Gretchen Dutschke-Klotz

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Gretchen Dutschke-Klotz, geb. Klotz (* 3. März 1942 in Oak Park bei Chicago, Illinois) ist eine aus den USA stammende Autorin und ehemalige Studentenaktivistin. Sie ist als Witwe des 1979 verstorbenen Repräsentanten der deutschen 68er-Bewegung Rudi Dutschke bekannt geworden.

Leben[Bearbeiten]

In den Vereinigten Staaten aufgewachsen, besuchte Gretchen Klotz zunächst das Wheaton College in Illinois, wo sie Veranstaltungen der Fachbereiche Philosophie und Theologie belegte. Bei einem Besuch in Berlin lernte sie im Sommer 1964 Rudi Dutschke kennen und bot ihm nach ihrer vorübergehenden Rückkehr in die USA brieflich eine freie Partnerschaft an: Sie wolle ihn in seiner politischen Arbeit unterstützen und nicht einengen. Im März 1965 willigte Dutschke ein, worauf Klotz nach Deutschland zog und ein Theologiestudium in Hamburg begann.

Doch bald wollte das Paar zusammenleben, was in Dutschkes Freundeskreis abgelehnt wurde (Biographie S. 81):

[…] feste Bindungen, Ehen gar, waren unter Rudis Bekannten verpönt. Frauen galten als Zubehör, das nach Belieben weggelegt werden konnte.

Dennoch bezogen sie im Dezember 1965 in Berlin eine gemeinsame Wohnung und planten auch zu heiraten (ebd. S. 82):

Das beendete den Erklärungsnotstand gegenüber unseren Eltern. Und das brachte Geld, denn der Senat zahlte damals jedem Paar, das in West-Berlin heiratete, 3000 Mark.

An der FU Berlin setzte Klotz ihr Theologiestudium bei Helmut Gollwitzer fort, das sie dort, nach Unterbrechungen, 1971 mit dem Magisterexamen abschloss. In ihrer Abschlussarbeit schrieb sie über „revolutionäre Bewegungen zur Zeit Christi“.[1] Gollwitzer gehörte mit seiner Frau bald zu ihrem engeren Freundeskreis; er ließ die Familie Dutschke zeitweilig in seiner Villa in Berlin-Dahlem wohnen und kümmerte sich später nach dem Ableben Rudi Dutschkes um dessen Beerdigung.

Gretchen Klotz versuchte, in ihrer Partnerschaft die Gleichberechtigung von Mann und Frau umzusetzen. Im Frühjahr 1966 heiratete sie Rudi Dutschke und hatte mit ihm im Verlauf ihrer Ehe drei Kinder (Hosea-Che, Polly-Nicole und Rudi-Marek, der erst nach dem Tod seines Vaters zur Welt kam). Sie war eine der ersten Partnerinnen linker Studentenführer im damaligen Sozialistischen Deutschen Studentenbund, die sich für die Belange der Frauen einsetzte. Die Idee der Kommune I als einer kollektiven, nichtentfremdeten Arbeits- und Lebensgemeinschaft ging ursprünglich auf ihre Initiative zurück.

Auch als Mutter nahm Dutschke-Klotz regen Anteil an den politischen Aktivitäten der Westberliner Studentenbewegung. Nach dem Attentat auf ihren Mann half sie ihm in monatelanger intensiver Betreuung, sein Sprachzentrum wieder zu entwickeln und neu sprechen zu lernen. Nach Dutschkes Tod 1979 zog sie zurück in die USA, wo sie in Waltham, Massachusetts lebte; seit 2010 ist sie wieder in Berlin wohnhaft.

Dutschke-Biographie[Bearbeiten]

Dutschke-Klotz hat die bislang detailreichste Biographie über Rudi Dutschke verfasst, die sowohl seine Herkunft und privaten Verhältnisse als auch seine politische Entwicklung ausführlich und persönlich, aber auch kritisch darstellt. Sie enthält viele Informationen, die bis dahin kaum oder gar nicht bekannt waren, etwa Dutschkes positives Verhältnis zur Deutschen Einheit oder seine Utopie einer Berliner Räterepublik analog zur Pariser Kommune.

Ferner hat sie 2003 Dutschkes Tagebücher, die er von 1963 bis zu seinem Tod 1979 führte, veröffentlicht. Im Nachwort dazu setzt sie sich mit verschiedenen heutigen Deutungen der Politik ihres Mannes auseinander. Insbesondere dessen nationalistische Vereinnahmung durch ehemalige Mitstreiter wie Bernd Rabehl findet ihren energischen Widerspruch.

Ausgehend von unter anderem Dutschkes Tagebüchern und den Büchern von Gretchen Dutschke-Klotz entstand 2009 der kombinierte Dokumentar- und Spielfilm Dutschke, in dem sie auch auftrat beziehungsweise von Emily Cox dargestellt wurde.

Ihr Sohn Rudi-Marek Dutschke veröffentlichte nach einem Praktikumsaufenthalt in Berlin im Jahre 2000 das Buch Spuren meines Vaters (Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2001), in dem er sich auch mit dem Verhältnis zu seinen Eltern auseinandersetzt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gretchen Dutschke-Klotz: Rudi Dutschke. Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben. Eine Biographie. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, ISBN 978-3-462-02573-6
  • Gretchen Dutschke-Klotz (Hrsg.): Rudi Dutschke: Jeder hat sein Leben ganz zu leben. Die Tagebücher 1963-1979. Kiepenheuer und Witsch, Köln 2003, ISBN 978-3-442-73202-9

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gretchen Dutschke Ein revolutionäres Studium. In: Freie Universität Berlin, hrsg. von der Presse- und Informationsstelle der FU Berlin, Berlin 1998, ISBN 3-87584-719-9, Seite 87.