Großdolmen

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Großdolmentypen

Der Großdolmen ist ein Megalithanlagentyp der Trichterbecherkultur (TBK), der in der nordischen Megalitharchitektur, primär im Osten von Mecklenburg-Vorpommern, mit zwei verschiedenen Zugangsarten aber auch in Polen (Megalithanlage von Złotowo) sowie in Skandinavien, dort baulich in anderer Form, vorkommt. Neolithische Monumente sind Ausdruck der Kultur und Ideologie neolithischer Gesellschaften. Ihre Entstehung und Funktion gelten als Kennzeichen der sozialen Entwicklung.[1]

Definition[Bearbeiten]

Man bezeichnet in Deutschland Dolmen mit drei oder mehr Decksteinen als Großdolmen und unterscheidet in:

  • Großdolmen mit Vorraum
  • Großdolmen mit Windfang

Der Windfangdolmen hat seinen Verbreitungsschwerpunkt auf der Insel Rügen und dem der Insel gegenüber liegenden Festland. Der Schwerpunkt des Vorraums liegt südöstlich davon, zwischen Demmin und der Insel Usedom. Einige abweichende, aber sehr seltene Gestaltungen erinnern an erweiterte Dolmen oder polygonale Lösungen. Es gibt in Mecklenburg 146 Großdolmen, von denen Ewald Schuldt 44 untersuchte. Von den Großdolmen finden sich zwei in Schleswig-Holstein (Großsteingrab Wees, Kreis Flensburg), wenige in Niedersachsen aber etliche in Sachsen-Anhalt (z.B. Lüdelsen 4 + 5).

Da die Breite nordischer Megalithanlage aufgrund des Ausgangsmaterials begrenzt ist, wurde der Längenausbau bei dem Bestreben nach Vergrößerung der Kammern zum wesentlichen Gestaltungsziel. Großdolmen erreichen mit durchschnittlich 14 m³ Innenraum eine Größe die ansonsten nur von Galerie- und Ganggräbern erreicht wird. Beim Großdolmen liegen auf den acht bis zwölf Tragsteinen bis zu fünf Decksteine. Einige Großdolmen wurden unter Verwendung eines breiten Zwischenmauerwerks, auf das u.U. auch die Decksteine aufgelegt wurden, verlängert.

Neben Ganggräbern sind Großdolmen eine Anlagenform, deren mittlere Decksteine mitunter auch in Jochbauweise (siehe Bild) aufgelegt wurden. Während es zunächst ausschließlich Deckenkonstruktionen gibt, die ihre Statik aus der Tragfähigkeit einer Dreipunktauflage gewinnen, werden bei der späteren Jochkonstruktion zwei Steine (ein Joch) trilithenartig zu einer Einheit verbaut. Da der unebene Deckstein nur auf zwei Punkten aufliegt, die Zweipunkt-Auflage bei unbearbeiteten Natursteinen (Findlingen) aber sehr instabil ist, wurden die beiden Tragsteine leicht einwärts geneigt. Zusätzlich stützen sich die Decksteine von Jochbauten in Längsrichtung der Anlage aneinander ab. Beide Enden einer solchen Decksteinreihe bestehen allerdings stets aus stabilen Dreipunktauflagen, da diese der gesamten Konstruktion den Halt verleihen.

Die 44 untersuchten Großdolmen lagen sowohl in rechteckigen (5) und tropezoiden Hünenbetten (8), als auch unter Rundhügeln (4), besonders oft aber unter von Rollsteinen bedeckten Hügeln (26). Ohne Erkenntnisse über die Art des (abgetragenen) Hügels blieb nur eine der von Schuldt untersuchten Anlagen des Typs. Die trapezoiden Einfassungen (z.B. Dwasieden, Lancken-Granitz I, Kruckow, Nadelitz, Pöglitz, Poggendorfer Forst) haben (mitunter beidseitig) Wächtersteine. Der Großdolmen von Gaarzerhof, der zunächst in einem sehr kurzen rechteckigen Hünenbett lag, wurde final mit einem Rundhügel überdeckt.

Dänemark[Bearbeiten]

Stordysser ist die dänische Bezeichnung für dortige Großdolmen, die eine längere Kammer haben, und deren axialer Gang meist die Randsteine der Hügeleinfassung erreicht. Die in der Südhälfte Dänemarks häufigeren Stordysser haben selten mehr als 4 m lange Kammern. Die übliche Breite betrug 2-2,5 m. Zwei Decksteine diequer zur Richtung des nach Südosten orientierten Ganges liegen wurden normalerweise verwendet. In Deutschland gelten nur Dolmen mit drei und mehr Decksteinen als Großdolmen. Der in Skandinavien gebräuchliche Forschungsbegriff stordysse folgt einer abweichenden Definition. L. Bolmquist benutzt in seiner Definition der Dolmentypen den Begriff Stordysse nicht. Dabei ging man ursprünglich davon aus, dass ihr Auftreten den Übergang von einer Dolmen- zu einer Ganggrabzeit und zur Kollektivbestattung markierte. Diese Abfolge gilt inzwischen als widerlegt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Deutsches Archäologisches Institut – Abteilung Madrid: Probleme der Megalithgräberforschung. Vorträge zum 100. Geburtstag von Vera Leisner. New York : de Gruyter Berlin u. a. 1990, ISBN 3-11-011966-8 (Madrider Forschungen 16).
  • Michael Schmidt: Die alten Steine. Reisen zur Megalithkultur in Mitteleuropa. Hinstorff, Rostock 1998, ISBN 3-356-00796-3.
  • Ewald Schuldt: Die mecklenburgischen Megalithgräber. Untersuchungen zu ihrer Architektur und Funktion. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1972 (Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte der Bezirke Rostock, Schwerin und Neubrandenburg. 6, ISSN 0138-4279).
  • Märta Strömberg: Swedish megalithic tombs - monuments of various interpretation. In: K. W. Beinhauer (Hrsg.): Studien zur Megalithik, 1999, ISBN 3-930036-36-3.
  • Jürgen E. Walkowitz: Das Megalithsyndrom. Europäische Kultplätze der Steinzeit. Beier & Beran, Langenweißbach 2003, ISBN 3-930036-70-3 (Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas. 36).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. J. Müller In: Varia neolithica VI 2009 S. 15