Griechen in Deutschland

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Die Griechen in Deutschland sind nach Türken, Italienern und Polen die viertgrößte Zuwanderergruppe in der Bundesrepublik Deutschland. 283.684 Einwohner Deutschlands hatten Ende 2011 die griechische Staatsbürgerschaft.[1] Die Zahl der Personen mit griechischem Migrationshintergrund gab das Statistische Bundesamt für 2010 mit 375.000 an.[2] Im Jahre 2003 lebten die griechischen Staatsbürger durchschnittlich seit 22 Jahren in Deutschland.[3]

Griechische Auszubildende in Magdeburg 1956

Geschichte[Bearbeiten]

Auch wenn die Griechen in Deutschland heute nicht die größte griechische Auslandsgemeinde bilden, sind sie doch die älteste außerhalb des Mittelmeerraums. Ihre Wurzeln reichen bis in die Antike zurück, auch wenn zu dieser Zeit noch nicht von "Griechen" oder "Deutschen" im heutigen Sinn die Rede sein kann. Pytheas, ein Kaufmann aus Massilia, entdeckte um 325 v. Chr. als erster aus der griechisch-römischen Welt die Germanen, nachdem er mit seiner Handelsflotte den Ärmelkanal Richtung Nordmeer befahren hatte.[4] Aus seiner Zeit ist auch der Begriff der Teutonen oder Teuten als Name aller Germanen belegt, welcher nicht mit dem Namen des Stamms der Teutonen zu verwechseln ist.[5] Die Anwesenheit griechischer Kaufleute in Deutschland ist bis in die Römerzeit überliefert. Man geht auch von einer häuslichen Niederlassung aus, da dies Vorteile versprach.[6]

Sakrale Spuren sind besser belegt. So soll die Heilige Helena der Sage nach die Gereonskirche in Köln gebaut haben. Der Bischof Athanasius fand nach der Verbannung in Trier eine neue Heimat und der Slawenapostel Method von Saloniki wurde um 870 in Ellwangen gefangengehalten (die Stadt ist heute das Pilgerziel orthodoxer Christen). In Nienkerken bei Corvey gab im 9. Jh. es eine bedeutende Schule, in der Griechisch unterrichtet wurde. Der Basilianerabt Gregor von Burtscheid (*930 in Kalabrien, damals Teil des Byzantinischen Reichs; +999) gründete ein byzantinisches Kloster in Burtscheid. Nachdem Kaiser Otto II. die Prinzessin Theophanu geheiratet hatte, kamen in ihrer Gefolgschaft griechische Gelehrten ins Heilige Römische Reich.[7] Der Fall des Oströmischen Reiches 1453 führte zu einer Auswanderungswelle griechischer Gelehrten aus dem nun Osmanischen Reich, von denen sich auch eine bedeutende Anzahl in Deutschland niederließ. Häufiges Betätigungsfeld war die Lehre der griechischen Sprache und der antiken Schriften.[8] Das zur Eröffnung des Stadttheaters in Nürnberg 1834 uraufgeführte Lustspiel Die Griechen in Nürnberg beschreibt eine entsprechende Situation im 16. Jahrhundert.

Aufklärung und Philhellenismus[Bearbeiten]

Gedenktafel in der Leipziger Katharinenstraße

Als sich Ende des 17. Jahrhunderts vor allem für Händler die Grenzen des Osmanischen Reiches wieder öffneten, entschlossen sich viele Griechen zur Emigration.

Zentrum des Auslandsgriechentums in Deutschland wurde Leipzig, das zu dieser Zeit ein bedeutendes Handelszentrum war. Neben Polen und Russen waren sie die wichtigste Gruppe von Kaufleuten in der Stadt.[9] Um 1700 fanden im Griechenhaus, einem Handelshof griechischer Kaufleute, auch die ersten griechisch-orthodoxen Gottesdienste statt. Ihre gesellschaftliche Bedeutung in Sachsen nahm schnell zu. Zur Ostermesse des Jahres 1780 waren bereits 184 griechische Einkäufer registriert.[10]

An der Universität Leipzig promovierten etwa 25 Griechen im Jahr, so etwa der Geograph Margaritis Dimitsas. Auch Goethe lernte viele griechische Kommilitonen dort kennen. Im 19. Jahrhundert wurde der Sohn des Kaufmanns Georgios Karagiannis, Theodor von Karajan, von Kurfürst Friedrich August III. für seine Tätigkeit in der Textilindustrie geadelt. Ein Nachfahre von ihm war Herbert von Karajan. 1908 gründete der Weinhändler Georg Anagnostopoulos nach seinem Jura-Studium den Hellenen-Verein, der (bis zur Auflösung sämtlicher Vereine) im Jahr 1938 bestand.[11] Aus einer Leipziger Pelzhändlerfamilie stammte der Dirigent Charilaos Perpessas.

Die Leipziger Griechen zogen nach der deutschen Teilung nach Westdeutschland und in andere europäische Länder. Viele ließen sich in Frankfurt am Main nieder, wo sie ihre Betriebe weiterführten. Die Gemeinde wurde mangels Mitgliedern 1952 aufgelöst.[12]

Griechen im Deutschen Kaiserreich und der Republik[Bearbeiten]

Salvatorkirche
Die griechische Weinstube "Zur Stadt Athen" in Neckargemünd, 1910

Im preußischen Posen bildete sich im frühen 19. Jahrhundert eine griechische Gemeinde. Zwei Mal im Jahr wurde die Gemeinde von Geistlichen aus Leipzig besucht.[13]

Eine weitere griechische Gemeinde bildete sich im frühen 19. Jahrhundert in München, bereits bevor der Wittelsbacher Otto I. König von Griechenland wurde. Seit dem Königtum Ottos konnten sich Griechen einfacher in Bayern niederlassen oder kostenlos studieren. In der Allgemeinen Zeitung wurde am 20. Dezember 1829 die Gründung eines Griechenvereins bekanntgegeben, dem auch Förderer Griechenlands angehörten. Im selben Jahr wurde die (leer stehende) Salvatorkirche in München für griechisch-orthodoxe Gottesdienste überlassen. Im Gegenzug emigrierten viele bayerische Handwerker und Gelehrte nach Griechenland. Am 8. September 1918 wurde die Griechische Gemeinde München im Vereinsregister eingetragen. Ihr Name änderte sich später in Griechischer Verein München. Am 22. Oktober 1923 wurde der Verein aufgelöst, um am selben Tag durch die Griechische Kirchengemeinde in München e. V. ersetzt zu werden.[14]

Erste griechisch-orthodoxe Gemeinden entstanden im 19. Jahrhundert auch im heutigen Baden-Württemberg.[15]

Im späten 19. Jahrhundert beschäftigten sich Griechen in Deutschland mit dem Tabakhandel und der Zigarettenproduktion. 1875 wurde in München die Cigarettenfabrtik Pan T. Papastathis gegründet, die den Maler Nikolaus Gysis entwerfen ließ. Die Zigarettenfabrik Jasmatzi von Georg Anton Jasmatzi war zeitweise mit einem Kapital von 10 Millionen Reichsmark die größte Kapitalgesellschaft der Tabakindustrie in Deutschland. 1925 eröffnete die Cigarettenfabrik Kyriazi in Hamburg, Papastratos eröffnete 1933 in Berlin die Hellas Zigarettenfabrik. Weitere waren die Firmen Dimitrino und Nestor Gianaklis.

Ab dem späten 19. Jahrhundert ist auch die Existenz zahlreicher griechischer Lokale in Deutschland belegt. Die erste Kette waren die Griechische Weinstuben "Zur Stadt Athen" des griechischen Konsuls Julius Menzer, die Filialen in verschiedenen Städten hatte. Vor 1903 eröffnete das Restaurant Stadt Patras am Maximilianplatz in München.[16] Ebenfalls in München war die griechischen Weinstube Akropolis, in der Carl Schmitt während seiner Lehrtätigkeit in München (1919-21) Stammgast war.[17]

Pierre Mavrogordato und seine Frau Erato zogen vor 1909 von Odessa nach Berlin, welches zu jener Zeit gute Bedingungen für deren Arbeit als Archäologen und Antikensammler bot. Mavrogordato trug u.a. zum Ausbau der Antikensammlung Berlin bei. Später zogen beide ins thüringische Römhild, wo sie u.a. die Waldhaus-Siedlung gründeten.

Während des Ersten Weltkriegs wurden 6500 Griechen freiwillig nach Görlitz ausquartiert, wo sie ab dem 11. September 1916 als "Gäste der Reichsregierung für die Dauer des Krieges" bis zum Kriegsende blieben. Die Gäste wurden von der Bevölkerung sehr herzlich aufgenommen. Über dem Eingang des Lagers des griechischen Görlitz-Lagers wurde der Spruch XAIPETE! (Seid begrüßt!) aufgestellt.[18] Aus heutiger Sicht ist vor allem von Bedeutung, dass in dieser Zeit 70 Schellackplatten mit Liedern und Dialogen aufgenommen wurden. Diese befinden sich heute im Deutschen Lautarchiv (Humboldt-Universität zu Berlin) und gelten als bedeutendes Zeugnis der griechischen Musikkultur.[19] 200 Soldaten ließen sich permanent in Görlitz nieder und gründeten Familien.

Ab dem späten 19. Jahrhundert studierten oder lehrten zahlreiche Griechen an der Akademie der Bildenden Künste München. Sie wurden zu wichtigen Vertretern der Münchner Schule, darunter Georgios Jakobides, Konstantinos Volanakis, Nikolaos Gyzis, Polychronis Lembesis, Nikolaos Vokos und Nikiphoros Lytras.

Während des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Der Maler Jorgos Busianis mit seinem Sohn Georg. Die Familie hatte sich 1921 in Eichenau niedergelassen und ein Haus gebaut

Allgemein war Deutschland bis in die 1930er Jahre wichtigster Studienort griechischer Akademiker im Ausland. Jeder zweite Professor der Universität Athen und gar vier von fünf Angestellten des Athener Polytechnikums hatten in Deutschland studiert. Die generellen Sympathien dieser Personen gegenüber Deutschland führte bei vielen zu einer anfänglichen Sympathie mit dem Nationalsozialismus, darunter der Athener Bürgermeister Konstantinos Kotzias (den auch Hitler persönlich empfing) und der Ministerpräsident Ioannis Metaxas.[20] Kontakte wurden seinerzeit auch von deutscher Seite gesucht. Leni Riefenstahl ließ sich von der griechischen Fotografin Nelly zum Film Olympia beraten, das Außenpolitische Amt der NSDAP erwarb Bilder von Nelly für den Bildband Unsterbliches Hellas.[21] Eine ideologische Parallele zwischen einem ausschließlich spartanischen antiken Griechenland und dem militaristischen Deutschen Reich ließ sich jedoch nicht glaubhaft vermitteln. Auch konnte sich Metaxas nicht mit dem Antisemitismus Hitlers anfreunden, den er anfangs noch unterschätzt hatte. Johannes Gaitanides ging als Angehöriger der Waffen-SS nach Griechenland und schrieb den Bericht Neues Griechenland, welcher 1940 auch als Buch erschien.

Die Kunst der Vertreter der Münchner Secession wie Jorgos Busianis und der italienischstämmige Grieche Giorgio de Chirico galten nach 1933 als „entartet“, sie verließen Deutschland.

Der griechische Tischtennisspieler Nikita Madjaroglou konnte ohne deutsche Staatsbürgerschaft bis 1933 in Länderkämpfen für Deutschland antreten. In dieser Zeit war er auch Erster in der deutschen Rangliste. Er gewann die Bronzemedaille bei der Tischtennisweltmeisterschaft 1931. Weniger wegen des griechischen Passes als vielmehr wegen seiner ausländischen Herkunft musste auch er 1934 Deutschland verlassen. Aus Solidarität blieben seine deutschen Kollegen der Weltmeisterschaft 1934 fern. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Griechen jüdischen Glaubens als Zwangsarbeiter eingesetzt. Nach Thessaloniki, das von vielen Juden bewohnt war, kehrten nur etwa Tausend zurück.[22]

Der berühmte Mathematiker Constantin Carathéodory zog sich während des Nationalsozialismus aus der Lehr- und Forschungstätigkeit zurück und arbeitete als Kirchenvorstand in der Griechischen Kirche Zum Erlöser am Münchner Salvatorplatz. Erst 1946 hielt er wieder Vorlesungen. Sein Neffe John Argyris, Mitbegründer der Finite-Elemente-Methode musste Deutschland verlassen.

Einwanderung im Nachkriegsdeutschland[Bearbeiten]

Griechische Auszubildende in der DDR, 1951
Namensschilder von verbliebenen Betrieben im früheren Frankfurter Pelzviertel

Während des Griechischen Bürgerkriegs schickten kommunistische Eltern ihre Kinder zur Erziehung in die sowjetische Besatzungszone Deutschlands bzw. in die gerade gegründete DDR und andere osteuropäische Länder. Nach Ende des Bürgerkriegs emigrierten viele Kommunisten, um weiter politisch aktiv sein zu können. Währenddessen begann aus Westdeutschland eine Anwerbung von Griechen, die als „Gastarbeiter“ in Fabriken eingesetzt wurden. Da zu dieser Zeit kaum eine andere Emigrationsmöglichkeit bestand, kamen viele Griechen in die Bundesrepublik. Die Berufsausbildung in Deutschland versprach damals bessere Berufschancen bei einer Rückkehr nach Griechenland.[23] 1961 wurde die Vereinigung der Deutsch-Griechischen Gesellschaften gegründet.

Die Anwerbung von Arbeitskräften nach Deutschland führte zu einem Arbeitskräftemangel in Griechenland und einem Anstieg der Lohnkosten dort. Bereits 1971 war die Zahl der Erwerbstätigen in Griechenland auf 3,3 Mio. geschrumpft. Als es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung kam und der Massentourismus einsetzte, mussten 30.000 Nordafrikaner angeworben werden, um in der Industrie, Landwirtschaft und Tourismus den Personalmangel zu lindern.[24].

Bis in die 1960er Jahre spielten mittelständische Tabakfabriken in Deutschland noch eine Rolle, wurden dan jedoch in sehr rascher Folge von großen Konkurrenten, so z.B die Firma Muratti von Adrian und Alexander Enfiezioglou und die Hamburger Filiale der Traditionsfirma Kyriazi von Constantin Kyriazi. Diese hatte deutschlandweit einen Marktanteil von 1,2 %, deren Anteil ging an British American Tobacco[25].

Der erste Grieche in der Fußball-Bundesliga war 1974 der in Deutschland aufgewachsene Maik Galakos.[26]

Situation bis zur Wiedervereinigung[Bearbeiten]

Die griechische Militärdiktatur führte zu politischer Emigration in beide Teile Deutschlands. Emigrierten anfangs vor allem Linke, erstreckte sich die Auswanderung bald auch auf die Intellektuellen der bürgerlichen Mitte und des gemäßigten rechten Spektrums. Nach dem Ende der Diktatur kehrten viele Griechen zurück, so zum Beispiel auch der spätere Ministerpräsident Kostas Simitis, der bis 1975 in Gießen Professor war. Auch Griechen aus der DDR kehrten ab 1974 zurück, 1980 lebten noch 1.620 griechische Staatsbürger in der DDR, Ende 1989 waren es noch 482. Sie durften ohnehin frei Reisen, aber bei Umzug nur 3000 Mark pro Kopf (Kinder 1500 Mark) in Westwährung tauschen. Der griechische Staat gewährte bis in die 1990er Jahren Einwanderern jedoch zahlreiche Förderungen.

Der Beitritt Griechenlands 1981 zur EWG führte nochmal zu einem kurzen Anstieg der Emigration in die Bundesrepublik und Westberlin.

Der Pelzhandel erlitt ab den frühen 1980er Jahren einen rapiden Niedergang. Für zahlreiche Griechen und griechischstämmige Deutsche, die teilweise seit Generationen in diesem Bereich arbeiteten, bedeutete das den Verlust der beruflichen Existenz. Kürschner und Pelzhändler wandten sich anderen Berufen zu, häufig der Gastronomie.

Seit der Jahrtausendwende[Bearbeiten]

Die ersten Generationen der ehemaligen Gastarbeiter befindet sich im Rentenalter und verbring oft nur einige Monate in Deutschland. Von deren Nachkommen lebt ein Teil in Deutschland und ein Teil in Griechenland, jeder 10. Grieche in Griechenland hat einen Teil seinen Lebens in Deutschland verbracht, was die Zahl der Rückwanderung bestätigen würde. Teilweise kamen noch Pontos-Griechen aus der ehemaligen Sowjetunion als griechische Staatsbürger nach Deutschland, so dass die Gesamtzahl der Griechen in Deutschland bis nach der Jahrtausendwende einigermaßen konstant blieb.

Mit Ausbruch der griechischen Finanzkrise wurde spekuliert, dass viele Griechen auch nach Deutschland auswandern würden. Erste Zahlen belegten diese Vermutung, sie ergaben einen monatlichen Anstieg der griechischen Zuwanderung in Höhe von etwa 1400 Personen. Die Griechisch-orthodoxe Kirche meldete bereits früh einen spürbaren Anstieg der Gläubigen im Berliner Umland.[27][28] Diese Beobachtungen bestätigte das Statistische Bundesamt schließlich durch Erhebungen, demnach nahm die Zuwanderung 2011 um ca. 20 Prozent zu, besonders Spanier und Griechen wanderten nach Deutschland ein.[29] Aus Griechenland kamen 2011 84 Prozent mehr Einwanderer als im ersten Halbjahr 2010 (+ 4100 Personen).[30] Wegen anhaltend hoher Arbeitsplatzverluste zieht es viele Griechen nach Deutschland.[31] Das statistische Bundesamt meldet für 2011, dass den zugezogenen 23.800 aber rund 21.000 Griechen gegenüber stehen, die Deutschland verlassen haben. Die zugewanderten Griechen weisen einen überdurchschnittlich hohen Bildungsstand auf, der doppelt so hoch ist wie der Bundesdurchschnitt. [32].

Griechen in Deutschland sehen sich aufgrund der einseitig negativen Berichterstattung über ihr Heimatland zunehmend Anfeindungen ausgesetzt. Das sich entfaltende Phänomen der Griechenfeindlichkeit beschäftigt mittlerweile auch die Wissenschaft. So erschien 2012 die Arbeit "Die Dynamik der Konstruktion von Differenz und Feindseligkeit am Beispiel der Finanzkrise Griechenlands" von Hans Bickes.

Demografie[Bearbeiten]

Die Entwicklung der griechischen Wohnbevölkerung in Deutschland (seit 1967)

Jahr 1967 1970 1973 1976 1979 1982 1985 1988 1991 1994 1997
Anzahl 200.961 342.891 407.614 353.733 296.803 300.824 280.614 274.973 336.893 355.583 363.202
Jahr 2000 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012
Anzahl 365.438 354.600 315.989 309.794 303.761 294.891 287.187 278.063 276.685 283.684

Quelle: Statistisches Bundesamt

Die Zahlen vor 1991 umfassen nur Griechen auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik, die von 1991 auch die in den neuen Bundesländern. Die Statistik erfasst nicht die ethnischen Griechen als solche, sondern die griechischen Staatsbürger. So können Griechen der Diaspora aus den USA nicht erfasst sein (obwohl sie auch Anspruch auf einen griechischen Pass hätten), hingegen sind 15.000 Westthrakientürken eingerechnet, die in Deutschland leben.

Die Anzahl der Griechen, welche die deutsche Staatsbürgerschaft erwarben, ist weitaus geringer als die rückläufigen Zahlen der griechischen Staatsbürger, so dass man von einem Rückgang der Griechen in Deutschland ausgehen kann. Seit etwa 2010 gibt es einen Zuzug griechischer Akademiker nach Deutschland, die für unbesetzte Stellen, z.B. als Ärzte oder Ingenieure, von deutschen Verbänden und Firmen angeworben werden.

Kultur und Bildung[Bearbeiten]

Zur Verbreitung der neugriechischen Kultur in Ergänzung zur humanistischen Pflege des Kulturerbes der griechischen Antike und des Byzantinischen Reiches in Deutschland wurde 1983 die Πολιτιστική Ομάδα Πρωτοβουλίας — Initiativgruppe Griechische Kultur in der Bundesrepublik Deutschland e. V. gegründet. Erster Vorsitzender war Hans Eideneier (1983–2008), seine Nachfolgerin ist seine Frau Niki Eideneier-Anastassiadi (seit 2008).[33]

Während 1974 nur 178 griechische Kinder ein Gymnasium besucht hatten, waren es 1984 bereits 1760; ihr Anteil lag damit weit vor anderen Migrantengruppen und sie erreichten erstmals den gleichen relativen Anteil (an der Gesamtbevölkerung) an Besuchern von Gymnasien wie einheimische Deutsche.[34] Mittlerweile liegt der relative Anteil der Kinder griechischer Herkunft an Gymnasien über denen deutscher Kinder ohne Migrationshintergrund. Dies hängt laut einer Untersuchung von Diether Hopf weniger mit dem sozialen Status in Deutschland zusammen als vielmehr mit den gesellschaftlichen Bedingungen der Heimat.[35]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ekkehard Passolt: Migrationspolitik in Griechenland und Deutschland und ihre Auswirkungen auf das Wanderungs- und Rückwanderungsverhalten griechischer Emigranten, GRIN Verlag, München 2007, ISBN 978-3-638-70110-5, (zugleich: Universität Göttingen, Magisterarbeit, 2003).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt: Ausländische Bevölkerung – Fachserie 1 Reihe 2 – 2011 (PDF, 3,2 MB)
  2. Statistisches Bundesamt: Bevölkerung mit Migrationshintergrund – Ergebnisse des Mikrozensus – Fachserie 1 Reihe 2.2 – 2010 (PDF, 6,37 MB)
  3. Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung Nr. 171 vom 19. April 2004
  4. Karl Mohs: Backofenbau: die Entwicklung des Backofens, S. 70
  5. Johannes Voigt: Geschichte Preussens, S. 81
  6. Gustav Friedrich Klemm: Handbuch der Germanischen Alterthümer: Mit 23 Tafeln Steindruck, S. 141
  7. Johann Christoph Wilhelm Lindemann: Evangelisch-lutherisches Schulblatt. S. 138 über Google-Books
  8. Rein, Wilhelm: Encyklopädisches Handbuch der Pädagogik, Band 3, H. Beyer, 1905. S. 633
  9. Emanuel Turczynski: Die deutsch-griechischen Kulturbeziehungen bis zur Berufung König Ottos R. Oldenbourg, 1959 S. 101
  10. Christoph Hauser: Anfänge bürgerlicher Organisation, S. 23 1990
  11. Herbert Hunger, Wolfram Hörandner: 16. Internationaler Byzantinistenkongress, Wien, 4.-9. Oktober 1981, S. 81, ISBN 3700104553
  12. Hellas lipsiensis: Griechen in Leipzig von Suppe, Frank-Thomas in Leipziger Blätter Nr. 18/1991 S. 31-33
  13. Emil Oehlschlaeger, Posen: Kurz gefasste Geschichte und Beschreibung der Stadt Posen. S. 191
  14. Entscheidungen in kirchensachen seit 1946, veröffentlicht von Walter de Gruyter, 1984, ISBN 3110100037 S. 218 ff.
  15. Hansmartin Schwarzmaier: Handbuch der Baden-württembergischen Geschichte, Klett-Cotta, 1992. S.885 ISBN 3608914684
  16. Deutscher Universitätskalender in der Google-Buchsuche
  17. Carl Schmitt Die Militärzeit 1915 bis 1919 in der Google-Buchsuche
  18. Gerassimos Alexatos,"Xairete: Ein griechisches Armeekorps in Görlitz" in Meilensteine deutsch-griechischer Beziehungen. Athen 2010, ISBN 978-960-6757-27-3, S.185-199.
  19. Görlitz, die Griechen und die geheime Kommission
  20. Heim, Susanne: Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus, S. 208
  21. [Esther Sophia Sünderhauf: Griechensehnsucht und Kulturkritik: die deutsche Rezeption von Winckelmanns Antikenideal 1840-1945, S. 196]
  22. The Jerusalem of the Balkans
  23. Panayotidis, Gregorios: Griechen in Bremen: Bildung, Arbeit und soziale Integration einer ausländischen Bevölkerungsgruppe, 2001, S. 138
  24. Bitterer Becher, Der Spiegel 43/1972
  25. Die großen Vier, Der Spiegel 19/1960
  26. Serie: Helden von gestern. Der erste Grieche der Bundesliga, WAZ vom 14. November 2013
  27. Schöne Strände sind nicht genug. Berliner Zeitung, 16. September 2011, abgerufen am 15. November 2011.
  28. Die Griechen kommen, Flucht aus der Schuldenkrise. Spiegel Online, 9. August 2011, abgerufen am 15. November 2011.
  29. Zuwanderung steigt um fast 20 Prozent. Frankfurter Rundschau, 22. Dezember 2011, abgerufen am 22. Dezember 2011.
  30. Statistisches Bundesamt
  31. Eine griechische Familie will in Deutschland nochmal ganz neu anfangen. Schwäbisches Tagblatt, 22. Oktober 2011, abgerufen am 22. Dezember 2011.
  32. Zuwanderer helfen der deutschen Wirtschaft. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. Juli 2012, abgerufen am 6. Juli 2012.
  33. Vorstand der POP Initiativgruppe Griechische Kultur.
  34. Hubert Eichheim: Griechenland S. 79, C. H. Beck, 2. Auflage 1999 ISBN 3406398774
  35. Bericht des Deutschlandradio aus einer Untersuchung von Hopf