Grieth

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Grieth mit der Kirche Sankt Peter und Paul vom Rheinufer aus gesehen
Typische Häuser im Ort
Der „Durchlass“ in der Deichmauer
Luftaufnahme von 1953

Grieth ist ein Ortsteil der Stadt Kalkar am linken unteren Niederrhein. Es liegt unmittelbar am Rhein, rund 6 km nördlich des Stadtkerns von Kalkar. Mitte 2005 hatte es 842 Einwohner.

Geografie[Bearbeiten]

Noch während des letzten Jahrtausends hat sich der Rheinverlauf bei Grieth wiederholt verändert.

Demnach floss der Rhein Mitte des 13. Jahrhunderts nicht wie heute östlich von Grieth in Süd-Nord-Richtung an Grieth vorbei, sondern passierte Grieth von Osten kommend nördlich. Danach bildete er eine Flussschlinge, die sich während der nächsten rund 300 Jahre immer weiter nach Nordosten ausdehnte. Schließlich verlief er dort, wo sich heute der Bienener Altrhein befindet. Das Gebiet der Ortschaft Grietherort, die heute Grieth auf der rechten Rheinseite gegenüberliegt, war zu dieser Zeit mit Grieth durch eine Landbrücke verbunden. Es bildete sich eine Halbinsel, die in weitem Bogen vom Rhein umflossen wurde – bis der Rhein in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bei einem Hochwasser die immer schmaler gewordene Landbrücke zwischen Grieth und Grietherort durchbrach. Zurückgeblieben sind von diesen Verlagerungen des Rheins die Altrheinarme, die insbesondere auf der rechten Rheinseite das Landschaftsbild prägen.

Stromabwärts von Grieth griff der Mensch im 19. Jahrhundert bei der Begradigung einer Schlinge ein, die sich zwischen Grieth und der rechtsrheinischen Ortschaft Dornick bildete. 1819 begannen die preußischen Behörden mit den Arbeiten am „Griether Durchstich“.

1832 fuhren die ersten Rheinkähne durch das neue Flussbett.

Geschichte[Bearbeiten]

Auch die Geschichte Grieths, dessen Name von „Gritt“ abgeleitet wird, was Kies bedeutet, ist durch seine Lage am Rhein geprägt.

Grieth wurde von den Klever Grafen seit dem 13. Jahrhundert zu einem befestigten Hafen- und Handelsplatz ausgebaut. Die Klever brauchten eine eigene Stadt am Rhein, um auch vom Schiffsverkehr profitieren zu können. Die nur rund 7 Kilometer stromauf gelegene Stadt Rees stand unter kurkölnischer Herrschaft. 1254 erhielt Grieth von Graf Dietrich VI. von Kleve Stadtrechte, 1472 Zoll- und Stapelrechte. 1540 wurde Grieth auch Mitglied im Städtebund der Hanse.[1]

Bis ins 20. Jahrhundert bot der Rhein für viele Griether Erwerbsmöglichkeiten, besonders als Schiffer und Fischer. Im Rhein wurden unter anderem Aale, aber auch Lachse bzw. Salme gefangen. Zum anderen bot vor dem Aufkommen der Dampfschiffe das Treideln Verdienstmöglichkeiten. Pferde zogen Lastkähne oder bei zu schwachem Wind auch Segelschiffe auf dem Leinpfad („Linnepad“) stromauf. Die Griether stellten die Pferde und fanden Arbeit als Treidelschiffer und Pferdetreiber. Später waren viele Griether Binnenschiffer, auch auf kleinen Proviantbooten zur Versorgung vorbeifahrender Schiffe mit Waren des täglichen Bedarfs.

Am 1. Juli 1969 wurde Grieth nach Kalkar eingemeindet.[2]

Grieth ist von Landflucht betroffen: Alle sechs Kneipen haben zugemacht, ebenso Metzger, Bäcker, Laden und Imbiss. Inzwischen wurden durch die Hochschule Rhein-Waal vieler Griether im Rahmen eines Pilotprojekts befragt, was sie sich für die Zukunft ihres Ortes wünschen und die Wieder-Eröffnung eines Ladens geplant.[3]

Ortsbild und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Bebauung hielt sich bis vor wenigen Jahren innerhalb der mittelalterlichen Stadtgrenzen, wo man vor dem Hochwasser des Rheins weitgehend sicher war. Bei besonders hohem Wasserstand drang der Rhein allerdings auch wiederholt in die Straßen Grieths ein.

Deren Verlauf hat sich in den letzten Jahrhunderten kaum verändert. Die Silhouette Grieths wird von der spätgotischen dreischiffigen Pfarrkirche Sankt Peter und Paul aus dem 15. Jahrhundert geprägt. Sie steht – durch eine Häuserzeile getrennt – am Marktplatz. Die Einheit von Kirche, Marktplatz und dichtbebauten Straßen und Gassen geben Grieth seinen kleinstädtischen Charakter.

Zu den Baudenkmälern in Grieth gehört das am Nordrand der Stadt gelegene, 1371 erstmals erwähnte Haus Grieth. Das Gebäude, das ursprünglich auch Verteidigungszwecken diente, ist in einen stattlichen neugotischen Bau umgebaut worden. Erwähnenswert ist auch die denkmalgeschützte Pfarrkirche St. Peter und Paul.

Zeichen für die Verbundenheit Grieths mit dem Rhein sind der auf dem Rheindeich aufgestellte flaggengeschmückte Schiffsmast des Schiffervereins Grieth und die im Vorland am Rhein errichtete stelenartige Skulptur „Steinboot“ des Kalkarer Bildhauers Christoph Wilmsen-Wiegmann. Sie trägt auf ihrer Spitze ein stilisiertes stromaufwärts fahrendes Schiff. Bei Hochwasser wird sie oft vom Rhein umströmt.

Im Heimatmuseum Grieth am Marktplatz werden Ausrüstungen und Werkzeuge von Korbflechtern, Fischern und Rheinschiffern sowie Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens gezeigt. Ergänzt durch Bilder und Fotos vermitteln sie einen Eindruck des früheren Lebens in Grieth.

Am Rheinufer liegt einer der letzten rheinischen Aalschokker. Der Fischer Rudi Hell betreibt mit ihm auch Fischmonitoring im Auftrag wissenschaftlicher Institutionen. 2010 wies er in Zusammenarbeit mit einer auf anderen Rheinseite, in Grietherbusch, gelegenen Forschungsstation[4] erstmals seit über 70 Jahren wieder abwandernde junge Maifische im Rhein nach.[5] Diese waren im Rahmen eines europäischen Projektes zur Wiederansiedlung des Maifisches im Rheinsystem[6] in Köln, in der Sieg und am Oberrhein ausgesetzt worden.[7]

Bildergalerie[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Der Meteorologe Wilhelm Jacob van Bebber wurde 1841 in Grieth geboren.

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Rotthauwe genannt Löns: Kostbarkeit Kalkar. herausgegeben von der Stadt Kalkar, Rheinland-Verlag, Abtei Brauweiler, Pulheim 1980, S. 316–319, ISBN 3-7927-0558-3
  • Günther J. Bergmann: Kalkar – der Stadtführer für das Zentrum und die Stadtteile. Mit Fotos von Bernd Mörsen und Karten und Zeichnungen von Karl-Heinz Rottmann. Mercator Verlag, Duisburg 2002, ISBN 3-87463-337-3
  • Alois Puyn: Calcar, Du kleine Stadt am Niederrhein – Bilder von Anno dazumal 1868–1945. Völkersche Buchdruckerei und Buchhandlung Goch Kalkar 1980, S. 132–137
  • Robert Scholten: Beiträge zur Geschichte von Wissel und Grieth und zur Genealogie niederrheinischer Geschlechter, Kleve 1889.
  • Die Deutsche Bibliothek: Literatursuche mit Stichwort „Grieth“

Nachweise[Bearbeiten]

  1. Stadt- und Vereinsportal der Hansestadt Grieth, Grieth-die Geschichte [1]
  2.  Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 79.
  3. Elke Silberer: Komm, wir retten diese Dorf. spiegel.de, 28. September 2014, abgerufen am 28. September 2014
  4. Universität Köln, Research Station Grietherbusch[2]
  5. Wikinews, Bedeutender Erfolg für Maifische im Rhein[3]
  6. Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz, Life-Projekt Maifisch[4]
  7. Poller Maigeloog, Fang Grieth, Presse [5]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Grieth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.7872222222226.3141666666667Koordinaten: 51° 47′ 14″ N, 6° 18′ 51″ O