Grasellenbach

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Grasellenbach
Grasellenbach
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Grasellenbach hervorgehoben
49.6358333333338.8322222222222389Koordinaten: 49° 38′ N, 8° 50′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Kreis: Bergstraße
Höhe: 389 m ü. NHN
Fläche: 22,88 km²
Einwohner: 3872 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 169 Einwohner je km²
Postleitzahl: 64689
Vorwahlen: 06207, 06253
Kfz-Kennzeichen: HP
Gemeindeschlüssel: 06 4 31 009
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schulstraße 1
64689 Grasellenbach
Webpräsenz: www.grasellenbach.de
Bürgermeister: Markus Röth
Lage der Gemeinde Grasellenbach im Kreis Bergstraße
Groß-Rohrheim Zwingenberg (Bergstraße) Biblis Viernheim Lampertheim Bürstadt Einhausen (Hessen) Lorsch Bensheim Lautertal (Odenwald) Lindenfels Heppenheim (Bergstraße) Heppenheim (Bergstraße) Fürth (Odenwald) Grasellenbach Rimbach (Odenwald) Mörlenbach Wald-Michelbach Birkenau (Odenwald) Abtsteinach Gorxheimertal Hirschhorn (Neckar) Neckarsteinach Michelbuch (gemeindefreies Gebiet) Rheinland-Pfalz Baden-Württemberg Kreis Groß-Gerau Landkreis Darmstadt-Dieburg OdenwaldkreisKarte
Über dieses Bild

Grasellenbach ist eine Gemeinde im Kreis Bergstraße in Südhessen, Deutschland, mit knapp 4.000 Einwohnern. Überregional bekannt ist sie als Standort eines Siegfriedbrunnens. Der Verwaltungssitz befindet sich im größten Ortsteil Hammelbach.

Geographie[Bearbeiten]

Die Odenwälder Gemeinde liegt im UNESCO Geopark Bergstraße-Odenwald auf einer Höhe zwischen 420 und 580 m ü. NN. Ortsteile von Grasellenbach werden von den beiden bedeutendsten Bächen des südlichen Odenwaldes durchflossen, vom Ulfenbach und der Weschnitz, die beim Ortsteil Hammelbach entspringen, wo die Wasserscheide zwischen Neckar und Rhein verläuft.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Grasellenbach grenzt im Norden an die Gemeinde Fürth, im Osten an die zum Odenwaldkreis gehörende Gemeinde Mossautal, im Süden an die Gemeinde Wald-Michelbach sowie im Westen an die Gemeinde Rimbach.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gemeinde Grasellenbach entstand in ihrer heutigen Form am 31. Dezember 1971 durch den freiwilligen Zusammenschluss der zuvor selbständigen Gemeinden Hammelbach, Gras-Ellenbach und Wahlen. Am 1. August 1972 vergrößerte sich Grasellenbach durch die gesetzlich verfügte Eingliederung der Gemeinden Litzelbach und Scharbach.[2]

Die so zusammengefassten Ortsteile waren schon einmal im Mittelalter bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts zusammengefasst gewesen in der Kurpfälzischen „Aicher Cent“. Lediglich Litzelbach gehörte zur Kurmainzischen Cent Abtsteinach. Die Cent – eine Verwaltungseinrichtung ähnlich einer heutigen Gemeinde – trug den Namen Aicher oder Hammelbacher Cent nach dem Standort der Gerichtsstätte an der „Gefehlten Aiche“. Die Ersterwähnung des Ortsteiles Hammelbach geht auf das Jahr 795 zurück, während die anderen Ortsteile um 1300 ihre Ersterwähnung finden. Die Zugehörigkeit der Orte zur Kurpfalz beziehungsweise zu Kurmainz währte bis zum Jahre 1802. Danach kamen die Gemeinden durch den Reichsdeputationshauptschluss zum Großherzogtum Hessen.

Die ursprünglichen Handwerker- und Bauerndörfer erlebten im 19. Jahrhundert durch die Blütephase der Buntsandsteinverarbeitung einen Aufschwung. Im 20. Jahrhundert erwuchs dem Fremdenverkehr eine wachsende Bedeutung, sodass besonders im Ortsteil Gras-Ellenbach der Fremdenverkehr ein bedeutender Wirtschaftszweig wurde.

Die Gemeinde Grasellenbach entstand am 31. Dezember 1971 durch den Zusammenschluss der Gemeinden Gras-Ellenbach, Hammelbach und Wahlen, der im Vorfeld der Gebietsreform in Hessen erfolgte. Zu deren Abschluss wurden am 1. August 1972 Kraft Gesetzes die Gemeinden Litzelbach und Scharbach eingegliedert. Ortsbezirke wurden im Gemeindegebiet nicht gebildet.

Ortsteile[Bearbeiten]

Evangelische Kirche Hammelbach
Katholische Kirche Hammelbach

Hammelbach[Bearbeiten]

Der heutige Luftkurort Hammelbach ist mit etwa 1.400 Einwohnern größter und auch ältester Ortsteil sowie Verwaltungssitz der Gesamtgemeinde Grasellenbach. Hammelbach bedeutet so viel wie „Bach an einer steilen Anhöhe“. Diese Namensgebung rührt daher, dass in Hammelbach die beiden bedeutendsten Bäche entspringen: der Ulfenbach und die Weschnitz. In Hammelbach befinden sich sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche. Des Weiteren befindet sich ein Freibad in Hammelbach, das aus Quellwasser gespeist wird, und ein Campingplatz. Das Hammelbacher Kirchweihfest, hier Kerwe genannt, wird jedes Jahr am letzten Wochenende des Septembers gefeiert und hat seinen Ursprung in der Weihe der 1802 erbauten ev.-reformierten Kirche. Historisch betrachtet ist Hammelbach der einzige legitime Ortsteil, der die Kirchweih ausrichten darf, da in ihm auch die ev. Kirche steht. Im Mittelalter war Hammelbach Zentort des Hammelbacher oder Aicher Cent. Sehenswert sind die gotische Kapellenruine aus dem 14. Jahrhundert auf dem Friedhof und das historische Backhaus. Jedes Jahr findet im März die sogenannte Schwarzpulverrally statt. Zu dieser Veranstaltung finden sich immer zahlreiche Motorradfahrer aus ganz Deutschland in Hammelbach ein.

Gras-Ellenbach[Bearbeiten]

Das Kneipp-Heilbad Gras-Ellenbach ist mit seinen knapp 1000 Einwohnern der zweitgrößte Ortsteil der Gemeinde. Gras-Ellenbach ist bekannt für eine Quelle auf dem Spessartskopf an dem angeblich Siegfried von Hagen getötet wurde. Auch aufgrund dessen ist der Ortsteil Gras-Ellenbach der am meisten von Kurgästen frequentierte Ortsteil der Großgemeinde.

Gras-Ellenbach liegt in 450–550 Metern Höhe. Die Wiesengründe, durch die hier der Ulfenbach fließt, sollen dem Ort den Namen gegeben haben. Das hinzugefügte Ellen leitet sich möglicherweise von Elm (Ulme) her. Es existieren weitere Deutungsversuche, die jedoch umstritten sind.

Gras-Ellenbach ist ein staatlich anerkannter Luftkurort mit Kneipp-Heilbad. Auf der Heimatbühne in der Nibelungenhalle werden seit über zwei Jahrzehnten Odenwälder Theaterstücke aufgeführt.

Weitere Ortsteile[Bearbeiten]

Tromm ist mit etwa 100 Einwohnern der kleinste und mit 539 Metern der höchstgelegene Ortsteil der Gemeinde. Er liegt am Nordosthang der Tromm inmitten von Wiesen und Wäldern und präsentiert sich als Erholungs- und Tagungsort mit Wanderwegen und Wintersportmöglichkeiten.

Auch die drei weiteren Ortsteile Wahlen (etwa 900 Einwohner), Scharbach (etwa 470 Einwohner) und Litzelbach (etwa 150 Einwohner) sind in erster Linie Erholungsorte.

Politik[Bearbeiten]

Rathaus im Ortsteil Hammelbach

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:[3]

Kommunalwahl 2011
 %
40
30
20
10
0
30,6 %
(-2,5 %p)
30,0 %
(-3,2 %p)
25,2 %
(± 0,0 %p)
14,1 %
(+5,5 %p)
2006

2011

Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
SPD 30,6 7 33,1 7 34,2 8
CDU 30,0 7 33,2 8 29,7 7
Freie Parteilose Wählergruppe Grasellenbach 25,2 6 25,2 6 28,6 6
GRÜNE 14,1 3 8,6 2 7,6 2
gesamt 100,0 23 100,0 23 100,0 23
Wahlbeteiligung in % 51,9 53,2 59,5

Bürgermeister[Bearbeiten]

Markus Röth ist seit 1997 Bürgermeister von Grasellenbach.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens lautet: „Schild von Schwarz, Gold und Rot schräggeviert. Feld 1 zeigt den aufgerichteten goldenen pfälzer Löwen (rechtsgewendet, rotbekrönt, -bezungt und -bewehrt), Feld 2 und 3 je ein rotes Lindenblatt und Feld 4 in rot zwei siberne Wellenbalken.“

Es wurde 1974 genehmigt und setzt sich aus Elementen der historischen Wappen von Gras-Ellenbach und Hammelbach zusammen. Während der Löwe an die pfälzische Vergangenheit erinnern soll, nehmen die Farben im unteren Feld (Rot/Silber) auf die hessische Gegenwart Bezug. Die beiden Wellenbalken symbolisieren den Wasserreichtum der Gemeinde und ihre Bedeutung als Kneipp-Kurort. Schrägkreuzteilung und Lindenblätter schließlich stellen einen Hinweis auf die Nibelungensage dar. Der Pfälzer Löwe erinnert an die frühere Zugehörigkeit zur Kurpfalz, die Farben Rot und Silber an Hessen. Die Wellenbalken stehen für den Wasserreichtum in Grasellenbach und die Schrägvierung und die Lindenblätter schließlich weisen auf die Nibelungensage.

Partnerschaften[Bearbeiten]

Grasellenbach pflegt seit 1983 partnerschaftliche Beziehungen zu Bédarrides in Frankreich sowie zu Cunit in Spanien.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Gesundheitswesen und Tourismus[Bearbeiten]

Der Eigenschaft als Kneipp-Heilbad und Luftkurort sowie dem Betrieb der Tagungsstätten verdankt Grasellenbach knapp 60.000 Übernachtungen jährlich. Das sind fast 10 Prozent der Übernachtungen im Kreis Bergstraße.[4] Damit lebt die Gemeinde vorwiegend vom Fremdenverkehr.

Der Zustrom von Besuchern wird auch dadurch gefördert, dass in Grasellenbach einer der Siegfriedsbrunnen liegt, von denen behauptet wird, dass an ihnen Siegfried von Hagen von Tronje ermordet worden sein soll, wie es im Nibelungenlied beschrieben worden ist. Dadurch ist Grasellenbach eine Station der Siegfriedstraße. Zudem hat sich Grasellenbach dem Netzwerk der so genannten Nibelungenstädte angeschlossen. Ferner ist Grasellenbach Mitgliedsgemeinde im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde ist über die B 460 mit der Bundesautobahn 5 verbunden.

Es verkehren Linienbusse zu den Bahnhöfen in Heppenheim und Weinheim, die ebenso wie Grasellenbach dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar angehören. Fahrscheine des Rhein-Main-Verkehrsverbundes sowie das Hessenticket werden ebenfalls anerkannt.

Zwischen 1901 und 1983 war der Ortsteil Wahlen der Endpunkt der Überwaldbahn.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Günther Morr: Sagen, Märchen, Erzählungen aus dem Überwald mit historischen Flurmalen. Geiger-Verlag, Horb am Neckar, 1991. ISBN 3-89264-580-9
  • Peter W. Sattler und Markus Röth: Grasellenbach. Natur-Kultur-Geschichte. Geiger-Verlag, Horb am Neckar, 1993.
  • Peter W. Sattler und Dietmar Lehmann: Unsere Heimat – Der Überwald. Gemeinde Wald-Michelbach, Wald-Michelbach, 1984. ISBN 3-9800971-0-2
  • Hans Schmitt: Hammelbach hoch im Odenwald. Gemeindeverwaltung Hammelbach, Hammelbach 1969.
  • Hans-Jürgen Speichert: Gras-Ellenbach, Hammelbach, Litzelbach, Scharbach, Wahlen. Die Entwicklung ausgewählter Fremdenverkehrsorte im Odenwald. (Heidelberger geographische Arbeiten, 55). Geographisches Institut der Universität Heidelberg, Heidelberg 1979. ISBN 3-88570-055-7

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 349 und 350.
  3. Hessisches Statistisches Landesamt: Amtliches Energebnis
  4. Hessisches Statistisches Landesamt: Übernachtungen 2007

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Grasellenbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien