Grimmen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für die von 1938 bis 1946 amtlich als Grimmen (Ostpr.) bezeichnete und heute russische Siedlung im Rajon Osjorsk in der Oblast Kaliningrad siehe Pskowskoje
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Grimmen
Grimmen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Grimmen hervorgehoben
54.1113.04138888888910Koordinaten: 54° 7′ N, 13° 2′ O
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Vorpommern-Rügen
Höhe: 10 m ü. NHN
Fläche: 50,29 km²
Einwohner: 9969 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 198 Einwohner je km²
Postleitzahl: 18507
Vorwahl: 038326
Kfz-Kennzeichen: VR, GMN, NVP, RDG, RÜG
Gemeindeschlüssel: 13 0 73 035
Stadtgliederung: 12 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
18507 Grimmen
Webpräsenz: www.grimmen.de
Bürgermeister: Benno Rüster (CDU)
Lage der Stadt Grimmen im Landkreis Vorpommern-Rügen
Rostock Landkreis Mecklenburgische Seenplatte Landkreis Rostock Landkreis Vorpommern-Greifswald Landkreis Vorpommern-Greifswald Landkreis Vorpommern-Greifswald Altenpleen Groß Mohrdorf Groß Mohrdorf Groß Mohrdorf Klausdorf (bei Stralsund) Kramerhof Preetz (bei Stralsund) Prohn Saal (Vorpommern) Barth Divitz-Spoldershagen Fuhlendorf (Vorpommern) Fuhlendorf (Vorpommern) Fuhlendorf (Vorpommern) Fuhlendorf (Vorpommern) Karnin (bei Barth) Kenz-Küstrow Löbnitz (Vorpommern) Lüdershagen Pruchten Saal (Vorpommern) Trinwillershagen Bergen auf Rügen Buschvitz Garz/Rügen Gustow Lietzow Parchtitz Patzig Poseritz Ralswiek Rappin Sehlen Ahrenshoop Born a. Darß Dierhagen Prerow Wieck a. Darß Wustrow (Fischland) Franzburg Glewitz Gremersdorf-Buchholz Millienhagen-Oebelitz Papenhagen Richtenberg Splietsdorf Velgast Weitenhagen (Landkreis Vorpommern-Rügen) Wendisch Baggendorf Elmenhorst (Vorpommern) Sundhagen Wittenhagen Baabe Gager Göhren (Rügen) Lancken-Granitz Middelhagen Sellin Thiessow Zirkow Groß Kordshagen Jakobsdorf Kummerow (bei Stralsund) Lüssow (bei Stralsund) Lüssow (bei Stralsund) Neu Bartelshagen Niepars Pantelitz Steinhagen (Vorpommern) Wendorf Zarrendorf Altenkirchen (Rügen) Breege Dranske Glowe Lohme Putgarten Sagard Wiek (Rügen) Bad Sülze Dettmannsdorf Deyelsdorf Drechow Eixen Grammendorf Gransebieth Hugoldsdorf Lindholz Tribsees Ahrenshagen-Daskow Schlemmin Ribnitz-Damgarten Semlow Altefähr Dreschvitz Dreschvitz Gingst Hiddensee Kluis Neuenkirchen (Rügen) Neuenkirchen (Rügen) Rambin Samtens Schaprode Schaprode Trent (Rügen) Ummanz (Gemeinde) Ummanz (Gemeinde) Ummanz (Gemeinde) Binz Grimmen Marlow Putbus Putbus Sassnitz Stralsund Stralsund Süderholz Zingst Zingst ZingstKarte
Über dieses Bild

Grimmen ist eine Stadt im Landkreis Vorpommern-Rügen in Mecklenburg-Vorpommern. Die Stadt ist eines der 18 Mittelzentren des Landes.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt Grimmen befindet sich im südlichen Teil des Landkreises Vorpommern-Rügen. Grimmen ist knapp 30 km südlich von der Hansestadt Stralsund und 30 km westlich von der Hansestadt Greifswald entfernt. An der Stadt vorbei verlaufen ferner die Berliner Nordbahn (Stralsund – DemminNeubrandenburgNeustrelitz), die Bundesstraße 194 und die Bundesautobahn 20. Direkt am südwestlichen Rand der Altstadt mündet die Jarpenbeek in die Poggendorfer Trebel, welche die Altstadt westlich begrenzt. Rund 800 Meter nordwestlich der Altstadt vereinigt sie sich mit der Kronhorster Trebel und bildet im Stadtgebiet den Beginn des Flusses Trebel.

Das Gebiet der ehemaligen Kreisstadt des Landkreises Nordvorpommern wird im Westen vom Amt Franzburg-Richtenberg, im Norden vom Amt Miltzow und im Süden und Osten von der Gemeinde Süderholz begrenzt.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt umfasst folgende Ortsteile:

  • Appelshof
  • Gerlachsruh
  • Grellenberg
  • Grimmen
  • Groß Lehmhagen
  • Heidebrink
  • Hohenwarth
  • Hohenwieden
  • Jessin
  • Klein Lehmhagen
  • Stoltenhagen
  • Vietlipp

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Im Uhrzeigersinn, von Norden beginnend:

Wittenhagen, Sundhagen, Süderholz, Wendisch Baggendorf, Splietsdorf, Papenhagen

Geschichte[Bearbeiten]

Grimmen[Bearbeiten]

Name[Bearbeiten]

Der Name der einst slawischen Stadt lautete um 1220 Grimme, und er wandelte sich nur sehr wenig, so 1272 in Grymme, 1279 in Grimmenn, dann schon 1325 in das heutige Grimmen und 1349 auch in Grymmen. In dem altpolabischen Flurnamen steckt das Substantiv grim, was als Fläche umgeben von nassen Wiesen übersetzt werden könnte.

Mittelalter[Bearbeiten]

Grimmen 1615
Grimmen 1618

Vom 9. bis zum 10. Jahrhundert wanderten in die Region um Grimmen die slawischen Lutizen ein, nachdem die dort siedelnde germanische Bevölkerung abgewandert war. Die ersten urkundlichen Hinweise auf slawische (wendische) Siedlungen im Bereich der Stadt Grimmen lassen sich auf das Jahr 1220 datieren.

Vermutlich nach 1250 gründeten zugewanderte Handelsleute und Handwerker aus Niedersachsen, Westfalen und vom Niederrhein den Ort Grimmen und legten planmäßig ein rasterförmiges Straßennetz an. Die erste urkundliche Erwähnung Grimmens gab es 1267. Als Gründungsdatum der Stadt gilt jedoch heute die Ansiedlung des Vogts Berthold. Dieser kam als Vertreter der Landesfürsten 1287 ins Gebiet der heutigen Stadt Grimmen. Dies beweist, dass Grimmen zu dieser Zeit bereits das Lübische Stadtrecht innehatte. Die tatsächliche Verleihungsurkunde ist heute jedoch nicht mehr vorhanden. Dementsprechend wurde 1987 das 700-jährige Bestehen der Stadt Grimmen gefeiert. 1305 wurde Grimme als stad genannt und 1306 existieren der Rat der Stadt und das Schloss.

1278 gehörte Grimmen noch zum Bistum Schwerin, und ein Ritter Arnold gebot über den Ort. Kurz darauf überließ der Bischof Grimmen dem Rügenfürst Wizlaw II., und sein Stadtvogt Berthold führt zusammen mit dem städtischen Rat die Stadt. 1325 – nach dem Tode des letzten Rügenfürsten – kam Grimmen bis 1648 zum Herzogtum Pommern.

Der Bau der Stadtbefestigung erfolgte ab etwa 1264 und hauptsächlich im 14. Jahrhundert von 1320 bis 1340. Die noch vorhandenen drei Tortürme stammen aus dem 15. Jahrhundert.

Die Stadtkirche St. Marien ist eine frühgotische Hallenkirche aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts (1275). Auch das Rathaus wurde schon ab 1400 erbaut, und 1402 wird ein erster Jahrmarkt erwähnt. Das Kalandhaus stammt aus dem 15. Jahrhundert.

Stadtplan von Grimmen von 1761

Die mittelalterlichen Straßen lagen – wie man archäologisch 2000 feststellte – etwa 1,20 bis 2,00 m unter dem heutigen Straßenniveau. Nachgewiesen wurden Straßen aus Holzbohlen (13. Jahrhundert) und Feldsteinpflaster (14. Jahrhundert). Auch quer zur Fahrtrichtung liegende Wasserleitungen aus dieser Zeit konnten nachgewiesen werden.

16. bis 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

1536 erreichte die Reformation Grimmen und setzte sich in Pommern durch (1534, Landtag von Treptow an der Rega). 1546 stiftete Herzog Philipp I. von Pommern-Wolgast der Stadt drei „Buden“ in der Schulstraße für die Versorgung der Armen sowie die Ziegelei, die Schlossmühle und eine Wassermühle.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt mehrfach geplündert, darunter von den Truppen Wallensteins (1627). 1630 und 1632 kamen auch noch große Stadtbrände hinzu. 1631 eroberten die Schweden die Stadt. Es schlossen sich 1637 schwedische Plünderungen an. Grimmen gehörte in der Folgezeit und formell ab 1648 (Westfälischer Friede) zum Königreich Schweden. Von 1695 bis 1697 fanden unter dem damaligen Bürgermeister Johannes Flittner grausame Hexenverfolgungen statt. Dabei wurden mindestens sieben vermeintliche Hexen hingerichtet.

1757 verwüstete wieder ein Stadtbrand den halben Ort. Im selben Jahr wurde Grimmen im Siebenjährigen Krieg bis 1759 von den Preußen besetzt. 1797 wurde nahezu die gesamte Stadt Opfer eines Großfeuers, das in einer Schmiede der Stadt ausgebrochen war. 1800 besuchte der schwedische König Gustav Adolf IV. Grimmen und residierte während dieser Zeit im sogenannten Königshaus. 1807 besetzten die Franzosen im Vierten Koalitionskrieg gegen Preußen, Russland und Sachsen die Stadt und zerstörten größere Stadtbereiche.

In der Schlussakte des Wiener Kongresses von 1815 wurde festgelegt, dass Schwedisch Pommern und somit Grimmen zu Preußen gehört. Ein Jahr später wurde Grimmen durch eine Verwaltungsreform zur Kreisstadt und erhielt 1829 das Landratsamt.

1825 wurde die Stadtmauer abgetragen. 1838 nahm das Amtsgericht in Grimmen in einem Neubau seine Arbeit auf. 1853 wurde die Stadt von der Cholera heimgesucht. 1878 erhielt Grimmen einen Eisenbahnanschluss.

Im 19. Jahrhundert wuchs Grimmen über den durch die beseitigten Befestigungsanlagen gekennzeichneten Stadtkern hinaus und es entstanden vor dem Greifswalder Tor die Greifswalder Vorstadt sowie am Ende des 19. Jahrhunderts vor dem Mühlentor in Richtung des Bahnhofs neue Siedlungen. Südlich der Altstadt wurde der Stadtpark angelegt. 1898 wurde das Postgebäude eingeweiht.

Neuere Geschichte[Bearbeiten]

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der kleine Jüdische Friedhof am Rande der Karlstraße beim Novemberpogrom 1938 geschändet. Seit 1945 wurde er überbaut. Bis heute erinnert kein Zeichen des Gedenkens an die jüdischen Opfer der Shoa aus Grimmen.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Grimmen im April 1945 kampflos an die vorrückende Rote Armee übergeben.

Grimmen war bis 1952 Kreisstadt des Landkreises Grimmen und gehörte bis 1994 als Kreisstadt zum Kreis Grimmen im Bezirk Rostock. Seit 1990 gehört die Stadt zum Land Mecklenburg-Vorpommern.

Seit den 1960er Jahren entstanden zahlreiche neue Fabriken und landwirtschaftliche Betriebe, die eine kurze wirtschaftliche Blüte einleiteten. Hierzu zählt unter anderem der VEB Erdöl-Erdgas, welcher 1962 gegründet wurde, nachdem Arbeiter im Jahr zuvor in der Nähe der Stadt bei einer Bohrung im Zechstein in 2300 Meter Tiefe auf ein Erdölvorkommen gestoßen waren. Im Ergebnis wuchs die Stadtbevölkerung beständig und neue Stadtteile wurden angelegt, so zwischen 1968 bis 1985 die Großwohnsiedlung Süd-West mit 2868 Wohnungen in Plattenbauweise.

Nach der politischen Wende wurden ab 1991 der historische Stadtkern und das Rathaus im Rahmen der Städtebauförderung grundlegend saniert; durch diese Sanierung erscheint das Stadtbild wesentlich geschlossener als zuvor. 1994 wurde Grimmen Kreisstadt des aus den Landkreisen Stralsund, Grimmen und Ribnitz-Damgarten gebildeten Landkreises Nordvorpommern (NVP), der 2011 aufgelöst wurde.

Ortsteile[Bearbeiten]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Jessin wurde am 1. Juli 1950 nach Grimmen eingemeindet, am 1. Januar 1956 wieder ausgegliedert und am 1. Oktober 1961 wiederum eingegliedert.[2] Seit dem 1. Januar 2004 gehört die Gemeinde Stoltenhagen zur Stadt Grimmen.[3] Damit hat die Stadt Grimmen weitere fünf Ortsteile dazubekommen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1600 1712 1800 1900 1946 1990 2000 2006 2010 08/2014*)
Einwohner 1.000 850 1.840 3.616 8.298 14.242 11.585 11.032 10.399 10.179

*) eigene Fortschreibung der Stadtverwaltung unabhängig vom Ergebnis des Zensus 2011

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2014
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
65,57 %
24,99 %
9,44 %
Rathaus

Stadtvertretung[Bearbeiten]

Nach der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 hat die Stadtvertretung folgende Zusammensetzung:[4]

Partei Stimmen Sitze
CDU 6.229 14
LINKE 2.374 5
SPD 897 2
Gesamt 9.500 21

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister ist seit 2001 Benno Rüster (CDU).

Siehe: Liste der Bürgermeister von Grimmen

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde 1865 vom Magistrat der Stadt festgelegt und unter der Nr. 202 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Blasonierung: „In Silber ein schwebender, vierstufiger roter Mauergiebel, aus dem ein schwarzer Greif mit goldener Bewehrung aufwächst.“

Das Wappen wurde 1998 vom Weimarer Grafiker Michael Zapfe neu gezeichnet.

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge der Stadt besteht aus silbernem (weißem) Tuch und ist in der Mitte mit den Figuren des Stadtwappens in flaggengerechter Tingierung belegt. Die Länge des Flaggentuchs verhält sich zur Höhe wie 5:3.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Die Stadt Grimmen pflegt Partnerschaften mit fünf europäischen Städten:[5]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Stadtkern[Bearbeiten]

St. Marien

Die historische Altstadt mit dem rasterförmigen Straßennetz in einem ovalen Stadtgrundriss ist als ganzes eine bemerkenswerte mittelalterliche Stadtanlage mit 72 Einzeldenkmalen (2001). Sie ist in vier Viertel aufgeteilt: Die horizontale Achse verläuft zwischen dem Mühlentor und dem Greifswalder Tor. Die vertikale Achse beginnt im Norden am Stralsunder Tor und verläuft fast senkrecht durch die Altstadt. Zwischen diesem Tor und dem Mühlentor befindet sich auf Grund der Sakralbauten das Kirchviertel; westlich davon das Kleinleichnamviertel. Es ist nach einer Kapelle „Zum heiligen Leichnam“ benannt, die heute nicht mehr existiert. Südlich davon befindet sich das Strohviertel, was auf eine Besiedelung mit Stadthöfen der Ackerbauern hinweist. Östlich dieses Viertels verläuft zwischen der Mühlenstraße und der Buddeliner Straße das Knochviertel. Dieser Name weist darauf hin, dass hier unter anderem die Schlachter (Knochenhauer) lebten und arbeiteten.

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Die Pfarrkirche St. Marien wurde als frühgotischer Backsteinbau mit Feldsteinsockel ab 1267 erbaut. Die ursprünglich dreischiffige Hallenkirche mit fünf Jochen wurde im 15. Jahrhundert ergänzt mit dem dreischiffigen Hallenchor. Die reich geschnitzte Kanzel stammt von 1707, das Zunftgestühl von 1586. Teilsanierungen erfolgten innen 1976/77, am Dach 1986, an der Orgel 1982 und 1992, an Halle und Turm ab 1993.
  • Die drei quadratischen Stadttore der Backsteingotik:
    • Das Stralsunder Tor wurde vermutlich um 1320 errichtet und erhielt im 15. Jahrhundert einen zinnenbekrönten Staffelgiebel.
    • Das Mühlentor (auch Tribseeser Tor) trägt seinen Namen nach einer einstmals dort befindlichen Wassermühle. Es handelt sich um einen frühgotischen Backsteinbau mit einer Höhe von 24,8 Metern. Der Baubeginn wird um 1325 geschätzt, ein Umbau mit Blendgiebeln erfolgte gegen 1460. An den Torseiten ist noch heute der Ansatz der Stadtmauer zu erkennen. Von 1985–1987 wurde das Tor restauriert. Seitdem befindet sich in dem Tor sowie in dem südlich angrenzenden Gebäude das Grimmener Heimatmuseum.
    • Das Greifswalder Tor (vermutlich um 1350 bis 1400), nach der Zerstörung um 1800 durch einen Blitzschlag unvollständig wieder aufgebaut. Das Tor trug zeitweilig auch den Namen „Loitzer Tor“, da es am mittelalterlichen Hanseweg von Loitz nach Stralsund lag. Dieser Hanseweg führte durch Grimmen zum Stralsunder Tor hinaus. Nördlich des Tores ist ein letztes freistehendes Stück der Stadtmauer zu sehen.
Wasserturm
  • Nahe dem Greifswalder Tor befindet sich der 1933 errichtete Wasserturm der Stadt. Er steht auf dem so genannten „Schloßberg“, auf dem ein 1306 erstmals erwähntes Gebäude stand, welches als Residenz der Vögte und Amtleute des Landesfürsten diente. Bei Ausgrabungen wurden Fundamente eines größeren Gebäudes gefunden – vermutlich ein 1637 niedergebranntes Haupthaus. Unmittelbar am Wasserturm wurden weiterhin Reste eines gotischen Torbogens gefunden. Bislang ist nicht bekannt, ob es sich dabei um ein Teil des bis zum 18. Jahrhunderts stehenden Schlossturms handelt.
  • Das Grimmer Rathaus, um 1400 im gotischen Stil erbaut mit drei spitzbogigen Arkaden, einem siebenteiligen verziertem Staffelgiebel sowie einem achteckigen Türmchen mit einer im 17. Jahrhundert ergänzten barocken Haube.
  • Das backsteinsichtige Haus 3 der Stadtverwaltung von 1909/1912 in der Buddeliner Straße neben dem Rathaus zeigt den typischen Stil der Jahrhundertwendebauten um 1900.
  • Das Kalandhaus (auch Alte Schule genannt) westlich der Marienkirche ist ein spätgotischer Backsteinbau, der zunächst von der Kaland-Bruderschaft, später als Schulgebäude genutzt wurde.
  • Die Kirchenbude ist ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus in der Schulstraße 6. Es entstand 1819 im Auftrag der Kirche, um preisgünstigen Wohnraum für bedürftige Einwohner bereitzustellen.
  • Bemerkenswert sind einige Häuser wie das Fachwerkhaus Norderhinterstraße 11, das Pfarrhaus von 1738 in der Domstraße 7, die Schule von 1848, das Kaufhaus Mühlenstraße 8 von 1910.
  • Erwähnenswert ist das Gymnasium Grimmen, das 1993 erbaut wurde.

Parks[Bearbeiten]

  • Grimmen besitzt einen Tierpark, in dem über 250 Tiere aus 50 verschiedenen Arten besichtigt werden können. Der Park wurde 1957 eröffnet und ist durch eine große Vielfalt an Pflanzen und Grünflächen gekennzeichnet.
  • Eine weitere städtische Grünanlage, der Volkspark, befindet sich in der Nähe des Bahnhofs. Er beherbergt seit 2010 den Erlebnispark „Land der Riesen“.

Denkmäler[Bearbeiten]

Gedenkstein für Sowjetsoldaten
  • Kriegerdenkmal zu Ehren der in den Einigungskriegen gefallenen preußischen Soldaten
  • Das Denkmal für den Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck stand in den Friedhofsanlagen. Das Standbild wurde nach einem Entwurf des Bildhauers Cuno von Uechtritz-Steinkirch in der Kunstgießerei der Lauchhammerwerke im Bronzegussverfahren hergestellt und am 6. November 1902 enthüllt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Standbild eingeschmolzen.
    Am Standort des Bismarck-Denkmals wurde am 5. Mai 1953 ein Denkmal für den Theoretiker und Journalisten Karl Marx errichtet. Als Gedenkstein dient hier ein Findling mit seinem Bildnis.
  • Sowjetischer Ehrenfriedhof an der Bahnhofstraße für 16 sowjetische Soldaten
  • Gedenktafel am Verwaltungsgebäude für die 1697 hingerichtete Anna Kröger. Sie war die letzte Frau, die in Grimmen als Hexe angeklagt und öffentlich verbrannt wurde.
  • Ehrenmal von 1968 in der Bahnhofstraße für die Opfer des Faschismus
  • Skulpturengruppe Baggus Speckin von 2001

Museen[Bearbeiten]

Archäologie[Bearbeiten]

  • In Klein Lehmhagen existiert eine international bedeutende Fundstelle unterjurassischer Wirbeltiere. Hier wurde mit Emausaurus der bislang einzige Dinosaurier Mecklenburg-Vorpommerns entdeckt. 2013 machten Studenten der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald einen weiteren Saurierfund an gleicher Stelle.[6]
  • Turmhügel Grellenberg
  • Turmhügel Grimmen (unter Wasserturm)
  • Turmhügel Groß Lehmhagen

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Alte Ziegeleien Grimmen

Unternehmen[Bearbeiten]

  • Die BEKRU-Werke wurden 1991 als Hersteller von Fenster, Türen und Bauelementen gegründet.
  • Die e.dis-Energie richtete 1996 ihr Regionalzentrum in Grimmen ein.
  • Die IBC Solar betreibt seit 2010 ein großes Solarkraftwerk in Grimmen. Der dazugehörige 19 Hektar große Photovoltaik-Solarpark erstreckt sich über einen Teil der ehemaligen Tonhalde der Stadt und ist dafür ausgelegt, 2200 Haushalte mit erneuerbarer Energie zu versorgen.
  • Die Conergy AG errichtet bis Ende 2011 eine zweiten Solarpark mit einer geplanten Leistung von 8,2 Megawatt, erneuerbarer Strom für rund 3000 Haushalte.

Schulen[Bearbeiten]

Die Stadt besitzt mit der Grundschule "Dr. Theodor Neubauer" und der Grundschule "Friedrich Wilhelm Wander" zwei Bildungseinrichtungen der Primarstufe sowie mit der Regionalen Schule "Robert Koch" und dem Gymnasium Grimmen zwei weiterführende Einrichtungen mit teils großem Einzugsgebiet. Des Weiteren haben eine Allgemeine Förderschule für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich des Lernens, eine Berufliche Schule, eine Musikschule und eine Kreisvolkshochschule ihren Sitz in der Stadt.

Sozialeinrichtungen[Bearbeiten]

  • SOS-Dorfgemeinschaft von 1999 im Ortsteil Hohenwieden mit mehreren betreuten Wohngemeinschaften und eine große Werkstatt für Menschen mit Lernbeeinträchtigungen.[7]

Kirchen[Bearbeiten]

In Grimmen gibt es vier christliche Gemeinden:

  • Die evangelische Gemeinde St. Marien mit der zentralen Marienkirche.[8]
  • Die katholische Kirche St. Jakobus, die zur Pfarrei Maria Rosenkranzkönigin in Demmin gehört.
  • Die Neuapostolischen Kirche
  • Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten)

Sport[Bearbeiten]

Grimmen hat Sportvereine in den Bereichen Handball, Fußball, Volleyball, Leichtathletik, Kegeln und Judo.

  • Der HSV Grimmen wurde 1992 als Handballverein gegründet. Sein größter Erfolg war 2007 der Aufstieg der ersten Männermannschaft in die Regionalliga Nordost. Die Saison 2010/11 beendete das Team als Vizemeister der Landesliga Mecklenburg-Vorpommern. Die männliche A-Jugend des HSV Grimmen ist mit sieben Titeln seit 1998 Rekord-Landesmeister des Verbandes Mecklenburg-Vorpommern.
  • Der Grimmener SV wurde 1992 gegründet. Er entstand aus den Vereinen BSG Einheit Grimmen, VEB Bau Grimmen und BSG Erdöl Erdgas Grimmen. Stärkste Sektion ist die Abteilung Fußball. Deren erste Herrenmannschaft spielt seit der Saison 2010/11 in der Verbandsliga Mecklenburg-Vorpommern.
  • Der 2004 gegründete Fußballverein SV Traktor Stoltenhagen trägt seine Punktspiele in der Kreisoberliga Nordvorpommern/Rügen aus.
  • Der JSV Grimmen ist das Zuhause des organisierten Volleyballsports. Die Herrenmannschaft tritt in der Saison 2013/2014 in der Verbandsliga Mecklenburg Vorpommern an. Das Damenteam startet in der Saison 2014/2015 erstmals in der Regionalliga Nord.
  • Der KSV Grimmen und seine Sektion Judo haben seit der Vereinsgründung im Jahr 2005 durch zahlreiche Wettbewerbserfolge landesweite Bedeutung erlangt. Derzeit hat der Verein knapp 100 Mitglieder. (Stand 2011).

Medien[Bearbeiten]

  • Im Stadtgebiet entsteht und erscheint eine Lokalausgabe der Ostsee-Zeitung
  • Seit 2012 sendet das Bürgerfernsehen TV Radio Grimmen im Internet ein regelmäßiges Programm mit nachrichtlichen und kulturellen Beiträgen.[9]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die in Grimmen lebten und wirkten[Bearbeiten]

  • Philipp Jakob von Balthasar (1726–1807), Theologe, Pastor und Kirchenhistoriker
  • Johann Flittner (1618–1678), Pastor und Kirchenlieddichter
  • Wilhelm Kirchhoff (1800–1861), Jurist, Dichter und langjähriger Bürgermeister der Stadt Grimmen
  • Gustav von Hagenow (1813–1876), Jurist, Landrat des Landkreises Grimmen und Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung
  • Bernhard Hinrichs (1819–unbekannt) war Gutsbesitzer und Mitglied des Konstituierenden Reichstags des Norddeutschen Bundes
  • Arthur Becker (1862–1933) Politiker (SPD), Gutsbesitzer und Landwirt
  • Otto Waterstradt (1888–1972), Bürgermeister und Museumsgründer in Grimmen
  • Walther Koß (1904–1945), Schriftleiter der Grimmener Kreiszeitung, ehrenamtlicher Archivpfleger und Heimatforscher
  • Harry Glawe (* 1953), Politiker (CDU), Wirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern und Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion

Literatur[Bearbeiten]

  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 225–229 (Volltext.)
  • Erhard Grohmann: Grimmen in alten Ansichten (Band 1 und Band 2). Europäische Bibliothek Verlag, Zaltbommel / NL, ISBN 90-288-6581-0.
  • BIG-Städtebau: Grimmen – 10 Jahre Stadterneuerung, 2001, Stralsund.
  • Grimmen, Stadt-Bild-Verlag, Leipzig, 2009, ISBN 978-3-942146-00-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Grimmen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2013 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt.
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004.
  4. Ergebnisse der Gemeindewahl.
  5. Website der Stadt
  6. Greifswalder Student entdeckt zweiten Saurierfund aus Mecklenburg-Vorpommern, abgerufen am 2. Mai 2013
  7. Homepage SOS-Dorfgemeinschaft Grimmen.
  8. Die Kirche gehört zum Kirchenkreis Demmin, siehe St. Marienkirche in Grimmen.
  9. Homepage des TV Radio Grimmen.