Großer Gott, wir loben dich

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Evangelisches Gesangbuch, 1901

Großer Gott, wir loben dich ist ein ökumenisches deutsches Kirchenlied, das 1771 von Ignaz Franz nach dem vielleicht von Nicetas von Remesiana stammenden Te Deum laudamus aus dem 4. Jahrhundert verfasst wurde. Es ist eines der bekanntesten Kirchenlieder und aufgrund seiner einprägsamen Melodie und seiner Thematik oft Bestandteil von Messfeiern zu feierlichen Anlässen und in Dank-Gottesdiensten, etwa zum Jahresschluss.

Als eines der wenigen ursprünglich katholischen Lieder wird es auch häufig im Protestantismus gesungen (GL 1975 257, EG 331, GL 2013 380). Es ist in seiner englischsprachigen Form (Holy God, we praise thy name) und durch die deutsche Auswanderung nach Nordamerika auch zu einem der am weitesten verbreiteten Kirchenlieder dort geworden.

Melodie[Bearbeiten]

Die bekannte Melodie wurde zum ersten Mal im Katholischen Gesangbuch (Wien 1776)[1] abgedruckt. In der Folgezeit haben sich unterschiedliche Varianten herausgebildet. Die beiden heute gängigen, leicht unterschiedlichen Fassungen gehen auf Johann Gottfried Schichts Allgemeines Choralbuch (1819) und Heinrich Bones Gesangbuch Cantate (Mainz 1852) zurück. Hin und wieder vorgeschlagene Alternativmelodien haben sich nicht durchsetzen können.

Melodie von Wien um 1776, Heinrich Bone 1852 (Text von Ignaz Franz 1771):

 \relative c' { \key f \major \time 3/4 \repeat volta 2 { f2 f4 f4 (e4 ) f4 g4 (a4 ) g4 f2 r4 \break \override Staff.Clef #'break-visibility = ##(#f #f #f) a2 a4 a4 (g4 ) f4 c'4 (bes4 ) a4 a4 g4 r4 } { \break g2 a4 bes2 g4 a2 bes4 c2 r4 \break d2 d4 c4 (bes4 ) a4 bes4 (a4 ) g4 f2. \bar "|." }}
\addlyrics { \set stanza = #"1. " Gro -- ßer Gott, wir lo -- ben dich; Herr, wir prei -- sen dei -- ne Stär -- ke. Wie du warst vor al -- ler Zeit, so bleibst du in E -- wig -- keit. }  
\addlyrics { Vor dir neigt die Er -- de sich und be -- wun -- dert dei -- ne Wer -- ke. }

Quelle: Gotteslob Nr. 380

Text[Bearbeiten]

Der Text paraphrasiert den lateinischen Hymnus Te Deum in der Liturgie der lateinischen Kirche und wurde von dem Priester Ignaz Franz (1719–1790) gedichtet. Ursprünglich hatte das Lied zwölf Strophen. 1778 veröffentlichte Franz eine andere Version, die sich jedoch nicht durchsetzen konnte. Die heutige Fassung entstand durch das Zusammenziehen der ursprünglich fünften und sechsten Strophe.

Durch Johann Gottfried Schicht fand 1819 das Lied auch Einzug in protestantische Liederbücher, war jedoch als „geistliches Volkslied“ der Aufklärungszeit angefeindet. Erst im 20. Jahrhundert fand es dort Zustimmung, meist aber stark gekürzt. Die Neuapostolische Kirche passte den Text des Liedes mehrmals an, ersetzte sogar zeitweise zwei Strophen komplett.[2]

Auch in Militärgesangbüchern stand es als Danklied. Das Militärgesangbuch der evangelischen Kirche von 1939 fügte eine den „Führer“ verherrlichende Schlussstrophe hinzu. Das Gesangbuch der Deutschen Christen von 1941 wurde nach diesem Lied „Großer Gott wir loben dich“ benannt und enthielt eine von „jüdischen Elementen“ gereinigte und der nationalsozialistischen Ideologie angepasste Version.[3]

Der Aufbau des Liedes lässt sich in drei Abschnitte teilen: je einen hymnischen Abschnitt über Gott, den Vater (Strophen 1 bis 5) und Gott, den Sohn (Strophen 6 und 7) und schließlich die Bitten (Strophen 8 bis 11).

Ökumenische Fassung[Bearbeiten]

In den Kirchengesangbüchern in Deutschland und Österreich (Gotteslob Nr. 380, Evangelisches Gesangbuch Nr. 331) steht die von der Arbeitsgemeinschaft für ökumenisches Liedgut erarbeitete Textfassung:

1. Großer Gott, wir loben dich, Herr, wir preisen deine Stärke.
Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke.
Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit.

2. Alles, was dich preisen kann, Cherubim und Seraphinen
stimmen dir ein Loblied an, alle Engel, die dir dienen,
rufen dir stets ohne Ruh’: Heilig, heilig, heilig! zu.

3. Heilig, Herr Gott Zebaoth, heilig, Herr der Himmelsheere,
starker Helfer in der Not! Himmel, Erde, Luft und Meere
sind erfüllt von deinem Ruhm; alles ist dein Eigentum.

4. Der Apostel heil’ger Chor, der Propheten hehre Menge,
schickt zu deinem Thron empor neue Lob- und Dankgesänge;
der Blutzeugen lichte Schar lobt und preist dich immerdar.

5. Dich Gott Vater auf dem Thron, loben Große, loben Kleine.
Deinem eingeborenen Sohn singt die heilige Gemeinde,
und sie ehrt den Heil’gen Geist, der uns seinen Trost erweist.

6. Du, des Vaters ew’ger Sohn, hast die Menschheit angenommen,
bist vom hohen Himmelsthron zu uns auf die Welt gekommen,
hast uns Gottes Gnad’ gebracht, von der Sünd’ uns frei gemacht.

7. Durch dich steht das Himmelstor allen, welche glauben offen.
Du stellst uns dem Vater vor, wenn wir kindlich auf dich hoffen;
du wirst kommen zum Gericht, wenn der letzte Tag anbricht.

8. Herr steh’ deinen Dienern bei, welche dich in Demut bitten.
Kauftest durch dein Blut uns frei, hast den Tod für uns gelitten;
nimm uns nach vollbrachtem Lauf zu dir in den Himmel auf.

9. Sieh dein Volk in Gnaden an, hilf uns, segne, Herr, dein Erbe;
leit’ es auf der rechten Bahn, dass der Feind es nicht verderbe.
Führe es durch diese Zeit, nimm es auf in Ewigkeit.

10. Alle Tage wollen wir dich und deinen Namen preisen
und zu allen Zeiten dir Ehre, Lob und Dank erweisen.
Rett’ aus Sünden, rett’ aus Tod, sei uns gnädig, Herre Gott.

11. Herr, erbarm, erbarme dich. Lass uns deine Güte schauen;
deine Treue zeige sich, wie wir fest auf dich vertrauen.
Auf dich hoffen wir allein; lass uns nicht verloren sein.

Schweizer Gesangbücher[Bearbeiten]

Die Schweizer Gesangbücher (Gesangbuch der evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz Nr. 247, Gesangbuch der römisch-katholischen Kirche der deutschsprachigen Schweiz Nr. 175, Gebet- und Gesangbuch der christkatholischen Kirche der Schweiz, Nr. 495) folgen ebenfalls dieser ökumenischen Fassung, haben aber folgende Abweichung in der letzten Strophe:

11. Herr, erbarm, erbarme dich; auf uns komme, Herr, dein Segen.
deine Güte zeige sich allen der Verheissung wegen.
Auf dich hoffen wir allein: lass uns nicht verloren sein.

In der Schweiz gibt es außerdem eine in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg entstandene pazifistische Neufassung von Karl von Greyerz, die im evangelisch-reformierten (Nr. 518), und im christkatholischen Gesangbuch jeweils besonders für den eidgenössischen Dank-, Buss und Bettag vorgesehen ist.

2. Unser Land mit seiner Pracht,
seine Berge, seine Fluren
sind die Zeugen deiner Macht,
deiner Vatergüte Spuren.
Alles in uns betet an;
Großes hast du uns getan.

3. Zieh uns in dein Liebesreich;
mach aus Sündern Gotteskinder;
mach uns dir, o Heiland, gleich:
Helfer, Kämpfer, Überwinder,
im Geringsten wahr und treu;
großer Gott, mach du uns frei.

4. Herr, erbarm, erbarme dich
deiner blutbefleckten Erde;
unsre Seele sehnet sich,
dass du sprichst ein neues „Werde!“.
Send uns Kraft und Zuversicht,
die der Waffen Joch zerbricht.

5. Zünd in uns dein Feuer an,
dass die Herzen gläubig brennen
und, befreit von Angst und Wahn,
wir als Menschen uns erkennen,
die sich über Meer und Land
reichen fest die Friedenshand.

6. Mach vom Hass die Geister frei,
frei von Sündenlast und -ketten;
bricht des Mammons Reich entzwei;
du nur kannst die Menschheit retten.
Rette uns aus Schuld und Not,
Heilger Geist, barmherz'ger Gott.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Katholisches Gesangbuch, auf allerhöchsten Befehl Ihrer k. k. apostolischen Majestät Marien Theresiens zum Druck befördert (Verlag der Katechetischen Bibliothek, Wien 1776)
  2. apwiki.de – Großer Gott, wir loben dich Textvarianten in der Neuapostolischen Kirche u.a.
  3. Vgl. Michael Fischer, Großer Gott wir loben dich. (PDF; 2,5 MB) Ausführlicher Kommentar zur Liedgeschichte (Februar 2006 / Juli 2007), dort v. al. S. 13–17 zum Te deum und seinen deutschen Versionen unter nationalistischen und militaristischen Vorzeichen

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Großer Gott, wir loben Dich – Quellen und Volltexte