Großarmenien

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Als Großarmenien wurde in der Geschichte Armeniens der größere östliche Teil Armeniens (Armenia maior) bezeichnet, das im Altertum vom Kernland Armenien zwischenzeitlich bis ans Kaspische Meer reichte. Neben Großarmenien existierte das westlich des oberen Euphrat gelegene Kleinarmenien. Zeitweise, solange die Sophene einen eigenen Staat bildete, war die Bezeichnung Großarmenien noch enger, nämlich unter Ausschluss der Sophene gefasst. Der Begriff Großarmenien wird auch in Bezug auf das Mittelalter verwendet, wobei mit „Kleinarmenien“ dann oft das Königreich von Kilikien gemeint ist, das sich südlich des antiken Kleinarmeniens befand. Weiter wurden im Mittelalter mit dem Namen Armenia Magna, der sich ebenfalls als Großarmenien übersetzen lässt, oder Armenia Maritima Gebiete auf der Krim bezeichnet, nach den Armeniern, die sich dort nach dem Ende des mittelalterlichen Reiches der Bagratiden in größerer Zahl niedergelassen hatten.[1]

Der Begriff wird auch als Schlagwort verwendet für ein politisches Konzept vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts[2][3],[4] etwa in Bezug auf den „Expansionismus“ des russischen Zarenreiches[2] und den Vertrag von Sèvres[4] bzw. armenischen Nationalismus.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Omeljan Pritsak: Das Kiptschakische. In: Philologiae Turcicae Fundamenta. Band 1, Wiesbaden 1959, S. 51.
  2. a b Lutz Raphael: Imperiale Gewalt und mobilisierte Nation: Europa 1914-1945. C. H. Beck, München 2012, ISBN 978-3-406-62352-3, S. 48.
  3. Michael Schwartz: Ethnische "Säuberungen" in der Moderne. Globale Wechselwirkungen nationalistischer und rassistischer Gewaltpolitik im 19. und 20. Jahrhundert. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2013, ISBN 978-3-486-70425-9. S. 96.
  4. a b Wolfgang Gieler, Christian Johannes Henrich (Hrsg.): Politik und Gesellschaft in Der Türkei. Im Spannungsverhältnis zwischen Vergangenheit und Gegenwart. VS Verlag fur Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-17249-1, S. 55.