Großer Garten (Dresden)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Übersichtskarte des Großen Garten
Luftbildaufnahme des Großen Gartens

Der Große Garten in Dresden ist ein Park barocken Ursprungs. Die heutige größte Parkanlage der Stadt wurde ab 1676 auf Geheiß des Kurfürsten Johann Georg III. angelegt und im Laufe seiner Geschichte mehrfach erweitert, so dass er heute einen annähernd rechteckigen Grundriss auf einer Fläche von circa 1,8 Quadratkilometern aufweist. Seine Längsausdehnung beträgt etwa 1900 Meter, die Breite erreicht maximal 950 Meter. Im Zentrum des Parks befindet sich als bedeutendstes Bauwerk das nach einem Entwurf Johann Georg Starckes um 1680 errichtete Palais. Der Große Garten wurde im Laufe seiner dreihundertjährigen Geschichte vielfach überformt, so dass die barocke Grundstruktur zwar bis heute erkennbar geblieben ist, aber von einem Barockgarten im engeren Sinne nicht mehr gesprochen werden kann.

Lage[Bearbeiten]

Der Große Garten vom Lennéplatz aus gesehen

Der Große Garten befindet sich ca. 1,2 Kilometer östlich des Dresdner Stadtzentrums und ist mit diesem durch die Bürgerwiese verbunden. Er liegt in der Gemarkung Altstadt II, gehört zum statistischen Stadtteil Seevorstadt-Ost/Großer Garten und mit diesem zum Ortsamtsbereich Altstadt. Ursprünglich auf unbebautem Gebiet vor den Toren der Stadt errichtet, wird der Große Garten heute im Uhrzeigersinn von Südosten aus gesehen von folgenden Stadtteilen, bzw. Gemarkungen umgeben: Seevorstadt, Pirnaische Vorstadt, Johannstadt, Gruna und Strehlen. Er wird sowohl in Längs- als auch in Querrichtung von mehreren Alleen durchquert, die sich zum größten Teil auch über seine Grenzen hinaus fortsetzen. So endet die Hauptallee in Stadtrichtung erst vor dem Deutschen Hygiene-Museum und wird in entgegengesetzter Richtung durch die Winterbergstraße noch über zwei Kilometer in gerader Linie verlängert. Auch die Querallee (beziehungsweise Fürstenallee, wie sie im nördlichen Teil heißt) wird durch die Fetscherstraße, die frühere Fürstenallee, nach Norden fortgeführt, ebenso wie die Herkulesallee, die sowohl nach Westen als auch nach Osten über den Park hinausreicht. Die auf das Palais gerichteten Sichtachsen werden so nach außen verlängert und damit in ihrer Wirkung gesteigert.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Planungen und Überarbeitung durch Karcher[Bearbeiten]

Der Große Garten wurde ab 1676 im Auftrag des späteren (ab 1680) Kurfürsten Johann Georg III. geplant und angelegt. Erste archivalische Erwähnungen beziehen sich auf die erforderlichen Grundstückskäufe. Der ursprüngliche Plan des Hofgärtners Martin Göttler sah einen quadratischen Grundriss mit einer Kantenlänge von 1,9 Kilometern, dem im Mittelpunkt befindlichen Palais, sowie sternförmig verlaufende Alleen vor. Der Park sollte durch einen ebenfalls im Quadrat geführten Kanal in eine innere und äußere Zone mit unterschiedlichen Funktionen unterteilt werden. Dieser Plan wurde bis 1683, als eine Kommission zur Überprüfung der Baufortschritte und der weiteren Gestaltung eingesetzt wurde, nur in Ansätzen verwirklicht. Im Ergebnis wurde Johann Friedrich Karcher mit der Neuplanung beauftragt und zum Obergärtner des Großen Gartens berufen. Dieses Amt übte er bis 1722 aus, als ihm zunehmende Erblindung die Fortführung seiner Arbeit verunmöglichte.[1]

Auch im von Karcher überarbeiteten Plan, der sich explizit auf zeitgenössische französische Vorbilder bezog, befand sich das zu diesem Zeitpunkt mindestens im Rohbau fertiggestellte Palais im Mittelpunkt der Anlage. Der Grundriss des Gartens war allerdings nicht mehr quadratisch, sondern kreuzförmig, wie auch die Diagonalalleen zugunsten eines Systems längs- und querverlaufender Alleen aufgegeben wurden. Zudem wurde die Grundfläche des Gartens verringert, was dazu führte, dass 1692 zuvor aufgekaufte, bzw. enteignete Grundstücke an die früheren Besitzer zurückgegeben wurden. 1693/94 wurden nach einem Entwurf Karchers acht Pavillons, die sogenannten Kavaliershäuser, errichtet. Sie waren durch Ketten und Mauern miteinander verbunden und umschlossen auf diese Weise den inneren Gartenbereich rund ums Palais.[2]

Entwicklung des Gartens unter August dem Starken[Bearbeiten]

1694 starb nach nur dreijähriger Herrschaft der sächsische Kurfürst Johann Georg IV., so dass unerwartet sein Bruder Friedrich August I. (d.i. August der Starke) an die Macht kam. Während seiner Regierungszeit wurde der Ausbau des Gartens entschlossen vorangetrieben und erreichte so „das Stadium höchster Vollendung.“[3] Bis 1709 gingen die Arbeiten wegen des Großen Nordischen Krieges und der damit einhergehenden schwedischen Besetzung Sachsens im Jahre 1706 allerdings nur schleppend voran. Im Frieden von Altranstädt wurde Sachsen zur Zahlung hoher Kontributionen verpflichtet, August verlor vorübergehend (bis 1709) die polnische Krone. Der Besuch des dänischen Königs Friedrich IV. im Sommer 1709 bot den Anlass für aufwändige, über einen Monat andauernde Festveranstaltungen, so zum Beispiel eine sogenannte Bauernwirtschaft, also ein höfisches Maskenspiel, Feuerwerke, einen Aufzug der vier Erdteile (Australien war noch nicht entdeckt), ein Damenfest, usw. Die temporären Festbauten wurden nach Entwürfen Karchers errichtet. Zeitgenössische Darstellungen des Festgeschehens geben Aufschluss über den Entwicklungsstand des Gartens zu diesem Zeitpunkt: Zwar war der gesamte Garten eingezäunt, es gab jedoch eine deutliche Trennung zwischen dem bereits angelegten Lustgarten zwischen Herkules- und Südallee und den noch ungestalteten äußeren Bereichen.[2]

Karcher unternahm 1714 eine Studienreise nach Frankreich, um sich dort über die neuesten Gartentrends zu informieren. Ebenfalls 1714 wurde mit dem Bau von Gehegen und Remisen für die Fasanenzucht begonnen, im darauffolgenden Jahr wurde der Palaisteich fertiggestellt. Auch wurden die an den inneren Garten grenzenden Bosketts neu angelegt und so eindeutig dem Lustgartenbereich zugeordnet. Von 1718 bis 1722 wurde die über zwei Meter hohe Gartenmauer errichtet, die durch ihren rechteckigen Verlauf auch nicht zum Garten gehörende Grundstücke einschloss. Die Landstraße nach Pirna (und heutige Stübelallee) musste daher nach Norden an den Rand des Parks verlegt werden. 1719 wurde im Großen Garten anlässlich der Vermählung des Kronprinzen Friedrich August mit der ältesten Tochter des Kaisers Joseph I., Maria Josepha, das Venusfest gefeiert. Zu diesem Anlass wurde das vor dem Palais liegende Parterre in eine Turnierbahn umgewandelt, so dass dort ein Damenringrennen durchgeführt werden konnte. Außerdem wurde der als Tanzsaal dienende Venuspavillon östlich des Palaisteiches errichtet, sowie das Heckentheater durch den Bau von Treillagen fertiggestellt.[1] Als Karcher 1722 in den Ruhestand versetzt wurde, galten die Arbeiten am Großen Garten als abgeschlossen.

In den folgenden Jahren wurden im Garten sowohl höfische Feste als auch Fasanenjagden veranstaltet. Die regelmäßig zur Faschingszeit stattfindenden Ringrennen wurden dabei zur „nur aus Dresden bekannte(n) verfeinerte(n) Form des Schlitten-Damen-Ringrennens“[4] modifiziert.

Ab 1729 bis 1747 wurde das Palais als Ausstellungsort für die kurz zuvor von August dem Starken aus der Sammlung Chigi erworbenen ca. zweihundert antiken Skulpturen genutzt, während die bereits zuvor bestehende Antikensammlung bis 1785 (danach im Japanischen Palais) in vier der acht Kavaliershäusern untergebracht wurde. Etwa 160 zeitgenössische Plastiken wurden unter freiem Himmel im Park aufgestellt, der größte Teil davon entlang der Hauptallee zwischen Palais und stadtseitigem Tor. Viele dieser Skulpturen wurden während des Siebenjährigen Krieges beschädigt, bzw. zerstört.[2]

Stagnation nach 1733[Bearbeiten]

Großer Garten um 1785 (Meilenblätter von Sachsen, Berliner Exemplar, Blatt 262)

Nach dem Tode August des Starken stagnierte die Entwicklung des Großen Gartens, zudem er kaum noch für höfische Feste genutzt wurde. Hinzu kamen die Zerstörungen durch den Siebenjährigen Krieg. Dresden war von 1756 bis 1760 von der preußischen Armee besetzt, dabei kam es mehrfach zu Belagerungen. Zwar fanden im Garten selbst keine Kämpfe statt, er diente jedoch immer wieder als Durchmarschgebiet. Dies führte zu erheblichen Schäden sowohl an der Ausstattung als auch am Pflanzenbestand. In Gustav Klemms Chronik der königlich sächsischen Residenzstadt Dresden von 1835 wird der Zustand nach dem preußischen Abzug wie folgt beschrieben:

„In Dresden selbst war unbeschreibliches Elend, das noch viele Jahrzehnte nachwirkte. Unter den öffentlichen Gebäuden waren 115 beschädigt; der Große Garten aber gänzlich verwüstet, seine herrlichen Baumreihen niedergehauen, die Statuen zerschlagen und nur die Antiken, die man geschickt vergraben, gerettet worden.“[5]

Der anschließende Wiederaufbau beschränkte sich auf die Wiederherstellung des Zerstörten, eine gestalterische Weiterentwicklung fand nicht statt. Hauptzweck des Gartens war die Fasanenzucht, bzw. -jagd. 1797 – nach über hundert Jahren – erhielten die bei der Anlage des Gartens enteigneten Grundstücksbesitzer auf Anordnung des Kurfürsten Friedrich August III. die ihnen zustehende Entschädigung.

Umgestaltung nach 1813[Bearbeiten]

Wintervergnügen um 1825

Auch während der Napoleonischen Kriege kam es zu Zerstörungen des Gartens. Hier ist insbesondere die Schlacht von Dresden am 26. und 27. August 1813 zu nennen, aber auch die anschließende Belagerung der Stadt bis zum November 1813 zog weitere Verwüstungen nach sich. Das Palais wurde durch die sechsmonatige Nutzung als Lazarett stark in Mitleidenschaft gezogen. Die durch die Kampfhandlungen ohnehin schon beschädigte Umfassungsmauer wurde vollständig abgebrochen, so dass die Steine als Baumaterial verwendet werden konnten. Auf Anordnung des von Oktober 1813 bis November 1814 amtierenden Generalgouverneurs Nikolai Grigorjewitsch Repnin-Wolkonski wurde der Große Garten ohne Einschränkungen für das Publikum geöffnet.[1] Der von den Franzosen gesprengte stadtseitige Eingang wurde noch 1814 durch die von Gottlob Friedrich Thormeyer entworfenen Torhäuser ersetzt. Gleichzeitig wurde eine Kommission zur Wiederherstellung des Großen Gartens unter der Leitung des Kammerherrn Georg Heinrich von Carlowitz eingerichtet, die von Anfang an zwei Ziele verfolgte: zum einen die Optimierung des ökonomischen Nutzens und zum anderen die Steigerung der Attraktivität. Die Fasanenzucht wurde – da als zu teuer angesehen – gänzlich aufgegeben, so dass die entsprechenden Gartenbereiche im aktuellen englischen Stil neu angelegt werden konnten. Dem romantischen Zeitgeschmack entsprechend erfreuten sich gerade diese Partien großer Beliebtheit:

„Die ehedem verschlossenen Gehege, deren Bewohner der Krieg zerstreute, öffnen sich uns; schmale Gänge laufen in mancherlei Windungen durch dunkle Gebüsche, und überall ist, was die frühere Anlage darbot, sinnig und geschmackvoll benutzt worden, um hier liebliche Einsamkeiten unter mahlerisch gestalteten Baumgruppen, dort ein freundlich lockendes Plätzchen an dem Wasser, das durch Gebüsche und über grüne Matten rinnt, zu bilden. Wo man sonst zwischen langweiligen Baumreihen und steifen Heckengängen wandelte, findet man jetzt die reizendste Abwechselung.“[6]

Eine Möglichkeit, Attraktivität und Rentabilität in einem Schritt zu steigern, bestand in der Einrichtung von Gaststätten, eine weitere in der winterlichen Nutzung des Palaisteiches als Eislaufbahn, bzw. ab 1819 einer Eisrutsche, die auf Initiative des in Dresden ansässigen russischen Fürsten Putjatin errichtet wurde. Neben der Verpachtung von Feldern (zum Beispiel für die Heuernte), der Vermietung von Sommerwohnungen in den wiederhergerichteten und durch aufgesetzte Mansardgeschosse erweiterten Kavaliershäusern, des Verkaufs von Holz und anderen Naturalien wurde bereits 1814 eine Obstbaumschule eingerichtet. Hier stand allerdings eher ein kameralistisches Interesse im Vordergrund, denn es sollten die für Sachsen am besten geeigneten Obstsorten ermittelt werden, um so die „Obstkultur im Lande zu befördern.“[7] Die Baumschule wurde 1871 wegen mangelnder Rentabilität aufgelöst.

Um 1830 war die Umgestaltung des Gartens weitgehend abgeschlossen, wobei die barocke Grundstruktur nicht verändert wurde. Vor dem Palais wurde anstelle des Ringrennplatzes ein großes Bowlinggreen angelegt, um das zwei schmale Wege herumführten, so dass die Hauptallee nicht mehr direkt aufs Palais zulief. Allerdings blieb die Querallee – obwohl sich von Carlowitz wiederholte Male für die Abschaffung einsetzte – erhalten. Im Palais selbst wurden ab 1828 die jährlichen Ausstellungen der 1826 gegründeten sächsischen Gartenbaugesellschaft Flora abgehalten, bis dort ab 1844 der Sächsische Altertumsverein seine Sammlungen präsentierte.

Am 9. Mai 1861 wurde der Zoologische Garten eröffnet, dessen östlicher Teil sich auf dem Gebiet des Großen Gartens befindet, während der westliche Teil aus eigens für die Anlage des Zoos erworbenem Gelände besteht. Die Anlage des Zoos geschah ebenso nach einem Plan Peter Joseph Lennés wie – zwischen 1865 und 1869 – die Verlängerung der Bürgerwiese nach Südosten. Damit wurde eine direkte Verbindung zwischen Großem Garten, bzw. Zoo und der Innenstadt hergestellt. Die Grenze zwischen den einzelnen Anlagen bildet der Kaitzbach.[8]

Der Große Garten unter der Leitung Bouchés[Bearbeiten]

Am 1. April 1873 trat der erst zweiundzwanzigjährige, aus einer renommierten Berliner Gärtnerfamilie stammende Johann Carl Friedrich Bouché seinen Posten als Direktor des Großen Gartens an. Der erst 22-jährige Berliner war vom dortigen Stadtgartendirektor Gustav Meyer empfohlen worden. Bouché hatte in Potsdam das Examen zum Obergärtner abgelegt und drei Jahre unter Meyer gearbeitet.[9] Er übte das Amt des Gartendirektors fast fünfzig Jahre bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand am 1. August 1922 aus. Wie einem Gutachten des Hofgärtners von Schloss Albrechtsberg, Hermann Sigismund Neumann, vom Juni 1872 zu entnehmen ist, galt die Anlage zum Zeitpunkt von Bouchés Dienstantritt als vernachlässigt und überaltert. Neumann sprach sich demzufolge für die Umgestaltung ganzer Bereiche aus: „Dies Veraltete zeigt sich sowohl in seinen Formen, wie in seinem Culturzustande. (…) Eine gründliche Umgestaltung dieses ganzen mittleren Theiles erscheint sehr wünschenswerth.“[10] Mittlerweile hatte sich auch die Situation des Gartens selbst verändert: Von einer Parkanlage weit vor den Toren der Stadt wurde er immer mehr zu einer von städtischer Bebauung umgebener Anlage. 1871 wurde das seit 1826 bestehende Bauverbot südlich des Gartens aufgehoben, ab 1873 folgte die Anlage der Johannstadt. Um eine völlige Umschließung des Gartens zu verhindern, bewilligte der Sächsische Landtag die Summe von 100.200 Talern zum Ankauf von Grundstücken, so dass der Garten zur heute noch bestehende Rechteckform erweitert werden konnte. Im Mittelpunkt von Bouchés Schaffen stand daher zum einen die Umgestaltung des Palaisbereiches unter Beibehaltung der barocken Grundstrukturen und zum anderen die Integration der neu hinzugekommenen Areale in die bestehende Anlage.[2]

Blühender Rhododendron im Großen Garten

1874 wurde dem Garten ein eigener Etat bewilligt, was die zügige Inangriffnahme der anstehenden Arbeiten ermöglichte. Auf die Neugestaltung des Palaisbereiches – unter anderem wurden Bäume und Hecken entfernt, sowie neue Blumenpflanzungen angelegt – folgten der Erwerb und die Neuanlage der Kaitzbachwiesen. Beide Arbeiten wurden bereits 1874 abgeschlossen. Im Jahr darauf wurden die sogenannten Strehlener Felder in der Südostecke des Gartens gestalterisch bearbeitet, 1877 folgte dann die Neubepflanzung der ehemaligen Obstbaumschule. Ab 1882 wurde der heutige Carolasee – eine ehemalige Kiesgrube – angelegt und bis 1886 in mehreren Schritten bis zu seiner endgültigen Gestalt erweitert. 1890 konnten die Grunaer Felder – die heutige Drachenwiese – als nordöstliches Erweiterungsgebiet des Gartens erworben werden, so dass bis 1894 der zum barocken Kanalsystem gehörende Flutgraben zum Neuteich umgestaltet werden konnte. Angrenzend an den Palaisbereich wurden um 1895 zwei Sondergärten angelegt, so der Rhododendrengarten (der heutige Staudengarten), dessen Pflanzen von Bouchés Schwiegervater, dem Dresdner Handelsgärtner Hermann Seidel gestiftet wurden, und der sogenannte Weiße Garten mit einer Bepflanzung von Magnolien, Azaleen und Koniferen.[11]

1876 erhielt Bouché Unterstützung von Otto Werner, einem ebenfalls noch sehr jungen Bekannten Bouchés, der als Obergehilfe eingestellt wurde und bei den umfangreichen Bauprojekten der 1870er-Jahre sehr erfolgreich arbeitete. 1882 wechselte Werner nach Chemnitz, wo er die Stelle des Ratsgärtners annahm.[12]

Auch im Hinblick auf die Infrastruktur konnte Bouché viel für den Großen Garten erreichen, zum Beispiel durch den Bau eines eigenen Wasserwerks östlich der Querallee; die dafür benötigten Mittel waren 1890 bewilligt worden. Bis dahin litt der Garten vor allem im Sommer unter Wassermangel, da die Versorgung ausschließlich durch den Kaitzbach erfolgte. Neben der Erweiterung des Fußwegenetzes auf eine Gesamtlänge von 31 Kilometern erfolgte bereits 1898 „die in Deutschland wohl früheste Anlage von Radwegen in einer Gesamtlänge von 4500 Metern.“ [11] Ebenfalls zu dieser Zeit wurde an Haupt- und Querallee eine elektrische Beleuchtung installiert. Bis zur Jahrhundertwende wurden zudem 600 Parkbänke entlang der Fußwege aufgestellt, sowie sechs Spielplätze eingerichtet, womit sich die Hälfte der städtischen Spielplätze Dresdens auf dem Gebiet des Großen Gartens befand.[7] 1907 wurde der Autoverkehr im Park verboten. Bouché selbst fasste, was er im und für den Großen Garten erreicht hatte, in einem Rückblick 1926 folgendermaßen zusammen:

„Man darf sagen, daß sich der Große Garten in den Jahren vor dem Weltkriege auf der Höhe neuzeitlicher Entwicklung befand und sich mit jeder anderen großen Anlage in Deutschland hinsichtlich seiner Pflege und Schönheit messen konnte. Aus dem Garten, von dem man früher selbst in Fachkreisen wenig wußte, war eine weltberühmte Sehenswürdigkeit geworden.“[13]

Gartenbauausstellungen[Bearbeiten]

Vom 7. bis 16. Mai 1887 fand die Erste Internationale Gartenbauausstellung in Dresden in einem Teilbereich des Großen Gartens statt. Ausrichter der Ausstellung war die Flora – Sächsische Gesellschaft für Botanik und Gartenbau, die Schirmherrschaft übernahm der sächsische König Albert I. Mit über fünfhundert Ausstellern und einem regen Zuschauerinteresse war die Veranstaltung ein großer Erfolg. Die Gestaltung des Ausstellungsgeländes lag in den Händen von Max Bertram, der zusammen mit Bouché an der Königlichen Gärtnerlehranstalt in Potsdam studiert hatte. Mit der II. Internationalen Gartenbauausstellung vom 2. bis 12. Mai 1896 wurde gleichzeitig der auf einem städtischen Gelände in der Nordwestecke des Großen Gartens gelegene Städtische Ausstellungspalast eingeweiht. Eine III. Internationale Gartenbauausstellung folgte vom 4. bis 12. Mai 1907. Im Rahmen der 5. Jahresschau Deutscher Arbeit Dresden fand 1926 gleichzeitig mit der Internationalen Kunstausstellung die Jubiläums-Gartenbau-Ausstellung zum hundertjährigen Bestehen der Flora statt. Mit 1400 Ausstellern und über drei Millionen Besuchern handelte es sich um die größte Ausstellung der 1920er-Jahre. Hauptattraktion war der sogenannte Grüne Dom, ein vierzig Meter hoher berankter Holzturm mit sternförmigem Grundriss. Der von Hans Poelzig zu diesem Anlass entworfene Mosaikbrunnen steht noch heute am ursprünglichen Standort südlich der Hauptallee.[14] 1936 folgte dann noch die ebenfalls sehr erfolgreiche Reichsgartenschau. Auch andere Ausstellungen bezogen den Großen Garten in das Ausstellungsgelände mit ein, so zum Beispiel die 1930/31 stattfindende II. Internationale Hygieneausstellung. Bei beiden Veranstaltungen wurde bereits eine Liliputbahn ähnlich der heutigen Parkeisenbahn zur Verbindung der getrennt voneinander liegenden Ausstellungsbereiche eingesetzt.[2] Eine erste Ausstellungsbahn gab es zwar schon 1900 zur Deutschen Bauausstellung, doch handelte es sich dabei um eine meterspurige, elektrische Straßenbahn, die das eigentliche Ausstellungsgelände mit dem östlich des Botanischen Gartens gelegenen, sogenannten „Vergnügungseck“ verband.[15]

In der Nordwestecke des Parks, in der sich heute die Gläserne Manufaktur befindet, stand von 1896 bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und der 1949 erfolgten Sprengung der Städtische Ausstellungspalast, ab 1969 dann das Ausstellungszentrum Fučíkplatz.

Der Große Garten im Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Die in jeder Hinsicht repressive Politik des nationalsozialistischen Regimes machte auch vor dem Großen Garten nicht halt. Bereits seit April 1935 war es Juden verboten, andere als gelb markierte Parkbänke zu benützen. Das 1928 anlässlich der Ausstellung Die technische Stadt direkt an der Grenze zum Großen Garten von Peter Birkenholz errichtete, bei den Dresdnern sehr beliebte Kugelhaus wurde 1938 abgerissen, da die Architektur als „undeutsch“ galt.[14] In einem Tagebucheintrag vom 2. Juni 1942 zählte Victor Klemperer einunddreißig antijüdische Verbote und Verordnungen auf, unter anderem „Verbot, die Bannmeile Dresdens zu verlassen, (…), 20) das Ministeriumsufer, die Parks zu betreten, 21) die Bürgerwiese und die Randstraßen des Großen Gartens (Park- und Lennéstraße, Karcherallee) zu benutzen. Diese letzte Verschärfung seit gestern erst.“[16] Was eine Überschreitung dieses Verbots bedeuten konnte, wurde von Klemperer im Eintrag vom 17. Juni deutlich gemacht:

„Rundschreiben der Gemeinde: Es ‚sind im Laufe der letzten drei Wochen an einem Tage zwei ältere jüdische Frauen mit Stern auf einer Bank in der Herkules-Allee im Großen Garten sitzend gesehen worden. Die beiden sollen sich ‚im Interesse der Allgemeinheit und zur Vermeidung weiterer Maßnahmen sofort … melden.‘ (…) Wie wird es diesmal laufen? Welche Repressalien warten? Dabei ist vollkommen ausgeschlossen, daß zwei Frauen das gewagt haben. Sie wissen, daß ihnen mindestens schwere Schläge und wochenlanges Gefängnis, wahrscheinlich aber das KZ droht. Es wäre möglich, daß zwei Unvorsichtige die Randstraßen passiert hätten – aber mitten im Großen Garten sitzen? Das lohnt doch nicht den Einsatz des Lebens. Entweder ist die Geschichte glatt erfunden, oder aber irgendwer hat ein gelbes Taschentuch oder eine gelbe Vorsteckblume für den Judenstern gehalten (wie uns das auch schon passiert ist), hat nach Wochen böswillig oder harmlos davon gesprochen, ist zufällig von einem Gestapomann gehört worden – und so ist diese neue Affäre in Gang gekommen.“[17]

Anfang 1945 wurden im Garten zum Schutz vor Bombenangriffen neunzehn Splitterschutzgräben angelegt, wobei durch die Erdarbeiten das Wurzelwerk zahlreicher Bäume beschädigt wurde. Bei den Luftangriffen vom 13./14. Februar 1945 wurde der Große Garten schwer getroffen. Sämtliche Gebäude brannten aus, das Palais verlor sein Dach sowie die gesamte Innenausstattung. Insgesamt zählte man im Park 170 Bombentrichter. [2]

Der große Garten von 1945 bis zur Gegenwart[Bearbeiten]

Wegen der schlechten Versorgungslage in den Nachkriegsjahren wurden Teile des Großen Gartens – so zum Beispiel das Parterre vor dem Palais – parzelliert und als Grabeland für den Gemüse- und Kartoffelanbau vergeben. Das Abholzen von Bäumen zur Brennholzgewinnung konnte allerdings verhindert werden. Eines der Kavaliershäuser (Haus B) wurde bereits 1946 wieder instand gesetzt, ein weiteres (Haus G) 1950, während das Haus H auf Antrag der Stadtverwaltung abgerissen wurde, da man seinen Einsturz fürchtete. Am 1. Juni 1950 wurde mit einem Fest zum Tag des Kindes die Eröffnung der Parkeisenbahn als erster Pioniereisenbahn der DDR begangen. 1953 begann man mit der Sicherung der Palaisfassade, im Jahr darauf wurden die Kavaliershäuser C, D und F wiederaufgebaut. Erste gärtnerische Neugestaltungen waren der 1951 eröffnete Dahliengarten nördlich des Palaisbereichs sowie der 1953 angelegte Sommerblumengarten in der Nähe des Carolasees.

Im Oktober 1951 wurden vom Rat der Stadt Dresden und dem Ministerium für Wirtschaft und Arbeit, Hauptverwaltung Aufbau der DDR, ein „Ideenwettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für die Umgestaltung des Großen Gartens zu einem Kulturpark“ ausgeschrieben. Mit dieser Initiative, die auch von anderen Städten der DDR aufgegriffen wurde, orientierte man sich am sowjetischen Vorbild des Parks für Kultur und Erholung (russisch Парк Культуры и Отдыха), wie zum Beispiel dem Moskauer Gorki-Park. Vorgegebene Nutzungen waren unter anderem Sportanlagen, Spielanlagen für Kinder, diverse Klubhäuser, Schau- und Schulgärten sowie mehrere Freilichtbühnen; sowohl der Zoo als auch der Botanische Garten sollten an andere Standorte verlegt werden. Sieger des Wettbewerbs wurde der Entwurf des Landschaftsarchitekten und Dozenten an der Technischen Hochschule, Werner Bauch und seiner Mitarbeiter. Da der Entwurf vorsah, alle Sondernutzungen in die äußeren Gartenbereiche zu legen, wären sowohl die barocken Parkstrukturen als auch der Palaisbereich unangetastet geblieben. Letztlich wurde allerdings kaum etwas von diesem Plan verwirklicht, so dass sein Einfluss auf die weitere Entwicklung sehr gering blieb – auch wenn der Große Garten ab 1956 zum 750jährigen Stadtjubiläum offiziell als Kulturpark bezeichnet wurde.[18]

Durch die Verwaltungsreform von 1952 und die daraus resultierende Auflösung der Länder ging die Verantwortung für den Großen Garten von der ebenfalls aufgelösten Verwaltung der Staatlichen Museen, Schlösser und Gärten auf die Stadt Dresden über, die wiederum die unterschiedlichen Zuständigkeiten an verschiedene Stellen delegierte. So war der VEB Grünflächen verantwortlich für die Pflege der Grün- und Wasserflächen sowie des Wegenetzes (außer der asphaltierten Wege), der VEB Stadtreinigung für die öffentlichen Toiletten, die kommunale Wohnungsverwaltung für die Kavaliershäuser und die Abteilung Volksbildung für die Pioniereisenbahn, während das Carolaschlösschen und das Café am Palaisteich von der HO Gaststätten Mitte betrieben wurden.

Von 1954 bis 1957 wurde im Rahmen des Nationalen Aufbauwerks die Freilichtbühne Junge Garde in einer ehemaligen Kiesgrube im südöstlichen Teil des Gartens errichtet. Es handelt sich um eine über 5000 Sitzplätze verfügende Anlage im neobarocken Stil, deren geschwungene Dächer an das Pillnitzer Schloss erinnern. Der Entwurf stammte von Herbert Schneider, dem damaligen Chefarchitekten der Stadt und einem der maßgeblichen Architekten des Altmarkt-Wiederaufbaus. Im nordwestlichen Teil des Gartens befindet sich unweit der Herkulesallee das am 1. Juni 1955 eröffnete Freiluft-Puppentheater Sonnenhäusel. Der kleine Bau verfügt über 350 Sitzplätze und wurde von der Architektin und Graphikerin Krista Grunicke entworfen.

Während die Restaurierung des Palais bis zur Wende kontinuierlich fortgesetzt wurde, ließ die Stadtverwaltung die Ruinen der Thormeyerschen Torhäuser 1969 abreißen. Ab 1965 wurde die Baumpflanzung der Herkulesallee, 1976/77 die der Hauptallee zwischen Palais und stadtseitigem Ausgang durchgreifend erneuert. 1979 wurde der Große Garten in die Zentrale Denkmalliste der DDR eingetragen. 1982 konnte die Arbeitsstelle Dresden des Instituts für Denkmalpflege anlässlich des in Dresden stattfindenden VII. Pioniertreffens die Sanierung des unmittelbaren Palaisumfeldes durchsetzen (Entfernung der das Palais umgebenden Bepflanzung, Sanierung des Palaisteiches und der Balustrade mit den beiden „Centaurengruppen“). In gleicher Weise konnte die 1984 in Rostock und Dresden stattfindende ICOMOS-Generaltagung als Anlass für weitere Restaurierungsarbeiten am Palais genutzt werden.[18]

Am 1. Januar 1993 erfolgte die Rückübertragung des Großen Gartens in den Besitz des Freistaats Sachsen, am 1. August desselben Jahres kam es zur Gründung des Staatsbetriebs „Staatliche Schlösser und Gärten Dresden“ (seit 2003 Teil des dem Finanzministerium unterstehenden Staatsbetriebs „Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen“), der den Großen Garten seither verwaltet.

Gegenwart[Bearbeiten]

Im Großen Garten befinden sich heute die folgenden Anlagen und Einrichtungen:

Palais

Das von 1678 bis 1683 nach einem Entwurf von Johann Georg Starcke errichtete Palais gilt als eines der Hauptwerke des sächsischen Barock. Es handelt sich zugleich um eines der frühesten Bauwerke dieses Stils in Sachsen. Der dreistöckige, auf einem H-förmigen Grundriss basierende Bau verarbeitet französische und oberitalienische Architektureinflüsse. Sein ursprünglicher Zweck war der eines Veranstaltungsorts für höfische Feste, später wurde er auch museal genutzt. Das Palais brannte infolge der Luftangriffe vom Februar 1945 völlig aus, sein Inneres ist bislang nicht vollständig wiederhergestellt. Im Erdgeschoss befindet sich heute eine Ausstellung barocker Plastiken, die aus konservatorischen Gründen von ihren Originalstandorten entfernt, beziehungsweise durch Kopien ersetzt wurden. Ferner wird das Palais für Konzerte und andere Veranstaltungen genutzt.

Kavaliershäuschen
Kavaliershäuser

Von den ursprünglich acht Kavaliershäusern sind noch fünf erhalten, ein sechstes befindet sich in ruinösem Zustand. Die Kavaliershäuser wurden 1693/94 nach einem Entwurf Johann Friedrich Karchers als eingeschossige Pavillonbauten mit Mansarddach errichtet. Sie enthielten ursprünglich nur jeweils einen Raum, der mit Fresken verziert war. Wie beim Palais handelt es sich auch hier um nur zeitweilig genutzte Festarchitektur, die zudem den Zweck erfüllte, den unmittelbaren Palaisbereich nach außen hin abzuschließen. In der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts wurden die Kavaliershäuser umgebaut und anschließend als Mietwohnungen genutzt. Während seines Aufenthalts in Dresden von 1917 bis 1923 wohnte Oskar Kokoschka im Anbau von Haus A (die Zählung erfolgt gegen den Uhrzeigersinn beginnend beim der Stadt nächsten Haus auf der Südseite). Haus D, das frühere Wohnhaus Friedrich Bouchés, wird heute als Jugend-Öko-Haus genutzt, in Haus G befindet sich die Parkverwaltung.

Parktheater

Das 1719 fertiggestellte Park- oder Heckentheater befindet sich, umgeben von dichter Bepflanzung, zwischen Palaisteich und Südallee. Von der ursprünglichen barocken Ausstattung sind allerdings nur die Sockel der vierzehn rund um die Bühne angeordneten Putti erhalten, die gesamte aus Hecken, beziehungsweise Treillagen, bestehende Kulissenarchitektur wurde bereits im Siebenjährigen Krieg zerstört.

Balestras Skulpturengruppe Die Zeit entführt die Schönheit vor dem Palais
Skulpturen

Vom ursprünglichen Skulpturenschmuck des Gartens ist heute nur noch wenig erhalten, da die meisten Stücke bereits während des Siebenjährigen Kriegs und der anschließenden preußischen Belagerung zerstört wurden. Aus der Frühzeit des Großen Gartens stammen sowohl die an der Ostseite der Hauptallee befindlichen, mit Skulpturen geschmückten Torpfeiler, die sogenannten Orthostaten, wie auch die vier Herkulesstatuen an den beiden Enden der Herkulesallee. Letztere werden Balthasar Permoser, beziehungsweise seiner Werkstatt, zugeschrieben. Zwei Kentaurengruppen von Antonio Corradini befinden sich noch an ihrem ursprünglichen Standort am Ende der Balustrade westlich des Palais. Auch die sogenannte „Üppigkeitsvase“ östlich des Palaisteiches stammt ebenso wie zwei kleinere Vasen am stadtseitigen Haupteingang von Corradini. Auf dem Rasenparterre direkt vor dem Palais steht die vom italienischen Bildhauer Pietro Balestra geschaffene Gruppe „Die Zeit entführt die Schönheit“, die thematisch verwandte, wiederum von Corradini stammende Gruppe „Die Zeit enthüllt die Wahrheit“ befindet sich nördlich des Carolasees. An den vier Ecken des Palaisteichs sind die sogenannten „Brühl’schen Vasen“ aufgestellt. Sie wurden um 1740 für Heinrich Graf von Brühl von am Bau der Hofkirche beteiligten italienischen Künstlern geschaffen und befanden sich ursprünglich im Garten des Brühlschen Palais, dem heutigen Krankenhaus Friedrichstadt. Nach dem Tode Brühls 1763 wurden sie in den Garten der Sekundogenitur, den heutigen Blüherpark, versetzt, von wo aus sie 1982 an ihren heutigen Standort gelangten. Zwei weitere aus dem Garten des Palais Brühl-Marcolini stammende barocke Schmuckvasen befinden sich am südlichen Ende der Querallee. An deren nördlichem Ende (hier als Fürstenallee bezeichnet) steht seit 1863 das vom Hofbildhauer Christian Gottlieb Kühn 1814 für die Treppe der Brühlschen Terrasse geschaffene Löwenpaar. Schließlich befinden sich im sogenannten Weißen Garten noch drei Plastiken des Dresdner Bildhauers Gustav Eduard Wolf von Hoyer. Sie wurden dem Großen Garten 1898 geschenkt.[19]

Das nördliche der beiden Torhäuser
Torhäuser

1814 wurden die beiden klassizistischen Torhäuser am westlichen Haupteingang im Auftrag des russischen Generalgouverneurs, Nikolai Repnin-Wolkonski, nach einem Entwurf von Gottlob Friedrich Thormeyer errichtet. Die während der Luftangriffe vom Februar 1945 beschädigten Gebäude wurden 1969 abgerissen und 1997/98 als Kopien wiedererrichtet. Sie werden heute gastronomisch genutzt.

Zoologischer Garten

Der Zoologische Garten wurde am 9. Mai 1861 eröffnet und ist heute der viertälteste Zoo in Deutschland. Sein östlicher Teil befindet sich auf ursprünglich zum Großen Garten gehörenden Gelände – wobei die Grenze durch den Kaitzbach gebildet wird – während der westliche Teil eigens für die Anlage des Zoos erworben wurde. Die landschaftliche Gestaltung erfolgte nach einem Plan Peter Joseph Lennés. Heute befinden sich dort auf einer Fläche von 13 Hektar mehr als zweitausend Tiere in über 300 Arten.[20]

Carolasee und Neuteich

Beide Teiche befinden sich in den gründerzeitlichen Erweiterungsgebieten des Großen Gartens und wurden unter der Leitung Friedrich Bouchés angelegt. Beim Carolasee handelt es sich um eine ehemalige Kiesgrube im 1873 neuerworbenen südöstlichen Teil des Gartens, den sogenannten Strehlener Feldern. Der 1882 in natürlichen Formen angelegte See wurde 1886 in Richtung der Querallee erweitert und erhielt 1895 eine Fontaine. Auf einer Halbinsel befindet sich das 1895 im Stil der Neorenaissance erbaute Carolaschlösschen, das auch heute noch gastronomisch genutzt wird. Auf der gegenüberliegenden nordöstlichen Seite des Gartens befindet sich am Rand der 1890 hinzugekauften Grunaer Anlage der 1894 fertiggestellte Neuteich. Es handelt sich um hier um eine Erweiterung und Umgestaltung des barocken Kanalsystems, das ursprünglich zur Begrenzung des inneren Gartenbereichs diente.

Pikardie

Die sogenannte Pikardie ist eine zwischen Süd- und Hauptallee am östlichen Ende des Großen Gartens gelegene ehemalige Gaststätte. Das heute von der Technischen Universität als Institut für Grundwasserwirtschaft genutzte Gebäude wurde im Jahre 1900 errichtet und trägt seit 1982 den Namen Nabeshima-Bau, zu Ehren des japanischen Porzellanforschers und Ehrendoktors der TU, Nabeshima Naotsugu (1912–1981).

Mosaikbrunnen
Mosaikbrunnen

Der Mosaikbrunnen wurde anlässlich der Internationalen Gartenbauausstellung von 1926 nach einem Entwurf von Hans Poelzig im Stil des Art Déco errichtet. Er befindet sich noch an seinem ursprünglichen Standort nahe der Hauptallee im südwestlichen Teil des Gartens.

Parkeisenbahn

Die Dresdner Parkeisenbahn fuhr in ihrer heutigen Form erstmals im Sommer 1950 auf einer allerdings wesentlich kürzeren Strecke. Der ursprünglich nur für eine Saison geplante Betrieb wurde wegen des großen Erfolges im darauffolgenden Jahr wiederaufgenommen, die Strecke wurde auf ihre heutige Länge von 5,6 Kilometer erweitert. Seither verkehrt die Bahn in jeder Saison von April bis Oktober und befördert jährlich rund 250 000 Passagiere.[21]

Freilichtbühne

Die Freilichtbühne „Junge Garde“ wurde von 1954 bis 1957 im neobarocken Stil mit deutlichen Anklängen an das Pillnitzer Schloss errichtet. Es befindet sich im südöstlichen Teil des Gartens in einer aufgelassenen Kiesgrube. Die an ein Amphitheater erinnernden Zuschauerränge bieten 5000 Besuchern Platz.

Puppentheater Sonnenhäusl
Puppentheater

Das kleine Puppentheater Sonnenhäusel wurde 1954/55 nach einem Entwurf der Dresdner Architektin Krista Grunicke (1923–2012) nördlich der Herkulesallee errichtet und verfügt über 350 Sitzplätze.

Botanischer Garten

Der seit 1820 existierende Botanische Garten befindet sich seit 1893 an seinem heutigen Standort auf einem ehemals städtischen Gelände in der Nordwestecke des Großen Gartens. Zum damaligen Zeitpunkt umfasste er 5750 Pflanzenarten auf einer Fläche von 3,25 Hektar und war als erster Botanischer Garten Mitteleuropas vorwiegend nach pflanzengeographischen Gesichtspunkten gegliedert. Während diese Einteilung bis heute besteht, hat sich die Zahl der Arten ungefähr verdoppelt. Eine Besonderheit des Gartens ist die Aufteilung der Systematischen Sammlung in mehr- und einjährige Pflanzen, wobei die Einjährigen insbesondere im Sommer ein wahres Blütenmeer bilden.[22]

Gläserne Manufaktur

Die Gläserne Manufaktur ist eine Produktionsstätte der Volkswagen AG auf dem ehemaligen Areal des Städtischen Ausstellungsgeländes am nordwestlichen Rand des Großen Gartens. In der am 19. März 2002 offiziell eröffneten Fabrik wird ausschließlich der VW Phaeton hergestellt. Um ein erhöhtes Verkehrsaufkommen in dieser innenstadtnahen Lage zu vermeiden, erfolgt der Transport von und zur Manufaktur mit Hilfe der sogenannten CarGoTram, einer von VW finanzierten Güterstraßenbahn, die zwischen der Gläsernen Manufaktur und dem am Bahnhof Dresden-Friedrichstadt befindlichen Logistikzentrum verkehrt.

Sonstiges[Bearbeiten]

In seinen 1957 erschienenen Erinnerungen an seine Heimatstadt Dresden „Als ich ein kleiner Junge war“ schreibt Erich Kästner auch über den Großen Garten, beziehungsweise über die Kavaliershäuser, mit denen er einen besonderen Wunsch verband:

„,In einem davon,‘ dachte ich als junger Mann, ,würdest du fürs Leben gerne wohnen! Womöglich wirst du eines Tages berühmt, und dann kommt der Bürgermeister mit seiner goldenen Kette um den Hals und schenkt es dir im Namen der Stadt.‘ Da wäre ich dann also mit meiner Bibliothek eingezogen. Morgens hätte ich im Palaiscafé gefrühstückt und die Schwäne gefüttert. Anschließend wäre ich durch die alten Alleen, den blühenden Rhododendronhain und rund um den Carolasee spaziert. (…) Später wäre ich, nur eben um die Ecke, in den Zoo gegangen. (…) Und nachts hätte ich, wieder bei offenem Fenster, herrlich geschlafen. Als einziger Mensch in dem großen, alten Park. Ich hätte von August dem Starken geträumt, von Aurora von Königsmarck und der ebenso schönen wie unglücklichen Gräfin Cosel.“[23]

Literatur[Bearbeiten]

  • Harald Blanke: Der Große Garten zu Dresden. Geschichte und Gestaltung im Zeitalter August des Starken 1676–1733. Technische Universität Dresden, Dresden 2000 (Dissertation).
  • Christian Gottlob Ernst AmEnde: Geschichte und Entwickelung des Königlichen Großen Gartens bei Dresden. Teubner, Dresden 1874 (Digitalisat)
  • Christian Gottlob Ernst AmEnde: Der Kgl. Große Garten bei Dresden in Vergangenheit und Gegenwart. Zahn & Jaensch, Dresden 1887 (Digitalisat)
  • Gertraud Enderlein: Dresdens Gärten und Parke. Verlag des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, Dresden 1932.
  • Volker Helas: Großer Garten in Dresden. Edition Leipzig, Leipzig 2002, ISBN 3-361-00544-2.
  • Stefanie Krihning: Der Große Garten zu Dresden 1873-1945. Die Geschichte seiner Verwaltung. Michel Sandstein Verlag, Dresden 2013, ISBN 978-3-95498-016-1.
  • Sächsische Schlösserverwaltung (Hrsg.): Der Große Garten zu Dresden. Gartenkunst in vier Jahrhunderten. Michel Sandstein Verlag, Dresden 2001, ISBN 3-930382-51-2.
  • Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen (Hrsg.): Der Große Garten zu Dresden 1873–1945. Die Geschichte seiner Verwaltung. Sandstein Verlag, Dresden 2013, ISBN 978-3-95498-016-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Großer Garten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Harald Blanke: Die Entwicklungsgeschichte des Großen Gartens zu Dresden. In: Sächsische Schlösserverwaltung (Hrsg.): Der große Garten zu Dresden. Gartenkunst in vier Jahrhunderten. Michael Sandstein Verlag, Dresden 2001, ISBN 3-930382-51-2, S. 21–33.
  2. a b c d e f Volker Helas: Großer Garten in Dresden. Edition Leipzig, Leipzig 2002.
  3. Volker Helas: Großer Garten in Dresden. Edition Leipzig, Leipzig 2002. S. 37.
  4.  Harald Blanke: Die Entwicklungsgeschichte des Großen Gartens zu Dresden. In: Sächsische Schlösserverwaltung (Hrsg.): Der große Garten zu Dresden. Gartenkunst in vier Jahrhunderten. Michael Sandstein Verlag, Dresden 2001, S. 27.
  5.  Gustav Klemm: Chronik der königlich sächsischen Residenzstadt Dresden und ihrer Bürger. Dresden 1835, S. 433 f. zitiert nach Reiner Groß und Uwe John: Geschichte der Stadt Dresden. Band 2. Stuttgart 2006, S. 54.
  6.  Wilhelm Adolf Lindau: Neues Gemählde von Dresden in Hinsicht auf Geschichte, Oertlichkeit, Kultur, Kunst und Gewerbe. Dresden 1820, S. 111. zitiert nach: Sächsische Schlösserverwaltung (Hrsg.). Der große Garten zu Dresden. Gartenkunst in vier Jahrhunderten. Dresden, 2001. S. 180 (Anmerkung 16)
  7. a b Sächsisches Hauptstaatsarchiv: Großer Garten, Nr.45. Zitiert nach: Sylvia Butenschön. Der Große Garten als Stadtpark. Nutzung und Nutzungswandel der Anlage im 19. Jahrhundert. In: Sächsische Schlösserverwaltung (Hrsg.). Der große Garten zu Dresden. Gartenkunst in vier Jahrhunderten. Dresden, 2001. S. 129
  8.  Gertraud Enderlein: Dresdens Gärten und Parke. Dresden 1932, S. 123.
  9. Stefanie Krihning: Der Große Garten zu Dresden 1873-1945. Die Geschichte seiner Verwaltung. Michel Sandstein Verlag, Dresden 2013, S. 31.
  10. Sächsisches Hauptstaatsarchiv: Großer Garten, Nr.24 (1873–1876), Vorgang 10: Gutachten des Hofgärtners Neumann, gefertigt 19. Juni 1872. Zitiert nach: Simone Balsam. Von Karcher zu Bouché. Wechselnde Ansätze gärtnerischer Gestaltung in der näheren Umgebung des Palais. In: Sächsische Schlösserverwaltung (Hrsg.). Der große Garten zu Dresden. Gartenkunst in vier Jahrhunderten. Dresden, 2001. S. 102
  11. a b  Stephanie Jäger: Friedrich Bouchés Wirken in Sachsen. In: Sächsische Schlösserverwaltung (Hrsg.): Der große Garten zu Dresden. Gartenkunst in vier Jahrhunderten. Michael Sandstein Verlag, Dresden 2001, S. 115–125.
  12. Stefanie Krihning: Der Große Garten zu Dresden 1873-1945. Die Geschichte seiner Verwaltung. Michel Sandstein Verlag, Dresden 2013, S. 31 f.
  13. Friedrich Bouché. Die staatlichen Gärten in Dresden und seiner Umgebung. In: Walter Dänhardt (Hrsg.). Festschrift aus Anlaß des hundertjährigen Bestehens der Flora, Sächsische Gesellschaft für Botanik und Gartenbau in Dresden. 1826–1926. Dresden 1926, S. 203
  14. a b  Holger Starke: Dresden in der Weimarer Republik. Wirtschaft und Verkehr. In: Holger Starke und Uwe John (Hrsg.): Geschichte der Stadt Dresden. Von der Reichsgründung bis zur Gegenwart. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-8062-1928-1, S. 284-297.
  15. Norbert Kuschinski: Mit der Straßenbahn durch den Großen Garten. Artikel aus: Sächsisches Tageblatt vom 4. März 1984
  16.  Victor Klemperer, Walter Nowojski unter Mitarbeit von Hadwig Klemperer (Hrsg.): Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten. Tagebücher 1942–1945. Aufbau Verlag, Berlin 1995, S. 108.
  17.  Victor Klemperer, Walter Nowojski unter Mitarbeit von Hadwig Klemperer (Hrsg.): Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten. Tagebücher 1942–1945. Aufbau Verlag, Berlin 1995, S. 134.
  18. a b  Reinhard Grau: Der Große Garten in der Nachkriegszeit. Sechs Jahrzehnte Kulturdenkmal im Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichen Anforderungen und konservatorischen Ansprüchen. In: Sächsische Schlösserverwaltung (Hrsg.): Der große Garten zu Dresden. Gartenkunst in vier Jahrhunderten. Michael Sandstein Verlag, Dresden 2001, S. 137-148.
  19.  Gerald Heres: Die Aufstellung der Marmorskulpturen Augusts des Starken Im Großen Garten. In: Sächsische Schlösserverwaltung (Hrsg.): Der große Garten zu Dresden. Gartenkunst in vier Jahrhunderten. Michael Sandstein Verlag, Dresden 2001, S. 65-71.
  20. Homepage Zoo Dresden, abgerufen am 20. Dezember 2012
  21. www.grosser-garten-dresden.de (abgerufen am 24. April 2011)
  22. Webseite des Botanischen Gartens Dresden (abgerufen am 24. April 2011)
  23.  Erich Kästner: Als ich ein kleiner Junge war. 11. Auflage. dtv, München 2009, S. 50.

51.037513.763055555556Koordinaten: 51° 2′ 15″ N, 13° 45′ 47″ O