Große-Seen-Schiff

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Die Algorail, ein klassischer Laker

Große-Seen-Schiffe, auch Große-Seenfahrt-Schiffe (englisch Great Lakes freighter, Lake freighter, Laker oder Lake boats) sind Schiffe, die ausschließlich oder überwiegend auf den Großen Seen zum Transport von Massengutladungen verwendet werden.

Die Gruppe der Große-Seen-Schiffe bildet im weiteren Sinne eine eigene Schiffsart, aber keinen homogenen Schiffstyp. Gemeinsames Kennzeichen der Schiffe ist der Massenguttransport auf den Großen Seen und der Betrieb durch amerikanische und kanadische Reedereien. Letzteres ist bedingt durch den Jones Act, der Schiffe unter ausländischen Flaggen von der Kabotage ausschließt.

Einzelheiten[Bearbeiten]

Die Daniel J. Morrell (Aufnahme zwischen 1900 und 1920)

Innerhalb dieser Gemeinsamkeit lassen sich sowohl historisch, als auch aufgrund der Verwendung oder der Größe zahlreiche Gruppen verschiedener Schiffe unterscheiden.

Obgleich es auch schon lange vorher Schiffe gab, die auf die besonderen Erfordernisse der Große-Seen-Fahrt abgestimmt waren (beispielsweise besondere Segelschiffstypen, mit denen Schnittholz transportiert wurde, oder die Walrücken), bildete sich etwa ab Ende des 19. Jahrhunderts ein eigener Baustil der als Laker bekannten Massengutschiffe heraus. Die traditionellen Große-Seen-Schiffe sind im Verhältnis lang und schmal, besitzen ein vorne angeordnetes Deckshaus mit Brückenaufbauten, einen im Verhältnis langen mittleren Laderaum und einen zweiten flacheren Aufbau über der ganz achtern gelegenen Maschinenanlage. In den letzten Jahrzehnten wurden jedoch mehr und mehr Schiffe mit der auch bei Seeschiffen vorherrschenden Bauart mit ganz achtern gelegener Maschinenanlage und darüber angeordnetem Deckshaus mit Brückenaufbauten in Fahrt gebracht. Die äußere Erscheinung heutiger Neubauten ähnelt daher der normaler Massengutschiffe.

Der Beginn der Ausrüstung mit einem weiteren Merkmal eines großen Teils der besprochenen Schiffe, die Selbstentladevorichtungen, wird regelmäßig mit dem Umbau des 65 Meter langen hölzernen Schiffes Hennepin zum Selbstentlader im Jahr 1902 gleichgesetzt. Bald darauf folgten weitere und auch größere Um- und Neubauten. Das Jahr 1908 markiert mit dem Bau der Wyandotte den ersten Neubau eines auf die Große-Seenfahrt ausgelegten Selbstentladers. In den Jahren zwischen 1920 und 1960 erhöhte sich der Anteil der Selbstentlader immer weiter, und seit 1965 wurden nahezu ausschließlich Schiffe dieses Typs gebaut. Die immer noch vorhandenen Schiffe ohne Selbstentladevorichtungen werden Straight decker (deutsch: Geraddecker) genannt und gehören überwiegend kanadischen Reedereien.

Schubverband Presque Isle

Eine weitere Unterscheidung ist die in echte Laker und sogenannte Salties (deutsch etwa: Salzies).

Ein bemerkenswerter Umstand ist die auffällig lange Nutzungsdauer, die der weitaus größte Teil der Großen-Seen-Flotte erreicht. Die Ursache liegt hauptsächlich im Betrieb in einem Frischwassergebiet, das die Schiffskörper erheblich weniger der in Salzwasser üblichen Korrosion aussetzt. Werden normale Seeschiffe nach durchschnittlich 25 bis 30 Jahren verschrottet, so liegt die durchschnittliche Lebensdauer der Laker gleich um Jahrzehnte höher.

Außer den originär für den Betrieb auf den Großen Seen gebauten Schiffen gibt es zahlreiche Seeschiffe, die durch Umbauten, wie Verlängerung und weitere Details an die Verhältnisse dieses Fahrtgebietes angepasst wurden.

Dimensionierung[Bearbeiten]

Abhängig vom vorgesehenen Fahrtgebiet gibt es verschieden große Laker. Ein besonders bekanntes Maß ist der Seawaymax, der gerade noch die Schleusen des Sankt-Lorenz-Seewegs, der Verbindung zwischen den Großen Seen und dem Atlantik, passieren kann. Schiffe dieser Art sind 226 m lang, 24 m breit, haben einen Tiefgang von 7,9 m und eine Höhe über der Wasseroberfläche von maximal 35,5 m. Seawaymax-Schiffe können etwa 28.500 Tonnen Ladung befördern. Seawaymaxschiffe, die zudem seegängig sind, ergo auch Seehäfen außerhalb der Großen Seen bedienen können, werden als Salties bezeichnet. Zu den Salties zählen auch eine Reihe von Schubverbänden, meist Articulated Tug Barges, die Häfen der Großen Seen mit amerikanischen Ostküstenhäfen verbinden.

Darüber hinaus gibt es größere (echte) Laker, deren Maße ihren Einsatz auf die Großen Seen beschränken. Diese größeren Schiffe sind bis zu 308 Meter lang und verfügen über Tragfähigkeiten bis zu 72.000 Tonnen.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Dudzus, Alfred; Köpcke, Alfred: Das große Buch der Schiffstypen. Lizenzausgabe von transpress, Berlin Auflage. Weltbild Verlag, Augsburg 1995, ISBN 3-89350-831-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lake freighter – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]