Grenoble

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Grenoble
Wappen von Grenoble
Grenoble (Frankreich)
Grenoble
Region Rhône-Alpes
Département Isère (Präfektur)
Arrondissement Grenoble
Kanton Chef-lieu von 6 Kantonen
Koordinaten 45° 11′ N, 5° 44′ O45.1869444444445.7263888888889212Koordinaten: 45° 11′ N, 5° 44′ O
Höhe 204–600 m
Fläche 18,13 km²
Einwohner
– Unité urbaine
157.424 (1. Jan. 2011)
664.832
Bevölkerungsdichte 8.683 Einw./km²
Postleitzahl 38000, 38100
INSEE-Code
Website Grenoble
.

Grenoble [gʀəˈnɔbl] (Arpitanisch Grenoblo, deutsch veraltet Graswalde)[1] ist die Hauptstadt des französischen Départements Isère und der Dauphiné in der Region Rhône-Alpes im Südosten Frankreichs. Anlass der Stadtgründung war wohl die markante Lage in einer Talgabelung, wo sich die Flüsse Isère und Drac vereinigen.

Grenoble ist mit 157.424 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) die größte am Hochgebirge liegende Stadt der Alpen, noch vor Innsbruck, mit dem es touristisch vieles gemeinsam hat. Der gesamte Großraum zählt rund 665.000 Menschen.

Digitales Geländemodell des Vercors (80×65 km). Grenoble liegt im oberen Bereich des rechten Bildrandes (45° 10′ / 5° 43′), das Isère-Tal setzt sich nach links fort.

Geographie[Bearbeiten]

Klimadiagramm von Grenoble (Flughafen Grenoble-Isère)
Grenoble und seine Bergkulisse (2002)
Blick auf Grenoble

Das Stadtzentrum befindet sich auf etwa 212,5 m über Meereshöhe an der Isère, geographische Breite 45° 10′ Nord, geogr. Länge 5° 43′ Ost. Es liegt damit etwa 150 Kilometer südlich von Genf, 100 Kilometer östlich von Lyon und 350 Kilometer nördlich der Côte d’Azur.

Im nahen Umfeld der Stadt befinden sich im Abstand weniger Kilometer alpine Berggipfel mit teils über 3000 m Höhe; es handelt sich dabei im Einzelnen um das Bergmassiv des Vercors, die Gebirgszüge der Chartreuse sowie die Chaîne de Belledonne, den westlichen Ausläufer der französischen Alpen.

Geschichte[Bearbeiten]

Grenoble war schon von den keltischen Allobrogern besiedelt. In den Annalen der Römer (einem Schreiben an Cicero) ist der Ort erstmals 43 v. Chr. als Cularo erwähnt. Die Errichtung der Stadtmauer erfolgte schon 286 unter Kaiser Diocletian. Sie hatte eine Länge von über einem Kilometer und beinhaltete 38 Türme. Im Jahr 377 wird die Stadt in Gratianopolis (nach Kaiser Gratian) umbenannt. Im 14. Jahrhundert wandelte sich der Name zu Greynovol und später zu Greynoble, woraus schließlich der heutige Name entstand. In der Zeit nach der Französischen Revolution, in der die Bezeichnung noble (frz. für Adliger, adlig) Anstoß erregte, wurde die Stadt 1793 vorübergehend in Grelibre (libre frz. für frei) umbenannt. Napoléon gab ihr dann ihren ursprünglichen Namen zurück.

Seit dem 4. Jahrhundert ist Grenoble Bischofssitz; im Jahre 879 kam es zum Königreich Burgund und hat seit dem Jahr 1242 das Stadtrecht. Die Universität wurde 1339 gegründet. 1349 kam Grenoble mit der gesamten Dauphiné an Frankreich.

Am 14. September 1219 brach die natürliche Barriere am Lac de Saint-Laurent im Tal der Romanche, wobei die Hälfte der Bevölkerung von Grenoble ums Leben kam.

Im 18. Jahrhundert war die Stadt vor allem für das Kunsthandwerk bekannt. Die in Grenoble wirkende Tischlerdynastie der Hache kam zu landesweiter Bedeutung, als ihr der Titel „Tischler der Herzöge von Orléans“ verliehen wurde. Deren Werke sind heute noch im Musée Dauphinois in Grenoble zu bewundern. Bereits 1788 kam es in der Stadt zu einer antiroyalistischen Revolte (Tag der Ziegel), die den König dazu zwang, die Generalstände der Provinz einzuberufen.

Grenoble wurde von der deutschen Wehrmacht im September 1943 besetzt. Ende November wurden 19 Führer des Widerstands gegen die Besatzung ermordet. Am 26. Mai 1944 hatte die von den Deutschen besetzte Stadt unter einem schweren alliierten Bombardement zu leiden.

Im Jahre 1968 fanden hier die X. Olympischen Winterspiele statt. Unter gewaltigem finanziellen Aufwand (ca. 460 Mio Euro) wurde sie damals für die Großveranstaltung ausgebaut, denn Staatspräsident Charles de Gaulle wollte die Gelegenheit nutzen und Grenoble als Symbol für die Modernisierung Frankreichs präsentieren. In diesem Zuge entstand auch das Stadtviertel La Villeneuve, in dem es große soziale Probleme gibt.[2]

Bei den Kommunalwahlen im März 2014 gewann der Kandidat der Grünen, Eric Piolle.

Die Brücke über den Drac mit Blick auf die Belledonne
Die Brücke über die Isère und Blick auf die Belledonne (in südöstliche Richtung)

Politik[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Die Stadt Grenoble unterhält Partnerschaften mit folgenden Städten:

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die verarbeitende Industrie besteht aus elektrochemischer und metallurgischer Industrie sowie Maschinenbau, Informationstechnologie, Handschuhmacherei und Zementfabrikation.

Verkehr[Bearbeiten]

Der Flughafen Grenoble liegt rund 40 Kilometer nordwestlich der Stadt, er wird vor allem in der Wintersaison von Charterfluggesellschaften angeflogen. Der nächstgelegene Flughafen mit Linienflügen ist der etwa eine Autostunde entfernte Flughafen Lyon Saint-Exupéry bei Lyon.

Eisenbahnlinien binden die Stadt in drei Richtungen an, Nordwest nach Lyon mit durchgehenden TGV-Zügen nach Paris sowie nach Valence, Nordost nach Chambéry und gen Italien durch den Mont-Cenis-Tunnel, dem ältesten großen Tunnel durch die Alpen, in südlicher Richtung die Bahnlinie nach Gap.

Grenoble war 1987 nach Nantes die zweite Stadt in Frankreich, die die Straßenbahn wiedereingeführt hat. Mit diesem modernen ÖPNV-System ging unter anderem eine deutliche Aufwertung der Innenstadt einher.

Mit der 1934 eröffneten Seilbahn zur Bastille von Grenoble hatte Grenoble die erste innerstädtische Luftseilbahn der Welt.

Bildung und Forschung[Bearbeiten]

Europäisches Forschungszentrum in Grenoble

In Grenoble befindet sich eine der weltweit besten Business Schools, die Grenoble École de Management. Die GEM zählt zu den „Grandes Écoles“ (Eliteuniversitäten) des Landes.

Die Stadt verfügt ebenfalls über drei Universitäten mit insgesamt etwa 60.000 Studenten, nämlich die Universität Joseph Fourier (UJF, Grenoble 1, Naturwissenschaft, Technik, Medizin und Pharmazie), die Universität Pierre Mendès-France (UPMF, Grenoble 2, Geistes- und Sozialwissenschaften) und die Universität Stendhal (Grenoble 3, Sprachen, Literatur, Sprach- und Kommunikationswissenschaften). Zur UPMF gehört auch die ESA, die Ecole Supérieure des Affaires (Handelshochschule) Ferner existiert mit dem Institut national polytechnique de Grenoble (INPG) eine Bildungseinrichtung vom Rang einer Universität, die neun Ingenieursschulen und zahlreiche Forschungslaboratorien umfasst.

Ebenfalls in Grenoble liegen die Großforschungseinrichtungen Commissariat à l’énergie atomique et aux énergies alternatives (CEA2), das Europäische Synchrotron (ESRF), das CEA-Leti und die Neutronenquelle des Institut Laue-Langevin (ILL). Das Rund der ESRF fügt sich mit kühnem Schwung in den Zusammenfluss von Drac und Isère und gehört damit auch architektonisch zu den Highlights der Stadt. In Grenoble befindet sich eine der vier Aussenstellen des EMBL (European Molecular Biology Laboratory), das Grundlagenforschung in Molekularbiologie betreibt. Ferner ist dort das deutsch-französisch-spanische Institut für Radioastronomie IRAM angesiedelt.

Laut einer jährlich vom französischen Magazin L'Etudiant durchgeführten, landesweiten Umfrage zählt Grenoble zu den beliebtesten Universitäts-Städten Frankreichs. Im Jahr 2013-2014 belegt es sogar Platz 1[3].

Die Stadt hat ein Universitätsklinikum, unter anderem auf Traumata spezialisiert.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Musée de Grenoble beherbergt nach den Museen in Paris und Lyon die drittgrößte Kunstsammlung Frankreichs. Mit 187.000 Besuchern pro Jahr ist es eines der berühmtesten Museen Frankreichs, vor allem wegen seiner Sammlungen zeitgenössischer Kunst und der Sammlungen von Gemälden aus dem 13. bis 21. Jahrhundert. Es hat auch Sammlungen ägyptischer und griechischer Kunst. Daneben gibt es das Résistance-Museum.

Bekannt ist Grenoble auch für seine Walnüsse, deren Herkunftsbezeichnung geschützt ist.

Jeweils im Frühjahr findet das bekannte Grenoble Jazz Festival mit bis zu 18.000 Besuchern statt.

Festung Grenoble[Bearbeiten]

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 wurde Grenoble wegen der damit verbundenen Grenzverschiebung nach Westen zu einer Festung ausgebaut und mit mehreren detachierten Forts umgeben. Aufgabe der Festung war es, das Isèretal nach Süden abzuriegeln. Die Festung Grenoble war nicht in kriegerische Handlungen verwickelt und die Forts sind mehr oder weniger unzerstört vorhanden.

Es handelt sich im Einzelnen um:

sowie um die „Fort de la Bastille“ genannte Zitadelle, die zwar älteren Ursprungs ist jedoch in das Befestigungssystem nach dem Système Séré de Rivières einbezogen wurde.

Panoramen[Bearbeiten]

Blick über Grenoble, 2004
Panorama Grenoble
Panorama Grenoble
Grenoble bei Nacht von der Bastille aus gesehen

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heinrich Leo: Lehrbuch der Universalgeschichte zur Gebrauche in höheren Unterrichtsanstalten. 1842, S. 564.
  2. rp-online.de 20. Juli 2010: Straßenschlachten in Frankreich
  3. 10. September 2013: Le palmarès 2013-2014 des villes où il fait bon étudier

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Grenoble – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Grenoble – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen