Große Raubmöwe

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Große Raubmöwe
Skua auf der norwegischen Vogelinsel Runde

Skua auf der norwegischen Vogelinsel Runde

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
Familie: Raubmöwen (Stercorariidae)
Gattung: Stercorarius
Art: Große Raubmöwe
Wissenschaftlicher Name
Stercorarius skua
Brünnich, 1764
Skua auf der norwegischen Vogelinsel Runde
Skua über der schottischen Vogelschutzinsel Handa
Aggressionsverhalten
Flugbild
Brutplatz auf Island

Die Große Raubmöwe (Stercorarius skua), oft kurz, aber mehrdeutig Skua genannt, ist ein Meeresvogel aus der Familie Stercorariidae. Genetische Studien haben eine weitgehende Übereinstimmung zwischen Großer Raubmöwe und Schmarotzerraubmöwe ergeben.

In Mitteleuropa ist die Große Raubmöwe ganzjährig an den Küsten zu beobachten. Am häufigsten ist sie im Zeitraum August bis November zu sehen, während Beobachtungen im Frühjahr seltener sind. In den letzten Jahren hat die Zahl der Beobachtungen sowie die Aufenthaltsdauer der beobachteten Vögel zugenommen. Dies steht möglicherweise in einem Zusammenhang mit der Zunahme an Großmöwen an den mitteleuropäischen Küsten, denen die Große Raubmöwe regelmäßig das Futter raubt und die so eine Funktion als „Nahrungs-Lieferant“ haben.[1]

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Große Raubmöwe erreicht eine Körperlänge von 51 bis 56 Zentimeter und hat eine Flügelspannweite von 125 bis 140 cm. Die Männchen wiegen zwischen 1.170 und 1.500 Gramm, die Weibchen dagegen zwischen 1.300 und 1.650 Gramm. Erwachsene Tiere der großen Raubmöwe haben ein graubraunes Gefieder mit rostroten Strichen und einer schwarzen Kappe. Der Schwanz ist schwarzbraun mit zwei verlängerten Federn in der Mitte. Der Schnabel und die Füße sind fast schwarz.

Die Große Raubmöwe ist ein Brutvogel der subarktischen und arktischen Regionen der West-Paläarktis. Die Brutgebiete liegen auf Island, in Norwegen, der Kola-Halbinsel, auf Nowaja Semlja, auf schottischen Inseln und auf den Färöern, woher auch der Name Skua stammt (siehe Wiktionary). Die Überwinterungsgebiete dieser Art liegen an der Atlantikküste. Sie erreichen in dieser Zeit aber auch die Küsten Brasiliens und Neufundlands und halten sich auch im westlichen Mittelmeerraum auf.

Verhalten[Bearbeiten]

Nichtbrüter halten sich ganzjährig und Brutvögel außerhalb der Brutzeit auf dem Meer auf. Es sind tagaktive Vögel, die ihre Nahrung überwiegend in küstennahen Gewässern sowie am Strand oder im unmittelbaren Küstenbereich finden. Ihre Brutplätze liegen in der Regel in der Nähe großer Seevogelkolonien wie beispielsweise Basstölpel oder anderen Möwenarten. Ihre Geschlechtsreife erreichen die Großen Raubmöwen frühestens mit vier bis fünf Lebensjahren, häufig aber erst mit sechs bis acht Jahren. Sie führen eine monogame Saisonehe. Da sie sehr Brutplatztreu sind, kommt es häufig auch in der nächsten Fortpflanzungsperiode zu einer Verpaarung mit dem Partner des Vorjahres. Das Gelege besteht gewöhnlich aus zwei Eiern, die mit einem Abstand von zwei bis drei Tagen gelegt werden. Die Brutdauer beträgt 28 bis 30 Tage. Beide Elternvögel brüten, wobei der Brutanteil des Weibchens gewöhnlich größer ist. Die Jungvögel werden von beiden Elternvögeln betreut. Sie sind mit etwa 40 bis 46 Tagen flügge und nach weiteren zwei bis drei Wochen selbständig.[2]

Genau wie andere Skuas greift diese Raubmöwe Menschen an, die sich ihrem Nest zu stark nähern, und fliegt dabei Attacken auf den Kopf des Eindringlings. Die dabei erlittenen Verletzungen sind für den Menschen schmerzhaft, aber nicht bedrohlich. Den Winter verbringen diese Vögel auf dem offenen Atlantik.

Nahrungsweise[Bearbeiten]

Die Nahrung besteht überwiegend aus Fisch, den sie häufig von anderen Meeresvögeln rauben. Daneben jagen sie auch kleinere Meeresvögel. Größere Vögel, wie z. B. den Basstölpel, berauben sie, indem sie die Flügel mit den Krallen attackieren. Der so gehandicapte Vogel stürzt ins Meer und wird weiter angegriffen, bis er seine Beute aufgibt.

Bestand und Bestandsprognosen[Bearbeiten]

Bestand[Bearbeiten]

Der europäische Bestand wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts auf 16.000 Brutpaare geschätzt.[1] Der Weltbestand liegt nur geringfügig darüber. Die wichtigsten Brutgebiete sind Großbritannien, wo etwa 9.600 Paare brüten sowie Island mit 5.400 Brutpaaren. Im Norden Skandinaviens und Russlands findet eine Arealausweitung statt.[1]

Bestandsprognose[Bearbeiten]

Die Große Raubmöwe gilt als eine der Arten, die vom Klimawandel besonders betroffen sein wird. Ein Forschungsteam, das im Auftrag der britischen Umweltbehörde und der Royal Society for the Protection of Birds die zukünftige Verbreitungsentwicklung von europäischen Brutvögeln auf Basis von Klimamodellen untersuchte, geht davon aus, dass bis zum Ende des 21. Jahrhunderts das Verbreitungsgebiet der Großen Raubmöwe um ein Drittel schrumpfen wird. Das Verbreitungsgebiet verschiebt sich gleichzeitig deutlich nach Norden und überlappt sich nach dieser Prognose mit dem aktuellen nur um 18 Prozent. Neue potentielle Verbreitungsgebiete stellt möglicherweise die Region bis zum Franz-Josef-Land dar.[3]

Belege[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Günther Bauer, Einhard Bezzel und Wolfgang Fiedler (Hrsg): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas: Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz. Band 1: Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel, Aula-Verlag Wiebelsheim, Wiesbaden 2005, ISBN 3-89104-647-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: skúgvur – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Stercorarius skua – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. a b c Bauer et al., S. 557
  2. Bauer et al., S. 558
  3. Brian Huntley, Rhys E. Green, Yvonne C. Collingham, Stephen G. Willis: A Climatic Atlas of European Breeding Birds, Durham University, The RSPB and Lynx Editions, Barcelona 2007, ISBN 978-84-96553-14-9, S. 209