Belebtes Wasser

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Belebtes Wasser aus Österreich, das u. a. nach Taiwan exportiert wird: Ein bei Vollmond abgefüllter Liter kostet etwa 6 Euro. Ohne Vollmondabfüllung sind es 2 Euro.

Belebtes Wasser (auch: levitiertes, vitalisiertes, informiertes oder Grander-Wasser) ist Wasser, das laut der Behauptung seiner Hersteller und Vermarkter auf verschiedene Weisen behandelt wurde und den Gesundheitszustand und die Stimmung seiner Konsumenten verbessern soll. Hinweise auf tatsächliche Veränderungen des Wassers gibt es nicht.[1]

In der Schweiz ist es seit 1999 verboten, mit einer therapeutischen Wirkung des Wassers zu werben. Wasser gilt auch in Deutschland als Lebensmittel und darf nach dem Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch nicht mit unbelegten gesundheitsbezogenen Angaben beworben werden.

Sogenannte Wasserbelebung nach Grander[Bearbeiten]

In Flaschen abgefülltes Grander-Wasser

Der Nordtiroler Unternehmer Johann Grander (1930–2012) bietet Wasser an, das an einem mit so genanntem „Informationswasser“ gefüllten Metallzylinder (meist aus Kupfer) vorbei fließt. Dadurch soll es in seiner „Struktur“ verändert werden und besondere nicht näher beschriebene Eigenschaften erhalten. Angeblich soll auch ein Glas mit Grander-Wasser durch solche „Informationsübertragung“ das Wasser in einem daneben stehenden Glas so verändern können, dass es die Eigenschaften von Grander-Wasser bekommen soll.

Grander gibt an, die Anweisungen zur Entwicklung des Grander-Wassers von Gott bekommen zu haben (Grander; …der die Entstehung von Grander-Wasser auf seine guten Verbindungen zu Gott zurückführt, Antwort auf seine Fragen „von oben“ bekommt und von sich selbst behauptet, ein anderer Mensch zu sein, seit ihm vor 30 Jahren Jesus Christus erschienen sei[2]).

Grander und die Vertreter seiner Produkte versprechen zudem etliche physikalische und biologische Wirkungen, die so behandeltes Wasser angeblich habe. So werden beispielsweise positive Wirkungen auf Ernährung, Getreideanbau und Gesundheit versprochen. Es gibt jedoch bisher keine wissenschaftlichen Studien und keine empirischen Hinweise, die den Nachweis erbringen oder nahelegen, dass derartig behandeltes Wasser die behauptete Wirkung hat.

Charakteristisch für die Kommunikationspolitik des Grander-Unternehmens ist die Vorgangsweise, die beworbenen Wirkungen nie direkt anzuführen, sondern ausschließlich indirekt über ausgewählte Kundenrückmeldungen (Testimonials) herauszustellen.

Die Firma Grander macht mit dem Vertrieb von Wasserbelebungsgeräten und Utensilien in Verbindung mit dem Granderwasser einen Jahresumsatz von etwa 16 Millionen Schweizer Franken (etwa 12,75 Millionen Euro; Stand: Mai 2010).[3]

Angebliche Wirkungen und ihre Bewertung[Bearbeiten]

Keine der von Grander bzw. von Grander-Kunden behaupteten Wirkungen konnte reproduzierbar nachgewiesen werden. Auf der Internetseite von Grander werden zwar einzelne Studien vorgestellt,[4] diese sind jedoch bis auf eine Studie aus China ohne Quellenangabe.

Die folgenden Aussagen wurden naturwissenschaftlich überprüft:

  • Wasserbelebung habe eine entgiftende Wirkung. Hierzu die Bundesanstalt für Wassergüte (1993) in ihrem Gutachten wörtlich: „Granderwasser hat keinerlei entgiftende Wirkung. Anders lautende Behauptungen, wie die zuvor von Grander-Vertretern getroffene Aussage (Zitat Gutachten: ‚Das Gerät »Wasserbelebung 380« bewirkt laut Angabe der Vertreter der Umwelt-Vertriebs-Organisation eine Entgiftung von kontaminierten Wässern‘) sind falsch.“[5]
  • Wasserbelebung bzw. Wasserenergetisierung habe eine bakterientötende Wirkung. Im Abstract von Rudolf Hammers Diplomarbeit heißt es wörtlich dazu: „Die Ergebnisse zeigen, dass eine generelle Wirksamkeit der Wasserenergetisierungsgeräte der Hersteller UVO KG und Naturkraft Biotechnologie GmbH im mikrobiologischen Bereich der Trinkwasserhygiene besonders im Hinblick auf eine mikrobizide bzw. desinfizierende Wirkung nicht gegeben ist.“[6]
  • Die Oberflächenspannung des Wassers werde herabgesetzt.[7][8]Dies könne in Wäschereien ausgenutzt werden, wobei beispielsweise der Waschmitteleinsatz wesentlich herabgesetzt werde. Auch Autowaschanlagen seien ein Einsatzgebiet. Diese Behauptung stützt sich auf eine Diplomarbeit (von Klaus Faißner), bei der das „Belebte Wasser“ durch einen – Weichmacher enthaltenden – Gummigartenschlauch floss, die Vergleichsmuster aber nicht (= methodischer Fehler). Die Messdaten konnten nicht reproduziert werden. Moderne Waschmittel können zudem sehr gering dosiert werden und haben in Verbindung mit zeitgemäßen Anlagen immer noch vertretbare Waschergebnisse.

Zu den folgenden Aussagen sind keine Untersuchungen bekannt:

  • Belebtes Wasser sei „energiereicher“ und soll deshalb weniger UV-Strahlung absorbieren.[9]
  • Die Wasserhärte sinke durch die Anwendung der „Wasserbelebungsgeräte“[9]
  • Belebtes Wasser wirke sich positiv auf das Wachstum von Pflanzen aus.[10][7]
  • Das Wasser werde „in einen Zustand höherer Ordnung versetzt“. Vorgebliche Funktionsweise: In diesen Geräten ist eine kleine Menge Grander-Wasser eingeschweißt. Das belebte Wasser kommt also nie in Berührung mit dem zu veredelnden Leitungswasser, dem Wasser werde „nichts hinzugefügt und nichts weggenommen“. Dennoch wird behauptet, das durch das Gerät durchfließende Leitungswasser werde vermittels der Grander-Technologie „in einen Zustand höherer Ordnung versetzt“. Dies widerspricht dem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, da in einem geschlossenen adiabaten System die Entropie nicht abnehmen kann, also das System ohne Energiezufuhr vielmehr in einen Zustand niedrigerer Ordnung übergeht.
  • Eine bereits vorhandene Verkeimung werde sich reduzieren, sodass man das „belebte Wasser“ bei Leitungen, die lange keinen Durchfluss hatten, einsetzen kann. Bei Schwimmbädern könne man den Chlorzusatz reduzieren[11]. Auch an Müllkippen befindliche Teiche wurden angeblich bereits so behandelt. Nachweisbare Resultate, die von behördlicher Seite oder mit veröffentlichten Messergebnissen gestützt werden, sind nicht bekannt. Zudem müsste solches Wasser „ungenießbar“ sein, um eine Wirkung gegen Keime entfalten zu können.
  • Die Haltbarkeit des Wassers werde ohne Qualitätsverlust um einige Jahre verlängert, sodass angeblich auch große Mineralwasserabfüller ihr Wasser damit behandeln.
  • Als Zusatz in Heiz- oder Kühlanlagen sollen Ablagerungen in Leitungen und Kühltürmen verhindert werden. Dies würde die vorherige Senkung der Wasserhärte bedingen, die jedoch nicht stattfindet.
  • Bäckereien benötigten für den gleichen Teig (und dieselbe Menge Brot) weniger Wasser, und das so hergestellte Brot bliebe länger frisch.
  • Belebtes Wasser soll laut Grander für den Körper Wohlbefinden herstellen und auch bei manchen Krankheiten schon geholfen haben. Auch bei Tieren (bei denen es allerdings auch einen Placeboeffekt gibt sowie das Phänomen der selektiven Wahrnehmung durch den Betreuer), sollen positive Wirkungen beobachtet worden sein.

Juristisches[Bearbeiten]

Im Verfahren 4 R 1/06f urteilte das Oberlandesgericht Wien am 17. August 2006, dass die Bezeichnung „aus dem Esoterik-Milieu stammender, parawissenschaftlicher Unfug“ für Granderwasser sachlich begründet sei, ebenso wie der Vorwurf, dass „Menschen, die an gefährlichen Krankheiten wie etwa Borreliose oder Krebs leiden, möglicherweise leichtgläubig auf dringend notwendige medizinische Behandlung verzichten und auf die Wirkung des Wunderwassers vertrauen“[12]. Die Behauptung jedoch, die Geschäftspraktiken der Firma Grander grenzten an Betrug, ist diesem Urteil zufolge deshalb nicht gerechtfertigt und damit nicht statthaft, weil aufgrund des dreimonatigen Rücktrittsrechts der Käufer von Grander-Utensilien eine Bereicherungsabsicht (eine solche ist Voraussetzung für den Straftatbestand des Betrugs) nicht zu erkennen sei[12].

Im Jahr 2005 wurde in Neuseeland die Vertriebsfirma für Grander-Wasser wegen Irreführung der Verbraucher zu einer Strafe und zu Schadenersatz von umgerechnet 72.000 Euro verurteilt.[13] Die urteilende Richterin bezeichnete die entsprechenden Produkte als Quacksalberei und Pseudowissenschaft.

Naturwissenschaftliche Einschätzung[Bearbeiten]

Wassermoleküle sind Dipolmoleküle und liegen im (flüssigen) Wasser nicht frei und voneinander unabhängig vor, sondern sind über Wasserstoffbrückenbindungen vernetzt. Dadurch bilden sich auch größere Einheiten, sogenannte „Wassercluster“.

Vom belebten Wasser sagen die Hersteller, dass dessen Information verändert sei, indem die Cluster (beispielsweise durch Wasserwirbel) „umstrukturiert“ würden. Worin genau diese Veränderung bestehen soll und welche Strukturen was auslösen würden, wird von den Herstellern nicht genau definiert bzw. als „nicht bekannt“ deklariert.

Wasserstoffbrückenbindungen existieren jedoch immer nur für eine sehr kurze Zeit und brechen innerhalb von Picosekunden wieder auf, während sich an anderen Bindungsstellen genau so rasch wieder neue Brücken und somit neue Cluster bilden.[14] Experimentell ist die extreme Kurzlebigkeit der Mikrostrukturen im Wasser auch an der Rotationsdiffusion des Wassers zu erkennen, das ist die regellose, durch Zufallsbewegungen (Random Walk) erzeugte Änderung der Richtung der Symmetrieachsen der Wassermoleküle in der Flüssigkeit, deren charakteristische Zeiten ebenfalls im Picosekundenbereich liegt[15]. Diese speziellen Eigenschaften des Wassers sind der Grund für seine zahlreichen Anomalien.

Eine bleibende Umstrukturierung der Cluster ist wegen der Kurzlebigkeit jeder einzelnen Wasserstoffbrückenbindung unmöglich.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://homepage.univie.ac.at/erich.eder/wasser/
  2. Zitat der Aussage Granders am 13. Mai 2005 vor dem Bezirksgericht Kitzbühel; ähnlich im Interview der ORF-Sendung „Report“ am 1. Juli 2008
  3. Sendung vom 25.05.2010 – Grander-Wasser: Steuergeld für «Wundermittel». Schweizer Fernsehen, 25. Mai 2010, abgerufen am 18. Mai 2011.
  4. Untersuchungen und Studien. In: grander-technologie.com. Grander, abgerufen am 11. Mai 2011.
  5. Gutachten über die Wirkung des Geräts „Wasserbelebung 380“ der Umwelt-Vertriebs-Organisation auf Testwässer. Bundesanstalt für Wassergüte, Wien, Österreich, 1993, abgerufen am 13. März 2011.
  6. Hammer, R. (2004): Untersuchung von Effekten in energetisiertem Wasser unter Berücksichtigung ausgewählter mikrobiologischer, physikalischer und pflanzenphysiologischer Aspekte.. Diplomarbeit am Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie, Abteilung für Wasserhygiene, Universität für Bodenkultur Wien (Siehe hierzu auch: Studie über Wasserbelebung: Keine bakterientötende Wirkung)
  7. a b Kitzmüller, D. (2005/06): Mythen des Wassers - Wissenschaftliche Untersuchungen von „belebtem“ Wasser anhand der Grandertechnologie und Aquavital (PDF-Datei; 1,82 MB), abgerufen am 13. März 2011. Fachbereichsarbeit aus Chemie, 2005/06
  8. Faißner, K.: Diplomarbeit zur Grander-Wasserbelebung; Frohnleiten (2000)
  9. a b Boss, P.; Christen, D. (2005): Versuchsbericht Grander Wasser: UV Absorption / Wasserhärte. Vergleich der UV-Absorption und der Gesamtwasserhärte von Grander- und normalem Wasser, abgerufen am 13. März 2011 (PDF-Datei; 705 kB). Berner Fachhochschule, Hochschule für Technik und Informatik Burgdorf, Fachbereich Chemie
  10. Hintermann, K.;Basler, P. (1998): Verbesserung des Rebenwachstums mit alternativen Methoden, abgerufen am 13. März 2011. Schweizerische Zeitschrift für Obst- und Weinbau 1998/13: 326-329; siehe auch: hier
  11. Grander Schwimmbad Journal (PDF 1,9 MB) S. 4, grander.com. Abgerufen am 13. August 2012.
  12. a b zitiert aus dem Urteil des Oberlandesgerichts Wien 4 R 1/06f vom 17. August 2006 (PDF-Datei; 583 kB)
  13. Living Water quackery results in $136,000 payout. Media Releases. Neuseeländische Commerce Commission, 26. Juli 2005, abgerufen am 18. Mai 2011 (englisch).
  14. F.N. Keutsch und R.J. Saykally: Water clusters: Untangling the mysteries of the liquid, one molecule at a time In: Proceedings of the National Academy of Sciences USA. 2001:98:10533-10540. doi:10.1073/pnas.191266498
  15. Felix Franks: Water a matrix of life. ,Second Edition,RSC Paperbacks,Cambridge,2000, S.28, ISBN 0-85404-583-X