Green IT
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Unter dem Stichwort Green IT (seltener auch Green ICT) versteht man Bestrebungen, die Nutzung von Informationstechnik (IT) bzw. Informations- und Kommunikationstechnologie (früher IKT oder IuK, engl. ICT) über deren gesamten Lebenszyklus hinweg umwelt- und ressourcenschonend zu gestalten, also vom Design der Systeme und zur Produktion der Komponenten über deren Verwendung bis zur Entsorgung, bzw. dem Recycling der Geräte.
[Bearbeiten] Definition
Dabei stehen zwei Themen im Vordergrund: zum einen der Energieeinsatz bei der Produktion und der Nutzung von Hardware (beispielsweise Computer, Monitore, Drucker, aber auch (Mobil-) Telefone) und zum anderen die verwendeten Materialien und Produktionsmittel. Letzteres schließt insbesondere die Schadstoffthematik mit ein, also ob schädliche Stoffe in der Produktion anfallen oder ob Gifte wie Blei oder Brom im Endprodukt enthalten sind, bzw. bei dessen Betrieb freigesetzt werden. Näheres wird in der RoHS-Richtlinie der EU festgelegt.
Eine weitere Unterscheidung wird zwischen der Energieeinsparung während der Nutzung von ICT (z. B. Niedrigenergie-Notebooks) und der Energieeinsparung durch dessen Nutzung (z. B. Ersetzen von Dienstreisen durch Videokonferenzen) gemacht. Mit anderen Worten: es geht einerseits um die Verwendung von energieeffizienteren ICT-Produkten (green in ICT) und andererseits um die Emissionsreduzierung durch die Anwendung von ICT-Geräten (green through ICT).
[Bearbeiten] Bedeutung des Themas: Warum wird die IT grün?
Auch wenn das Thema Klimaschutz aktuell eine verständliche und überfällige Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erlebt, sind die Umweltbestrebungen der IT-Industrie nicht neu. So gibt es zum Beispiel seit 1992 in den USA und seit 2002 - über eine Verordnung der Europäischen Union - auch in Europa den Energy Star, der elektrischen Geräten Stromsparkriterien bescheinigt. Diese Richtlinien werden regelmäßig überarbeitet und neuen technischen Gegebenheiten angepasst.
Im Zusammenhang mit der aktuellen Klimaschutzdebatte ist es nicht überraschend, dass auch die IT intensiv betrachtet wird. Mehrere Studien gehen davon aus, dass die anfallende CO2-Menge der weltweiten IT in etwa dem CO2-Ausstoß des internationalen Luftverkehrs entspricht. [1]
Die rasante Entwicklung der ITK-Branche, deren Produkte mittlerweile fast alle Aspekte des täglichen Lebens prägen, bedeutet nicht nur Erleichterungen in diesen Bereichen, sondern auch einen stetig wachsenden Energiebedarf – sowohl in der Industrie und Wirtschaft, als auch beim privaten Endverbraucher.
Aktuell sind zahlreiche Veröffentlichungen [2] und Initiativen präsent. Einige Beispiele:
- Der deutsche Branchenverband BITKOM (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.) hat bereits mehrere Initiativen und Studien zu Green IT eingeleitet. Green IT war unter anderem ein zentrales Thema der CeBIT 2008, mit einem Green-IT-Führer, einem Green-IT-Dorf und einem Kongress- und Ausstellungsprogramm wurde dem Thema Rechnung getragen. Hier wurde anhand zweier Musterbüros demonstriert, wie viel Strom durch effiziente Nutzung heute im Vergleich zu 2003 eingespart werden kann.
- IBM startete im Sommer 2007 eine Initiative mit dem Titel „Project Big Green“ und zielt dabei auf die Energieeffizienz von Rechenzentren.
- Fujitsu Siemens Computers kann 20 Jahre Green-Erfahrung nachweisen. Das Unternehmen startete 1988 mit seinem ersten Recycling-Programm, brachte 1993 den ersten Green PC und 2002 das erste Mainboard ohne Blei heraus. Seit 2008 gibt es den Green PC und auch den Zero Watt Monitor.
- Greenpeace ist wie in vielen Umweltthemen auch hier aktiv, exemplarisch der Report zu Gift im iPhone „Missed Call: iPhone’s hazardous chemicals“ und der aktuelle „Guide to greener electronics“ vom September 2007.
- Der Berliner Umweltpreis des BUND in der Kategorie „Wirtschaft und Innovation“ wurde an die Strato AG verliehen, die ab 2008 ihre Rechenzentren komplett mit CO2-freiem regenerativ erzeugtem Strom betreibt.
Allerdings gibt es auch kritische Stimmen: Die Deutsche Bank Research wies im Vorfeld der CeBIT 2009 darauf hin, dass derzeit festzustellen sei, dass bei den bisherigen Maßnahmen der Green IT keine positive Gesamtbilanz zu ziehen ist. Durch die ständig steigende Anzahl von Geräten der Informations- und Kommunikationstechnologie und ihre immer ausgedehntere Nutzung würden Strom- und Rohstoffverbrauch ungebremst weiter ansteigen. Der Begriff "Green IT" ist aus dieser Sicht irreführend. [3]
[Bearbeiten] Die besondere Rolle der Rechenzentren
Die größten Stromfresser in der IT-Branche sind die Rechenzentren und die Server. Ihre Energiedichte und damit ihr Kühlungsbedarf steigen stetig an. Inzwischen verschlingen die Servergeräte in den Rechenzentren die Hälfte des gesamten Stromverbrauchs, die andere wird für die benötigte Infrastruktur wie zum Beispiel unterbrechungsfreie Stromversorgung, Stromverteilung, Kühlung und ähnliches benötigt.
Eine Studie des Borderstep-Instituts im Auftrag des Bundesumweltministeriums hat gezeigt, dass sich der Stromverbrauch von Rechenzentren in Deutschland im Jahr 2006 im Vergleich zum Jahr 2000 mehr als verdoppelt hat. 2006 lag er schon bei etwa 8,7 Terawattstunden – das ist die Jahresstromproduktion von drei mittelgroßen Kohlekraftwerken [4]. Nach Berechnungen einer Studie des Borderstep-Instituts im Auftrag des Branchenverbandes BITKOM wiederum betrug der Stromverbrauch von Servern und Rechenzentren 2008 in Deutschland 10,1 Terrawattstunden – das entspricht 1,8 Prozent des Gesamtstromverbrauchs. Die damit verbundenen Kosten beliefen sich auf rund 1,1 Milliarden Euro. Die Autoren erwarten, dass bis 2013 der Energieverbrauch sogar um weitere 50 Prozent ansteigt, wenn Unternehmen an den bisherigen Praktiken beim Serverbetrieb festhalten. Mithilfe von Green IT lässt sich laut Studie der Verbrauch deutscher Rechenzentren auf die Hälfte senken – trotz kontinuierlich steigender Rechen- und Speicherleistung [5].
Nach einer Studie von Jonathan Koomey an der Stanford University lag 2005 der Stromverbrauch aller Server in den USA bei 2,6 Millionen Kilowattstunden, was 0,6 Prozent des gesamten Stromverbrauchs der Vereinigten Staaten entspricht. Rechnet man den Stromverbrauch für die notwendigen Infrastrukturen mit ein, beläuft sich der Verbrauch auf 1,2 Prozent. Im Ergebnis bedeutet dies, dass alleine in den USA fünf Kraftwerke der 1.000-Megawatt-Klasse nur laufen, um alle Rechenzentren und deren Infrastruktur mit Strom zu versorgen. Der Autor schätzt, dass es weltweit sogar 14 Kraftwerke sind [6].
Ein gängiger Richtwert besagt, dass die rund um die Uhr laufenden Server durchschnittlich nur zu 10 bis 20 Prozent ausgelastet sind. Meist legt man die Serverkapazitäten anhand der Betriebsspitzen aus, die jedoch nur selten erreicht werden. Ein Konzept hin zur Green IT ist hier die Konsolidierung: Dabei werden heterogene Systeme zusammengeführt und die Zahl an Servern und Rechenzentren reduziert. Eine weitere Möglichkeit für Rechenzentren mit einer besseren Kapazitätsauslastung ist die Virtualisierung. Damit lassen sich Anwendungsprogramme, die bisher auf verschiedenen Rechnern verstreut liefen, in virtuellen Maschinen auf leistungsfähigen Rechnern bündeln. Das Ergebnis: Server können sehr viel höher, etwa um bis zu 50 Prozent, ausgelastet werden.
Unterstützt wird die Virtualisierung von Konzepten wie Serviceorientierten Architekturen (SOA) und Software as a Service (SaaS). SOA schlüsselt Geschäftsprozesse nach Rechenleistungen auf, wodurch sich die nötigen Ressourcen in Rechenzentren genau bestimmen lassen. SaaS verlagert Anwendungsprogramme von lokalen Rechnern auf zentrale Hochleistungsmaschinen und nutzt dort die Potenziale zum Ressourcen-Sharing. Moderne IT-Managemensysteme können die tatsächlich benötigten Serverkapazitäten voraussagen und die Leistungen nach Bedarf drosseln, ab- oder zuschalten.
Der IT-Dienstleister Siemens IT Solutions and Services gibt an, die Auslastung der unternehmensinternen Rechenzentren mittels Konsolidierung und Virtualisierung auf über 80 Prozent gesteigert zu haben. Der gesamte Energieverbrauch habe sich dadurch um über 30 Prozent verringert [7]. Gleichzeitig wurde die Zahl der deutschen Rechenzentren von 70 auf 30 reduziert. Im Mai 2008 eröffnete das Unternehmen in Peking ein neues Rechenzentrum, das die Infrastruktur aller IT- und Telefondienstleistungen von über 70 Siemens-Standorten in China und der Mongolei beherbergt. Nach Angaben von Siemens IT Solutions and Services verbrauchen die Server rund 37 Prozent weniger Energie als handelsübliche Server [8].
[Bearbeiten] Die Sichtweise der Unternehmen: Verantwortung und Kosten
Neben den positiven Effekten der Umweltaktionen hinsichtlich Image und gesellschaftlichem Engagement für die Unternehmen gibt es auch deutliche Kostenaspekte, die den Ideen der Green IT Vorschub leisten. Letzterer Aspekt geht klar aus einer Studie unter IT-Entscheidern von Forrester Research vom Mai 2007 hervor: „insbesondere Kostenfaktoren seien für das Interesse an Strom sparenden Lösungen verantwortlich“.
In Anbetracht stetig steigender Stromkosten ist das Einsparpotential ein wichtiger Aspekt: IBM geht davon aus, dass sich in größeren Rechenzentren bis zu 42 % des Stromverbrauchs einsparen lässt, damit verbunden natürlich auch die Kosten.[9] Insofern lautet der Auftrag an die Unternehmen, sich nicht nur der neuesten Entwicklungen in ihren Branchen anzunehmen, sondern diese Möglichkeiten der Energieeinsparung öffentlich zu machen, damit sie auch genutzt werden.
[Bearbeiten] Die Verantwortung von Politik und Verbrauchern
Es stehen jedoch nicht nur die Unternehmen unter Zugzwang, aus Green IT mehr als einen werbetauglichen Begriff zu machen. Auch Politik und Verbraucher haben einen großen Anteil daran, Einsatz und Wirksamkeit von Green IT zu steigern. Die Politik kann beispielsweise bei der öffentlichen Beschaffung von energieeffizienten ITK-Geräten einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Siehe auch Tipps zum Green Procurement auf den Seiten: [10][11][12][13].
Verbraucher können durch ihr Einkaufsverhalten nicht nur kurzfristig Kosten und Energie einsparen, sondern auch die weitere Entwicklung von noch effizienteren Geräten begünstigen. Auch der alltägliche Umgang mit diesen Geräten ist noch verbesserungswürdig. So geht nach wie vor viel Energie unnötig verloren, da Geräte über Nacht, am Wochenende oder im Urlaub nicht ausgeschaltet, sondern auf Standby-Funktion belassen werden. Während der Nutzungszeit sorgt die Standby-Funktion dafür, dass der Energiebedarf automatisch gedrosselt wird, wenn das Gerät – z. B. ein Drucker, Kopierer oder Faxgerät – gerade keinen Auftrag erhält und sich daher „selbst in Tiefschlaf versetzt“. Allerdings kann immer noch eine nicht unerhebliche Menge an Energie gespart werden, wenn das Gerät vollständig vom Strom getrennt wird, sobald es nicht mehr ständig benötigt wird. Als Beispiel sei ein Drucker genannt, der im Betrieb (also beim Drucken) 20 Watt und im Bereitschaftsmodus (also wenn er auf Daten zum Drucken wartet) immerhin noch 6 Watt konsumiert. Selbst im völlig ausgeschalteten Zustand werden noch 4 Watt verbraucht[14].
All diese Aspekte zeigen auf, dass im Begriff Green IT viele Chancen und Möglichkeiten stecken, einen nicht unwesentlichen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten – sowohl seitens der Branche als auch seitens der Anwender.
[Bearbeiten] Begriffe und deren Verwendung: Green IT, Green ICT, grüne IT, green computing
Der englische Begriff „Green IT“ findet sich auch in zahlreichen deutschen Publikationen. Die wörtliche Übersetzung „Grüne IT“ ist seltener im Gebrauch, findet sich aber in der Schreibweise „grüne IT“ beispielsweise im Manager Magazin [15]. Im anglo-amerikanischen Sprachraum ist auch der Begriff Green ICT und „Green computing“ gebräuchlich.
Es gibt auch wie oben schon erwähnt eine von Cisco verwendete Bedeutung des Themas Green IT, dabei werden neben der oben beschriebenen Verwendung des Begriffs auch zum Beispiel der Einsatz von IT zur Reduzierung der Kohlendioxidmissionen und/oder des Energieverbrauchs. Dazu gehören etwa:
- Videokonferenzen anstelle von Dienstreisen und dadurch Reduzierung des Flug- und Straßenverkehrs
- Nutzung der IT zur effizienten Gebäudesteuerung (Heizung, Lüftung, Licht): In nicht genutzten Büros werden beispielsweise automatisch das Licht und die Heizung ausgeschaltet.
- Verkehrsmanagement: Verkehrsabläufe werden verbessert, Staus und Schadstoffausstoß reduziert. Besonders stark befahrene Zonen können für den Verkehr gesperrt oder beschränkt werden. Zudem kann die Stadt durch ein besseres Verkehrsleitsystem den öffentlichen Personennahverkehr für die Bürger attraktiver machen.
- IT-Systeme für das Management von Kraftwerken mit verschiedenen Energieerzeugungsanlagen (mehrere Braunkohlekraftwerke, dezentrale Energieerzeugungsanlagen): Die Kraftwerke arbeiten dadurch effizienter und ressourcenschonender.
- Smart Metering mittels intelligenter Stromzähler, die die Stromkosten automatisch messen und abrechnen. Über ein Display sieht der Kunde jederzeit, wie viel Strom er gerade wo verbraucht und wie viel ihn das kostet. Diese Transparenz kann dazu beitragen, sparsamer mit Energie umzugehen.
[Bearbeiten] Schwächen des Ansatzes
Der Begriff kann durch interessierte Unternehmen für deren Marketingstrategien beliebig besetzt werden, da wohl mehrere geschützte Markenrechte definiert wurden, aber keine zugehörigen Prüfkriterien. Prüfbare Kriterien für die grünen Eigenschaften von Produkten sind ebenfalls nicht definiert. Markenanmeldungen Green IT und ähnlich beim Europäischen Markenamt in Alicante sind beispielsweise eingetragen unter den Nummern [007389828], [006892582], [006732911] [16]. Nutzer des Konzepts laufen vielmehr Gefahr, die privaten Marketingstrategien der Markeninhaber ungeprüft zu befördern.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Innovations-Report, 16. Oktober 2007
- ↑ vgl. iX August 2007
- ↑ Deutsche Bank Research: "IT ist nicht grün und wird es niemals sein", abgerufen am 18.02.2009
- ↑ Pressemitteilung des Bundesumweltministerium
- ↑ Studie des Borderstep-Instituts
- ↑ Studie der Stanford University
- ↑ Pressemitteilung von IT Solutions and Services
- ↑ Broschüre Siemens IT Solutions and Services zu Transformational Data Center
- ↑ Quelle: IBM, 3sat
- ↑ http://www.itk-beschaffung.de/ Beschaffungswebsite des Beschaffungsamtes des Bundesinnenministeriums
- ↑ http://www.umweltbundesamt.de
- ↑ http://www.it-amtbw.de/portal/a/itamtbw Bundeswehr
- ↑ http://www.bitkom.org
- ↑ http://www.brother.de/g3.cfm/s_page/65190/s_level/24390/s_product/DCP135CG1/s_detailType/specs - Siehe Abschnitt Allgemein -> Leistungsaufnahme
- ↑ Manager Magazin vom 8. Oktober 2007: Alexandra Knappe „Cisco und das schlechte Gewissen“
- ↑ [1]
[Bearbeiten] Weblinks
- Green IT for Dummies - HP Limited Edition (Mar 2009)
- Fachartikel zu "Green IT in Rechenzentren" auf SearchDataCenter.de
- Green IT auf PC Welt
- Green IT bei der Fachzeitschrift LANline
- Office-TopTen - Auswahlhilfe für besonders energieeffiziente IT-Geräte
- Greenpeace' Green Guide to Electro (19. September 2007) und vom (27. November 2007)
- CeBIT green IT
- BITKOM Leitfaden Energieeffizienz im Rechenzentrum (31. Juli 2008) (PDF-Datei; 2,00 MB)
- A.T. Kearney-Studie "Von Green-IT zu Green Business" (Feb 2008)
- Green Storage Infoseite mit Whitepaperdownload zum Thema Speichertechnologien im Überblick (31. November 2008)
- Broschüre des Bundesumweltministeriums: Innovation durch CSR (PDF-Datei; 337 kB)

