Großengottern

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Großengottern
Großengottern
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Großengottern hervorgehoben
51.14611111111110.563888888889182Koordinaten: 51° 9′ N, 10° 34′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Unstrut-Hainich-Kreis
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Unstrut-Hainich
Höhe: 182 m ü. NHN
Fläche: 19,26 km²
Einwohner: 2226 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 116 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99991
Vorwahl: 036022
Kfz-Kennzeichen: UH, LSZ, MHL
Gemeindeschlüssel: 16 0 64 018
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktstr. 48
99991 Großengottern
Webpräsenz: Website der VG
Bürgermeister: Thomas Karnofka (parteilos)
Lage der Gemeinde Großengottern im Unstrut-Hainich-Kreis
Altengottern Anrode Bad Langensalza Bad Langensalza Bad Tennstedt Ballhausen Blankenburg Bothenheilingen Bruchstedt Dünwald Flarchheim Großengottern Großvargula Haussömmern Herbsleben Heroldishausen Hornsömmern Issersheilingen Kammerforst Kammerforst Kirchheilingen Kleinwelsbach Klettstedt Körner Kutzleben Vogtei Marolterode Menteroda Mittelsömmern Mühlhausen Mülverstedt Neunheilingen Vogtei Vogtei Vogtei Obermehler Oppershausen Oppershausen Rodeberg Schlotheim Schönstedt Schönstedt Südeichsfeld Sundhausen Tottleben Unstruttal Urleben Weberstedt WeinbergenKarte
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Großengottern ist eine Gemeinde im Unstrut-Hainich-Kreis in Thüringen. Die Gemeinde ist Verwaltungssitz der Verwaltungsgemeinschaft Unstrut-Hainich, die außerdem die Orte Altengottern, Flarchheim, Heroldishausen, Mülverstedt, Schönstedt und Weberstedt umfasst.

Geografie[Bearbeiten]

Großengottern liegt im nördlichen Thüringer Becken zwischen den beiden Städten Mühlhausen und Bad Langensalza. Die Ortslage von Großengottern liegt im Bereich des Innerthüringer Ackerhügellandes, der Norden und mit dem "Gotternschen Ried" auch der Osten der Ortsgemarkung in der Unstrutaue zwischen Mühlhausen und Bad Langensalza. Die höchste Erhebung liegt daher mit 220 m NN am Kammerforster Weg westlich des Ortes, die tiefste bei etwa 173 m NN an der Unstrut im äußersten Osten der Gemarkung. Weitere Erhebungen sind zwei ehemalige Prallhangbereiche der Unstrut, der 193,3 m hohe Hopfenberg nordöstlich und der 193,6 m hohe Schalkenberg südöstlich des Ortes. Die Gotternsche Flur wird überwiegend landwirtschaftlich genutzt, es überwiegt Ackerbau. Pappelforsten befinden sich am Südrand des "Gotternschen Riedes" und mit der Talsperre Großengottern, ein ursprünglich für die Bewässerung der Felder angelegtes Speicherbecken.

Geschichte[Bearbeiten]

Urkundlich erwähnt wird der Ort erstmals im Jahr 811. Nach Wolfgang Kahl fand die urkundliche Ersterwähnung von Großengottern am 13. März 1253 statt.[2]

Im Bereich des Walpurgisfriedhofes befand sich einst eine Burgstelle. Die Kirche und der Friedhof befinden sich höchstwahrscheinlich auf dem Platz der mittelalterlichen Herrenburg. Das Torhaus vom Friedhof 1580 und der Kirchturm, 1494 erbaut, zeigen noch die Wehrhaftigkeit des Areals.[3] Der Mülverstedter Konvent des Wilhelmitenordens erwarb bereits vor 1400 ein Grundstück in Großengottern, um hier ein Hospital einzurichten. Aus dieser Anlage ging die Dorfkapelle St. Andreas hervor. Die Anlage wurde im 18. und 19. Jahrhundert durch Umbauten weiter verändert. Die Herren von Hopffgarten hatten das Anwesen zu einem Altersheim umgestaltet. Als letzte Bewohnerin ist eine als Katzenbertha bekannte Frau nachweisbar. Eine museale Nutzung wurde bereits 1958 durch die Gemeinde angestrebt.[4]

Großengottern war 1659–1696 von Hexenverfolgung betroffen. Neun Frauen und ein Mann gerieten in Hexenprozesse. Martha, Frau von Caspar Beutler, alias die Rückmesserin, wurde 1660 verbrannt.[5]

Am 4. März 1949 explodierte ein viermotoriges US-Versorgungsflugzeug für die Berliner Luftbrücke und stürzte zwischen Großengottern und Heroldishausen ab. Vier der fünf Besatzungsmitglieder konnten sich mit Fallschirmen retten, der Leutnant R. C. Stephens verlor das Leben. Er wurde 1999 durch Errichten einer Gedenktafel in der Nähe der Absturzstelle an einer Straße geehrt. Zur Zeit der DDR wurde der Absturz, soweit möglich, geheimgehalten.[6]

Kirchen[Bearbeiten]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Rat der Gemeinde Großengottern besteht aus 14 Ratsfrauen und Ratsherren.

  • CDU 2 Sitze
  • FDP 3 Sitze
  • Freie Wählergemeinschaft FWG - Für unser Großengottern - 9 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 7. Juni 2009)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der ehrenamtliche Bürgermeister Thomas Karnofka wurde am 6. Juni 2010 wiedergewählt.[7]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Evangelische Kirchen St. Martini und St. Walpurgis mit Pfarrhaus und Torweg zum Kirchhof
  • Das ehemalige Spital „St. Andreaskapelle“ bestand aus dem Spitalhaus, der Kapelle und zwei Nebengebäuden. Bei der Kapelle handelte es sich um einen eingeschossigen Bau mit Satteldach. Über dem Westgiebel erhebt sich ein kleiner Glockenturm.[4]
  • Dorfmuseum mit Rest einer Kursächsischen Postmeilensäule von 1729 im Hof. Der Ort hatte damals zum Herzogtum Sachsen-Weißenfels gehört. Das Dorfmuseum ist Teil einer größeren Anlage mit Ausstellung auch alter Landmaschinen und Trecker auf dem Gelände des "Hornhardtschen Ritterguts". Zu sehen sind auch zwei der vier Motoren eines am 4. März 1949 bei Großengottern abgestürzten amerikanischen "Rosinenbombers", der für die Luftbrücke von Westdeutschland in das von der Roten Armee blockierte Westberlin unterwegs war.
  • Kriegerdenkmal für die Gefallenen beider Weltkriege
  • Gedenktafel für einen beim Absturz eines US-amerikanischen "Rosinenbombers" im März 1949 ums Leben gekommenen Flieger. Das 1999 errichtete Denkmal befindet sich etwa 3 km westlich von Großengottern am Kammerforster Weg, kurz vor dessen Kreuzung mit der Straße von Heroldishausen nach Seebach.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Großengottern hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Gotha–Leinefelde. Durch den Ort führt die Bundesstraße 247, die eine gute Verkehrsanbindung gewährleistet, aber eine starke Belastung darstellt. Eine Ortsumgehung wurde dem Dorf bereits 1991 zugesagt, aber bisher (2014) nicht realisiert.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

  • Creaton AG, Hersteller von Tondachziegeln
  • F&T Solarpark Großengottern: errichtete 2010 für 6,5 Mio Euro auf einer Fläche von 4,45 Hektar bei Großengottern eine Photovoltaikanlage, die eine jährliche Leistung von 2 Mio. Kilowattstunden erbringen soll.[8]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Als Zeugnisse eines derben Volkshumors bildeten sich bereits vor Jahrhunderten Besonderheiten des jeweiligen Dorfes charakterisierende Neck- und Spitznamen heraus. Demnach lebten hier im Ort Grotengottersche Zippeltrater - Zwiebeltreter, auch Zippellatscher - Grund: im Ort war Zwiebelanbau weit verbreitet, damit diese nicht blühen wurden die Zwiebel umgetreten. Als Gottersche Bratwurst wird die Gewürzgurke bezeichnet.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 101.
  3. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 263.
  4. a b  N.N.: VG Unstrut-Hainich Großengottern. Dorfkirche St. Andreas. In: Moment. Das Magazin. Nummer 03/2005, Sonsdruck, Bad Langensalza, S. 23-24.
  5. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 522-531; Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 253.
  6. Claudia Götze:Rosinenbomber sind in der Erinnerung weiterhin verankert. Auch 65 Jahre nach Absturz ist humanitäre Hilfe amerikanischer Luftbrücken-Piloten nicht vergessen. Thüringische Landeszeitung, 3. März 2014
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatKommunalwahlen in Thüringen am 6. Juni 2010. Wahlen der Gemeinde- und Stadtratsmitglieder. Vorläufige Ergebnisse. Der Landeswahlleiter, abgerufen am 6. Juni 2010.
  8. 6,5 Millionen Euro für Solaranlage. Thüringische Landeszeitung, 10. April 2010
  9. Rolf Aulepp: Spitznamen der Orte und ihrer Bewohner im Kreise Mühlhausen. In: Eichsfelder Heimathefte, Heft 1, Heiligenstadt 1987, S. 78-83.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Großengottern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien