Grasbrook

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Segelschiff siehe Grasbrook (Schiff).
Karte von Hamburg um 1660: Der Durchstich des Grasbrook ist noch ein Neuer Graben, heute stellt er den Verlauf der Norderelbe dar. Die Insel Grevenhof ist ein Teil Steinwerders geworden.
Blick auf Hamburg, vom Kleinen Grasbrook über die Norderelbe auf den Großen Grasbrook, um 1700. Zwischen Stadt und Grasbrook das Brooktor mit der dazugehörigen Brücke.
Hinrichtung der Vitalienbrüder auf dem Grasbrook in Hamburg (1401), Hamburger Staatsarchiv
Holzbrücke des Marschalls Louis-Nicolas Davout über den Grasbrook von 1813

Der Grasbrook war eine sumpfige Insellandschaft im Urstromtal der Unterelbe vor Hamburg, die bis in das 19. Jahrhundert hauptsächlich als Viehweide diente. Mit der Stadt verbunden war er über das Brooktor und die dazugehörige Brücke, in etwa bei der heutigen Brooktorbrücke. Die Insel war nie eingedeicht und immer vom Hochwasser der Elbe und von Sturmfluten bedroht.

Am westlichen Ende der Insel befand sich der für die Hinrichtung von Seeräubern bestimmte Richtplatz von Hamburg, auf dem bis 1624 mindestens 428 Seeräuber enthauptet wurden. Unter ihnen waren auch die Vitalienbrüder Klaus Störtebeker und Gödeke Michels.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

1532 wurde der nördliche Teil des Grasbrooks, die Inseln Kehrwieder und Wandrahm, in die befestigte Stadt einbezogen. Zwischen 1568 und 1605 wurde die Insel mit einem Durchstich für die umgeleitete Norderelbe geteilt, es entstanden die beiden getrennten Gebiete

  • Großer Grasbrook (nördlich der Norderelbe), seit 2008 als Stadtteil HafenCity bezeichnet, und
  • Kleiner Grasbrook (südlich der Norderelbe), seit 1894 als eigener Stadtteil.

Dies war eine der Maßnahmen, um den Hamburger Hafen für Seeschiffe tauglich zu machen.

Großer Grasbrook[Bearbeiten]

Mit dem Bau der neuen Hamburger Wallanlagen von 1616 bis 1628 wurde das Stadtgebiet stark vergrößert, die Befestigungsanlage auf dem Großen Grasbrook verlief in etwa an dem heutigen Straßenzug Am Sandtorkai und Brooktorkai, die mit ihren Namen noch auf die beiden Tore in der Stadtmauer verweisen, im Westen mit der Bastion Georgius vor der Kehrwiederspitze und im Osten mit der Bastion Ericus, der heutigen Ericusspitze.

Ab circa 1740 siedelten sich auf dem Großen Grasbrook namhafte Hamburger Werften an. Zu Ihnen gehörte die Werft Johns, nach der die Johns’sche Ecke benannt ist, die Sommsche Werft und einige andere. Die Blüte dieser Werften wurde um 1850 erreicht, als unter anderem die ersten Segler der neu gegründeten Reederei HAPAG hier gebaut wurden (die „Nord Amerika“, das zweite Schiff der HAPAG, wurde bei Johns gebaut). Der Hafenausbau mit der Anlage des Sandtorhafens und des Grasbrookhafens ab Mitte des 19. Jahrhunderts hatten Priorität. Die Werftbesitzer wurden vom Hamburger Senat enteignet und auf die südliche Elbseite umgesiedelt. Nach nur hundert Jahren genügten die Hafenbecken nicht mehr den Anforderungen eines modernen Hafens.

Seit 1997 wird an diesem Ort der neue Stadtteil HafenCity errichtet, ein anspruchsvolles städtebauliches Neubauprojekt für Gewerbe und Wohnungen. Zu diesem Zweck wird das neu zu bebauende Gelände durch Aufschüttung auf eine hochwassersichere Ebene gebracht.

Kleiner Grasbrook[Bearbeiten]

siehe Hauptartikel Kleiner Grasbrook

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Matthias Blazek: Seeräuberei, Mord und Sühne – Eine 700-jährige Geschichte der Todesstrafe in Hamburg 1292–1949. ibidem, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8382-0457-4

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Blazek: Seeräuberei, Mord und Sühne – Eine 700-jährige Geschichte der Todesstrafe in Hamburg 1292–1949, S. 41 f.

53.5411111111119.9944444444444Koordinaten: 53° 32′ N, 10° 0′ O