Großes Festspielhaus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Eingangsseite Hofstallgasse

Das Große Festspielhaus in Salzburg (von 1960 bis 1962 Neues Festspielhaus, seit 1963 Großes Festspielhaus) ist eine Spielstätte der Salzburger Festspiele und befindet sich in der Altstadt, teilweise in den Mönchsberg hinein gebaut.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte [Bearbeiten]

Vorderfront vom Herbert von Karajan Platz

Ehemalige fürst-erzbischöfliche Hofstallungen [Bearbeiten]

Das Große Festspielhaus gehörte zusammen mit dem Haus für Mozart, (i.e. dem vormals Kleinen Festspielhaus), der Felsenreitschule und dem Stadtsaal zu den ehemaligen fürst-erzbischöflichen Hofstallungen (Hofmarstall). Sie wurden unter Wolf Dietrich von Raitenau 1606 und 1607 erbaut, zur Anlage gehörte auch die Marstallschwemme am heutigen Karajanplatz (deren heutige Gestalt unter Erzbischof Firmian 1732). Engestellt waren für 130 Pferde. 1662 wurde dieser Bau erweitert und die Winterreitschule eingerichtet. Ein weiterer Ausbau erfolgte unter Erzbischof Johann Ernst von Thun. Die Sommerreitschule (heutige Felsenreitschule) und die Fassade der nördliche Schmalseite zum Karajanplatz und zur Marstallschwemme hin wurde nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach 1693/94 gestaltet. Um 1765 wurde zwischen Stallungen und Pferdeschwemme das Sigmundstor (Neutor) durch den Mönchsberg getrieben.

Hofstallkaserne und Haus der Natur [Bearbeiten]

Nordportal des Festspielhauses von Johann Bernhard Fischer von Erlach

Nach Ende des Fürsterzbistums 1803 war das Haus eine Kavalleriekaserne, die Hofstallkaserne. Die Reitschule wurde 1841 als k.k. Kavallerie-Reithalle adaptiert, erweitert und gedeckt. 1859 erfolgte eine Aufstockung des Haupthauses. Untergebracht waren bis in das 2. Drittel des 19. Jahrhunderts Kavallerieabteilungen, ab dann gemischt auch Artillerie. Nach dem ersten Weltkrieg war hier auch das Erste Bundesheer stationiert.[1]
Ab der Begründung 1924 fand hier auch das Haus der Natur seinen Platz, das 1959 in das aufgelassene Ursulinenkloster übersiedelte.

Bau des Großen Festspielhauses [Bearbeiten]

Der Architekt Clemens Holzmeister setzte den Plan eines Neubaus in die Tat um, den schon Max Reinhardt vor Beginn der Festspiele anregte, damals noch mit der Idee eines Hauses für bis zu 4.000 Gäste in Hellbrunn die aber aufgrund wirtschaftlicher Engpässe 1926 zugunsten des Ausbaus des barocken Hofmarstalls bzw. der Kavallerie-Reithalle zum heutigen Haus für Mozart fallen gelassen wurde. Bei diesem Umbau war ebenfalls schon Holzmeister führend und seine Pläne wurden bis 1937 schrittweise umgesetzt. Während es Reinhardt 1922 immerhin bis zu einer Grundsteinlegung brachte, scheiterte ein älterer Plan der Wiener Architekten Ferdinand Fellner d. J. und Hermann Helmer aus dem Jahr 1890 schon im Vorfeld. Die beiden hätten die Spielstätte gerne auf dem Mönchsberg errichtet. Zwischen 1956 und 1960 wurden für den Neubau zuerst 55.000 Kubikmeter des Mönchsberg abgetragen um genug Platz zu haben und anschließend das Festspielhaus errichtet.

Das Bühnenhaus hat eine Breite von 100 Metern, die Bühnentiefe beträgt 25 Meter, die Portalbreite kann mittels Lamellen von maximal 32 Metern, die Herbert Rosendorfer in seinem Stadtführer Salzburg für Anfänger als „unmenschlich“ bezeichnet, auf die Portalbreite der Wiener Staatsoper (14,3 Meter) verringert werden. Das Bühnenportal hat eine Höhe von 9 Metern.

Der breite Zuschauerraum hat einen nahezu quadratischen Grundriss mit ca. 35 Metern Seitenlänge und bietet 2179 Sitzplätze (es gibt keine Stehplätze). Zum Vergleich Wiener Staatsoper: In den Zuschauerraum passen bis zu 2200 Zuschauer, davon 1642 Sitzplätze und 567 Stehplätze – der Orchestergraben fasst bis zu 110 Musiker.

Das Große Festspielhaus wurde am 26. Juli 1960 mit Der Rosenkavalier unter der Leitung von Herbert von Karajan eröffnet, mit diesem Werk wurden drei der bedeutendsten Persönlichkeiten der Salzburger Festspiele, nämlich Richard Strauss, Hugo von Hofmannsthal und Max Reinhardt (der als „heimlicher Regisseur“ die Uraufführung betreut hatte) geehrt.

Künstlerische Ausgestaltung [Bearbeiten]

Maskenblock von Jakob Adlhart

Der Boden des Foyers besteht aus Adneter Marmor, der Boden des Pausensaals aus grünem Serpentin mit Pferdemosaiken von Richard Kurt Fischer. Es finden sich hier auch zahlreiche Kunstwerke:

Vor dem Eingang zum Festspielhaus befindet sich der Maskenblock von Jakob Adlhart; diese „verdammt jüdisch grinsenden Masken“ mussten nach dem Einmarsch Hitlers magaziniert werden,[2] und konnten erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder als Wahrzeichen der Salzburger Festspiele aufgestellt werden.

Das Marmorportal an der nordseitigen Fassade zum Karajan-Platz ist eine Arbeit des Barockarchitekten Johann Bernhard Fischer von Erlach. Es wurde finanziert aus der Kriegsbeute des Türkenkriegs von 1683, bei dem Salzburg zum Entsatz der Türkenbelagerung von Wien 800 Mann entsandte und 1688 auch an der Eroberung Belgrads unter Prinz Eugen von Savoyen teilnahm.[3] Die Frauenfiguren auf dem Portal stellen Europa und Asia dar; dass sie auf Einhörnern sitzen, ist erst seit der letzten Renovierung bekannt. Eine weitere Besonderheit dieses Tores ist ein Lichtdurchbruch nach oben, durch den Licht auf die Häupter der zur Pferdeschwemme gebrachten Pferde fallen konnte.

An der Fassade zur Hofstallgasse ist folgender vom Benediktinerpater Thomas Michels verfasste Spruch angebracht: SACRA CAMENAE DOMUS / CONCITIS CARMINE PATET / QUO NOS ATTONITOS / NUMEN AD AURAS FERAT (‚Der Muse heiliges Haus steht Kunstbegeisterten offen, als Entflammte empor trage uns göttliche Macht‘).

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Großes Festspielhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Erhard Koppensteiner: Das Christian Doppler Gymnasium, erbaut als k. u. k. Infanterie- Bataillonskaserne in Salzburg-Lehen. Beiträge zur seiner Bau-, Kunst- und Militärgeschichte. In: Landesgeschichte aktuell Nr. 137, Dezember 2006, 1. Zum Kasernenwesen in Salzburg, S. 20 Sp. 2 (ganzer Artikel S. 20-26; Artikel, pdf, rainerregiment.at; ganzes heft, pdf, salzburger-geschichte.at, dort jew. S. 1)
  2. Gert Kerschbaumer: Kunst im Getriebe der Politik 1933 – 1938 – 1945. In: 150 Jahre Salzburger Kunstverein (Hrsg.): Kunst und Öffentlichkeit 1844–1994. Salzburg 1994, S. 145–169.
  3. Frederike Zaisberger: Geschichte Salzburgs. Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1998, ISBN 3-7028-0354-8.

47.79861111111113.041111111111Koordinaten: 47° 47′ 55″ N, 13° 2′ 28″ O