weiter steigenden Temperaturen werden die Granate zunehmend reicher an Pyrop und selbst bei beginnender Gesteinsschmelze können Granate noch neu gebildet werden z. B. bei der Reaktion von Biotit + Sillimanit + Plagioklas + Quarz zu Granat + Kalifeldspat + Schmelze. Erst ab Temperaturen von 900 °C baut sich Granat ab zu Spinell + Quarz oder bei hohen Drucken zu Orthopyroxen + Sillimanit[15].

Metabasite (Granulit, Eklogit)[Bearbeiten]

In der Suite der Metabasite (z. B. metamorphe Basalte) tritt Granat gesteinsbildend in Eklogiten auf und die Granatmischkristalle sind reich an Pyrop und Grossular.

Mit steigenden Druck bildet sich Granat beim Übergang von der Granulit-Fazies zur Eklogit-Fazies ab ca. 10kBar, 900 °C bei der Reaktion von Orthopyroxen und Plagioklas zu Granat, Klinopyroxen und Quarz. In Blauschiefern bilden sich zunächst Fe-reiche Granate, die auf dem Weg zur Eklogit-Fazies zunehmend Pyrop- und Grossular-reicher werden.

Zersetzung von Granat (Retrograde Umwandlungen)[Bearbeiten]

schalige Kelyphitbildungen um bereits zersetzte Granatkristalle (schwarz) in einem Serpentinitgestein

Granate erleiden unter bestimmten lithofaziellen Umständen innerhalb von metamorphen Gesteinen eine Umwandlung bzw. Zersetzung. Das Ergebnis dieser Prozesse nennt man Kelyphit. Dabei entstehen zahlreiche neue Mineralien.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Granate kristallisieren im Allgemeinen mit kubischer Symmetrie in der Raumgruppe Ia3d. Die Elementarzelle enthält 8 Formeleinheiten und hat je nach Zusammensetzung eine Kantenlänge von 1.146 nm (Pyrop) bis 1.256 nm (Katoit)[16][5].

Aufbau der Granatstruktur[Bearbeiten]

O2−-Anion

Die Sauerstoffanionen besetzen die allgemeine Gitterposition 96h mit der Punktsymmetrie 1[17]. Jedes O2−-Anion ist dort von 4 Kationen umgeben:

  • ein T-Kation, verbunden durch eine starke, vorwiegend kovalente Bindung mit ca. 1 Bindungsvalenz
  • ein G-Kation, zu dem eine vorwiegend ionische Bindung mit ca. 0,5 vu (Valenzeinheiten) besteht
  • zwei E-Kationen, zu denen nur schwache, ionische Bindungen mit jeweils ca. 0,25 vu bestehen.

Die Sauerstoffe bilden nicht, wie bei anderen Oxidstrukturen mit hoher Dichte, eine dichteste Kugelpackung. Große 8-fach koordinierte Ionen würden in einer kubisch oder hexagonal dichtesten Sauerstoff-Kugelpackung keinen Platz finden. Aufgrund der komplexen Verknüpfung aller Koordinationspolyeder über gemeinsame Ecken und vor allem viele gemeinsame Kanten erreicht die Granatstruktur dennoch eine hohe Dichte.

Die Kationen besetzten je nach Größe und Ladung drei verschiedene, spezielle Gitterpositionen, wo sie von 4, 6 oder 8 Sauerstoffen umgeben sind.

TO4-Tetraeder

Granatstruktur 1: TO4-Tetraeder

Die T-Kationen (Si4+) sitzen auf der Gitterposition 24d mit der Punktsymmetrie 4, wo sie von 4 Sauerstoffionen umgeben sind, die an den Ecken eines Tetraeders liegen.[17]

Die ermittelten T-O-Bindungslängen liegen zwischen 0,163 nm (Pyrop, Almandin) und 0,165 nm (Goldmanit). Die TO4- Koordinationstetraeder haben zwei Paare unterschiedlich langer Kanten:[18]

  • zwei einander gegenüberliegende Kanten, die an keine besetzte Gitterposition angrenzen mit Längen zwischen 0,274 nm (Almandin, Andradit) und 0,276 nm (Goldmanit)
  • zwei ebenfalls gegenüberliegende Kannten, die an EO8-Dodekaeder grenzen mit Längen zwischen 0,250 nm (Pyrop, Almandin) und 0,258 nm (Uwarowit, Goldmanit).


GO6-Oktaeder

Granatstruktur 2: GO6-Oktaeder

Die G-Kationen sitzen auf der Gitterposition 16a mit der Punktsymmetrie 3, wo sie von 6 Sauerstoffionen umgeben sind, die an den Ecken eines Oktaeders liegen[17]. Die ermittelten G-O- Bindungslängen liegen zwischen 0,19 nm (Pyrop) und 0,20 nm (Andradit). Der GO6-Koordinationspolyeder hat zwei verschiedene Kanten[18]:

  • 6 Kanten, die an keine besetzte Gitterposition grenzen mit Längen zwischen 0,262 nm (Pyrop) und 0,289 nm (Andratit)
  • 6 Kanten, die an die E-Position grenzen mit Längen zwischen 0,269 nm (Grossular) und 0,283 nm (Andradit)


EO8-Dodekaeder

Granatstruktur 3: EO8-Dodekaeder

Die E-Kationen sitzen auf der Gitterposition 24c mit der Punktsymmetrie 222, wo sie von 8 Sauerstoffern umgeben sind, die an den Ecken eines Dodekaeders (Trigondodekaeder) liegen[17]. Die ermittelten E-O- Bindungslängen liegen zwischen 0,22 nm (Pyrop) und 0,25 nm (Andradit, Glodmanit). Der EO8-Koordinationspolyeder hat 4 verschiedene Kanten[18]:

  • 2 Kanten, die an benachbarte TO4-Tetraeder grenzen mit Längen zwischen 0,250 nm (Pyrop, Almandin) und 0,258 nm (Uwarowit, Goldmanit).
  • 4 Kanten, die an benachbarte GO6-Oktaeder grenzen mit Längen zwischen 0,269 nm (Grossular) und 0,283 nm (Andradit)
  • 4 Kanten, die an benachbarte EO8-Dodekaeder grenzen mit Längen zwischen 0,27 nm (Pyrop) und 0,297 nm (Grossular)
  • 8 Kanten, die an keine besetzte Gitterposition grenzen mit Längen zwischen 0,278 nm (Pyrop) und 0,287 nm (Grossular, Goldamnit)


Verknüpfung der Koordinationspolyeder

Granatstruktur 4: Verknüpfung der Koordinationspolyeder
Granatstruktur 5: Gesamtansicht

Die TO4-Tetraeder und GO6-Oktaeder sind über gemeinsame Sauerstoffe an ihren Ecken zu einem Gerüst aus alternierenden Tetraedern und Oktaedern verbunden. Granate sind Inselsilikate und ihre TO4-Tetraeder sind untereinander nicht direkt verbunden.

Die EO8-Dodekaeder sind über gemeinsame Kanten zu 3er-Ringen verknüpft, deren Ebene senkrecht zur Raumdiagonale der Elementarzelle liegt. Diese EO8-Dodekaederringe sind untereinander so zu einem Gerüst verknüpft, dass jeder Dodekaeder zu zwei solchen Ringen gehört. Über weitere Kannten sind die Dodekaeder mit den Tetraedern und Oktaedern des TO4-GO6-Gerüstes verbunden, dessen Zwischenräume es ausfüllt.

Symmetrieerniedrigung[Bearbeiten]

Insbesondere Grossular-Andradit-Mischkristalle sind schwach doppelbrechend und optisch zweiachsig[19]. Auch bei Almandin wurde optische Anisotropie boabachtet[20]. Die optischen Eigenschaften sind sehr sensible Indikatoren für Abweichungen von der idealen, kubischen Struktur. Bei Röntgenstrukturuntersuchungen von Granaten konnten sie hingegen nur selten nachgewiesen werden. Einige Arbeiten ergeben für solche Granate trikline (I-1)[21][22] oder ortorhombische (Fddd)[23], aber auch tetragonale (I41/acd)[24][25] oder monokline (C2/m)[23] Symmetrie. Als Ursachen dieser Symmetrieerniedrigung werden zahlreiche Ursachen angeführt:[26]

  • Plastische Deformation
  • Symmetrieerniedrigung durch Gitterspannungen
  • Magnetooptische Effekte durch Einbau von Seltenerdelementen
  • Unterschiedliche Verteilung (Ordnung) von Kationen auf dann verschiedene Oktaederpositionen
  • Symmetrieerniedrigung durch geordneten Einbau von OH-Gruppen

Verwendung[Bearbeiten]

Als Schleifmittel[Bearbeiten]

Granat wird wegen seiner Härte auch als Schleifmittel beim Sandstrahlen und Wasserstrahlschneiden eingesetzt.

In der Technik[Bearbeiten]

Insbesondere künstlich erzeugte Kristalle mit Granatstruktur werden in feinmechanischen und optischen Instrumenten eingesetzt. Im Gegensatz zu den natürlichen Mineralien werden hier auf dem Tetraeder-Platz statt Silicium oftmals andere Elemente eingebaut. Yttrium-Aluminium-Granat (YAG, Y3Al2[Al O4]3), bei dem etwa ein Prozent der Yttrium3+-Ionen durch Neodym3+-Ionen ersetzt wird, ist ein häufig eingesetzter Laserkristall (Nd:YAG-Laser). Der gelbe Lumineszenzkonverter der weißen LEDs ist zu Beginn der Entwicklung ein Cer-dotierter YAG gewesen. Yttrium-Eisen-Granat (YIG) und Verwandte werden als Mikrowellenferrit, Resonator oder Filter in der Hochfrequenztechnik eingesetzt.

Als Schmuckstein[Bearbeiten]

Granate finden in verschiedenen Varianten als Schmucksteine Verwendung. Man unterscheidet unter anderem den dunkelroten Pyrop, der auch Kaprubin genannt wird, den rotschwarzen Almandin, den smaragdgrünen Uwarowit, den gelbgrünen Andradit, den schwarzen Schorlomit und Melanit, den transparent-grünlichen Demantoid und den orangeroten Spessartin. Daneben gibt es noch Grossular. Außerdem gibt es seit einigen Jahren eine neue Variante, den orangefarbenen Mandaringranat. Granate werden auch als Edelsteine des kleinen Mannes bezeichnet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Monographien

  •  Thomas Fehr, Maximilian Glas, Joachim Zang: Granat. Die Mineralien der Granat-Gruppe: Edelsteine, Schmuck und Laser. Weise, München 1995, ISBN 3-921656-35-4 Kommentar=ExtraLapis. Nr. 9.

In Kompendien

Wissenschaftliche Fachartikel

  • S. Geller: Crystal chemistry of the garnets. In: Zeitschrift für Kristallographie., Band 125, 1967, S. 1–47 (PDF-Datei; 2,1 MB)
  • G. A. Novak, G. V. Gibbs: The Crystal Chemistry of the Silicate Garnets. In: American Mineralogist, Vol. 56, 1971, S. 791–825 (PDF-Datei; 2,2 MB).
  • H. Hirai, H. Nakazawa: Visualizing low symmetry of a grandite garnet on precession photograph. In: American Mineralogist, Vol. 71, 1986, S. 1210–1213 (PDF-Datei; 2,2 MB)
  • D. Brown, R. A. Mason: An Occurrence of Sectored Birefringence in Almandine from the Gagnon Terrane, Labrador. In: Canadien Mineralogist, Vol. 32, 1994, S. 105–110 (PDF-Datei; 835 kB)
  • F. M. Allen, P. R. Buseck: XRD, FTIR, and TEM studies of optically anisotropic grossular garnets. In: American Mineralogist, Vol. 73, 1988, S. 568–584 (PDF-Datei; 1,6 MB)
  • D. K. Teertstra: INDEX-OF-REFRACTION AND UNIT-CELL CONSTRAINTS ON CATION VALENCE AND PATTERN OF ORDER IN GARNET-GROUP MINERALS. In: Canadian Mineralogist, Vol. 44, 2006, S. 341–346 (PDF-Datei; 192 kB)
  • K. J. Kingma, J. W. Downs: Crystal-structure analysis of a birefringent andradite. In: American Mineralogist , Vol. 74, 1989, S. 1307–1316 (PDF-Datei; 1,0 MB).
  • D. T. Griffen, D. M. Hatch, W. R. Phillips, S. Kulaksis: Crystal chemistry and symmetry of a birefringent tetragonal pyralspite75-grandite25-garnet. In: American Mineralogist , Vol. 71, 1992, S. 399–406 (PDF-Datei; 1,1 MB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Granate (Garnet) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 540-542.
  2.  Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 460466.
  3.  Friedrich Klockmann, Paul Ramdohr, Hugo Strunz (Hrsg.): Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978 (Erstausgabe: 1891), ISBN 3-432-82986-8.
  4. Mineralienatlas:Mineralienportrait Granat - Farbwechselnde und blaue Granate
  5. a b D. K. Teertstra: INDEX-OF-REFRACTION AND UNIT-CELL CONSTRAINTS ON CATION VALENCE AND PATTERN OF ORDER IN GARNET-GROUP MINERALS. In: Canadian Mineralogist, Vol. 44, 2006, S. 342 (PDF-Datei; 192 kB)
  6.  Thomas Fehr, Maximilian Glas, Joachim Zang: Granat. Die Mineralien der Granat-Gruppe: Edelsteine, Schmuck und Laser. Weise, München 1995, ISBN 3-921656-35-4 Kommentar=ExtraLapis. Nr. 9, S. 19.
  7.  Thomas Fehr, Maximilian Glas, Joachim Zang: Granat. Die Mineralien der Granat-Gruppe: Edelsteine, Schmuck und Laser. Weise, München 1995, ISBN 3-921656-35-4 Kommentar=ExtraLapis. Nr. 9, S. 9.
  8.  Thomas Fehr, Maximilian Glas, Joachim Zang: Granat. Die Mineralien der Granat-Gruppe: Edelsteine, Schmuck und Laser. Weise, München 1995, ISBN 3-921656-35-4 Kommentar=ExtraLapis. Nr. 9, S. 13.
  9.  Thomas Fehr, Maximilian Glas, Joachim Zang: Granat. Die Mineralien der Granat-Gruppe: Edelsteine, Schmuck und Laser. Weise, München 1995, ISBN 3-921656-35-4 Kommentar=ExtraLapis. Nr. 9, S. 3.
  10. Eugeny Galuskin, Irina Galuskina: Achtarandite – sponge hibschite pseudomorph after wadalite-like phase: internal morphology and mechanism of formation, in: Neues Jahrbuch für Mineralogie – Abhandlungen, Band 178, Heft 1 (2003), S. 63–74 (PDF 32 kB; Kurzbeschreibung)
  11.  Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 272.
  12. Elements of mineralogy: adapted to the use of seminaries and private students, von John Lee Comstock in der Google-Buchsuche
  13. J. Brocchi's mineralogische Abhandlung über das Thal von Fassa in Tirol: mit Zusätzen, einem Kärtchen des Thales von Fassa und einem Blatt Gebirgs-Durchschnitten versehen, von Giambattista Brocchi, Carl August von Bloedau in der Google-Buchsuche
  14.  Thomas Fehr, Maximilian Glas, Joachim Zang: Granat. Die Mineralien der Granat-Gruppe: Edelsteine, Schmuck und Laser. Weise, München 1995, ISBN 3-921656-35-4 Kommentar=ExtraLapis. Nr. 9, S. 17.
  15. Metamorphism of pelites in F. S. Spear 1993: Metamorphic Phase Equilibria and Pressure-Temperature-Time Paths, S. 337–391
  16. Gibbs 1971, S. 791
  17. a b c d S. Geller: Crystal chemistry of the garnets. In: Zeitschrift für Kristallographie., Band 125, 1967, S. 4 (PDF-Datei; 2,1 MB)
  18. a b c Novac & Gibbs 1971 – Tabellen 1, 9
  19. F. M. Allen, P. R. Buseck: XRD, FTIR, and TEM studies of optically anisotropic grossular garnets. In: American Mineralogist, Vol. 73, 1988, Abb. 3, S. 571 (PDF-Datei; 1,6 MB)
  20. D. Brown, R. A. Mason: An Occurrence of Sectored Birefringence in Almandine from the Gagnon Terrane, Labrador. In: Canadien Mineralogist, Vol. 32, 1994, S. 105–110 (PDF-Datei; 835 kB)
  21. F. M. Allen, P. R. Buseck: XRD, FTIR, and TEM studies of optically anisotropic grossular garnets. In: American Mineralogist, Vol. 73, 1988, S. 580 (PDF-Datei; 1,6 MB)
  22. Kingma & Downs 1989, S. 1307
  23. a b Hirai & Nakazawa 1986
  24. Griffen et. al 1992
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  26. F. M. Allen, P. R. Buseck: XRD, FTIR, and TEM studies of optically anisotropic grossular garnets. In: American Mineralogist, Vol. 73, 1988, Abb. 3, S. 568–569 (PDF-Datei; 1,6 MB)