Griesheim (Adelsgeschlecht)

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen süddeutschen Adelsgeschlecht siehe Griessheim (Adelsgeschlecht)
Stammwappen derer von Griesheim

Griesheim (auch Grießheim, Grisheim) ist der Name eines thüringischen Uradelsgeschlechts aus dem mansfeldisch-merseburgischen-querfurtischen Raum, das auch im Schwarzburgischen ansässig war. Das gleichnamige Stammhaus Schloss Griesheim liegt in Griesheim bei Arnstadt an der Ilm.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Familie soll 1050 erstmals mit Wittilo de Grizheim erschienen sein, womit sie die gleichen Vorfahren wie das Adelsgeschlecht Griessheim für sich beansprucht. Urkundlich tritt die Familie im Jahr 1133 erstmals mit Widelo de Griezheim auf.[1] Spätere Erwähnungen stehen häufig im Zusammenhang mit dem Kloster Paulinzella.

Am 3. Februar 1332 zeugt Heinrich von Griesheim, Domherr und Propst des Klosters Wechterswinkel (Lk. Rhön-Grabfeld) in einer Urkunde. Aussteller ist Johannes und Adelheit von Windheim, Empfänger ist Abt und Konvent des Klosters Erbach. Die Urkunde ist aufbewahrt im Staatsarchiv Würzburg, Bestellsignatur: Kloster Erbach Urkunden 1332 Februar 3. Der Autor Zedler, Johann Heinrich schreibt u.a. in seinem Werk "Grosses vollständiges Universal-Lexikon aller Wissenschaften und Künste, 64.Bde. Halle/ Leipzig 1732-1754" über die Griesheims: Die Familie hat sich in voriger Zeit auch an dem Rhein-Strom niedergelassen. Die Regesten A1 Nr.236/1 und B3 Nr.2 des hessischen Staatsarchivs in Darmstadt könnten diese Aussage belegen. Am 2. Juni 1252 wird die Burg Frankenstein in Nieder-Beerbach im Odenwald das erste Mal urkundlich erwähnt. In dieser Urkunde werden u.a. als Zeugen aufgeführt: Sigfrid und Johann von Griesheim, Burgmannen des Konrad Reiz von Breuberg. Sigfrid tritt am 17. Mai 1257 auf Burg Dornberg in einer Urkunde von Graf Dither v. Katzenellenbogen als Zeuge auf.

Die ununterbrochene Stammreihe beginnt mit Kurt Apel von Griesheim (* 1548, † 1626), auf Griesheim und Dörnfeld an der Ilm. In der Fruchtbringenden Gesellschaft waren Heinrich Christoph von Griesheim „Der Eingebende“ und Wolff Melchior von Griesheim „Der Bereite“. Conrad Heinrich (* 1629, † 1665) war Hof- und Justizrat und Merseburgischer Domdechant, und Günther war Naumburger Dompropst und Zeitzer Stiftsrat.

Grabplatte des Günther von Griesheim (* 1635, † 1718) im Kreuzgang des Naumburger Doms. Der Name von Gemahlin Sophie ist schon eingraviert, jedoch fehlen ihre Geburts- und Sterbedaten.

Besitze[Bearbeiten]

Das Geschlecht war begütert u.a. in Ettischleben, Crottendorf, Dörnfeld, Drackendorf, Elxleben, Gleina bei Zeitz, Heerda, Köckenitz, Libringen, Lichte, Merseburg, Netzschkau, Niedersynderstedt, Oberthau, Osthausen, Synderstedt und Wülfershausen. Von 1878 bis 1945 gehörte der Familie das Schloss Falkenburg in Pommern mit dem dazugehörigen Gut (Betriebsgrösse 3033 Hektar, größtes Gut im ehemaligen Kreis Dramburg). Der letzte Besitzer war der Kammerherr Kurt von Griesheim. Schloss Falkenburg wurde in den Jahren um 1970 zerstört.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen zeigt in Gold einen schwarzen Balken, begleitet oben von zwei schwarzen Rosen. Auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken zwei von Gold über Schwarz übereck geteilte, beiderseits mit Kleeblättern gewechselter Farbe besetzte Büffelhörner.[2] Die erste bekannte Abbildung des Wappens stammt von einem Siegel des Hermann von Griesheim aus dem Jahre 1326 [3].[3]

Blasonierung nach Johann Siebmacher: „Auf weißem Schild ein schwarzer Balken, darüber zwei rote (oder schwarze), gold besamte Rosen. Auf dem Helm zwei von Gold und Schwarz über Eck geteilte Büffelhörner, an deren Außenseiten mit schwarzen oder abwechselnd goldenen und schwarzen Linden- oder Kleeblättern besteckt. Die Decken sind Schwarz und Weiß.“[4] Ein besonders schönes Epitaph des Hans Melichor von Griesheim (1656-1690) mit Familienwappen ist in der Kirche zu Dörnfeld erhalten.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Adolf Friedrich Leonhard Ludwig Wilhelm von Griesheim (1820-1894), Fabrikbesitzer, Teilhaber der Textilfabrik Ermen und Engels in Wuppertal Barmen. Er war verheiratet mit Anna Engels (1825-1853), der Schwester von Friedrich Engels. Der Sozialphilosoph Friedrich Engels (1820-1895) lernte bei einer Lehre in der Textilfabrik die Lage der arbeitenden Klasse kennen.
  • Johann Heinrich Günter von Griesheim (1635-1719), Geheimrat und Stiftsrat in Zeitz, Dompropst und Senior des Stifts Naumburg/ Saale.
  • Albert von Griesheim war zwischen 1212 und 1237 Kanoniker und Domherr zu Naumburg. Er und der Vikar Walung waren die Bauverantwortlichen seitens der Naumburger Kirche (Kapitelsaal und Dormitorium, vermutlich auf der Nordseite des Doms). Sein Siegel von 1229 ist noch erhalten.
  • Gustav von Griesheim (1798–1854), preußischer Offizier und einflussreicher konservativer Militärpolitiker, Direktor des allgemeinen Kriegsdepartements. Er war auch 1. Kommandant der Festung Koblenz und Ehrenbreitenstein. Sein Grab mit Grabplatte, gegossen von der Sayner Hütte, befindet sich auf dem 1820 eingeweihten Hauptfriedhof in Koblenz im Gräberfeld 17.
  • Heinrich Christoph von Griesheim (* 1598, † nach 1652), Publizist und Staatsmann; unter anderem schrieb er einen Bericht über die Abschlussschlacht des Dreißigjährigen Krieges am 6. September 1634 bei Bopfingen-Nördlingen. Er war auch Oberamtmann des Eichsfelds, stand zuvor schon in den Diensten des Kurfürsten von Trier, des Landgrafen von Hessen-Darmstadt und auch beim General Johann Tserclaes Graf Tilly. 1637 überrumpelt er die Besatzung des schwedischen Obersten Hans Wachtmeister und erobert Heiligenstedt in einem Handstreich zurück.
  • Benigna von Griesheim (1562-1633), war verheiratet mit Sebastian Schaffalitzky von Muckadell, Obervogt in Brackenheim. Die am 13. Mai 1585 in Stuttgart gehaltene Hochzeitspredigt ist in der Herzog August Bibliothek zu Wolfenbüttel aufbewahrt. Die Grabplatte der Beiden befindet sich in der Johanniskirche in Brackenheim - Baden Württemberg. Ihr Sohn Bernhard, ansässig in Freudental und im Freihof Faurndau bei Göppingen war u.a. Generalmajor in der Armee des schwedischen Feldmarschalls Gustaf Horn. In dieser Funktion war er u.a. bei der Schlacht von Nördlingen beteiligt. Sein Vetter war Heinrich Christoph von Griesheim; diese Verwandtschaft bewahrte ihn vor der Verurteilung als Spion.
  • Frantz Morian von Griesheim war als Kurmainzischer Truchsess Teilnehmer an der Krönung und den Krönungsfeierlichkeiten von Kaiser Leopold I im Jahre 1658 in Frankfurt/Main. Siehe: Beschreibung und Abbildung Aller Königl. und Churfürstl. Ein-Züge, Wahl und Crönungs Acta:Kurmainzischer Einzug, mit Kupferstich von Verlag Caspar Merian. Quelle Wikisource
  • Philippine von Griesheim, geb. 1790 in Köthen im Haus der heutigen Löwenaphotheke), Braut des Albert von Wedell. Dieser war einer der 11 Schillschen Offiziere, die am 16. Sept. 1809 in Wesel exekutiert wurden. Über die Liebesgeschichte zwischen ihr und Albert berichten die Briefe einer Braut aus der Zeit der deutschen Freiheitskriege 1804 - 1813 (ISBN 1-147-32268-6).
  • Anna von Griesheim (* 1966), deutsche Modedesignerin

Literatur[Bearbeiten]

  • Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band IV, Band 67 der Gesamtreihe, S. 255, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1978, ISSN 0435-2408
  • Gabriel Bucelin: Germania topo-chrono stemmatographica sacra et profana..., Stammtafel des deutschen und österreichischen Adels, 4 Bände, Band 2, 1662 (Thüringische Familie von Griesheim mit dem Wappen der von Griessheim)
  • Otto Posse: Die Siegel des Adels der Wettiner Lande bis zum Jahre 1500, 3. Band, Dresden 1908, Tafel 34
  • August Wilhelm Bernhardt von Uechtritz: Diplomatische Nachrichten adeliche Familien betreffend, Band 4, 1792, S. 60ff
  • Jacob Christoff Beck und August Johann Buxtorff 1742 :Neu vermehrtes Historisch und Geographisches Allgemeines Lexicon ..., Dritter Teil D-Ha, Seite 897 die Griesheims betreffend.
  • Jahrbuch des Deutschen Adels, 1. Band, Hrsg. Deutsche Adelsgenossenschaft, Berlin, 1896, S. 717ff
  • Johann Friedrich Gauhe: Des Heil. Röm. Reichs Genealogisch-Historisches Adels-Lexicon... Band 1, S. 693ff
  • Paulinzellaer Dokumente,Sign.2;40:73, Thüringisches Staatsarchiv Rudolstadt.
  • Documenta Regislacensia, Königseer Dokumente 1346-1681,Thüringisches Staatsarchiv Rudolstadt.
  • Thüringisches Staatsarchiv Gotha, Geheimes Archiv QQ I d Nr.7 und 12.
  • StABamberg/Langheim, Regest 1345 V 13 zu Heinrich von Griesheim, Prior von Saalfeld.
  • Zu Heinrich Christoph von Griesheim: Die Schweden auf dem Breitwang, ein Beitrag zur Geschichte der Stadt Bopfingen und der Schlacht bei Nördlingen im Jahre 1634. ISBN 978-3-936363-47-0, Vlg. Steinmeier Nördlingen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringisches Staatsarchiv Rudolstadt, Akte Nr. 1133
  2. Gotha. Genealog. Taschenbuch der Adeligen Häuser, 1. Jg. 1900, S. 351.
  3. Beschreibung des Wappens bei Bernhard Peter
  4. Siebmachers Wappenbuch, Preußische Provinz Sachsen, zu den Magdeburgisch-Mansfeldischen Griesheim.

Weblinks[Bearbeiten]