Graz Hauptbahnhof

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Graz Hauptbahnhof
Halle des Grazer Hauptbahnhofs
Bahnhofshalle nach den Umbauarbeiten 2001-2003
Daten
Betriebsart Fern- und Nahverkehrsknoten
Bahnsteiggleise 10
Reisende täglich ca. 30 000
Abkürzung G
Eröffnung 1847 (1950)
Lage
Stadt Graz
Bundesland Steiermark
Staat Österreich
Koordinaten 47° 4′ 20″ N, 15° 25′ 1″ O47.07222222222215.416944444444Koordinaten: 47° 4′ 20″ N, 15° 25′ 1″ O
Höhe 364 m ü. A.
Eisenbahnstrecken
Liste der Bahnhöfe in Österreich

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Der Grazer Hauptbahnhof (früher Stationsplatz Graz, dann Südbahnhof) ist mit einer Kundenfrequenz von rund 30.000 Personen pro Tag[1] einer der wichtigsten Bahnhöfe Österreichs und verbindet Fern- und Nahverkehrsstrecken der ÖBB (S-Bahn Steiermark, Südbahn, Steirische Ostbahn, Koralmbahn) und die Graz-Köflacher Bahn mit den Linien 1, 3, 6 und 7 der Straßenbahn Graz, den städtischen Buslinien der Holding Graz Linien sowie Regionalbuslinien. Der Hauptbahnhof verfügt über 12 Hauptgleise, zahlreiche Nebengleise und 10 Bahnsteiggleise, sämtliche Weichen und Signale werden durch das ESTW Graz ferngesteuert. Weiters gibt es eine Verladestelle für Autoreisezüge.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte[Bearbeiten]

Die heutige Empfangshalle nachts

Ab 1825 trat Erzherzog Johann für eine Eisenbahnverbindung zwischen Donau und Adria ein, um Wien mit dem wichtigsten Hafen in Triest zu verbinden.[2]

Am 21. Oktober 1844 konnte schließlich die Bahnstrecke Graz – Mürzzuschlag und somit auch der Grazer Südbahnhof, damals als Stationsplatz Gratz, eröffnet werden. dieser wurde 1847 endgültig fertiggestellt. Im Rahmen des Baus wurden auch die Annenstraße und die Keplerstraße errichtet.[2]

Das damalige erste Aufnahmsgebäude, 1843 vom Architekten Moritz von Loehr geplant, war 89 Meter lang, 15 Meter breit und besaß eine vorgebaute Personenhalle, lange Bogenfenster und einen achteckigen Uhrturm.

In den 1860er-Jahren kam die Südbahn in den Besitz der k. k. priv. Südbahngesellschaft, durch den wirtschaftlichen Aufschwung wurde der Bahnhof zu klein. So wurde 1871 bis 1876 unter Architekt Wilhelm von Flattich ein Erweiterungsbau im Stil des Historismus errichtet; dafür wurde der Vorgängerbau bis 1878 abgetragen.[2]Dieser zweite Bahnhof hatte eine große Mittelhalle mit drei großen Bogenfenstern und zwei niedrigeren Längstrackten mit Endpavillions. Das Aussehen ähnelte damit dem des Salzburger Bahnhofs, dessen Halle heute noch so aussieht.

Im Juli 1900 erfolgte die Inbetriebnahme einer teilweisen, am 27. April 1914 der vollständigen elektrischen Beleuchtung der Bahnhofsanlagen. Am 1. April 1913 wurde der Bahnhof schließlich Graz Hauptbahnhof umbenannt und erhielt somit seine heutige Bezeichnung.

1924 übernahmen die BBÖ den Betrieb der Südbahn, Graz kam damit zum Direktionsbereich Villach. Nach dem Anschluss wurde Graz der Reichsbahnendirektion Wien der Deutschen Reichsbahn zugeordnet.

Das damalige zweite Bahnhofsgebäude wurde im Zweiten Weltkrieg so schwer beschädigt, dass es abgerissen werden musste. Graz liegt seit damals wieder im Direktionsbereich Villach. Für die Neugestaltung des Baues wurde ein Wettbewerb veranstaltet, den der Architekt Wilhelm Aduatz gewann. Er plante die große verglaste Eingangshalle des nunmehrigen Grazer Hauptbahnhofs mit einem zweistöckigem Nordtrakt und einem dreistöckigem Südtrakt in schlichter Nachkriegsbauweise. Die endgültige Fertigstellung erfolgte im Frühjahr 1956.[3]

Die Halle ist heute noch erhalten, steht unter Denkmalschutz und wurde mittlerweile mehrfach umgebaut und erweitert, zuletzt 2001 im Zuge der Bahnhofsoffensive. Dabei wurde sie von zwei gläsernen Seitentrakten umfasst, die eine Geschäftspassage bilden. Davor war auf dem nördlichen Vorplatz ein Ibis-Hotel mit Supermarkt errichtet worden.

Anlässlich des Kulturhauptstadtjahres 2003 entwarf Peter Kogler eine großflächige Kunstinstallation für die besagte Halle: Die Innenwände wurden mit einer 2355 m² großen, Kunststoffverkleidung mit aufgebrachten geometrischen Figuren ausgekleidet. Ursprünglich sollte die Installation nach dem Kulturhauptstadtjahr wieder demontiert werden, doch aufgrund von positiven Reaktionen aus der Bevölkerung und der Bahnhofsbenutzer wurde die Installation beibehalten.

Der in den späten 1990er Jahren neu gestaltete Personentunnel zu den Bahnsteigen wurde für sein funktionales Design mit dem Brunel Award ausgezeichnet und diente als Prototyp für ähnliche Umbauten in anderen Bahnhöfen.

2003 und 2004 wurde der Bahnhof von den Fahrgästen zum schönsten Bahnhof Österreichs gewählt. Bei den folgenden Wahlen erzielte der Bahnhof regelmäßig Stockerlplazierungen.

Zwischen 2005 und 2008 erfolgte in drei Phasen der Umbau des Stellwerks auf elektronische Technik (ESTW). Seit 2008 werden alle Weichen und Signale im Großraum Graz von dort aus zentral gesteuert.[4]

Bahnhof[Bearbeiten]

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Die Geschäftszone im Nordtrakt des Bahnhofs
Bahnsteig 2/3 bei Nacht

Im Aufnahmsgebäude des Bahnhofs befinden sich ein ÖBB-Reisezentrum mit Reisebüro, eine ÖBB Club Lounge und insgesamt 7 Fahrkartenautomaten. Weiters gibt es einen Spar-Supermarkt mit erweiterten Öffnungszeiten, eine Postfiliale, ein Bücher- und Zeitschriftengeschäft, ein Fitness Center, mehrere Backshops und Cafés, eine McDonalds Filiale und ein weiteres Restaurant. In der Unterführung zu den Bahnsteigen bestehen ein weiters ein Snack-Laden und 120 Schließfächer.[5] Im Nordtrakt des Bahnhofsgebäudes sind eine Polizeiinspektion und das Stellwerk untergebracht, der Aussichtsturm wurde direkt auf den ersten Stock der Fahrdienstleitung aufgesetzt.

Nördlich an das Bahnhofsgebäude angebaut, befinden sich Gebäude der Post, die unter anderem als Logistikzentrum genützt werden und in die eigene Gleise führen. Seit dem Verkauf des Innenstadtgebäudes der Hauptpost 2008 befindet sich auch die Verwaltungszentrale beim Bahnhof.[6] Weiter nördlich folgen weitere Abstellgleise und eine große Wagenhalle, die auf dem ehemaligen Areal der Speditionen errichtet wurde. Seit 2003 der Güterverkehr für den Großraum Graz hauptsächlich über den Terminal Graz Süd in Werndorf abgewickelt wird, wurden sämtliche Lagerhallen abgerissen und 2009 durch Abstellgleise für Personenwagen (Personenwagenabstellgruppe) und eine große Halle mit Werkstättenräumen (Servicehalle TS) ersetzt. Im Norden führen dann alle Gleise wieder zusammen, um nach der Brücke über die Peter-Tunner-Gasse im Verschiebebahnhof Gösting wieder aufgefächert zu werden.[7]

Es gibt 10 Bahnsteige: 9 Durchfahrtsbahnsteige (1-9) und einen Kopfbahnsteig (21). Manche Bahnsteige werden in zwei Teile geteilt (A und B), alle sind barrierefrei erreichbar. Die Anhebung der Bahnsteigkanten auf 55 cm, die Verlängerung der einzelner Bahnsteige auf 420 Meter, sowie die Errichtung von zwei neuen Bahnsteigen werden im Laufe des Bauprojektes Graz Hauptbahnhof 2020 realisiert. Zu jedem Bahnsteig außer 1 und 21, die von der Bahnhofshalle aus erreichbar sind, führen ein Aufzug, eine Treppe und eine oder zwei Rolltreppen.

Hinter dem Bahnsteig 7 befinden sich Abstellgleise, Verwaltungsgebäude und Werkstätten mit einer Schiebebühne und einer Drehscheibe. In diesem Bereich steht außerdem ein Wasserturm an der Waagner-Biro-Straße, der unter Denkmalschutz steht. Im Keller eines Verwaltungsgebäudes ist außerdem der Grazer Eisenbahner-Modelleisenbahnclub (GEMEC) mit seiner H0-Anlage untergebracht.[8]

Am Südende des Bahnhofsgebäudes befinden sich außerdem die denkmalgeschützten Räumlichkeiten des ehemaligen Non-Stop-Kinos. Es wurde 1957 als eines der modernsten Kinos Österreichs eröffnet, ab dem Ende der 70er-Jahre es als Erotikkino betrieben und musste im September 2010 geräumt werden, da die ÖBB den Vertrag kündigten.[9] Hinter diesem Gebäude befindet sich die Verladestelle für den Autoreisezug. Daneben führen die Gleise über eine große Brücke über den abgesenkten Eggenberger Gürtel.

Graz Hauptbahnhof 2020[Bearbeiten]

Nahverkehrsdrehscheibe - Dachkonstruktion Europaplatz
Nahverkehrsdrehscheibe - Haltestelle Hauptbahnhof

Seit Anfang 2010 wird an weiteren Ausbauten des Grazer Hauptbahnhofes gearbeitet, um seiner Funktionen als Nah- und Fernverkehrsknoten gerecht zu werden und ihn für die S-Bahn und die Inbetriebnahme der in Bau befindlichen Koralmbahn zu rüsten. Das Gesamtprojekt nennt sich Graz Hauptbahnhof 2020, der neu gestaltete Bus- und Straßenbahnknoten wird als Nahverkehrsdrehscheibe bezeichnet. Das Projekt wurde wie schon zuvor der Umbau der Bahnhofshalle und jener des Personentunnels Süd vom Architektenduo Zechner & Zechner gestaltet[10]

Unter anderem werden die Bahnsteige verlängert und neu überdacht, sowie die Bahnsteigkanten von 38 cm auf 55 cm angehoben. Weiters wurde ein neuer Bahnsteig (8/9) für die Graz-Köflacher Bahn weiter südwestlich errichtet, der Personentunnel Süd dorthin verlängert und die Kapazität der Gleisanlagen erhöht. Weiters wird der Personentunnel Nord neu errichtet und zum Wasserturm in der Wagner-Biro-Straße verlängert. Hier entsteht ein neuer Ein- und Ausgang, der den Hauptbahnhof mit dem Grazer Westen verbinden soll[11]. Eine Seite der Wand wird ähnlich der Haupthalle von Peter Kogler künstlerisch gestaltet. Der Tunnel soll im Frühjahr 2013 eröffnet werden.[12]

Auch der Bahnhofsvorplatz wurde neu gestaltet, wobei ein ovales Dach den Fahrgästen beim Umsteigen zwischen Stadtbussen und Zügen einen Witterungsschutz bietet. Dieses Rondeau wurde nach einem Leserwettbewerb der Kleinen Zeitung Golden Eye genannt.[13]. Für die Straßenbahn, die ab dem Bereich der Annenstraße nächst dem Möbelhaus Leiner den Europaplatz unterirdisch durchquert, wurde im Bereich der früheren Wendeschleife der Linien 3 und 6 eine Doppelhaltestelle in Tieflage für die Linien 1, 3, 6 und 7 errichtet, von dort aus unterquert die Straßenbahnstrecke nach einer engen Kurve den Hauptbahnhof unter dem ehemaligen Non-Stop-Kino, um südlich der Gleisanlagen wieder aufzutauchen. Zuvor wurde die Wendeschleife in die benachbarte Asperngasse (Endstation Laudongasse) verlegt.[14] Die Inbetriebnahme der Nahverkehrsdrehscheibe Graz erfolgte Ende 2012, die vollständige Fertigstellung ist 2015 bis 2016 vorgesehen.[15] Bei den Bauarbeiten wurden drei Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg freigelegt. Eine konnte nicht abtransportiert werden und musste am 25. März 2011 zur Explosion gebracht werden, wodurch in der Umgebung erheblicher Sachschaden entstand und unter anderem die historische Bahnhofsuhr beschädigt wurde.[16]

Übersicht über die Baustelle Nahverkehrsdrehscheibe am 1. April 2011, vom Bauamt aus aufgenommen.
Die neue unterirdische Straßenbahnstation

Zeitplan[Bearbeiten]

Dezember 2012:

  • Inbetriebnahme Nahverkehrsdrehscheibe
  • Sperre Straßenunterführung der Eggenberger Straße für den gesamten KFZ-Verkehr

Juni 2013:

  • Fertigstellung Annenstraße im Abschnitt Babenberger Straße bis zum Gürtel - Öffnung für den KFZ-Verkehr
  • Fertigstellung Bahnhofsvorplatz

Juli/August 2013:

  • Abbruch Bahntragwerk Eggenberger Straße

Oktober 2013:

  • Fertigstellung des Unterführungsbauwerkes GW1 Eggenberger Straße - Öffnung für den Gesamtverkehr[17]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ÖBB Graz Hauptbahnhof 2020
  2. a b c Kleine Zeitung Die Eisenbahn kommt nach Graz (abgerufen am 7. Februar 2011)
  3. [emile.uni-graz.at/pub/06S/2006-07-0059.doc Der Grazer Hauptbahnhof] Uni-Arbeit von Katharina Siegel
  4. ÖBB rüstete zentrales Stellwerk in Graz um 40,7 Millionen Euro auf, Kleine Zeitung am 2. Dezember 2008
  5. Am Bahnhof
  6. Die Grazer Hauptpost ist bald Geschichte, Kleine Zeitung am 29. Februar 2008
  7. [1] (PDF; 7,2 MB), Graz Hauptbahnhof und Koralmbahn von Klaus M Schneider
  8. GEMEC
  9. Letzte Screenings im Grazer "NonStop"-Kino, der Standard am 23. September 2010
  10. www.zechner.com – Verkehrsprojekte auf der Homepage der Architekten Zechner und Zechner
  11. Maßnahmen Konjunkturpaket Bahn über ÖBB Rahmenplan 2009-2012
  12. Kleine Zeitung Eine Abkürzung in den Grazer Westen (abgerufen am 15. Mai 2013)
  13. Rondeau vor Hauptbahnhof: „Golden Eye“ gewinnt, Kleine zeitung am 26. September 2012
  14. Nahverkehrsdrehscheibe Graz auf der Homepage der Architekten Zechner & Zechner.
  15. Stadtentwicklung Graz
  16. Schäden nach Sprengung von Fliegerbombe, Kronenzeitung am 27. März 2011
  17. nvd-graz-hbf.info Zeitplan