Grenze zwischen Estland und Russland

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Grenzen von Estland nach dem Frieden von Dorpat und deren Änderung zugunsten Russlands zur Zeit der Estnischen Sowjetrepublik 1940–1990.
Politische Karte von Estland 1940

Die Grenze zwischen Estland und Russland ist in ihrer jetzigen Form zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 und 2011 unverändert geblieben. Bis 1990 gehörte Estland dabei als Estnische Sozialistische Sowjetrepublik zur Sowjetunion. Die Länge der Grenze zu Russland, die ein Teil der Grenze des Schengen-Raumes ist, beträgt 294 km. Im Norden grenzt Estland an die Oblast Leningrad, im Süden an den Rajon Petschory in der Oblast Pskow.

Ein beträchtlicher Teil der Grenze zwischen beiden Staaten verläuft im Wasser, durch den Kanal, den Fluss Narva und den Peipussee. Im Süden ist es überwiegend Landfläche, über die die Grenze verläuft. Mit dem Beitritt Estlands zur EU und NATO wurden Teile in Frage gestellt[1]. Die neue Grenzziehung zog sich über mehrere Jahre hin, da der Staatsvertrag zwar schon im Mai 2005 unterzeichnet worden war, aber durch immer neue Ausführungsbestimmungen von estnischer Seite im Parlament bis Anfang 2011 nicht verabschiedet werden konnte. Auch Russland ratifizierte in dieser Zeit das Gesetz noch nicht. Insgesamt sind über 10 Jahre verstrichen, bis die Neuteilung des Landes zwischen beiden Staaten wirksam wurde. Ausdrücklich bezog sich die Estnische Regierung auf den Frieden von Dorpat (Tartu-Vertrag) von 1920, der die Grenzziehung geregelt hat. In der Präambel legte die estnische Seite Wert auf die Feststellung, dass sie entgegen dem Tartu-Vertrag mit der Einverleibung ihres Landes 1945 Territorien verloren hatten.[2]

2011 wurde der Grenzvertrag zwischen den beiden Ländern, nach über zehn Jahren der Verhandlung, zunächst von Estland, dann gefolgt von Russland, ratifiziert.

Im Gebiet von Narva wohnen beidseits der Grenze überwiegend Russischsprecher. Mit der Auflösung der Sowjetunion wurde aus der innerstaatlichen Grenze eine Staatsgrenze und die Infrastruktur wurde teilweise unterbrochen. Wo früher ein dichtes Straßen- und Wegenetz existierte, enden enden heute viele Verbindungen am Grenzzaun. Zurzeit gibt es zwei Grenzübergänge für normalen Straßenverkehr und Fußgänger, nämlich die Brücke der Freundschaft zwischen Narva und Iwangorod (E20) und die von Lettland bis nach Pskow führende E77 sowie den Straßen- und Eisenbahngrenzübergang Koidula. Eine 2004 erwartete privat finanzierte Fährverbindung über den Peipussee, über den auch der Export von Bausand nach Estland durchgeführt werden sollte, ist bislang nicht über das Projektstadium hinausgekommen.[3]

Bemerkenswert ist die starke Veränderung in Richtung der Handelsumsätze vor und nach Errichtung der Grenze. Bis in die frühen 1990er Jahre gingen viele Bewohner Russlands zum Einkaufen nach Estland, weil bei etwa gleichen Preisen die Qualität und die Auswahl besser waren, heute kaufen estnische Verbraucher in Russland wegen der niedrigeren Preise ein. Zu den begehrtesten Produkten zählen Zucker, Alkoholika, Zigaretten, Benzin und alle Arten von Dienstleistungen[4]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geografia.ru
  2. Russia 1, 3. Juli 2005
  3. Korabel.ru
  4. Faina Svedovaya: Kleiner Grenzverkehr an der Russisch-Estnischen Grenze, Febr. 2005