Grazer Murinsel

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Die Insel in der Mur
Die Grazer Murinsel nachts.

Die Grazer Murinsel bzw., gemäß Projekt, Die Insel in der Mur[1] ist eine schwimmende Plattform, die ab 1999 geplant, 2002 gebaut und im Jänner 2003 in der Mur inmitten von Graz eröffnet wurde, um im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres (Graz 2003)[2] neben dem Schlossberg ein zweites und modernes Wahrzeichen der Stadt zu schaffen. Anliegen der Projektbetreiber war es, Architektur und Kunst im öffentlichen Raum mit dem Erlebnis Wasser im Zentrum der Stadt zu verbinden.[3]

Entstehung, Nutzung[Bearbeiten]

Nach einer Idee des Grazers Robert Punkenhofer, Gründer und Direktor von Art & Idea, schuf der New Yorker Künstler und Designer Vito Acconci ein spektakuläres Objekt: Eine 50 m lange und 20 m breite Muschelform, die ein Amphitheater und einen rundlichen „Dom“ (wie ihn der Künstler nennt) umfasst. Die künstliche Landschaft, aus der Verbindung der Formen „Kuppel“ und „Muschel“ entstehend, ist für rund 350 Besucher konzipiert. Im „Dom“ befinden sich ein Café (Insel-Café) und ein Kinderspielplatz.[Anm. 1]

Die „Insel“ liegt flussaufwärts des Edegger-Stegs, also wenig nördlich der Hauptbrücke, zwischen dem Schlossberg und dem Kunsthaus. Sie ist von beiden Murufern über einen Steg erreichbar.[Anm. 2]

Im Hinblick auf die zukünftige bzw. mittelbare Nutz- wie Verwertbarkeit des Artefakts wurde laut Prüfbericht des Stadtrechnungshofs Graz, betreffend den Jahresabschluss für das Jahr 2008 der Graz 2003 – Kulturhauptstadt Europas Organisations GmbH, für die Murinsel als betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer eine solche von 25 Jahren zugrunde gelegt. Der erstausgestellte wasserrechtliche Bescheid zum Betrieb der Grazer Murinsel war bis zum 23. Dezember 2012 befristet. — Im Hinblick auf einen allfälligen ungünstigen Wasserrechtsbescheid ging man im Prüfungsurteil – trotz des offensichtlichen Auseinanderklaffens von wasserrechtlicher Nutzungsbewilligungsdauer und buchmäßig angesetzter Nutzungsdauer – davon aus, dass sich auch zum Zeitpunkt des Auslaufens der wasserrechtlichen Bewilligung ein positiver Verkehrswert der Murinsel ergäbe, zumal diese abbaubar und transportierbar, somit veräußerungsfähig wäre. Angemerkt wurde, dass für die Abbruchkosten eine entsprechende Rückstellung gebildet wäre.[4] Im Jahr 2011 wurde von reservierten, einer eventuellen Entsorgung gewidmeten 821.000 Euro berichtet.[5]

2013 wurde vom Bund die wasser- wie schifffahrtsrechtliche Bewilligung für weitere zehn Jahre erteilt. Noch 2013 soll im Zusammenwirken mit Vito Acconci entschieden werden, in welcher technisch-architektonischen Form ein Sonnensegel über dem Artefakt angebracht werden wird. Diese Beschattungsvorrichtung soll Veranstaltungen im ungedeckten Freiluftbereich der Murinsel erleichtern.[6]

Ein weiteres Planungsvorhaben betrifft das Strömungsverhalten der Mur: An der Nordseite der Plattform soll der gegen Treibgut wirkende Rammschutz verstärkt werden.[7] Das Hochwasser des 21. Juli 2012 (Höchststand: 6,4 m) hatte zu einer Tage dauernden Sperre der Murinsel geführt. War die Insel in ihrer Verankerung stabil geblieben, schlugen jedoch während zeitweiliger Verklausungen bis zu zehn Meter lange Baumstämme gegen den Rumpf der Plattform, in den Wasser eindringen konnte.[8]

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Vito Acconci, Oliver Elser (Text): Building an Island. Vito Acconci, Acconci Studio. Mur Island, Graz, Austria. (deutsch und englisch). Erste Auflage. Hatje Cantz, Ostfildern-Ruit 2003, ISBN 3-7757-1357-3.
  • Karlheinz Fritsch: Kunsthaus – Murinsel – Schloßberg Nachnutzung des Kulturjahres 2003. In: Peter Kautsch (Hrsg.): Bauphysiktagung 2004. Thinking new structures. Tagungsband zur Bauphysiktagung 2004 am 14. Oktober 2004 an der TU Graz. Technische Universität Graz (Fachbereich Ingenieurbaukunst), Graz 2004, OBV, S. 79–84.
  • Eva Spinazzè: Poesia e spazio nell’isola Mur. La figura di Vito Acconci. (italienisch). ZeL edition, Treviso 2011, ISBN 978-88-96600-40-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Lorenz (Red.): Auf dem Wasser – im Wasser. Die Insel in der Mur. Plaza für das neue Millennium. In: graz03.at, abgerufen am 14. September 2013.
  2. Hasta la vista, Europe!. Webarchiv Graz 2003.
  3. Zu kontroversiellen Meinungen während der Planungszeit: Hermann Götz: Vom Leit- zum Leidprojekt?. In: korso.at, Juni 2001, abgerufen am 14. September 2013.
  4. StRH – GZ 15449/2009 vom 31. August 2009. In: graz.at, S. 18. — PDF (215 KB), abgerufen am 14. September 2013.
  5. Michael Saria: Volle Kraft voraus. In: kleinezeitung.at, 21. Juni 2011, abgerufen am 16. September 2013.
  6. Bernd Hecke: Insel-Pächter geht in die Verlängerung. In: kleinezeitung.at, 29. Oktober 2012, abgerufen am 16. September 2013.
  7. Michael Saria: Murinsel bleibt Grazern erhalten: Bescheid wurde verlängert. In: kleinezeitung.at, 1. Juni 2013, abgerufen am 14. September 2013.
  8. Thomas Rossacher: Kampf um Zentimeter an der Grazer Mur. In: kleinezeitung.at, 22. Juli 2012, abgerufen am 16. September 2013.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Der „Spielplatz“, ein direkt neben dem Eingang zum Café gelegener Klettergarten innerhalb verschachtelter Netze mit angeschlossener Rutsche, konnte wegen fehlender Sicherheitsvorkehrungen noch nicht zur Nutzung freigegeben werden.
  2. Als postalische Erreichbarkeit wurde, wenn nicht ausschließlich, von Pächtern des auf der Murinsel befindlichen Gastronomiebetriebs „8010 Graz, Mur 1“ notiert.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Grazer Murinsel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

47.07277777777815.434166666667Koordinaten: 47° 4′ 22″ N, 15° 26′ 3″ O