Grand-Prix-Europameisterschaft 1939

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Grand-Prix-Europameisterschaft 1939 war die siebente und letzte in der Geschichte von dem internationalen Automobilsportverband AIACR ausgeschriebenen Grand-Prix-Europameisterschaft.

Die Saison stand unter zunehmendem Einfluss des heranziehenden Zweiten Weltkriegs. Benito Mussolini verbot den italienischen Fahrern, in Frankreich zu starten. Darüber hinaus wurden einige Rennen (wie der Große Preis von Tripolis in Mellaha oder die Coppa Acerbo in Pescara) in die hubraumschwächere Voiturette-Klasse verlegt, weil in dieser die Übermacht der deutschen Teams Mercedes-Benz und Auto Union nicht so stark war. Dennoch beherrschten die beiden Marken das Geschehen. Durch den Ausbruch des Krieges endete die Saison abrupt, der Große Preis von Italien und der Große Preis von Donington wurden abgesagt. Unklarheit herrscht auch, wer in dieser Saison Europameister wurde.

In diesem Artikel werden nur die wichtigsten Motorsport-Grand-Prix der Saison 1939 erwähnt, daneben fanden noch einige kleinere, nationale Rennen statt.

Rennkalender[Bearbeiten]

Grandes Épreuves zur Europameisterschaft[1][Bearbeiten]

Datum Rennen Strecke Sieger Statistik
1 25.06. BelgienBelgien Großer Preis von Belgien Spa-Francorchamps Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Hermann Lang (Mercedes-Benz) Statistik
2 09.07. FrankreichFrankreich Großer Preis von Frankreich Reims Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Hermann Paul Müller (Auto Union) Statistik
3 23.07. Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Großer Preis von Deutschland Nürburgring Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Rudolf Caracciola (Mercedes-Benz) Statistik
4 20.08. SchweizSchweiz Großer Preis der Schweiz Bremgarten Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Hermann Lang (Mercedes-Benz) Statistik

Weitere Grands Prix[Bearbeiten]

Datum Rennen Strecke Sieger
02.04. FrankreichFrankreich Großer Preis von Pau Pau Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Hermann Lang (Mercedes-Benz)
10.04. Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Road Championship Brooklands Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Arthur Dobson (ERA)
07.05. FrankreichFrankreich Coupe de Paris Montlhéry FrankreichFrankreich Jean-Pierre Wimille (Bugatti)
07.05. FinnlandFinnland Großer Preis von Finnland Eläintarha SchwedenSchweden Adolf Westerblom (Alfa Romeo)
21.05. Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Eifelrennen Nürburgring Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Hermann Lang (Mercedes-Benz)
28.05. BelgienBelgien Grand Prix des Frontières Chimay FrankreichFrankreich Maurice Trintignant (Bugatti)
26.06. Rumänien KonigreichRumänien Großer Preis von Bukarest Bukarest Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Hans Stuck (Auto Union)
30.07. FrankreichFrankreich Circuit des remparts Angoulême FrankreichFrankreich Raymond Sommer (Alfa Romeo)
07.08. Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Campbell Trophy Brooklands Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Raymond Mays (ERA)
03.09. JugoslawienKönigreich Jugoslawien Großer Preis von Belgrad Belgrad Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Tazio Nuvolari (Auto Union)
29.10. Brasilien 1889Brasilien Circuito de Gávea Nacional Gávea Brasilien 1889Brasilien Manuel de Teffé (Maserati)

Rennergebnisse[Bearbeiten]

Grandes Épreuves zur Europameisterschaft[1][Bearbeiten]

Großer Preis von Belgien[Bearbeiten]

Platz Fahrer Team Zeit
1 Hermann Lang Mercedes-Benz 3:20,21.0
2 Rudolf Hasse Auto Union + 16,9
3 Manfred von Brauchitsch Mercedes-Benz + 1,53.0

Der im Regen stattfindende Große Preis von Belgien in Spa-Francorchamps am 25. Juni 1939 wurde von einem schweren Unfall überschattet. Der britische Mercedes-Pilot Richard Seaman lag eine halbe Minute vorn, als er mit seinem Auto gegen einen Baum fuhr und das Fahrzeug Feuer fing. Sein Teamkollege Hermann Lang fuhr an die Boxen und wollte aufgeben, doch Mercedes-Rennleiter Alfred Neubauer schickte ihn zurück ins Rennen und Lang gewann.

Noch am gleichen Abend erlag Seaman, der beste britische Rennfahrer der Zwischenkriegszeit, seinen schweren Verletzungen – 60 % seiner Haut waren verbrannt.

Großer Preis von Frankreich[Bearbeiten]

Platz Fahrer Team Zeit
1 Hermann Paul Müller Auto Union 2:21,11.8
2 Georg „Schorsch“ Meier Auto Union + 1 Runde
3 René Le Bègue Talbot + 3 Runden

Der Große Preis von Frankreich in Reims am 9. Juli 1939 verlief ungünstig für das Mercedes-Team. Unfälle und Motorschäden ließen keinen seiner Fahrer ins Ziel kommen, sodass die Auto Union einen Doppelsieg erzielte. Von der fünften bis zur 35. Runde führte Hermann Lang mit großem Vorsprung, bevor er mit einem Motorschaden ausfiel.

Georg „Schorsch“ Meier, der Zweitplatzierte, lenkte seinen Wagen mit nur einer Hand ins Ziel: die andere war ihm bei einem Boxenstopp durch austretendes Benzin verbrannt worden.

Großer Preis von Deutschland[Bearbeiten]

Platz Fahrer Team Zeit
1 Rudolf Caracciola Mercedes-Benz 4:08,41.8
2 Hermann Paul Müller Auto Union + 57.8
3 Paul Pietsch Maserati + 1 Runde

250.000 bis 300.000 Zuschauer sahen beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring am 23. Juli 1939 ein ausfallreiches Rennen. Hermann Lang begann furios, hatte nach der ersten Runde 28 Sekunden Vorsprung, den er in der zweiten auf 40 Sekunden ausbauen konnte. In der dritten Runde musste er wegen Motorschaden aufgeben. Regen setzte ein, und der „Regenmeister“ Caracciola konnte trotz zwischenzeitlichen Rückfalls auf den 3. Platz nach einem langen Boxenstopp das Rennen gewinnen.

Großer Preis der Schweiz[Bearbeiten]

Platz Fahrer Team Zeit
1 Hermann Lang Mercedes-Benz 1:24,47.6
2 Rudolf Caracciola Mercedes-Benz + 3.1
3 Manfred von Brauchitsch Mercedes-Benz + 1,09.9

Beim Großen Preis der Schweiz in Bremgarten am 20. August 1939 starteten Autos der Voiturette-Klasse gemeinsam mit den Grand-Prix-Autos. Dadurch kam es zu einiger Verwirrung. Caracciola wurde lange von einem langsamen Auto aufgehalten und konnte trotz intensiver Bemühungen und schneller Runden den führenden Lang nicht mehr einholen.

Weitere Grands Prix[Bearbeiten]

Großer Preis von Pau[Bearbeiten]

Platz Fahrer Team Zeit
1 Hermann Lang Mercedes-Benz 3:07,25.2
2 Manfred von Brauchitsch Mercedes-Benz + 16.8
3 Philippe Étancelin Talbot + 2 Runden

Beim Großer Preis im französischen Pau am 2. April 1939 durften die Italiener gemäß einer Order Mussolinis nicht starten, auch nicht Auto Unions Top-Fahrer Tazio Nuvolari. Daher ließ Auto Union das Rennen ganz aus. Mercedes-Benz dominierte den Saisonauftakt und feierte einen Doppelsieg.

Eifelrennen[Bearbeiten]

Platz Fahrer Team Zeit
1 Hermann Lang Mercedes-Benz 1:40,57.1
2 Tazio Nuvolari Auto Union + 11.2
3 Rudolf Caracciola Mercedes-Benz + 31.3

Für viele Teams war das Eifelrennen auf dem Nürburgring am 21. Mai 1939 ein Vorbereitungsrennen für den Großen Preis von Deutschland. Nuvolari und Lang lieferten sich einen packenden Kampf um den Sieg, den Lang schließlich gewann, weil Nuvolari seine Reifen schonen musste.

Großer Preis von Belgrad[Bearbeiten]

Platz Fahrer Team Zeit
1 Tazio Nuvolari Auto Union 1:04,03.8
2 Manfred von Brauchitsch Mercedes-Benz + 7.6
3 Hermann Paul Müller Auto Union + 31.6

Mitten im Training des Großen Preises von Belgrad im Kalemegdan Park erreichte die Fahrer die Nachricht vom Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Um ein finanzielles Debakel zu vermeiden, bat der Veranstalter die Teams, das Rennen dennoch am 3. September 1939 durchzuführen. So gewann Nuvolari das letzte Rennen der Zwischenkriegszeit. Kaum waren die Teams nach Deutschland zurückgekehrt, beschlagnahmte die Wehrmacht ihre Lastwagen. Die Rennställe hörten auf zu existieren.

Fahrerwertung[Bearbeiten]

Fahrer Wagen BEL
BelgienBelgien
FRA
FrankreichFrankreich
DEU
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit)
SUI
SchweizSchweiz
Punkte[2]
1 Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Hermann Paul Müller Auto Union Ret 1 2 4 12
2 Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Hermann Lang Mercedes-Benz 1 Ret Ret 1 14
3 Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Rudolf Caracciola Mercedes-Benz Ret Ret 1 2 17
4 Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Manfred von Brauchitsch Mercedes-Benz 3 Ret Ret 3 19
Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Tazio Nuvolari Auto Union Ret Ret Ret 5 19
6 Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Rudolf Hasse Auto Union 2 Ret Ret 20
FrankreichFrankreich René Dreyfus Delahaye 7 4 8 20
8 Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Georg Meier Auto Union Ret 2 Ret 22
9 FrankreichFrankreich Raymond Sommer Alfa Romeo 4 5 Ret 23
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Hans Stuck Auto Union 6 Ret 10 23
11 FrankreichFrankreich Robert Mazaud Delahaye 5 6 24
FrankreichFrankreich „Raph“ Delahaye 9 5 24
13 Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Giuseppe Farina Alfa Romeo Ret 7 25
14 Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Paul Pietsch Maserati 3 Ret 26
15 FrankreichFrankreich René Le Bègue Talbot 3 27
16 FrankreichFrankreich Louis Gérard Maserati 6 28
FrankreichFrankreich Philippe Étancelin Talbot 4 28
Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Luigi Chinetti Alfa Romeo 8 28
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Leonhard Joa Maserati 7 28
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Hans-Hugo Hartmann Mercedes-Benz 6 28
Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Clemente Biondetti Alfa Romeo 9 28
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Kenneth Evans Alfa Romeo 11 28
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich John Wakefield ERA 12 28
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Robert Ansell ERA 13 28
25 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Richard Seaman Mercedes-Benz Ret 29
SchweizSchweiz Adolfo Mandirola Maserati Ret DSQ 29
SchweizSchweiz Toulo de Graffenried Maserati Ret 29
28 FrankreichFrankreich Yves Matra Alfa Romeo Ret 30
Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Luigi Villoresi Maserati Ret 30
30 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Raymond Mays ERA Ret 31
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Heinz Brendel Mercedes-Benz Ret 31
Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Giovanni Rocco Maserati Ret 31
Fahrer Wagen BEL
BelgienBelgien
FRA
FrankreichFrankreich
DEU
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit)
SUI
SchweizSchweiz
Punkte[2]
Farbe Bedeutung Punkte
Gold Sieger 1
Silber 2. Platz 2
Bronze 3. Platz 3
Grün mehr als 75% der Renndistanz zurückgelegt 4
Blau zwischen 50% und 75% der Renndistanz zurückgelegt 5
Violett zwischen 25% und 50% der Renndistanz zurückgelegt 6
Rot weniger als 25% der Renndistanz zurückgelegt 7
Schwarz Disqualifiziert (DQ) 8
Blanko nicht angetreten 8

Fett – Pole Position
Kursiv – Schnellste Rennrunde

Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde die Saison nicht mehr fortgeführt, die veranstaltende internationale Organisation AIACR trat nicht mehr zusammen und der offizielle Titel Europameister 1939 wurde nicht vergeben.

Im Dezember 1939 erklärte die ONS, die Oberste Nationale Sportbehörde Deutschlands, Hermann Lang zum Europameister. Nach dem Punktesystem, das 1935 bis 1938 verwendet wurde, hatte allerdings Hermann Paul Müller weniger Punkte und wäre damit Europameister gewesen. (Damals gab es für bessere Plätze weniger Punkte, und Müller hätte 12 gegenüber Langs 14 Punkten gehabt). Während der Saison wurde jedoch ein neues Punktesystem diskutiert, das dem in der Formel 1 nach 1950 verwendeten ähnelte, und nach diesem hatte Lang 23 Punkte. Warum die Nationalsozialisten das neue Punktesystem verwendeten und ob sie Lang gegenüber Müller bevorzugen wollten, ist bis heute nicht geklärt. Wahrscheinlich liegt es daran, dass Hermann Lang in dieser Saison der dominierende Fahrer war, der neben den für die Europameisterschaft zählenden Grand Prix noch mehrere weitere Grand Prix sowie Bergrennen gewann, während H. P. Müller nur ein einziges Rennen gewinnen konnte.

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Automobilsport 1939 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Mit dem Begriff „Grandes Épreuves“ wurden die offiziellen Wertungsläufe der Europameisterschaft bezeichnet, und das bedeutet soviel wie „Große Prüfungen“ oder „Großer Wettbewerb“.
  2. a b gemäß dem gültigen Punktesystem