Grenzwachtkorps

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Das Grenzwachtkorps GWK (französisch Corps des gardes-frontière Cgfr, italienisch Corpo delle guardie di confine Cgcf) ist der uniformierte und bewaffnete Teil der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV), die dem Eidgenössischen Finanzdepartement unterstellt ist.

Dienstgradabzeichen eines Stabsadj GWK
Grenzwachtposten Basel Lysbüchel
Einsatzfahrzeug im neuen Design
Einsatzfahrzeug altes Design
Boot des Grenzwachtkorps in Basel

Allgemeines[Bearbeiten]

Das Grenzwachtkorps ist der bewaffnete und uniformierte Verband der Eidgenössischen Zollverwaltung und gehört zum Eidgenössischen Finanzdepartement. Es ist das grösste nationale, zivile Sicherheitsorgan der Schweiz. Die Angehörigen des Grenzwachtkorps unterstehen dem Militärstrafrecht.

Das Grenzwachtkorps ist das Instrument des Bundes für:

  • Die Prävention, Intervention und Repression im Zoll- und Migrationsbereich.
  • Den Vollzug der grenzpolizeilichen Belange und der nationalen Ersatzmassnahmen in Zusammenarbeit mit den Kantonen.
  • Einsätze zu Gunsten der Europäischen Grenzschutzagentur FRONTEX.

Aufgaben[Bearbeiten]

Einsatzfahrzeug neues Design

Das Grenzwachtkorps kontrolliert den Personen- und Warenverkehr über die Grenze und bekämpft dabei den organisierten und bandenmässigen Schmuggel sowie die grenzüberschreitende Kriminalität. Das Grenzwachtkorps beteiligt sich auch an internationalen Einsätzen. Auch stellt es zur Abwehr von strafbaren Handlungen an Bord von schweizerischen Flugzeugen im internationalen gewerbemässigen Luftverkehr, so genannte Air- und Groundmarshalls zur Verfügung. In diesem Rahmen vollzieht das Grenzwachtkorps rund 150 Rechtserlasse.

Jedoch erfüllt das Grenzwachtkorps grundsätzlich die gleichen Aufgaben wie der zivile Zoll und arbeitet eng mit diesem zusammen. Dabei werden die spezifischen Fähigkeiten wechselseitig genutzt.

Es existieren drei strategische Aufgabenbereiche:

  • Zollaufgaben
  • Sicherheitspolizeiliche Aufgaben
  • Migrationsaufgaben

Die Erfüllung der drei strategischen Aufgabenbereiche an der Grenze erfolgen originär (d.h. gemäss primärem Auftrag). Im Grenzraum, im Bahnverkehr und an den Flughäfen erfolgen insbesondere die Zollaufgaben originär, hinzu kommen von den Kantonen delegierte Aufgaben.

Zollaufgaben[Bearbeiten]

Zu den Zollaufgaben gehören u. a.:

  • Die Bekämpfung des Schmuggels von steuer-, bewilligungspflichtigen oder verbotenen Waren wie Waffen, Betäubungsmittel etc.
  • Die Erhebung von Steuern und Abgaben wie die Mehrwertsteuer, Zoll- und Strassenverkehrsabgaben.
  • Die Erfüllung von wirtschafts-, handels-, gesundheits- und umweltpolizeilichen Aufgaben wie die Bekämpfung der Schwarzarbeit, des Handels mit gefälschten Markenartikeln und Heilmitteln sowie des Handels mit geschützten Tier- und Pflanzenarten.

Sicherheitspolizeiliche Aufgaben[Bearbeiten]

Zu den sicherheitspolizeilichen Aufgaben gehören u. a.:

  • Die Personen-, Sach- und Fahrzeugfahndung und das Aufdecken von Dokumentenfälschungen zur Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität.
  • Die Kontrolle des grenzüberschreitenden Barmittelverkehrs zur Bekämpfung der Geldwäscherei und der Terrorismusfinanzierung.
  • Die Sicherungseinsätze zur Abwehr von strafbaren Handlungen an Bord von schweizerischen Flugzeugen im internationalen gewerbemässigen Luftverkehr.

Migrationsaufgaben[Bearbeiten]

Zu den Migrationsaufgaben gehören u. a.:

  • Die grenzpolizeilichen Passkontrollen an den Schengen-Aussengrenzen der Schweiz an den internationalen Flughäfen von Genf, Basel und Lugano-Agno. (Am Flughafen Zürich wird diese durch die Kantonspolizei Zürich ausgeführt, am Flughafen Bern-Belp durch die Berner Kantonspolizei)
  • Die Verhinderung der rechtswidrigen Ein-, Aus- oder Durchreise sowie des rechtswidrigen Aufenthaltes.
  • Die Bekämpfung der Schleppertätigkeit und des Menschenhandels.

Organisation[Bearbeiten]

Das Grenzwachtkorps ist in den folgenden drei Hierarchieebenen gegliedert:

Strategische Ebene[Bearbeiten]

Das Kommando Grenzwachtkorps (Kdo GWK) mit Sitz in der Oberzolldirektion (OZD) in Bern bildet die strategische Ebene. Es gliedert sich in die Sektionen Stabsdienste, Operationen, Technik/Logistik, Lehrverband und Sonderformation. Geführt wird es vom Chef Grenzwachtkorps (C GWK).

Das Kommando Grenzwachtkorps nimmt strategische und operative Aufgaben wahr. Dazu gehören die Planung und Führung von nationalen und internationalen Operationen, überregionale Schwergewichtsbildungen, Auslandseinsätze und die Ausbildung.

Als weitere Elemente der Führungsunterstützung dienen zusätzlich folgende Organisationseinheiten:

Das Lage- und Nachrichtenzentrum Grenzwachtkorps (LNZ GWK)
Das Lage- und Nachrichtenzentrum des Grenzwachtkorps (LNZ GWK) in der Oberzolldirektion (OZD) in Bern wertet u.a. nationale und internationale Berichte aus, verarbeitet und verbreitet Erkenntnisse und erstellt Informationsbulletins.
Die Ausbildungszentren (AZL/KOSIT)
Im Ausbildungszentrum der Eidgenössischen Zollverwaltung (AZL) in Liestal und im Kompetenzzentrum für Sicherheit und Intervention (KOSIT) in Interlaken erfolgt die Aus- und Weiterbildung.

Operative Ebene[Bearbeiten]

Die sieben Grenzwachtregionen (Gzw Reg) bilden die operative Ebene. Sie sind mit den entsprechenden römischen Zahlen sowie einer Ortsbezeichnung versehen und nach geotaktischen Gesichtspunkten definiert. Geführt werden sie von Grenzwachtkommandanten (Gzw Kdt).

Die Grenzwachtregionen nehmen operative Aufgaben wahr, die nicht zentral erfüllt werden. Dazu gehören bei Bedarf auch die überregionale Planung und Führung von grösseren Ereignissen und Operationen, von Schwergewichtsbildungen sowie von Auslandseinsätzen.

Taktische Ebene[Bearbeiten]

Die 44 Grenzwachtposten (Gzw Po) und vier Einsatzzentralen (EZ GWK) der Grenzwachtregionen bilden die taktische Ebene. Geführt werden sie von Postenchefs (Pch). Die Grenzwachtposten stellen den Dienstbetrieb und die tägliche Dienstausführung sicher.

Als wichtige Elemente der Führungsunterstützung dienen zusätzlich folgende Organisationseinheiten:

Die Einsatzzentralen Grenzwachtkorps (EZ GWK)
Die vier Einsatzzentralen in Basel (EZ GWK Nord), Chur (EZ GWK Ost), Chiasso (EZ GWK Süd) und Genf (EZ GWK West) stellen u. a. die Einsatzkoordination sicher, bieten Support und bearbeiten und verbreiten Informationen und Fahndungsmeldungen.
Kooperationszentren (CCPD)
Die beiden Kooperationszentren für Polizei- und Zollangelegenheiten (CCPD) in Chiasso und Genf ermöglichen einen raschen Austausch von Informationen zwischen der Schweiz und Italien respektive Frankreich.

Grenzwachtregionen[Bearbeiten]

Neben dem Kommando Grenzwachtkorps am Standort der Eidgenössischen Zollverwaltung in Bern gibt es sieben Regionalkommandos, genannt Grenzwachtregion:

Grenzwachtregion I – Basel (Kantone BS, BL, SO, AG, BE, LU, OW, NW)
Grenzwachtregion II – Schaffhausen (Kantone ZH, SH, TG, SZ, UR, ZG)
Grenzwachtregion III – Chur (Kantone SG, GR, AR, AI, GL sowie Fürstentum Liechtenstein)
Grenzwachtregion IV – Lugano (Kanton TI; Kommando in der Gemeinde Paradiso)
Grenzwachtregion V – Lausanne (Kantone VS, VD, FR)
Grenzwachtregion VI – Genf (Kanton GE)
Grenzwachtregion VIII – Pruntrut (Kantone NE, JU)

Die frühere Grenzwachtregion VII (Zürich) hatte den Standort am Flughafen Zürich.

Einsatzschwerpunkte[Bearbeiten]

Das Grenzwachtkorps setzt vier strategische Einsatzschwerpunkte. Diese basieren auf dem Leistungsauftrag der Eidgenössischen Zollverwaltung (LA EZV). Dieser wird vom Vorsteher bzw. der Vorsteherin des Eidgenössischen Finanzdepartements (EFD) definiert.

Die vier strategischen Einsatzschwerpunkte betreffen:

  • Die Grenze
  • Den Grenzraum
  • Die Flughäfen
  • Den Post- und Kurierverkehr
Einsatzschwerpunkt Grenze
Dieser umfasst Kontrollen auf den Zollstellen/Grenzwachtposten im Strassen-, Bahn- und Schiffsverkehr.
Einsatzschwerpunkt Grenzraum
Dieser umfasst Kontrollen im Zwischengelände, im Grenzraum, auf Grenzgewässern und im grenzüberschreitenden Bahnverkehr.
Einsatzschwerpunkt Flughafen
Dieser umfasst die Passkontrollen an den internationalen Flughäfen in Basel, Genf und Lugano-Agno sowie Kontrollen auf Nichtzollflugplätzen.
Einsatzschwerpunkt Post- und Kurierverkehr
Dieser umfasst Kontrollen in Briefpostzentren und bei Kurierfirmen in Zusammenarbeit mit dem zivilen Zoll.

Spezialisten[Bearbeiten]

Die Bekämpfung des organisierten Schmuggels und der grenzüberschreitenden Kriminalität stellen hohe Anforderungen an das Grenzwachtkorps. Es beschäftigt deshalb in den verschiedenen Bereichen eine Reihe von Spezialisten mit vertieften Fachkenntnissen:

  • Für die Führung von Schutz-, Betäubungsmittel- oder Sprengstoffspürhunden
  • Für die Aufdeckung von gefälschten Dokumenten
  • Für die Fahrzeugkontrolle, um Schmuggelverstecke zu finden.
  • Für die Analyse von Betäubungsmitteln
  • Für das Röntgen von Gepäckstücken und Gegenständen
  • Für die Observationseinheit der Zollverwaltung zur Schmuggelbekämpfung und die Unterstützung der Zollfahndung
  • Für Einsätze im Ausland
  • Für Sicherheitseinsätze im zivilen Luftverkehr (Air- oder Groundmarshals)

Ausbildung[Bearbeiten]

Der berufliche Alltag des Grenzwächters verlangt den Umgang mit verschiedensten Menschen. Es benötigt Tag für Tag Flexibilität und erfordert fachliches Können sowie Menschenkenntnis. Die Ausbildung zur Grenzwächterin bzw. zum Grenzwächter legt den Grundstein für die berufliche Tätigkeit und befähigt die Leute, das Erlernte im täglichen Dienst praktisch umzusetzen sowie zeitgemäss und bedarfsgerecht zu arbeiten. Die Ausbildung gilt als anspruchsvoll und ist für zielgerichtete und leistungsfähige Personen gedacht.

Der Aufbau der dreijährigen Grenzwachtausbildung (Basis- und Weiterbildung) erfolgt modular, mit modernen Lehr- und Lernformen wie dem «Learning Management System». Die theoretische Ausbildung findet im Ausbildungszentrum der Eidgenössischen Zollverwaltung (AZL) in Liestal BL statt. Die praktische Ausbildung in der Region, der Sie zugeteilt sind.

Anforderungen[Bearbeiten]

Folgende Anforderungen werden von Bewerberinnen und Bewerbern verlangt:

  • Schweizer Bürger oder Doppelbürger. Doppelbürger dürfen keinen ausländischen Wehrdienst geleistet haben.
  • ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis einer mindestens dreijährigen beruflichen Grundausbildung oder einen gleichwertigen Ausweis (Bsp. Maturitätszeugnis).
  • Alter zwischen 20 und 35 Jahren.
  • Mindestgrösse von 168 cm für Bewerber bzw. 160 cm für Bewerberinnen.
  • gute intellektuelle, psychische und körperliche Leistungsfähigkeit.
  • guter Schwimmer.
  • Sehschärfe korrigiert oder unkorrigiert mindestens 0,7 am besseren und 0,5 am schlechteren Auge, unkorrigiert binocular mindestens 0,1.
  • normales Unterscheidungsvermögen von Farben.
  • normales Hörvermögen.
  • guter Leumund.
  • Führerausweis Kategorie B.

Dazu müssen Bewerberinnen und Bewerber Grundeigenschaften besitzen wie Teamfähigkeit, Kontaktfreudigkeit, Kommunikationsfähigkeit, rasche Auffassungsgabe, Selbstständigkeit, Durchsetzungsvermögen, Zuverlässigkeit und Ausdauer. Auch wird auf das äussere Erscheinungsbild grossen Wert gelegt.

Ausbildungsinhalte[Bearbeiten]

Im ersten Jahr erfolgt die Basisausbildung. Diese besteht aus Theoriemodulen und praktischen Einsätzen an der Grenze. Im der Basisausbildung werden schwergewichtig folgende Bereiche ausgebildet: Grenzwachtdienst, Zolldienst, Recht, Kriminalistik, Fahndung, Dokumentenprüfung, Schiessen, Sicherheit und Interventionstechnik, Psychosoziale Kompetenzen, Sport.

Wer im ersten Dienstjahr alle Module und Fachprüfungen erfolgreich abgeschlossen hat und die Voraussetzungen der Promotionsordnung erfüllt, wird zur eidgenössischen Berufsprüfung «Grenzwächterin/Grenzwächter mit eidgenössischem Fachausweis» zugelassen. Diese wird in Form der praktischen Berufsprüfung durchgeführt.


Nach der Basisausbildung erfolgen im zweiten und dritten Dienstjahr die Weiterbildungen, bei der die Kenntnisse mit weiteren Modulen vertieft werden. In der Weiterbildung werden schwergewichtig folgende Bereiche ausgebildet: Suche und Rettung, Dokumentenprüfung, Zolldienst, Kriminalistik, Ordnungsdienst, Einsatztaktik.

Erst nach dem Bestehen der Module in der Weiterbildung im zweiten bzw. dritten Dienstjahr ist die Ausbildung zur Grenzwächterin bzw. zum Grenzwächter abgeschlossen. Nach Beendigung der Grenzwachtausbildung im zweiten Dienstjahr und der Beförderung zum Korporal im vierten Dienstjahr stehen den Mitarbeitenden je nach Qualifikation grundsätzlich alle Funktionen offen (Spezialisten oder Kader).

Diverses[Bearbeiten]

Funktionen im Grenzwachtkorps[Bearbeiten]

Die Personalkategorien und Funktionen im Grenzwachtkorps werden nach dem Dienstverhältnis unterschieden zwischen:

  • Verwaltungspersonal
  • Betriebspersonal
  • Kader
  • Vorgesetzte
Verwaltungspersonal
Dazu zählt das Personal der Kommandos der Grenzwachtregionen (Kdo Gzw Reg) und des Kommando Grenzwachtkorps (Kdo GWK) in Bern.
Betriebspersonal
Dazu zählt das Personal der Grenzwachtposten (Gzw Po), der Einsatzzentralen (EZ GWK) und der Sonderformation der Eidgenössischen Zollverwaltung (SOFO EZV). Es umfasst auch die Spezialisten.
Kader
Dazu zählt das Personal mit dem Grad eines Wachtmeisters oder höher, das eine leitende Funktion hat.
Vorgesetzte
Dazu zählt das Personal mit dem Grad eines Feldweibels oder höher, das eine Führungsfunktion hat und mit den ihnen unterstellten Mitarbeitenden Mitarbeitergespräche und Personalbeurteilungsgespräche führt.

Grade im Grenzwachtkorps[Bearbeiten]

Die Gradabzeichen auf den Achselschlaufen des Grenzwachtkorps entsprechen den militärischen Graden der Schweizer Armee. Die Achselschlaufen sind zusätzlich mit dem Strahlenkreuz oder römischen Ziffern (I–VIII) versehen. Das Strahlenkreuz weist Träger aus, die dem Kommando Grenzwachtkorps zugeteilt sind. Die römischen Ziffern entsprechen der jeweiligen Grenzwachtregion, in der die Träger arbeiten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Grenzwache – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien