Große Säuberung

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Die Große Säuberung (russisch: Большая чистка, Bolschaja Tschistka) war eine Reihe von Gewaltmaßnahmen in den Jahren 1935 bis 1939, die der sowjetische Diktator Josef Stalin in der Sowjetunion initiierte. Sie stellt den Höhepunkt der sogenannten Stalinschen Säuberungen dar.

Die Große Säuberung betraf nicht nur die Kommunistische Partei der Sowjetunion, sondern den gesamten sowjetischen Staatsapparat und wird aufgrund der verwendeten Methoden auch als der Große Terror bezeichnet. Andere Namensgebungen sind Große Tschistka (russ. Tschistka „Säuberung“[1]) und Jeschowschtschina („die Zeit Jeschows“, nach dem Leiter des Staatssicherheitsdienstes NKWD ab 1936, Nikolai Jeschow).

In jenen Jahren fielen etwa 1.000 Menschen pro Tag den „Säuberungen“ zum Opfer und wurden hingerichtet. Schätzungen gehen von über 700.000 Todesopfern aus, über eine Million wurde in die Lager des GULag deportiert.[2]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Politbüro

Von den sieben Mitgliedern des ursprünglichen (vorläufigen) Politbüros der Bolschewiki in der Zeit der Oktoberrevolution von 1917 bis 1919 war Stalin der einzige, der am Leben blieb. Lenin war bereits 1924 verstorben, vier andere – Kamenew, Krestinski, Bubnow und Sokolnikow – wurden inhaftiert und exekutiert bzw. in der Haft ermordet; der sechste, Leo Trotzki, ging nach Mexiko ins Exil, nachdem er aus der Partei ausgeschlossen worden war, und wurde 1940 durch einen sowjetischen Agenten ermordet.

Alle weiteren Mitglieder des dann folgenden Politbüros von 1919 bis 1924 – also bis Lenins Tod – mit Serebrjakow, Preobraschenski, Bucharin, Sinowjew, Rykow und Tomski fielen ebenfalls der Stalinschen „Säuberung“ zum Opfer.

Aber auch die Politbüromitglieder Rudsutak, Kossior und Tschubar, die in der Stalinzeit in das Politbüro gewählt wurden, waren Opfer Stalins.

Von den 25 Politbüromitgliedern bis zum Beginn der „Säuberung“ im Jahr 1936 überlebten nur sieben diese Zeit: Stalin, Molotow, Kalinin, Woroschilow, Kaganowitsch, Andrejew und Mikojan.

[Bearbeiten] Partei

90% derjenigen Parteigenossen, die 1934 am Parteitag der Sieger als Delegierte teilgenommen hatten, wurden Opfer der „Säuberungen“, darunter auch der Großteil der Funktionäre und Minister. Von 42 Delegierten wurden 23 verhaftet und kamen beinahe alle um. Trotzdem waren die Prozesse und Exekutionen der früheren Führer der Bolschewiki aber nur ein kleiner Teil der „Säuberungen“.

[Bearbeiten] Militär

Ebenfalls extreme Ausmaße nahm die „Säuberung“ im Militär an. So wurden 90% der Generäle und mehr als 60% der Offiziere hingerichtet und durch bedingungslos Stalintreue ersetzt. Die Rote Armee befand sich danach in einem katastrophalen Zustand. Es mangelte auf allen Ebenen an erfahrenen und fähigen Führungskräften, zudem wurden wichtige Pläne und Entscheidungen durch die allgegenwärtigen Politkommissare pervertiert. Die Folge waren das Desaster im finnischen Winterkrieg und die verheerenden Niederlagen im ersten Kriegsjahr gegen Deutschland.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Wadim S. Rogowin: Die Partei der Hingerichteten. Arbeiterpresse Verlag, Essen 1999, ISBN 3-88634-072-4
  • Karl Schlögel: Terror und Traum. Moskau 1937. Carl Hanser Verlag, München 2008, ISBN 978-3-446-23081-1

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Eintrag „Tschistka“. In: Duden - Das große Fremdwörterbuch: Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich: Dudenverlag 2003.
  2. Der Große Terror in der UdSSR 1936-38 im Wissenschaftskolleg zu Berlin
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