Granulation (Medizin)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Granulationsgewebe nach einer Schnittverletzung am Finger

Als Granulation (lat. granulum = Körnchen, Körnung) bezeichnet man in der Dermatologie oder Chirurgie die Bildung von jungem Bindegewebe im Rahmen der Wundheilung, das stark von Kapillaren (kleinen Blutgefäßen) durchzogen ist. Durch die Vielzahl der Kapilaren erscheint die Oberfläche „körnig“ – sie ist granuliert. Daher wird das entsprechende Gewebe auch als Granulationsgewebe bezeichnet.[1]

Granulation tritt im Rahmen der Proliferationsphase der Sekundärheilung (bei auseinander klaffenden Wundrändern und Gewebedeffekt) auf und erfolgt etwa drei bis zehn Tage nach der Verletzung. Durch die Bildung von Granulationsgewebe, das vom Wundrand ins Zentrum vorwächst bis der Defekt ausgelichen ist, und zusätzlicher Kontrakion der Wundränder kann hierbei der Wundverschluss gewährleistet werden. Anschließend erfolgt die Epithelialisierung, das heißt die Haut bildet sich neu. Das Granulationsgewebe erfährt dann noch einige Umwandlungen, welche mit der Bildung festen Narbengewebes ihren Abschluss finden.

Überschießend wucherndes Granulationsgewebe in Hautwunden wird als Caro luxurians („wildes Fleisch“) bezeichnet. Medizinisch kann dieses mit Silbernitrat behandelt (verätzt), oder mit dem scharfen Löffel abgetragen werden.

Prozess der Granulation[Bearbeiten]

Botenstoffe der Makrophagen spielen für die Granulation eine wichtige Rolle, denn sie bedingen mehrere Prozesse:

  • β-FGF (Fibroblast Growth Factor β) als wichtigster Wachstumgsfaktor sorgt dabei zusammen mit anderen Botenstoffen für eine Einwanderung und Aktivierung von Fibroblasten aus dem umliegenden Gewebe. Durch diese wiederum kommt es zur Synthese von Glykoproteinen, Proteoglykane und Kollagen, wodurch das Gewebe mechanische Reißfestigkeit erlangt.
  • Des weiteren kommt es zum Vorwachsen von Kapillaren vom Wundrand, bedingt dadurch, dass solide Endothelzapfen aus benachbarten, intakten Kapillaren aussprossen und sich in Endothelzellen umwandeln.

In den Prozess der Wundheilung durch Granulation sind ebenfalls Zellen verschiedenen Typs eingebunden: So sorgen Fibroblasten letztendlich für den Verschluss des Gewebedefekts, Angioblasten für die Neubildung der Kapillaren und Keratinozyten für die Epithelialisierung des Gewebes. Den Botenstoffen aus den Maktrophagen koordinieren diese Vorgänge.

Laboratoriumsmedizin[Bearbeiten]

In der Laboratoriumsmedizin bezeichnet man als Granulation den mikroskopischen und färbetechnischen Nachweis von Granula in Zellen. Ein Beispiel für einen pathologischen Befund ist die toxische Granulation neutrophiler Granulozyten im Rahmen einer akuten bakteriellen Infektion.[2]

Granulation ist auch eine Erscheinung im Blutbild bei einer Promyelozytenleukämie.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Volker Schumpelick, Niels Bleese und Ulrich Mommsen (Hrsg.): Kurzlehrbuch der Chirurgie. 8. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart · New York 2010, ISBN 978-3-13-127128-0, S. 24, 25 und 38.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Granulation, DocCheck Flexikon.
  2. Labtestsonline.de