Grigor Parlitschew

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Grigor Parlitschew

Grigor Stawrew Parlitschew (auch Pârlichev, bulgarisch Григор Ставрев Пърличев, mazedonisch Григор Ставрев Прличев (Grigor Stavrev Prličev); * 18. Januar 1830 in Ohrid, Osmanisches Reich, heute in Mazedonien; † 25. Januar 1893 ebenda) war ein bulgarischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Parlitschew besuchte eine griechischsprachige Schule in Makedonien. In den 1850er Jahren war er in Tirana, Prilep und Ohrid als Lehrer tätig. 1858 begann er ein Medizinstudium in Athen, wechselte dann aber an die sprachwissenschaftliche Fakultät.

Im Jahr 1860 gewann er mit seiner Ballade O Armatolos (Ο Αρματωλός, Bulgarisch Serdar), geschrieben in der griechischen Sprache, den ersten Preis beim jährlichen Dichterwettbewerb in der griechischen Hauptstadt. Von nun an galt Parlitschew als der zweite Homer der griechischen Sprache und wurde daraufhin Stipendien für die Universitäten von Oxford und Berlin angeboten. Er ging aber nicht nach Westeuropa.

Seit 1862 engagierte sich Parlitschew im Kampf gegen das griechischsprachige Kirchen- und Schulwesen im noch osmanischen Mazedonien. Bei einem Aufenthalt in Konstantinopel hatte er sich in den dortigen Bibliotheken mit der altbulgarischen Schriftsprache und Literatur vertraut gemacht.

1868 kam er wegen seines Engagements für einige Monate ins Gefängnis, weil er vom griechischen Bischof in Ohrid als Unruhestifter angezeigt worden war. 1870 übersetzte Parlitschew seine Ballade Serdar in seine Muttersprache, wurde. Seit dieser Zeit schrieb und veröffentlichte er nur noch Werke in seiner Muttersprache. Als erster übersetzte er Homers Ilias; der Dialekt und Stil seiner Übertragung ist jedoch verschiedentlich scharf von bulgarischen Schriftstellern und Poeten (wie z. B. Christo Botew) kritisiert worden, da er den Ohrider Dialekt und nicht die literarische bulgarische Hochsprache benutzt hat.

Er war danach jedoch weiterhin als Lehrer nicht nur in Mazedonien unterwegs, unter anderem in Struga, Gabrowo (heute Bulgarien), Bitola und Thessaloniki. Kurze Zeit arbeitete Parlitschew in der neu gegründeten Nationalbibliothek zu Sofia. In Thessaloniki schrieb er 1885 seine Autobiographie.

Parlitschew hatte zwei Kinder: Den Sohn Kiril Parlitschew, der in der IMRO tätig war, und eine Tochter. Er wird heute von Bulgaren wie von Mazedoniern als Angehöriger des jeweiligen Volkes betrachtet[1].

Werke[Bearbeiten]

  • Сердарят (Serdar)
  • Скендербей (Skanderbeg)
  • Чувай ся себе си, 1866
  • Възпитание или дванадесет песни за деца (Erziehung oder Zwölf Lieder für Kinder)
  • Автобиография, 1885 (Autobiographie)
  • Кратка славянска граматика (Kurze slawische Grammatik)

Literatur[Bearbeiten]

  • Aleksandar Spasov (Hrsg.): Životot i deloto na Grigor Prličev. Referati od naučen sobir održan vo Skopje na 21 i 22 april 1993 godina. Skopje 1994. (Leben und Werk von Grigor Prličev. Referate, gehalten auf der wissenschaftlichen Konferenz in Skopje 21. u. 22. April 1993).
  • Diana Ivanova: Григор Пърличев и българската книжовноезикова ситуация през 60-те - 80-те години на XIX век. Plowdiw 1995 (Grigor Prličev und die Situation der bulgarischen Literatur in den 60er und 70er Jahren des 19. Jahrhunderts).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Grigor Parlitschew: Autobiographie, Thessaloniki 1885, S.12, S. 18; Detrez, Raymond (2007). Canonization through Competition: The Case of Grigor Părličev. Literature institute, S. 57-58. Mazedonier als Volk und die mazedonische Sprache gibt es erst seit 1943, vorher betrachteten sich die späteren Mazedonier entweder als Bulgaren oder als Serben.

Teile diese Seite basieren auf der Григор Пърличев wie auch weiteren bulgarischen Quellen. Die Seite Григор Пърличев basiert auf die Webseite Slovoto (bulg.) und hat ihre Словото Genehmigung erteilt, sämtliche Autobiografien in wikipedia zu veröffentlichen.

Weblinks[Bearbeiten]