Großbreitenbach

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Großbreitenbach
Großbreitenbach
Deutschlandkarte, Position der Stadt Großbreitenbach hervorgehoben
50.58277777777811.010555555556630Koordinaten: 50° 35′ N, 11° 1′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Ilm-Kreis
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Großbreitenbach
Höhe: 630 m ü. NHN
Fläche: 19,62 km²
Einwohner: 2636 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 134 Einwohner je km²
Postleitzahl: 98701
Vorwahl: 036781
Kfz-Kennzeichen: IK, ARN, IL
Gemeindeschlüssel: 16 0 70 025
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 11-13
98701 Großbreitenbach
Webpräsenz: www.stadt-grossbreitenbach.de
Bürgermeister: Hans-Jürgen Beier (Großbreitenbach 2000)
Lage der Stadt Großbreitenbach im Ilm-Kreis
Alkersleben Altenfeld Angelroda Arnstadt Böhlen Bösleben-Wüllersleben Dornheim Elgersburg Elleben Elxleben Frankenhain Frauenwald Friedersdorf Gehlberg Gehren Geraberg Geschwenda Gillersdorf Gossel Gräfenroda Großbreitenbach Herschdorf Amt Wachsenburg Ilmenau Ilmtal Kirchheim Langewiesen Liebenstein Martinroda Gehren Neusiß Neustadt am Rennsteig Osthausen-Wülfershausen Pennewitz Plaue Rockhausen Schmiedefeld am Rennsteig Stadtilm Stützerbach Amt Wachsenburg Wildenspring Wipfratal Witzleben Wolfsberg Thüringen Landkreis Schmalkalden-Meiningen Suhl Landkreis Hildburghausen Landkreis Sonneberg Landkreis Saalfeld-Rudolstadt Landkreis Weimarer Land Erfurt Landkreis GothaKarte
Über dieses Bild

Großbreitenbach ist ein staatlich anerkannter Erholungsort im Ilm-Kreis in Thüringen. Die Landstadt ist Mitgliedsgemeinde und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Großbreitenbach.

Geografie[Bearbeiten]

Großbreitenbach liegt auf einer Hochfläche im Thüringer Schiefergebirge, nah der westlichen Nahtstelle zum Thüringer Wald. Die Stadt liegt in einer Höhe von 570 bis 660 m und zählt bereits zum Wassereinzugsgebiet der Schwarza. Nördlich von Großbreitenbach erhebt sich der Lange Berg, südöstlich liegt das Schwarzatal.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden: Gillersdorf - Friedersdorf - Böhlen - Meuselbach-Schwarzmühle - Katzhütte - Altenfeld - Neustadt am Rennsteig - Gehren

Geschichte[Bearbeiten]

Stadtrechts-Urkunde von 1855

Großbreitenbach wurde 1399 erstmals erwähnt. Damals trug der Ort den Namen Breytenbach. Die Deutung des Namens gibt kaum Rätsel auf. Die ersten Siedler siedelten wahrscheinlich in der Nähe des heute gleichnamigen Baches in breiter Fläche. Möglich ist auch die Deutung aus dem mittelhochdeutschen gebreite als Ackerbreite oder Acker. Aufgrund der geografischen Gegebenheiten, kann dies aber fast gänzlich ausgeschlossen werden.

Es wird von ersten Siedlungen im Jahre 1150 gesprochen, die aber sehr wahrscheinlich als falsch angenommen werden können, denn in einer Urkunde der Schwarzburger Grafen aus dem Jahre 1190 fehlt in diesem Gebiet jede Erwähnung.

Im Jahre 1550 wurden dem Ort dann die Marktrechte verliehen. 1621 wurde Großbreitenbach zum Flecken erhoben und 1855 wurde es schließlich Stadt. 1848 wurde hier im Zuge der Märzrevolution der fünfte Thüringer Volkstag durchgeführt. Der Schützenverein der Stadt wurde bereits 1603 gegründet. Er ist somit der älteste Verein der Stadt. Seit 1645 ist ein Pfarrhaus in Großbreitenbach bekannt. 1664 wurde eine erste Apotheke von Johann-Martin Mylius eröffnet. Seit 1779 gab es auch in Großbreitenbach Porzellanherstellung. Sie existiert jedoch heute nicht mehr. Im Jahr 1868 wurde Großbreitenbach von einem Stadtbrand großteils zerstört.

Die Eisenbahn erreichte die Stadt 1883 durch die Linie Ilmenau-Großbreitenbach. Das neue Großbreitenbacher Schulgebäude wurde 1912 eröffnet. 1915 wurde ein großes Glaswerk für Hohlglas erbaut. Es stand am Katzstein.

Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus im Juli 1933 wurden 60 politische Gegner verhört, nochmals am 12. Oktober, wobei sich brutale Prügelszenen abspielten. Insgesamt wurden 46 Bürger Opfer politischer Verfolgung.[2]

Während des Zweiten Weltkrieges mussten 400 Frauen und Männer vorwiegend aus der Sowjetunion Zwangsarbeit verrichten: im Glas- und Metallwerk Carl Lincke, in der Zigarrenfabrik Carl Jul. Klein, im Sägewerk Carl Macholdt, in der Hohlglasindustrie Hermann Bulle, im Glaswerk Wiegand & Schmidt, in der Firma Siemens & Halske und im Forstamt.[3]

Am 11. April 1945 wurde die Stadt kampflos an die Truppen der US Army übergeben und damit Zerstörungen und zu erwartende Todesopfer verhindert. 1959 wurde der Campingplatz der Stadt eröffnet. 1965 eröffnete man ein Trainingszentrum für Biathlon, in dem auch Peter Sendel und die Geschwister Andrea und Manuela Henkel ihre ersten Trainingseinheiten absolvierten. 1984 wurde das Schulgebäude am Markt 13 umgebaut und als Haus 2 des Rathauses genutzt. Hier befindet sich heute die Ortsbibliothek von Großbreitenbach.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1530 - 0550 Einwohner
  • 1895 - 2830 Einwohner
  • 1910 - 3255 Einwohner
  • 1955 - 4385 Einwohner
  • 1977 - 4244 Einwohner
  • 1994 - 3338 Einwohner
  • 2005 - 2926 Einwohner
  • 2007 - 2751 Einwohner
  • 2011 - 2662 Einwohner

Politik[Bearbeiten]

Rathaus von Großbreitenbach
„Johannisturm“ (Glockenturm im Stadtzentrum)

Großbreitenbach ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Großbreitenbach.

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Rat der Stadt Großbreitenbach besteht aus 14 Ratsfrauen und Ratsherren.

(Stand: Kommunalwahl am 7. Juni 2009)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der ehrenamtliche Bürgermeister Hans-Jürgen Beier ist der neue Bürgermeister von Großbreitenbach. Bei der Wahl am 16. September 2012 konnte der Vorsitzende der Fraktion "Großbreitenbach 2000" und bisherige Beigeordnete 52,6 Prozent aller Stimmen für sich gewinnen. Die drei Mitbewerber um das Amt Nico Röser: 30,6 %, Gerhard Haucke: 9,9 %, Patrick Löchner: 6,9 %.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber aus einem grünen mit drei goldenen Blumen belegten Dreiberg wachsend ein Wilder Mann mit Laubkranz und Laubschurz, in der Rechten ein blaues Malschloss, in der erhobenen Linken zwei dazugehörige blau Schlüssel.“

Das Wappen entstammt einem Gemeindesiegel aus dem 16. Jahrhundert mit der Umschrift S. DER GEMEIN ZU BREIDENBACH V.D.D.W. (=uff dem Doringer Walde). Das eigenartig gestaltete Mal- und Anwurfschloss wird noch heute im Rathaus aufbewahrt. In einer Jahrmarktspredikt des Pfarrers Holtzhey aus dem Jahre 1702 wird ein Hinweis zu einem „ruhmwürdigen Wald-Mal-Schloß“ gegeben; es sei notwendig gewesen, die Landstraße durch den Thüringer Wald zu verschließen bzw. zu verwahren, damit nicht Jedermann habe durchkommen können. Der Wilde Mann scheint ein Hinweis auf die Fürsten von Schwarzburg zu sein, der Dreiberg deutet auf die Lage der Stadt im Thüringer Wald hin, die Blüten erinnern an das Heilkräutersammeln.[4]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Alte Turm (auch Johannisturm) ist der Überrest der 1753 eingestürzten Johanniskirche, die 1570 erbaut wurde. Der Ersatzbau, die St. Trinitatiskirche von 1680/90 ist die größte Holzfachwerkkirche Thüringens und weist spätgotische Altäre und Barockstatuen auf. Sehenswert sind außerdem das Rathaus mit dem Fürstenbrunnen am Markt sowie das Thüringer Kloßpressenmuseum.

Das Großbreitenbacher Schwimmbad zählt mit einer Wasserfläche von 4000 m² zu den größten Freibädern der Region. Unmittelbar angrenzend gibt es auch einen Campingplatz.

Ein Denkmal aus dem Jahr 1965 an der Ecke Süd-/Parkstraße neben der Schule, die zu DDR-Zeiten den Namen Theodor Neubauers trug, erinnert an alle Opfer des Faschismus.

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]

Frauen der Brigade „Fidel Castro“ bei der Montage im VEB Relaistechnik 1979
Bauern der Mts-Jugendbrigade "Ruth Krannich" im Gespräch
Bahnhof

Früher war der VEB Relaistechnik der wichtigste Arbeitgeber in der Stadt. Heute sind in Großbreitenbach vor allem Unternehmen der Metallindustrie, Kunststoffindustrie und Glasindustrie ansässig.

Von Großbreitenbach führen Straßen nach Gehren (Landesstraße 1047), Katzhütte, Böhlen und Altenfeld. Von 1883 bis 1998 hatte die Stadt einen Eisenbahnanschluss an der Ilmenau-Großbreitenbacher Eisenbahn.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Johannes Machold (1906–1947), Ehrenbürgerschaft postum für die kampflose Übergabe der Stadt im Zweiten Weltkrieg
  • Max Kahl (1882–1956), Ehrenbürgerschaft postum für die kampflose Übergabe der Stadt im Zweiten Weltkrieg
  • Ernst Macholdt (1898–1973), Ehrenbürgerschaft postum für die kampflose Übergabe der Stadt im Zweiten Weltkrieg
  • Peter Sendel (* 1972), Biathlet, Olympiasieger und Weltmeister
  • Konrad Wiegand (* 1937), Unternehmer , Gründer der „Neue Glaswerke Großbreitenbach GmbH“
  • Joachim Wiegand (* 1935), Unternehmer, Gründer der „Neue Glaswerke Großbreitenbach GmbH“

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Wilhelm Bock (* 28. April 1846; † 22. Juni 1931), sozialdemokratischer Politiker, Reichstagsabgeordneter
  • Arno Voigt (* 18. Juni 1895; † 9. Februar 1986), Glasmacher, Kommunist, KPD-Landtagsabgeordneter
  • Friedrich Schlott (* 10. Juni 1914; † 21. Dezember 1997), Unternehmer und Gründer der Schlott AG
  • Manuela Henkel (* 4. Dezember 1974), Skilangläuferin, Olympiasiegerin und Weltmeisterin
  • Andrea Henkel (* 10. Dezember 1977), Biathletin, Olympiasiegerin und Weltmeisterin
  • Janet Klein (* 1. November 1977), Biathletin, Europameisterin

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Friedrich Wilhelm Delkeskamp (* 20. September 1794 in Bielefeld; † 5. August 1872 in Frankfurt am Main), Maler und Kupferstecher, lebte 1815 in Großbreitenbach, wo er die Porzellanmalerei erlernte
  • Wilhelm Bertram (* 1829), Politiker und vom 1. Januar 1863 bis zum 31. Januar 1893 Bürgermeister von Großbreitenbach
  • Petra Enders (* 1965), Politikerin, 2004 bis 2012 Mitglied des Thüringer Landtags, seit dem 1. Juli 2012 Landrätin des Ilm-Kreises

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Unsere Neue Zeitung, 2. Oktoberausgabe, Nr. 21-2008, S. 13
  3. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 142, ISBN 3-88864-343-0
  4. Neues Thüringer Wappenbuch Band 2 Seite 13; Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Thüringen e.V. 1998 ISBN 3-9804487-2-X

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Großbreitenbach – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien