Großblütige Braunelle

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Großblütige Braunelle
Großblütige Braunelle (Prunella grandiflora)

Großblütige Braunelle (Prunella grandiflora)

Systematik
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Nepetoideae
Tribus: Mentheae
Untertribus: Nepetinae
Gattung: Braunellen (Prunella)
Art: Großblütige Braunelle
Wissenschaftlicher Name
Prunella grandiflora
(L.) Scholler

Die Großblütige Braunelle, Große Braunelle oder Groß-Brunelle (Prunella grandiflora) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Braunellen (Prunella) in der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Die natürliche Heimat sind hauptsächlich weite Teile Europas.

Beschreibung[Bearbeiten]

Habitus, gegenständige Laubblätter und Blütenstände
Herbarbeleg von Prunella grandiflora mit hellrosafarbenen und weißen Blüten

Erscheinungsbild und Laubblatt[Bearbeiten]

Die Großblütige Braunelle wächst als ausdauernde krautige Pflanze. Die kurze, dicke bis sehr verlängerte Grundachse ist aus dem meist mehrjährigen Primärspross hervorgegangen. Dieser Hemikryptophyt bildet ein kurzes Rhizom als Überdauerungsorgan. Die grünen Pflanzenteile sind locker mit weißen Gliederhaaren besetzt. Der aufsteigende, mehr oder weniger 10 bis 30 cm lange Stängel ist meist einfach, zwischen den kräftig vortretenden Kollenchymleisten gerillt und oft durch Anthozyan mehr oder weniger violett gefärbt.

Die Laubblätter sind anfangs rosettig gehäuft. An den Stängeln sitzen zwei bis sechs Paare gegenständiger Blätter, deren oberstes vom Blütenstand um 1 bis 5 cm entfernt ist. Alle Blätter haben deutliche, die unteren bis 5 cm lange Blattstiele und eiförmig-lanzettliche, etwa 3 bis 5 cm lange und 1 bis 2 cm breite, abgerundete, kurz zugespitzte, ganzrandige oder sehr seicht gekerbte Blattspreiten. Die Blattspreiten sind beiderseits locker behaart und besitzen drei oder vier Paare bogiger Fiedernerven.

Blütenstand, Blüte und Frucht[Bearbeiten]

In etwa 3 bis 5 cm langen, eiförmig-kopfigen scheinährigen Gesamtblütenständen stehen scheinquirlige Teilblütenstände mit meist vier bis sechs Blüten. Die Scheinquirle stehen in der Achsel nierenförmig-herzförmiger, in eine scharfe Spitze ausgezogener, größtenteils weißhäutiger und oft violett umsäumter, rau gewimperter Hochblätter.

Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf nur an ihrer Basis verwachsenen Kelchblätter bilden einen zweilippigen, 10 bis 16 (bis 17) mm langen Kelch, der oft rötlich oder purpurfarben gefärbt ist.[1] Die Kelchröhre besitzt eine hervorstehende Nervatur und eine zerstreute Behaarung.[1] Die drei Kelchzähne der Oberlippe ähneln sich; sie sind eiförmig-lanzettlich[2] mit einer Länge von 1 bis 1,5 mm und besitzen abgerundete, bewimperte[2] Ränder.[1] Die Unterlippe misst 7 bis 12 mm, die beiden scharf gekielten[2] Zähne sind durch einen bis 4,5 mm langen Spalt voneinander getrennt.[1]

Die 20 bis 25 mm (auf der Iberischen Halbinsel 18 bis 32 (bis 38 mm)[1]) lange Krone ist kahl und nur auf der Mittellinie der Oberlippe schwach behaart. Meist ist sie lebhaft dunkelviolett gefärbt, zuweilen mehr rotviolett, selten rosa oder weiß (dann auch die Stängel-, Laub- und Tragblätter anthocyanfrei). Die Krone besitzt eine etwa 1,5 cm lange, zurückgebogene,[1] vorn schwach erweiterte Kronröhre, eine fast stielartig abgesetzte, 1 cm lange, stark gewölbte Oberlippe und eine etwas kürzere, dreilappige Unterlippe mit gefranstem Mittellappen.

Die Staubblätter sind unter sich wenig verschieden; alle besitzen einen abgerundeten, höchstens 0,5 mm langen Fortsatz. Die vorderen Staubfäden bilden ungleiche Hebel, deren längere Arme den nektarsammelnden Hummeln den Pollen auf den Rücken schlagen (= nototrib). Der Griffel tritt erst aus der Blüte heraus, wenn die bestäubende Hummel die Blüte verlässt.

Die Klausen sind etwa 2 mm lang, rundlich-eiförmig und besitzen eine hervortretende Nabelfläche.

Die Blütezeit liegt hauptsächlich in den Monaten Juni bis August, vereinzelt noch später.

Chromosomenzahl[Bearbeiten]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28.[3]

Verbreitung und Standortansprüche[Bearbeiten]

Prunella grandiflora kommt fast nur in Europa vor: Frankreich, Belgien, Deutschland, Dänemark, Mittelrussland, Ural, Kaukasus, nördliches Kleinasien, Balkan, Oberitalien, Spanien, Portugal.

In den Kalkgebieten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz ist die Großblütige Braunelle ziemlich verbreitet. Sie fehlt in den Silikatgebieten und im nordwestlichen Teil der Norddeutschen Tiefebene.

Die Großblütige Braunelle wächst in mäßig-trockenen Magerwiesen auf Lehm- und Kalkboden. Vereinzelt steigt diese Pflanzenart bis zur Baumgrenze: im Wallis bis gegen 2400 m.

Prunella grandiflora gehört dem südeuropäischen Gebirgselement an. Die Art verlangt etwas mehr Wärme und Kalk (ohne jedoch kalkstet zu sein) als etwa Prunella vulgaris und meidet im Gegensatz zu dieser stärker gedüngte Wiesen. Nach Ellenberg[4] ist diese Pflanze ein Wärme- und Trockenheitszeiger sowie eine Klassencharakterart der Kalk-Magerrasen (Festuco-Brometea).

Bastardisierung[Bearbeiten]

Bastarde kommen bei dieser Art fast überall vor, wo zwei Arten zusammentreffen oder einst zusammentrafen. Neben Prunella grandiflora × P. laciniata = Prunella ×dissecta Wender. (siehe auch: Weiße Braunelle), kommt auch Prunella grandiflora × P. vulgaris = Prunella ×spuria Stapf vor. Diese hybride Form erinnert meist stärker an P. grandiflora. Sie ist an den sitzenden oder sehr kurz gestielten Ähren und an den kleineren Blüten zu erkennen. Im Bau des Stängels und des Kelchs schwankt sie meist zwischen den Eltern.

Die Großblütige Braunelle ist seit 1596 als Zierpflanze nachgewiesen und wird in mehreren Sorten kultiviert, die teilweise auch weiß, karminrosa oder violett blühen. Sie bildet zusammen mit P. hastifolia die Hybride Prunella ×webbiana, die als Gartenpflanze Bedeutung erlangte.

Nutzung[Bearbeiten]

Die Großblütige Braunelle wird in mehreren Sorten als Zierpflanze verwendet.

Die jungen Blätter werden in manchen Gegenden als Kräutersalat zubereitet. Die Blätter sollen auch einen brauchbaren Farbstoff enthalten.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Pteridophyta, Spermatophyta. 2. Auflage. Band V. Teil 4: Angiospermae: Dicotyledones 3 (4) (Labiatae – Solanaceae), Carl Hanser bzw. Paul Parey, München bzw. Berlin/Hamburg 1964, ISBN 3-489-78021-3, S. 2382–2384 (unveränderter Nachdruck von 1927 mit Nachtrag).
  •  Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2000, ISBN 3-8001-3364-4.
  •  Wolfgang Adler, Karl Oswald, Raimund Fischer, Manfred A. Fischer (Hrsg.): Exkursionsflora von Österreich. Eugen Ulmer, Stuttgart/Wien 1994, ISBN 3-8001-3461-6.
  •  Christian Heitz: Schul- und Exkursionsflora für die Schweiz. Mit Berücksichtigung der Grenzgebiete. Bestimmungsbuch für die wildwachsenden Gefässpflanzen. Begründet von August Binz. 18. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Schwabe & Co., Basel 1986, ISBN 3-7965-0832-4.
  •  Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Unter Mitarbeit von Theo Müller. 6., überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1990, ISBN 3-8001-3454-3.
  •  Konrad von Weihe (Hrsg.): Illustrierte Flora. Deutschland und angrenzende Gebiete. Gefäßkryptogamen und Blütenpflanzen. Begründet von August Garcke. 23. Auflage. Paul Parey, Berlin/Hamburg 1972, ISBN 3-489-68034-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f Ramón Morales: Prunella. In:  Santiago Castroviejo, Ramón Morales, Alejandro Quintanar, Francisco José Cabezas, Antonio José Pujadas, Santos Cirujano (Hrsg.): Flora Ibérica. Plantas Vasculares de la Península Ibérica e Islas Baleares. Vol. XII. Verbenaceae − Labiatae − Callitrichaceae. Real Jardín Botánico, CSIC, Madrid 2010, ISBN 978-84-00-09041-8, S. 445–451 (PDF-Datei).
  2. a b c  Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Pteridophyta, Spermatophyta. 2. Auflage. Band V. Teil 4: Angiospermae: Dicotyledones 3 (4) (Labiatae – Solanaceae), Carl Hanser bzw. Paul Parey, München bzw. Berlin/Hamburg 1964, ISBN 3-489-78021-3, S. 2382–2384 (unveränderter Nachdruck von 1927 mit Nachtrag).
  3.  Eckehart J. Jäger, Klaus Werner (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Begründet von Werner Rothmaler. 10., bearbeitete Auflage. Band 4: Gefäßpflanzen: Kritischer Band, Elsevier, Spektrum Akademischer Verlag, München/Heidelberg 2005, ISBN 3-8274-1496-2.
  4.  Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht (= UTB für Wissenschaft. Grosse Reihe. Band 8104). 5. stark veränderte und verbesserte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1996, ISBN 3-8252-8104-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Großblütige Braunelle – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien