Große Tonnenschnecke

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Große Tonnenschnecke
Tonna galea, aus 5 m Tiefe auf Sand, Vouliagmeni (Βουλιαγμένη), Griechenland

Tonna galea, aus 5 m Tiefe auf Sand, Vouliagmeni (Βουλιαγμένη), Griechenland

Systematik
Unterordnung: Hypsogastropoda
Teilordnung: Littorinimorpha
Überfamilie: Cassoidea
Familie: Tonnenschnecken (Tonnidae)
Gattung: Tonna
Art: Große Tonnenschnecke
Wissenschaftlicher Name
Tonna galea
(Linnaeus, 1758)

Die Große Tonnenschnecke oder Große Fassschnecke (Tonna galea) ist eine Schnecke aus der Familie der Tonnenschnecken (Tonnidae), die im Atlantik, Mittelmeer und gesamten Indopazifik verbreitet ist. Sie ernährt sich von Stachelhäutern.

Merkmale[Bearbeiten]

Gehäuse von Tonna galea, verschiedene Ansichten

Das blass braungelbe Schneckenhaus von Tonna galea hat einen sehr bauchigen, fast kugeligen Körperumgang, aus dem das Gewinde nur wenig hervorragt. Die Umgänge sind an den Nähten eingebogen und gefurcht. Wie bei allen Tonnenschnecken ist das Gehäuse dünnwandig und mit konvexen Rippen versehen, die den Umgängen folgen, so dass der Gehäuserand wellig ist. Sie wechseln nach vorn mit kleineren Rippen ab. Das Haus erreicht bei ausgewachsenen Schnecken 15 bis 25, zuweilen 35 cm Länge. Der sehr große Fuß und der Kopf sind ebenso wie die Proboscis (Rüssel) und der Sipho weiß mit schwarzen Sprenkeln. Der Sipho wird in der Regel nach hinten über das Haus geklappt. Die Proboscis ist über die Hauslänge hinaus ausstreckbar.[1]

Verbreitung[Bearbeiten]

Der Große Tonnenschnecke ist in warmen Meeren weltweit verbreitet und tritt im Mittelmeer, Karibischen Meer, Golf von Mexiko, Atlantischen, Indischen Ozean und Westlichen Zentralpazifik auf.[2][3] Sie ist die größte Schneckenart des Mittelmeers.

Lebensraum[Bearbeiten]

Große Tonnenschnecken leben auf Schlamm, Sand oder Kalk, auch Korallenriffen, von 5 bis 80 Meter Tiefe.[2]

Lebenszyklus[Bearbeiten]

Wie andere Vorderkiemerschnecken ist Tonna galea getrenntgeschlechtlich. Das Weibchen legt die Eier in etwa 30 cm langen, 5 bis 8 cm breiten und 1,6 bis 1,9 mm dicken gelatinösen Bändern ab, die aus etwa 2 bis 3 mm großen Eikapseln bestehen. Eine Eikapsel enthält nach Messungen an Tonnenschnecken in Indien etwa 95 bis 110 Eier mit einem Durchmesser von etwa 217-234 µm, die sich fast alle zu Embryonen entwickeln. Etwa 15 bis 17 Tage nach Eiablage schlüpfen aus der Kapsel die Veliger-Larven, die eine etwa 418 µm große braune Schale haben.[4] Bis zur Metamorphose zur fertigen Schnecke machen die Larven eine mehrmonatige pelagische Periode durch, die zur erheblichen Verbreitung der Schnecke beiträgt.

Nahrung[Bearbeiten]

Tonna galea ernährt sich von Stachelhäutern. Bevorzugte Beute sind Seegurken, darunter Holothuria tubulosa und Holothuria sanctori. Die Beute wird mit dem sauren Speichel der Schnecke betäubt, der zwei- bis vierprozentige freie Schwefelsäure sowie Asparaginsäure enthält, und das Kalkskelett aufgelöst. Der Fressvorgang kann mehrere Minuten dauern.[5][6][7]

Bedeutung für den Menschen und Gefährdung[Bearbeiten]

Die Große Tonnenschnecke wird wegen ihres Fleisches und wegen des Gehäuses gesammelt. Darüber hinaus wird sie durch Schleppnetze gefährdet, in denen sie oft Beifang bildet. So kann der Mensch als ein Hauptfeind gelten. Wegen ihrer räuberischen Lebensweise reagiert die Tonnenschnecke empfindlich auf Veränderungen des ökologischen Gleichgewichts. Deshalb ist Tonna galea im Mittelmeer gefährdet. Sie ist nach der Bundesartenschutzverordnung und der Berner Konvention geschützt. Weltweit wird sie allerdings bisher nicht in der Roten Liste aufgeführt.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. C. Brüggemann (1838): Die Naturgeschichte in getreuen Abbildungen und mit ausführlicher Beschreibung derselben. Verlag von Eduard Eisenach, Leipzig 1838. Die Weichthiere, S. 66. e) Tonne (Dolium).
  2. a b Sealifebase: Tonna galea (Linnaeus, 1758), giant tun
  3. World Register of Marine Species, World Marine Mollusca database: Tonna galea (Linnaeus, 1758)
  4. A. V. Natarajan (1957): Studies on the egg masses and larval development of some prosobranchs from the Gulf of Mannar and the Palk Bay. Proceedings of the Indian Academy of Sciences, vol. 46 (3) (1957),pp. 170-228. Dolium: pp. 187 (PDF; 242 kB), 188 (PDF; 236 kB), 189 (PDF; 175 kB), 190 (PDF; 267 kB). DOI: 10.1007/BF03052428
  5. Richard Semon (1890): Über den Zweck der Ausscheidung von freier Schwefelsäure bei Meeresschnecken. Biologisches Centralblatt 9, Seite 80.
  6. Hermann Weber (1927): Der Darm von Dolium galea L., eine vergleichend anatomischer Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung der Tritoniumarten. Zeitschrift für Morphologie und Ökologie der Tiere Nr. 8, Seite 663-804.
  7. F. Bentivegna & A. Toscano (1991): Observation au laboratoire sur le comportement alimentaire de trois espèces de la superfamille Tonnoidea (Mollusca, Gastropoda). Revue Française d'Aquariologie Herpetologie, 18: 33-38.
  8. Fischhaus Zepkow: Familie Tonnidae - Tonnenschnecken

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Große Tonnenschnecken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien