Grieche sucht Griechin (Roman)

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Grieche sucht Griechin. Eine Prosakomödie ist ein Werk von Friedrich Dürrenmatt und erschien 1955.

Inhalt[Bearbeiten]

Im Roman wird die Geschichte von Arnolph Archilochos erzählt. Als Unterbuchhalter eines Unterbuchhalters führt er ein relativ tristes Leben, so sagt er zu Madame Bieler, der Besitzerin des Chez Auguste, als er das erste Mal in ihrer Spelunke auftaucht: "Ich bin einsam, Buchhalter, lebe rechtschaffen und bin strenger Abstinenzler. Rauchen tue ich auch nicht. Fluchen kommt nicht in Frage." [1] Madame Bieler beschließt, eine Heiratsannonce für ihn zu veröffentlichen, und auf Archilochos' Wunsch hin lautet diese simpel "Grieche sucht Griechin" - schließlich bezeichnet er sich selbst als Griechen, obwohl seine Vorfahren schon zu Zeiten Karls des Kühnen zugewandert sind und er selbst das Land seiner Ahnen noch nie besucht hat. [2] Auf die Anzeige hin meldet sich Chloé Saloniki. Gemeinsam spazieren sie durch die Stadt, wo sie von allen hochrangigen und weniger hochrangigen Personen freundlich gegrüßt werden. Dass Chloé eine stadtbekannte Prostituierte ist, merkt Archilochos erst bei ihrer Hochzeit (die bereits zwei Tage nach ihrem Kennenlernen stattfindet). Wutentbrannt stürzt daraufhin Archilochos aus der Kirche, nur um Chloé nach einem missglückten Attentat auf den Staatspräsidenten wieder zu suchen.

Die zwei Versionen des letzten Kapitels[Bearbeiten]

Von Kapitel 24 existieren zwei Versionen: Die erste Version ist unmittelbar an die eigentliche Erzählung angebunden, die zweite Version ist nach dem "Ende I" als Version für Leihbibliotheken gekennzeichnet [3]. Die erste Version endet mit der Zerstörung von Chloés und Archilochos' Villa: "Archilochos beachtete ihn nicht. Er stierte aus verschwollenen Augen vor sich hin, blutverkrustet, den Hochzeitsfrack zerfetzt, mit heraushängendem Futter, die Brille verloren." [4] Die zweite Version des Endes hingegen endet mit der Versöhnung von Chloé und Archilochos, nachdem Letzterer in Griechenland mit dem Ehepaar Weeman Ausgrabungen betrieben hatte.

Figuren[Bearbeiten]

  • Arnolph Archilochos: Der Protagonist ist ein alleinstehender Unterbuchhalter eines Unterbuchhalters, der durch seine Kontaktanzeige zu unverhofftem Glück (er wird zum Generaldirektor der Atomkanonen- und Geburtszangenabteilung, sowie zum ehrenamtlichen Weltkirchenrat ernannt) kommt. An seinem Hochzeitstag erkennt er, dass seine Braut eine stadtbekannte Prostituierte ist. Zu Beginn hat Archilochos eine stabile Weltordnung (Idole von Nr.1 bis Nr.8), die schließlich in sich zusammenbricht.
  • Chloé Saloniki: Chloé meldet sich auf die Kontaktanzeige hin und will unmittelbar Archilochos heiraten. Sie ist eine Prostituierte, die der ganzen Stadt ihre Dienste geleistet hat.
  • Madame Bieler: Sie ist die Besitzerin des Chez Auguste, das sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Auguste führt. Auch sie scheint eine Prostituierte gewesen zu sein, so jedenfalls deutet es der Text an.
  • Auguste Bieler: Er ist ein ehemaliger Radrennfahrer, der eine legendäre Tour de Suisse gewonnen und eine noch legendärere Tour de France fast gewonnen hat [5]. Ansonsten muss er seiner resoluten Ehefrau gehorchen.
  • Ehepaar Weeman: Das Ehepaar Weeman wird von Chloé als ihre Zieheltern vorgestellt, jedoch gibt es keine Verbindung zwischen ihnen.
  • Passap: Passap ist die Nr. 4 in Archilochos' Weltordnung und ein abstrakter Künstler. Auf einem der Bilder erkennt Archilochos seine Braut, und als er Passap zur Rede stellen will, meint dieser, Archilochos sei das exakte Gegenstück zur Venus (=Chloé), nämlich der Kriegsgott Ares.
  • Bibi Archilochos: Bibi ist Arnolphs Bruder und zudem die Nr. 8 in dessen Weltordnung. Sein Lebenswandel ist das pure Gegenteil von Arnolphs Leben: Er trinkt, raubt andere Leute aus. In der ersten Version des Endes tötet Archilochos ihn und seine Kinder.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dürrenmatt, S.9
  2. Dürrenmatt, S. 17
  3. Dürrenmatt, S.148
  4. Dürrenmatt, S.148
  5. Dürrenmatt, S.6

Ausgaben[Bearbeiten]

  • Friedrich Dürrenmatt: Grieche sucht Griechin. Eine Prosakomödie.. [Erstausgabe 1955]. Zürich Diogenes, 1985

Verfilmung[Bearbeiten]

Rolf Thiele verfilmte das Werk 1966 nach einem Drehbuch von Franz Seitz; Heinz Rühmann und Irina Demick spielten die Hauptrollen.