Grand Café Odeon

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Café Odeon, Ansicht vom Limmatquai (2008)
Café und Apotheke, Ansicht vom Bellevue, links das Limmatquai, rechts die Rämi-Strasse

Das Grand Café Odeon ist ein Kaffeehaus am Bellevue in Zürich.

Geschichte[Bearbeiten]

1910 liess der Kaufmann und Oberst Julius Uster an der Ecke des damaligen Sonnenquais (heute Limmatquai) und der Rämistrasse auf den Usterhof bauen, einen mehrstöckigen Bau mit einer Tuffsteinfassade, darin war ein Kaffeehaus nach österreichischem Vorbild im Jugendstil mit grossen Fenstern, Kronleuchtern, Messingverkleidungen und mit rötlichem Marmor verkleideten Wänden.

Am Sonntag, dem 1. Juli 1911 eröffnete das Grand Café Odeon um 18.00 Uhr erstmals seine Türen. Im Keller gab es eine eigene Konditorei und im 1. Stock einen Billardraum. Geführt wurde das Odeon vom Münchner Restaurateur Josef Schottenhaml. Internationale Zeitungen und Lexika lagen auf, oft wurde Schach gespielt. Eine Polizeistunde gab es nicht. In Zürich war das ‚Odeon’ das erste Lokal, in dem Champagner glasweise im Offenausschank serviert wurde.

Zahlreiche Schriftsteller, Maler und Musiker verkehrten regelmässig im Odeon und verliehen dem Café über Jahrzehnte hinweg den Ruf eines Intellektuellentreffpunktes. Zu den prominenten Besuchern gehörten Stefan Zweig, Hans Arp, Franz Werfel, Albert Einstein, Else Lasker-Schüler, Claire Goll, Frank Wedekind, William Somerset Maugham, Erich Maria Remarque, Klaus Mann, Friedrich Torberg, Franz Léhar, Arturo Toscanini, Wilhelm Furtwängler, James Joyce, Lenin, doch auch Schweizer Künstler verkehrten hier: Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt, Carl Seelig, Hugo Loetscher und viele andere. Im Odeon trafen sich 1957 die späteren Freunde und Nachbarn Max Frisch und Alfred Andersch zum ersten Mal.[1] Ein Vertrauensmann der Emigranten war der Buchhändler und Verleger Dr. Emil Oprecht, der die Werke vieler Exilschriftsteller druckte. Auch Benito Mussolini verkehrte in seiner Jugend im Odeon [2].

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde und blieb das Odeon für mehrere Jahrzehnte Treffpunkt der jungen intellektuellen Generation. Anfang der 1970er Jahre wurde das Odeon durch die benachbarte Drogenszene oft in Mitleidenschaft gezogen. Die Einrichtung wurde durch Randalierer teilweise zerstört und musste renoviert werden. Es kam zu Auseinandersetzungen unter Drogenhändlern um die Vorherrschaft im Odeon; die Verluste des Lokals stiegen. Zwecks besserer Überschaubarkeit wurde die Restaurantfläche verkleinert und der nördliche Eingang aufgehoben. Am 1. Juli 1972 musste das Cafe schliessen, danach wurde es unter Denkmalschutz gestellt und auf einem Drittel seiner ursprünglichen Fläche weitergeführt. Im Teil des ehemaligen Cafés ist seit 1991 eine Apotheke untergebracht.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Odeon Zürich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. A. Andersch/M. Frisch, Briefwechsel. Zürich 2014. S. 112.
  2. mapsofworld

47.3676988.545208Koordinaten: 47° 22′ 4″ N, 8° 32′ 43″ O; CH1903: 683583 / 246906