Große Dhünntalsperre

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Große Dhünntalsperre
Übersichtstafel Große Dhünntalsperre
Daten
Geografische Koordinaten des Staudamms: 7° 11' 11" Ost
51° 04' 03" Nord
Daten Bauwerk
Bauzeit der Vorsperre Große Dhünn (vormals Dhünntalsperre): 1960–1962
Bauzeit Große Dhünntalsperre: 1975–1985
Probestau: November 1984
bis April 1987
Inbetriebnahme: 1988
Daten Stausee
Gesamtspeicherraum: 81 Mio. m³
  davon Vorsperre Große Dhünn: 7,5 Mio. m³
  davon Vorsperre Kleine Dhünn: 0,4 Mio. m³
  davon Vor- und Zulaufbecken: 0,3 Mio. m³
Jährl. Trinkwasserentnahme: 42 Mio. m³
Jährl. Entnahme zur Niedrigwasseraufhöhung : 8 Mio. m³
Jährl. Versickerungs- und Verdunstungsverluste : 6 Mio. m³
Hochwasserrückhaltung: 8,5 Mio. m³
Stauziel: 176,50 m ü. NN
Wasseroberfläche bei Vollstau: 440 ha
Höhe über Talsohle: 53 m
Höhe über Gründungssohle: 63 m
Dammvolumen: 1,2 Mio. m³
Kronenlänge: 400 m
Kronenbreite: 8,5 m
Basisbreite: 210 m
Krümmungsradius: Keine Krümmung
Einzugsgebiet: 60 km²
Einzugsgebiet einschl. Sülzzufluss: 89 km²
Mittlere Jahreszuflussmenge: 44 Mio. m³
Mittlere Jahreszuflussmenge einschl. Sülzzufluss: 56 Mio. m³
Bemessungshochwasser: 90 m³ pro Sekunde
Bemessungshochwasser einschl. Sülzzufluss: 115 m³ pro Sekunde
Baukosten: 286 Mio. DM
  davon Grunderwerb: 64 Mio. DM
Kosten für Wasseraufbereitung und -verteilung: 255 Mio. DM
Kosten für Hochwasserschutz: 14,5 Mio. DM
Kosten für Ausgleichs- und Folgemaßnahmen: 12 Mio. DM
Kartenansicht der Großen Dhünntalsperre

Die Große Dhünntalsperre, gespeist von den beiden Quellarmen des Flusses Dhünn, ist die größte Trinkwassertalsperre im Westen Deutschlands und wird vom Wupperverband betrieben. Sie liegt im Rheinisch-Bergischen Kreis zwischen den Städten und Gemeinden Wermelskirchen, Wipperfürth, Kürten und Odenthal in der Mittelgebirgsregion Bergisches Land (NRW).

Geschichte[Bearbeiten]

Die ältere Talsperre[Bearbeiten]

Die Große Dhünntalsperre ist die Erweiterung einer schon 15 Jahre zuvor erbauten, weitaus kleineren Talsperre im Dhünntal, der Dhünntalsperre (Stauvolumen: 7,5 Mio. m³).

Die Wasserversorgung der grundwasserarmen Bergischen Großstädte Wuppertal, Remscheid und Solingen konnte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts trotz jeweils eigener Trinkwassertalsperren (Wuppertal: Herbringhauser Talsperre, Ronsdorfer Talsperre und Kerspetalsperre; Remscheid: Eschbachtalsperre, Neyetalsperre und Panzertalsperre; Solingen: Sengbachtalsperre) in den Sommermonaten nicht garantiert werden, sodass mit dem Wupperverband Ende der 1950er Jahre der Bau der Dhünntalsperre vereinbart wurde.

Diese Talsperre wurde in den Jahren 1960–1962 errichtet und war in ihren Ausmaßen identisch mit der heutigen Vorsperre Große Dhünn. In der Literatur wird diese Talsperre auch oft fälschlicherweise als Kleine Dhünntalsperre bezeichnet. (Siehe Begriffserklärung und Namensgebung). Die Solinger Sengbachtalsperre erhielt aus der Dhünntalsperre zuletzt einen Zufluss von 2,5 Mio. m³ pro Jahr. Weitere Abnehmer für die insgesamt jährlich entnommenen 8 Mio. m³ Rohwasser waren die Stadt Remscheid, der Wasserversorgungsverband Rhein-Wupper (WVV) und bergische Wassergenossenschaften. Die 1963–1964 in Betrieb genommenen Wasseraufbereitungsanlagen besaßen eine Kapazität von 500 bis 1.800 m³ pro Stunde.

Die jüngere Talsperre[Bearbeiten]

Schnell stellte sich heraus, dass die Kapazität der Dhünntalsperre für die zukünftige Trinkwasserversorgung nicht reichen würde und nach einem Doppeltrockenjahr wurde 1971 die Erweiterung zur Großen Dhünntalsperre geplant (Stauvolumen: 81 Mio. m³). Erste Überlegungen zu einem Bau gab es aber schon seit den 1940er Jahren.

Der Bau wurde am 22. April 1975 mit einem ersten Sprengschuss durch den Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten des Landes NRW, Diether Deneke feierlich begonnen und endete 1985.

Als erstes wurde der Grundablass gebaut, durch den die Dhünn während der Bauphase des Damms ungehindert abfließen konnte. Umsiedlungs-, Abriss- und Rodungsarbeiten folgten. Danach wurden der Staudamm und die wassertechnischen Einrichtungen hergestellt. Nach einem zweieinhalbjährigen Probe- und Reinigungsaufstau von November 1984 bis April 1987 wurde die Talsperre am 30. September 1988 mit einer Einweihungsfeier offiziell in Betrieb genommen.

Mit der Vollendung der Großen Dhünntalsperre wurden sämtliche Versorgungsprobleme nachhaltig gelöst, sie ist sogar in die Notfallversorgung der Landeshauptstadt Düsseldorf eingebunden.

Im Jahre 1984 stürzte ein Hubschrauber in die Talsperre. Das Fluggerät wurde von der Flusspionierkompanie 850 der Bundeswehr geborgen.

Begriffserklärung und Namensgebung[Bearbeiten]

Der Name der Großen Dhünntalsperre leitet sich nicht von ihren Ausmaßen, sondern konventionsgemäß von ihrem Hauptzufluss, dem Bach Große Dhünn her.

Die ältere und kleinere Talsperre im Dhünntal wurde als Dhünntalsperre bezeichnet, obwohl sie nach der Namenskonvention auch Große Dhünntalsperre hätte heißen müssen, da sie alleine den Bach Große Dhünn staute. Diese Talsperre ist heute die Vorsperre Große Dhünn der jüngeren Großen Dhünntalsperre. Zur Unterscheidung zu der später gebauten Großen Dhünntalsperre wird sie manchmal auch als Kleine Dhünntalsperre im Sinne von kleiner als bezeichnet.

Der zweite Hauptzufluss der Großen Dhünntalsperre ist der Bach Kleine Dhünn. Gleichwohl dieser auch in der Vorsperre Kleine Dhünn der Großen Dhünntalsperre gestaut wird, ist diese nicht identisch mit der fälschlicherweise so bezeichneten Kleinen Dhünntalsperre, der älteren Dhünntalsperre.

Das Stausystem[Bearbeiten]

Zu- und Abflüsse[Bearbeiten]

Die Bäche Große Dhünn und Kleine Dhünn stellen die größten Zuflüsse dar. Die Große Dhünn entspringt nahe der Wipperfürther Ortschaft Peddenpohl, durchfließt geradlinig ihr bewaldetes Bachtal und vereint sich kurz vor der Talsperre mit dem Purder Bach. Die Kleine Dhünn entspringt bei Dreibäumen an der Grenze von Hückeswagen und Wermelskirchen und mündet kurz hinter der Wermelskirchener Ortschaft Dhünn in der Talsperre. Das durch die beiden Zuflüsse aufgespannte Dreieck ist nur dünn besiedelt, sehr waldreich und sorgt somit für eine hohe Qualität des Wassereintrags in die Talsperre. Um diesen Zustand weiter erhalten zu können, wurde das Areal als Wasserschutzzone IIb und III ausgewiesen.

Beide Zuflüsse werden in jeweils recht großen Vorsperren vorgestaut, wobei die Vorsperre Große Dhünn eine vormals eigenständige Talsperre stellte. Der Abfluss Dhünn ist der größte Nebenfluss der Wupper und mündet in Leverkusen in diese.

Weitere größere Zuflüsse sind: Frenkhausener Bach, Hohemühlenbach, Ledderbach, Oberstockberger Bach und Viersbach.

Sülzüberleitung[Bearbeiten]

Durch einen 3.100 Meter langen Überleitungsstollen mit einem Durchmesser von 3,35 m ist die Große Dhünntalsperre mit dem Flusssystem der Kürtener Sülz verbunden. Durch diese Zuleitung vergrößert sich der jährliche Zufluss von 44 Mio. m³ um weitere 12 Mio. m³ auf 56 Mio. m³. Der Überleitungsstollen beginnt bei der Kürtener Ortschaft Häcksbilstein und mündet in die Stauwurzel der Große Dhünn Vorsperre.

Aus der Kürtener Sülz wird im Durchschnitt nur an 200 Tagen im Jahr übergeleitet, da Wasser nur bei einer minimalen Durchflussmenge der Kürtener Sülz von 0,435 m³/s entnommen wird. Die maximale Überleitung beträgt 25 m³/s. Das Gefälle zwischen Einlass und Auslass beträgt 10 m, der Höhenzug zwischen den Bachtälern der Großen Dhünn und der Kürtener Sülz erhebt sich 90 m über dem Überleitungsstollen.

Vorsperren, Vor- und Zulaufbecken[Bearbeiten]

Die Talsperre besitzt neben den beiden Vorsperren Große Dhünn Vorsperre (Stauvolumen: 7,5 Mio. m³) und Kleine Dhünn Vorsperre (Stauvolumen: 0,4 Mio. m³) 15 weitere wasserwirtschaftliche Vorbecken und ökologische Zulaufbecken (Summenstauvolumen: 0,3 Mio. m³), die der Sedimentation und dem Natur- und Artenschutz dienen:

Damm der Vorsperre Große Dhünn
Der Staudamm
Vorsperren, Vor- und Zulaufbecken

(Im Uhrzeigersinn vom Damm aus gesehen)

Name Einzugsgebiet Stauinhalt
Zulaufbecken Engerfeld 0,47 km² 2.000 m³
Zulaufbecken Schaffeld 0,19 km² 13.600 m³
Zulaufbecken Malsberg 0,44 km² 3.200 m³
Zulaufbecken Hundhagen 0,38 km² 6.900 m³
Zulaufbecken Frenkhauser Bach 1,21 km² 12.000 m³
Vorsperre Kleine Dhünn 14 km² 0,4 Mio. m³
Zulaufbecken Am Rottfeld 0,21 km² 6.800 m³
Vorsperre Große Dhünn 30 km² 7,5 Mio. m³
Zulaufbecken Hutsherweg 0,28 km² 5.100 m³
Vorbecken Oberstockberg 0,73 km² 24.900 m³
Vorbecken Richerzhagen 1,02 km² 51.300 m³
Vorbecken Müllenberg/Viersbach 0,59 km² 63.300 m³
Vorbecken Hohemühle 2,08 km² 80.000 m³
Zulaufbecken Auf dem Örtgen 0,15 km² 2.200 m³
Zulaufbecken Große Heide 0,51 km² 37.400 m³
Zulaufbecken Eichholz 0,24 km² 4.900 m³
Zulaufbecken Breibacher Berg 0,16 km² 7.500 m³

Zweck der Talsperre[Bearbeiten]

Die Talsperre dient neben der Gewinnung von 42 Mio. m³ Trinkwasser pro Jahr zur Versorgung von ca. 500.000 Menschen auch der Niedrigwasseraufhöhung und dem Hochwasserschutz (8,5 Mio. m³ Rückhaltekapazität) für die Dhünn und das untere Wuppergebiet. Die gesteuerte Wasserentnahme aus der Kürtener Sülz dient ebenfalls dem Hochwasserschutz für deren Flusssystem.

Die Talsperre ist so dimensioniert, dass Überschusswassermengen regenreicher Jahre über einen langen Zeitraum aufgenommen werden können, um sie in regenarmen Jahren wieder abgeben zu können. Eine Talsperre mit dieser Art der Bevorratung wird auch Überjahresspeicher genannt.

Die Wasserentnahme unterteilt sich in folgende Kontingente:

Wasserversorgungsverband Rhein-Wupper (WVV)
  • 6,0 Mio. m³
Der WVV versorgt über die Trinkwasseraufbereitungsanlage Schürholz im nahen Wermelskirchen-Dabringhausen die Städte und Gemeinden Radevormwald, Leichlingen (Rheinland), Hückeswagen, Wermelskirchen, Burscheid und Odenthal.
Bergischer Trinkwasserverbund GmbH (BTV)

Staudamm und wassertechnische Einrichtungen[Bearbeiten]

Überfalltrichter vor dem Aufstau

Staudamm[Bearbeiten]

Das unterhalb der Wermelskirchener Ortschaft Lindscheid liegende Absperrbauwerk ist ein Steinschüttdamm mit Asphaltbeton-Kerndichtung. Die Steinschüttung ist geschichtet: Der Innenbereich besitzt eine maximale Korngröße von 300 mm Durchmesser, der Außenbereich eine maximale Korngröße von 600 mm.

Die Wasserseite ist mit gröberem Gestein dünn beschichtet und die dem Wasser abgewandte Seite wurde bepflanzt. Der Untergrund wurde mit einer Injektionsdichtung versehen. Die Krone ist 400 m lang und 8,5 m breit. An der Sohle ist die Staumauer 210 m breit.

Der Damm besitzt in der Herdmauer einen Kontrollgang und wird mittels eines komplexen Verbunds von Sensoren und Messpunkten ständig auf Standfestigkeit und Funktionssicherheit überprüft. Der Zugang in den Kontrollgang ist von beiden Enden des Staudamms sowie über einen Quergang von dem Tos- und Ausgleichsbecken unterhalb des Staudamms aus möglich.

Der Grundablass-Stollen besitzt ein Maulprofil mit den Maßen 4,00 x 2,54 m. Er ist in den Sockel des Rohwasserentnahmeturms eingebaut.

Hochwasserschutz[Bearbeiten]

Der Hochwasserentlastungsturm mit Überfalltrichter besitzt einen maximalen Durchmesser von 20 m, der sich zum Hochwasserentlastungs-Stollen hin auf vier Meter verjüngt. Strömungspfeiler und eine Entlüftungsvorrichtung sorgen für einen geregelten Überlauf in das Tosbecken.

Rohwasserentnahme[Bearbeiten]

Der Rohwasserentnahmeturm erhebt sich mit einer Höhe vom 66 m über Gründungssohle unweit des Überfalltrichters und der Staumauer aus dem Wasser. Er ist über eine 140 Meter lange Brücke erreichbar. Im Rohwasserentnahmeturm befinden sich in Abständen von fünf Metern Einlässe, die je nach Wasserqualität (Wassertemperatur, Leitfähigkeit, pH-Wert, Trübung und Sauerstoffgehalt) eine gesteuerte Entnahme aus unterschiedlichen Wasserhöhen erlauben. Das Wasser wird von hier aus dem hinter dem Damm liegenden Rohwasserpumpwerk zugeführt und von dort mit Hilfe von fünf Pumpen zur Aufbereitung in die Aufbereitungsanlagen bei der Wermelskirchener Ortschaft Dabringhausen-Schürholz gepumpt. Das Fernwassersystem besitzt drei Pumpwerke und eine Transportleitungslänge von 50 km.

Sonstiges[Bearbeiten]

Nahe dem Staudamm befindet sich das Betriebsgebäude des Wupperverbands, dem ein Informationszentrum angegliedert ist.

Ökologie[Bearbeiten]

Dem späten Bauzeitpunkt Ende des 20.Jahrhunderts ist es zu verdanken, dass in hohem Maße ökologische Aspekte bei der Errichtung berücksichtigt wurden. So wurden die Vor- und Zulaufbecken auch als Räume für Natur- und Artenschutz eingerichtet, wie z. B. in Form von Schwimminseln als Brutplätze für Wasservögel.

Die in einem Naturschutzgebiet gelegene Talsperre ist großflächig von einem 760 ha großen Wasserschutzwald (Wasserschutzzone IIa) umgeben, durch den eine große Anzahl von naturnahen, markierten Wanderwegen führen. Einzig diese Wanderwege sind von dem Betretungsverbot des 100 Meter breiten Schutzzonenstreifens (Wasserschutzzone I) um die Talsperre herum ausgenommen. Er dient neben dem Gewässerschutz auch als Ruhezone für die heimische Tier- und Pflanzenwelt.

Flora[Bearbeiten]

Breitblättriger Rohrkolben

Komplettiert wurden die Maßnahmen durch die Anpflanzung heimischer Wasser-, Schwimmblatt- und Sumpfpflanzen wie z. B. Binsen-, Röhricht-, Glanzgras-, Rohr- und Rohrkolbenbestände. Hochstaudenarten siedelten sich rasch an.

Der Wald besteht überwiegend aus Fichten- und Laubwaldbeständen. Bei den Laubwäldern dominieren Buchen-Eichenwälder (Fago-Quercetum), bodensaure Buchenwälder (Luzulo-Fagetum) und Birken-Eichenwälder (Betulo-Quercetum), sowie begrenzt in der Uferzone Birkenpionierwälder, Stieleichen, gelegentlich Traubeneichen und Erlen an den Bachläufen der Zuflüsse.

Im Unterwuchs der Laubwälder siedeln Adlerfarne, Heidelbeere, Pfeifengras und Drahtschmiele. Englischer Ginster hat eine kleine Freifläche südlich der Staumauer besiedelt.

In den ökologischen Zulaufbecken konnten das Kleine Laichkraut (Potamogeton berchtoldii) und Armleuchteralgen (Characeae nitella) nachgewiesen werden. Besenheiden oder Ginsterheiden erobern Uferhänge.

In Fachkreisen werden Funde seltener Pilze wie den Sommersteinpilz (Boletus reticulatus) und den Krummstieligen Schüppling (Pholiota tuberculosa) vermeldet. Über 30 Hutpilzarten wurden registriert.

Brachliegenden Feuchtwiesen in der Uferzone wurden von Adlerfarnherden, Schlangenknöterich, Hochstauden und Waldsimsenfluren besiedelt oder verbuschen.

Avifauna[Bearbeiten]

Flussregenpfeifer (Charadrius dubius)

Von den 80 Vogelarten, die an der Großen Dhünntalsperre brüten, stehen fast 20 auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten, darunter Arten wie Zwergtaucher, Baumfalke, Wespenbussard, Rotmilan, Schleiereule, Schwarzstorch, Schwarzspecht,Grünspecht, Grauspecht, Kleinspecht, Kolkrabe, Eisvogel, Flussregenpfeifer, Neuntöter, und Wasseramsel.

Im Laufe der Jahre sind die zum Schutz von Flora und Fauna angelegten Inseln in den ökologischen Vorstaubecken größtenteils verbuscht und verkrautet. Der Flussregenpfeifer (nebenstehendes Bild) brütet deshalb aktuell lediglich bei Niedrigwasser im Kiessubstrat der Spülflächen. 3-5 Paare können es in trockenen Jahren, besonders am Nordufer, sein.

Zu den interessanteren Durchzüglern und Wintergästen gehören Prachttaucher, Fischadler, Flussuferläufer, Trauerseeschwalbe, Gänsesäger, Zwergsäger, Grünschenkel, Rotschenkel, Raubwürger, Rohrweihe, Kornweihe, Schafstelze, Schwarzkehlchen, Braunkehlchen, Steinschmätzer, Waldwasserläufer, Bruchwasserläufer,

Herpetofauna[Bearbeiten]

Grasfrosch

Eigens eingerichtete Tümpel bilden eine Heimstatt für Amphibien. Weitere ökologische Maßnahmen sind Fels- und Geröllbiotope als Lebensraum für Reptilien, unterschiedlich gestaltete Uferzonen von Flachufern bis zu Steilufern und Flachwasserzonen.

Ichthyofauna[Bearbeiten]

Allerdings wirkt sich die Talsperre aus ökologischer Sicht für die Gewässerfauna zum Teil negativ aus. Die Talsperre als solche unterbricht den Lauf des Bachs Dhünns und bildet somit eine unüberwindliche Sperre für eine Fischwanderung in die Oberläufe. Der einst heimische Lachs wird trotz der umfangreichen Maßnahmen zur Ansiedlung im Rhein und den Nebenflüssen nicht seine bevorzugten Laichplätze im Oberlauf erreichen können, die Talsperre stellt eine scharfe Trennlinie zwischen der Gewässerfauna oberhalb und unterhalb der Staumauer dar.

Der Wassermengen- und Temperaturhaushalt des Abflusses Dhünn wird durch die Talsperre gravierend verändert. Besitzt die Wasserqualität im Abfluss beinahe Trinkwasserqualität, so ist das von dem Grundablass entnommene Wasser für die Dhünn aber zu kalt für eine Gewässerfauna, wie sie ohne diesen Eintrag vorhanden wäre. Die Niedrigwasseraufhöhung führt zu einer Änderung der Abflussdynamik und wirkt sich ebenfalls auf das Wander- und Besiedelungsverhalten aus.

In der Talsperre, sowie den Zuflüssen findet sich eine für den Gewässertyp (Nach Illies Epihithral, Metahithral und Hyporhithral) regionaltypische Besiedelung von Bachforellen und Groppen. Ohne Sperre wäre dieser Gewässertyp eher typisches Siedlungsgebiet für Lachs und Äsche mit einer reduzierten Anzahl von Individuen der heute vorherrschenden Arten.

Entomofauna[Bearbeiten]

Wasserläufer bei der Paarung

Unter anderem:

  • Libellen
Große Königslibelle (Anax imperator), Azurjungfern (Coenagrion spec.), Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea), Große Pechlibelle (Ischnura elegans)
  • Schmetterlinge
Großer Kohlweißling (Pieris brassicae), Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni), Brauner Waldvogel (Aphantopus hyperantus), Großes Ochsenauge (Maniola jurtina), Hesperia spec.
  • Käfer und Wanzen
Rückenschwimmer (Notonecta spec.), Wasserläufer (Gerris spec.), Taumelkäfer (Gyrinus spec.).

Säugetiere[Bearbeiten]

Es sind relevante Bestände von Feldhasen und Wildschweinen zu vermelden.

Versunkene Ortschaften[Bearbeiten]

Durch den Aufstau wurden mehrere Dörfer, Mühlen und Hofschaften überflutet und Verbindungsstraßen unterbrochen. Damit endete eine nachweislich 1000-jährige Siedlungsgeschichte im Dhünntal. Um das Jahr 1673 sind Pulvermühlen belegt. Von den 67 abgetragenen, teilweise historischen Gebäuden, wurden 25 landwirtschaftlich genutzt.

Für die 210 betroffenen Bewohner des Dhünntales, von denen sich viele bis zuletzt gegen die Umsiedelung gewehrt haben, sind Entschädigungen in Form von Rentenzahlungen und Ausgleichsgrundstücken geleistet worden. Kurz vor Beginn des Probestaus wurde ein großes Fest gefeiert, bei dem Tausende von Auswärtigen zusammen mit den Anwohnern Abschied nahmen.

Folgende Dörfer, Mühlen und Hofschaften sind versunken oder abgetragen:

Ausgemusterte Absperrklappe
Das Informationszentrum im Betriebsgebäude
Karte
Versunkene Orte und Straßen
Versunkene und/oder abgetragene Ortschaften
Dahl 51° 5′ 22″ N, 7° 13′ 59″ O51.0894444444447.2330555555556
(Abgetragen, in Wasserschutzzone II gelegen)
Dhün 51° 3′ 51″ N, 7° 11′ 40″ O51.0641666666677.1944444444444
Dhünnenburg 51° 4′ 44″ N, 7° 14′ 12″ O51.0788888888897.2366666666667
Doktorsdhünn 51° 4′ 35″ N, 7° 14′ 1″ O51.0763888888897.2336111111111
Eiberg 51° 3′ 57″ N, 7° 13′ 29″ O51.0658333333337.2247222222222
(Abgetragen, da in Wasserschutzzone I gelegen)
Eulen 51° 4′ 24″ N, 7° 14′ 47″ O51.0733333333337.2463888888889
(Vorsperre Große Dhünn bzw. Dhünntalsperre, abgetragen, da in Wasserschutzzone I)
Haaswinkel 51° 3′ 40″ N, 7° 12′ 28″ O51.0611111111117.2077777777778
Hohemühle 51° 3′ 4″ N, 7° 12′ 39″ O51.0511111111117.2108333333333
Großklev 51° 4′ 49″ N, 7° 14′ 35″ O51.0802777777787.2430555555556
(Abgetragen, da in Wasserschutzzone I gelegen)
Kesselsdhünn 51° 4′ 18″ N, 7° 13′ 36″ O51.0716666666677.2266666666667
Klevermühle 51° 5′ 20″ N, 7° 14′ 28″ O51.0888888888897.2411111111111
Kotten 51° 4′ 56″ N, 7° 15′ 52″ O51.0822222222227.2644444444444
Kotterlinde 51° 5′ 5″ N, 7° 15′ 33″ O51.0847222222227.2591666666667
(Abgetragen, da in Wasserschutzzone I gelegen)
Königsspitze 51° 4′ 13″ N, 7° 13′ 26″ O51.0702777777787.2238888888889
Malsberg 51° 4′ 28″ N, 7° 12′ 42″ O51.0744444444447.2116666666667
Plätzmühle 51° 3′ 55″ N, 7° 11′ 53″ O51.0652777777787.1980555555556
Pompelbusch 51° 3′ 50″ N, 7° 11′ 51″ O51.0638888888897.1975
Schaffeld (südliche Gebäude) 51° 4′ 20″ N, 7° 12′ 18″ O51.0722222222227.205
(In Wasserschutzzone I gelegene Teile)
Schirpendhünn 51° 4′ 20″ N, 7° 13′ 0″ O51.0722222222227.2166666666667
Siebelsmühle 51° 4′ 45″ N, 7° 15′ 32″ O51.0791666666677.2588888888889
(Vorsperre Große Dhünn bzw. Dhünntalsperre)
Strünken 51° 4′ 4″ N, 7° 11′ 5″ O51.0677777777787.1847222222222
(Von Staumauer überbaut)
Werth 51° 3′ 57″ N, 7° 11′ 34″ O51.0658333333337.1927777777778

Tourismus[Bearbeiten]

Der Wupperverband hat neben dem Schutz der Wassergüte auch das Erholungsbedürfnis der Bevölkerung berücksichtigt und einen eingeschränkten Zugang zur Talsperre zugelassen. Die Dämme der beiden großen Vorsperren und der Hauptsperre sind frei zugänglich und können zu Fuß überquert werden. Besucher können sich detailliert über die Talsperre im Informationszentrum informieren.

Die Nutzung der Talsperre ist auf fußläufige Aktivitäten beschränkt. Wassersportliche Aktivitäten, einschließlich Angeln, sind nicht gestattet.

In den Jahren 2007 und 2010 hat der Wupperverband gemeinsam mit dem Rheinisch-Bergischen Kreis die Veranstaltung „unverDHÜNNt“ ausgerichtet. Dabei wurden neben einem umfangreichen Rahmenprogramm geführte Wanderungen innerhalb der Wasserschutzzone I ermöglicht, die sonst nicht zugänglich ist. An den Veranstaltungen nahmen bis zu 15.000 Besucher teil. Für den 15. September 2013 ist eine Neuauflage von unverDHÜNNt geplant.[1]

Wandermöglichkeiten[Bearbeiten]

Neben den markierten Wanderwegen des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV) hat der Wupperverband eigene Wanderwege ausgewiesen, Informationstafeln aufgestellt und eine Wanderkarte herausgegeben. Zahlreiche eigens eingerichtete Wanderparkplätze umgeben die Talsperre.

  • Zu den vom Wupperverband ausgewiesenen Wanderwegen gehören unter anderem Rundwanderwege um die beiden Vorsperren und um die gesamte Talsperre herum. Dieser Weg ist mit 40 km Weglänge ob seiner Länge aber nur ambitionierteren Wanderern zu empfehlen.
  • Eine Vielzahl von markierten kleineren Ortsrundwanderwegen der einzelnen SGV Abteilungen der umgebenden Städte berühren die Talsperre oder führen durch deren Schutzwald.
  • Die Hauptwanderstrecke X29 des Sauerländischen Gebirgsvereins, Bergischer Weg genannt, überquert den Staudamm und begleitet anschließend auf vielen Kilometern die westliche Talsperre bis zum Vorlaufbecken Hohemühle.
  • Der SGV Wanderweg rund um die Stadtgrenze Kürtens, Kürtenring genannt, folgt der gesamten südlichen Uferlinie der Talsperre und der Vorsperre Große Dhünn.
  • Der SGV Wanderweg rund um die Stadtgrenze Wermelskirchens folgt der fast gesamten nördlichen Uferlinie der Talsperre und der Vorsperre Kleine Dhünn.
  • Der SGV Wanderweg von Schloss Burg zur Wermelskirchener Ortschaft Halzenberg verläuft auf dem nördlichen Uferweg der Vorsperre Große Dhünn.

Im Sommer 2013 wurde ein neuer Rundweg um die Vorsperre eröffnet.[2]

Talsperrenführungen[Bearbeiten]

Der Wupperverband bietet regelmäßig Talsperrenführungen an. Jährlich lernen auf diese Art und Weise 3.000 bis 4.000 Gäste aus aller Welt das Gewässer kennen. Diese Führungen richten sich auch verstärkt an Schulklassen der Region.

Panoramaansicht, vom Staudamm aus gesehen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Informationsbroschüren und Kartografie[Bearbeiten]

  • Festschrift zur Einweihung der Dhünntalsperre: 14. Juni 1962, herausgegeben vom Wupperverband
  • Inbetriebnahme Große Dhünn-Talsperre und Fernwasserversorgung Große Dhünn-Talsperre, Hrsg.: Energieversorgung Leverkusen; Wuppertaler Stadtwerke; Wupperverband, 1988
  • Informationsbroschüre „Große Dhünntalsperre“ des Wupperverbands
  • Wanderkarte 1:15.000 mit Erläuterungen „Wandern um die große Dhünn-Talsperre“, herausgegeben vom Wupperverband

Siedlungsgeschichte[Bearbeiten]

  • Rech, Manfred: Ausgrabungen im Bereich der Großen Dhünntalsperre bei Wermelskirchen-Dabringhausen, Rhein.-Berg. Kreis. In: Ausgrabungen im Rheinland / Rheinisches Landesmuseum Bonn, 1983
  • Soechting, Dirk: Frühe Besiedlung im Bereich der Großen Dhünn-Talsperre. In: Romerike Berge, 1990
  • Jeremias, Martin; Schmidt-Goertz, Ursula: Die Dhünntalsperre spült die Jahrtausende frei : neue Bodenfunde bei Niedrigwasser; Forschungen werden fortgesetzt. In: Rhein.-Berg. Kalender 66. 1996 (1995) S. 57-64 : Ill.
  • Breidenbach,N.J., Loosenau, in: Altenberger Blätter, Heft 35, Odenthal 2006
  • Breidenbach,N.J., Der Königsspitzer Hof bei Kürten, in: Kürtener Schriften, Hrsg. Kürtener Geschichtsverein, Heft 6, Kürten 2007
  • Jendrischewski,M., Menschen und Geschichte(n) einer versunkenen Landschaft, die Hofschaften des oberen Dhünntals, Verlag Jendrischewski, Lindlar 2009, ISBN 978-3-00-029572-0

Ökologie[Bearbeiten]

  • Borggreve: Forstlicher Fachbeitrag zum Landschaftsplan der Großen Dhünntalsperre, Teilgebiet 3 des Rhein.-Bergischen Kreises gemäß [Paragraph] 17 Abs. 3 Landschaftsgesetz NW. Staatliches Forstamt Königsforst: Höhere Forstbehörde Rheinland, Bonn, 1978
  • Osing, Hartmut: Die Große Dhünntalsperre und ihre Vogelwelt : Überraschungen zwischen Wasser, Ufern, Kies und Wald; eine Bilanz. In: Rhein.-Berg. Kalender 64. 1994 (1993) S. 36-42 : Ill.
  • Schmitz, Michael; Osing, Hartmut: Auswirkungen der Errichtung von Wupper- und Großer Dhünn-Talsperre auf die Avifauna : mit Anmerkungen zur Funktion der Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, 1999
  • Osing, Hartmut: "Der Flussregenpfeifer" Verlag Natur und Wissenschaft Solingen 1993

Hydrologie und Geologie[Bearbeiten]

  • Kisseler, H.: Trinkwasserversorgung aus der Großen Dhünn-Talsperre : Übergang von d. Bauphase zur Betriebsphase. In: Kommunalwirtschaft, 1984
  • Horn, Manfred; Mencke, Jürgen; Paproth, Eva: Vorläufige Mitteilung über Gesteinsuntersuchungen im Sülz-Überleitungsstollen zur Großen Dhünn-Talsperre im Rheinisch-Bergischen Kreis. In: Der Niederrhein, 1986
  • Karagüzel, Remzi: Über Gebirgsdurchlässigkeit und Untergrundinjektionen an der Grosse Dhünn-Talsperre und ihren Vorsperren, Aachen : Lehrstuhl für Ingenieurgeologie u. Hydrogeologie d. RWTH, 1989

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. unverDHÜNNt - Natur pur! Rheinisch-Bergischer Kreis, abgerufen am 11. August 2013.
  2. Wandererlebnis rund um die Vorsperre - Der Rundweg um die Vorsperre Große Dhünn ist eröffnet. Rheinisch-Bergischer Kreis, abgerufen am 11. August 2013.
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51.0741666666677.2138888888889Koordinaten: 51° 4′ 27″ N, 7° 12′ 50″ O