Gries-Quirein

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Gries-Quirein
Italienische Bezeichnung: Gries-San Quirino
Gries Abbey Church.JPG
Pfarr- und Stiftskirche St. Augustin von Gries
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Südtirol (BZ)
Gemeinde: Bozen
Koordinaten: 46° 30′ N, 11° 20′ O46.50037911.338888888889246Koordinaten: 46° 30′ 1″ N, 11° 20′ 20″ O
Höhe: 246 m s.l.m.
Fläche: 13,46 km²
Einwohner: 30.135 (2012[1])
Bevölkerungsdichte: 2239 Einw./km²
Demonym: Grieser bzw. Quireiner
Patron: Augustinus von Hippo
Kirchtag: 28. August
Präsident Anna Pitarelli (SVP)
Telefonvorwahl: 0471 CAP: 39100
Website: Offizielle Website

Gries-Quirein (italienisch Gries-San Quirino, Aussprache zweisilbig als Gri-es /griːəs/) ist eines der fünf Stadtviertel von Bozen, der Landeshauptstadt Südtirols (Italien). Gries-Quirein ist mit 30.135 Einwohnern der bevölkerungsreichste und mit 13,46 km² flächenmäßig zweitgrößte Stadtteil von Bozen.

Die ehemals eigenständige Landgemeinde Gries, deren nördlicher Bereich vom heutigen Stadtviertel Gries-Quirein eingenommen wird, wurde Ende 1925 nach Bozen eingemeindet.

Geographie[Bearbeiten]

Die Katastralgemeinde Gries entspricht dem Gebiet der historischen Gemeinde Gries. Westlich der Talfer und nördlich des Eisacks gelegen, umfasst es neben dem Stadtviertel Gries-Quirein auch die Viertel Don Bosco und Europa-Neustift. Das heutige Viertel Gries-Quirein besteht zu einem Großteil aus dem Gebiet des historischen Gries und reicht vom Hangfuß des Altenberges (Jenesien) im Norden bis zur Drususallee im Süden bzw. bis zum Eisackufer im Südosten. Dort bilden Drususallee und Romstraße die Grenze zum südwestlich anliegenden Stadtviertel Europa-Neustift. Im Osten markiert die Talfer den Übergang zum zentralen Stadtviertel Zentrum-Bozner Boden-Rentsch.

Gliederung des Stadtviertels[Bearbeiten]

Zu Gries-Quirein gehören die Ortsteile Gries, Fagen, Moritzing, Guntschna, St. Georgen, Sand, Quirein sowie Teile der Kaiserau. Heute in Vergessenheit geraten sind die alten Ortsteilnamen Hof (das Gebiet um den Grieser Platz mit der ehemaligen Kapelle St. Jakob am Hof) und Haimgarten (heutiges Moritzing).[2] Alte Grieser Höfe sind etwa Ramer, Möckl, Schmid-Oberrautner, Perl, Schallbauer, Föhrner, Kofler auf Zeslar (Rundenstein), Mauracher, Fuchs im Loch, Kugler und Mantsch.[3]

Moritzing[Bearbeiten]

Moritzing ist ein ländlich geprägtes Gebiet mit landwirtschaftlichen Betrieben, die überwiegend Weinbau betreiben. Der Name leitet sich von der romanischen Kirche St. Mauritius ab, die in der Gotik und im Barock stark umgebaut wurde, von der aber noch die freskierte romanische Apsis erhalten ist. Als mächtiger alter Weinhof sticht der unmittelbar neben der Kirche gelegene Anreiterhof aus dem 16. Jahrhundert hervor, der Besitz der Kurie Bozen-Brixen ist.

In Moritzing befinden sich das Landeskrankenhaus Lorenz Böhler und die Einsatzzentrale des Landesrettungsdienstes Weißes Kreuz.

1981 stieß man bei Bauarbeiten in Moritzing auf einen wichtigen archäologischen Fund. Dabei handelt es sich um ein Gräberfeld aus der jüngeren Eisenzeit.[4] Die Grabungen wurden 1994 fortgesetzt; insgesamt konnten 32 Brandgräber in Urnen geborgen werden, die sich der Fritzens-Sanzeno-Kultur zuordnen lassen. Die teilweise sehr reichen Gräber gaben wichtige Aufschlüsse zu den Gebrauchsgegenständen und der Tracht der damaligen Bevölkerung. Die Funde datieren in das 5. bis frühe 3. Jahrhundert vor Christus.

Geschichte[Bearbeiten]

Grieser Weingärten vor der Stiftskirche
Ortsplan der Kurgemeinde Gries um 1884
Wappen der ehemaligen Marktgemeinde Gries

Gries ist jünger als Bozen, das auf römische Zeit zurückgeht. Die Grafen von Bozen – die Arnoldinger – errichteten gegen Ende des 11. Jahrhunderts im Zentrum des einstigen Cheller (Keller = Weinkeller der bischöflichen Kirche Freising), dem heutigen Gries, einen befestigten Stützpunkt, der ein Gegenpol zur damals von den Bischöfen von Trient beherrschten Stadt Bozen werden sollte. Rund um die im Hochmittelalter von dem später ausgestorbenen Adelsgeschlecht erbaute Burg entwickelte sich eine kleine Siedlung. Der Name Gries tauchte erstmals um 1185/86 (Griaz, Grize)[5] auf und verdrängte erst im 15. Jahrhundert endgültig den alten Namen Keller. Als der neue Herr Meinhard II. „sein“ Gries gegen das bischöfliche Bozen mit Privilegien ausstattete, gewann Gries gegenüber Bozen an Bedeutung. Ein eigenes Marktrecht (St.-Andreas-Markt) begründete eine starke wirtschaftliche Stellung. Entscheidende Aufwertung erfuhr Gries auch, als der Habsburger Friedrich IV. im frühen 15. Jahrhundert das von der bayerischen Gräfin Mathilde von Valley, Gattin Arnolds III. von Morit-Greifenstein, in den 1160er Jahren gegründete Augustinerchorherrenstift Maria in der Au (am Eisack bei Bozen) in die ehemalige Burg Gries verlegte.

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert blühte Gries als Kurort auf, an diese Zeit erinnern unter anderem die Erzherzog-Heinrich- oder Guntschna-Promenade[6], die nach dem Habsburger Heinrich von Österreich (1828–1891) benannt wurde, der viel zum Aufschwung von Gries beigetragen hatte. Diese Blütezeit spiegelt sich in den Hotel- und Villenbauten der Zeit (z. B. Sonnenhof, Germania, Austria, Zeltnerheim, Marienheim), den zahlreichen Zuzügen aus der Monarchie und dem Deutschen Reich sowie, als besonders anschaulichem Zeitdokument, dem von der Wiener Sascha-Film 1912 gedrehten Stummfilm Bozen mit dem Luftkurorte Gries.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

In den 1920er- und 1930er-Jahren wurden in Gries zahlreiche neue Straßenzüge angelegt, die das Gerüst des vom Faschismus gewollten Groß-Bozen waren, und mehrere Gebäude im faschistischen Stil errichtet wie das sogenannte „Siegesdenkmal“, der Parteisitz (heutiges Steueramt) und das neue Gerichtsgebäude.

Der Bauboom seit den 1960er-Jahren hat das Siedlungsbild von Gries-Quirein stark verdichtet, wenngleich einzelne, z. T. ausgedehnte Rebflächen dem Siedlungsdruck standgehalten haben und erhalten geblieben sind.

Namensherkunft[Bearbeiten]

Der Name des heutigen Stadtviertels leitet sich von den historischen Ortsnamen Gries und Quirein ab. Der älteste Name für Gries war Keller, herrührend vom alten Mairhof/Weinkeller (Loffererhof) des bayerischen Hochstifts Freising nahe der alten Grieser Pfarrkirche (mit dem bekannten Marienkrönungsaltar von 1470/73 von Michael Pacher). Gries war eine ursprünglich selbstständige Gemeinde im Bozner Talkessel. Das 1901 von Kaiser Franz Joseph I. zur Marktgemeinde erhobene Gemeinwesen wurde 1925, gegen den Willen seiner Bevölkerung, nach Bozen eingemeindet, weil die faschistische Regierung Platz für ihr italianisiertes Bozen brauchte. Kurioserweise wurde nie ein eigener italienischer Name für Gries erfunden (s. Ettore Tolomei), was wohl daran liegt, dass Gries zu dieser Zeit in Rioni (Stadtteile) aufgeteilt wurde, die Namen wie Rione Venezia, Rione Tiberio und Rione Littorio erhielten. Quirein war ursprünglich eine der sieben Fraktionen von Gries, deren Name sich vom heiligen Quirinus von Tegernsee ableiten lässt. Die Mönche vom Kloster Tegernsee unterhielten am rechten Talferufer Weingüter samt Mairhof.

Heute wird nur mehr der ehemalige Ortskern von Gries mit dem imposanten Benediktinerkloster Muri-Gries (früher Burg Gries bzw. Augustinerchorherrenstift) und der zugehörigen Kirche zum heiligen Augustinus als Gries bezeichnet. Das Dorfbild mit seinem ländlichen Charakter ist als solches erstaunlicherweise weitgehend erhalten geblieben, wodurch Gries nach wie vor als eigene Gemarkung erkennbar bleibt, obgleich seine Grenzen zu anderen Stadtvierteln verschwimmen. Der als kommunikativer Mittelpunkt fungierende Grieser Platz mit seiner beachtenswerten Randverbauung ist zum geschützten Ensemble erklärt worden.

Bürgermeister der ehemaligen Gemeinde Gries[Bearbeiten]

  • Karl von Zallinger: 17. September 1850 – 20. Oktober 1860
  • Anton Schmid-Oberrautner: 2. März 1861 – 9. Juli 1876
  • Johann Nepomuk Baron von Giovanelli: 24. September 1876 – 3. Dezember 1876
  • Franz Tutzer: 14. Januar 1877 – 23. Mai 1886
  • Franz Lintner-Unterrautner: 11. Juli 1886 – 7. Dezember 1907
  • Josef Mumelter-Möckl: 3. Januar 1908 – 10. Dezember 1925

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Gries gegen den Rosengarten, 1968

In Gries befinden sich neben dem heutigen Benediktinerkloster zahlreiche Grund-, Mittel- und Oberschulen, die Landesbibliothek „Dr. Friedrich Teßmann“, der Südtiroler Sitz der staatlichen Rundfunkgesellschaft RAI, das alte Theater, das Oberlandesgericht, das Landeskrankenhaus Lorenz Böhler und das Hauptquartier der italienischen Gebirgstruppen (Alpini).

In Gries wird auch heute noch viel Wein angebaut. Zu den bekannten Sorten zählen Lagrein, St. Magdalener und Merlot. Gekeltert werden sie vor allem von der Stadtkellerei, der Stiftskellerei und einer Reihe von Privatkellereien.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Im Ort geboren[Bearbeiten]

  • Oskar Meyer (1858–1943 in Salzburg), Ingenieur und Politiker
  • Josef Mumelter-Möckl, k.k. Mjr. und letzter deutscher Bürgermeister der Marktgemeinde Gries bei Bozen
  • Alois Puff (1890–1973), Offizier Tiroler Kaiserjäger, Politiker und Gründungsmitglied der Südtiroler Volkspartei (SVP)
  • Franz Tumler (1912–1998 in Berlin), südtirolisch-österreichischer Schriftsteller
  • Jörg Böhler (1917–2005), österreichischer Unfallchirurg
Der historische Friedhof von Gries bei der Alten Pfarrkirche
  • Karl Mitterdorfer (* 1920), deutscher Jagdflieger, ehem. Landeskommandant der Südtiroler Schützen und italienischer Politiker
  • Luis Amplatz (1926–1964), Südtiroler Freiheitskämpfer
  • Herbert Rosendorfer (1934–2012), deutscher Schriftsteller und Jurist

Im Ort verstorben/begraben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Stampfer, Hubert Walder: Michael Pacher in Bozen-Gries, 2. Aufl., Bozen: Athesia 1980, ISBN 88-7014-173-X.
  • Hubert Steiner: Das jüngereisenzeitliche Gräberfeld von Moritzing, Gemeinde Bozen (Südtirol). In: Umberto Tecchiati (Hrsg.), Der Heilige Winkel. Der Bozner Talkessel zwischen der Späten Bronzezeit und der Romanisierung (13.–1. Jh. v. Chr.) (= Schriften des Südtiroler Archäologiemuseums 2), Bozen: Denkmalamt 2002, S. 155-358, ISBN 8886857071.
  • Walter Landi, Plazidus Hungerbühler: Das Augustiner-Chorherrenstift Au-Gries in Bozen. In: Hannes Obermair u. a. (Hrsg.): Dom- und Kollegiatstifte in der Region Tirol – Südtirol – Trentino (= Schlern-Schriften 329), Innsbruck: Wagner 2006, ISBN 3703004037.
  • Josef Tarneller: Die Burg-, Hof- und Flurnamen in der Marktgemeinde Gries bei Bozen (Schlern-Schriften 6), Innsbruck: Wagner 1924.
  • Villa Wendlandt. Catalogo della mostra / Ausstellungskatalog, Bozen: Stadtarchiv 1999.
  • Heinz Tiefenbrunner: Häusergeschichte der Marktgemeinde Gries bei Bozen, hg. vom Heimatschutzverein Bozen, Bozen 2008, ISBN 9788882665401.
  • Walter Landi: Stiftspfarrkirche Gries, Bozen (Kleine Kunstführer 707), Regensburg: Schnell & Steiner 2009, ISBN 978-3-7954-6758-6.
  • Volker Stamm, Hannes Obermair: Zur Ökonomie einer ländlichen Pfarrgemeinde im Spätmittelalter. Das Rechnungsbuch der Marienpfarrkirche Gries (Bozen) von 1422 bis 1440 (Veröffentlichungen des Südtiroler Landesarchivs 33), Bozen: Athesia 2011, ISBN 978-88-8266-381-0.
  • Volker Stamm, Grundbesitz in einer spätmittelalterlichen Marktgemeinde: Land und Leute in Gries bei Bozen (Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Beihefte 222), Stuttgart: Steiner 2013, ISBN 978-3-515-10374-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Portal: Bozen – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Bozen
 Commons: Gries-Quirein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatAnsässige Bevölkerung nach Stadtviertel. Gemeinde Bozen, abgerufen am 14. März 2012.
  2. Zu den Ortsrieden vgl. Hannes Obermair, Volker Stamm: Zur Ökonomie einer ländlichen Pfarrgemeinde im Spätmittelalter, op. cit., S. 17.
  3. Vgl. ausführlich Josef Tarneller: Die Burg-, Hof- und Flurnamen in der Marktgemeinde Gries bei Bozen, op. cit.
  4. Vgl. Hubert Steiner: Das jüngereisenzeitliche Gräberfeld von Moritzing, op. cit., S. 155ff.
  5. Belege bei Franz Huter (Bearb.): Tiroler Urkundenbuch, Abt. I, Bd. 1, Innsbruck 1937, Nr. 427 und 429.
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatGuntschnapromenade in Gries. Die Wanderer, abgerufen am 14. März 2012.