Großes Siegel der Vereinigten Staaten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Vorder- und Rückseite des Großen Siegels der Vereinigten Staaten auf der der Rückseite der Ein-Dollar-Banknote

Das Große Siegel der Vereinigten Staaten (engl. Great Seal of the United States) ist das offizielle Dienstsiegel und Hoheitszeichen der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Vorderseite des Siegels zeigt den Weißkopfseeadler, während die Rückseite eine Pyramide ohne Spitze zeigt, über der das Auge der Vorsehung schwebt. Das Siegel wurde 1782 eingeführt und wird ähnlich einem Wappen häufig in offiziellen Dokumenten verwendet. Beide Seiten des Siegels sind auch auf der Rückseite der Ein-Dollar-Banknote dargestellt.

Vorderseite[Bearbeiten]

Siegel der USA, Vorderseite

Der Adler hält in seinen Fängen einerseits einen Olivenzweig, andererseits ein Pfeilbündel, was die Bereitschaft zum Frieden, aber auch zum Kampf ausdrücken soll. Symbolisch liegt die Betonung auf dem Olivenzweig, da dieser auf der heraldisch rechten Seite des Siegels steht: In der Heraldik setzt die rechte Seite das positiver Eingeschätzte. In seinem Schnabel trägt er eine Schriftrolle mit der lateinischen Beschriftung E pluribus unum („Aus vielen eines“). Dies soll die Vereinigung der dreizehn Kolonien darstellen, die 1776 ihre Unabhängigkeit von Großbritannien erklärten und sich zu den USA zusammenschlossen.

Der Adler schaute auf dem Siegel immer nach rechts. Die Blickrichtung wird in der Blasonierung zwar nicht spezifiziert, doch weil in der Heraldik die Blickrichtung nach rechts die unmarkierte ist, und der Olivenzweig für die rechte Seite bestimmt wurde, kann man annehmen, dass es ursprünglich so gemeint war. Außerdem ist in der Entwurfsskizze Charles Thomsons, der die letzte Fassung des Siegels vorschlug und die Blasonierung verfasste, auch diese Blickrichtung gewählt. Nur auf dem Siegel des US-Präsidenten schaute der Adler früher nach links. Ein Beispiel dafür ist das Emblem auf dem Resolute Desk, dem Schreibtisch im Oval Office. Präsident Truman änderte die Blickrichtung am 26. Oktober 1945, um das Streben der USA nach Frieden zu symbolisieren.

Oberhalb des Adlers sind 13 pentagrammartige im goldenen Kranz in Form eines Hexagramms auf hellblauem Grund angeordnet. Die Dreizehn als Symbol für die 13 Gründerstaaten der USA findet sich auch in der Anzahl der Pfeile, der Olivenblätter sowie der sich darauf befindlichen Oliven wieder, der Wahlspruch E pluribus unum hat wie Annuit Coeptis auf der Rückseite 13 Buchstaben. Weiterhin besteht der Schild aus 13 Streifen, sieben weißen und sechs roten – anders als die Flagge der Vereinigten Staaten, die sieben rote und sechs weiße Streifen enthält.

Rückseite[Bearbeiten]

Siegel der USA, Rückseite

Die Pyramide auf der Rückseite hat 13 Stufen, an ihrer Basis steht die römische Zahl MDCCLXXVI (1776), das Jahr der Unabhängigkeitserklärung. Die Pyramide kann als Anspielung auf den Auszug aus Ägypten verstanden werden, wie er im 2. Buch Mose der Bibel erzählt wird. Insofern symbolisiert sie die Freiheit der Vereinigten Staaten.[1] Außerdem erscheint die Pyramide als unvollendet, ein Symbol dafür, dass die USA noch an ihrer Vollendung arbeiten müssen. Ein heraldisch ungewöhnliches Element ist die naturalistische Darstellung von 13 Büschen und Sträuchern zu Füßen der Pyramide. Auch die dreidimensionale Darstellung der Pyramide fällt aus dem Rahmen des heraldisch Üblichen. Die Anzahl der sichtbaren Steine schwankt in den verschiedenen Darstellungen, in der aktuellen Version von 1972 und in der von 1900 sind es 79.

Das Symbol des Allsehenden Auges steht für Gott. Es wurde ursprünglich kirchlichen Gebräuchen entlehnt, findet sich aber ebenso in der Freimaurerei.

Der Wahlspruch Annuit coeptis (lat.: „er segnet das Begonnene“) soll gleichfalls das unvollendete Aufbauwerk unter Gottes Segen der USA unterstreichen. Der Spruch ist ein abgewandeltes Zitat aus Vergils Aeneis. Dort heißt es: „Jupiter omnipotens, audacibus annue cœptis“ („Allmächtiger Jupiter, segne das wagemutige Begonnene“).

Novus ordo seclorum (lat.: „eine neue Ordnung der Zeitalter“) ist ein Zitat 4. Ekloge von Vergil: „Magnus ab integro sæclorum nascitur ordo“ („Die große Folge der Zeitalter beginnt erneut“). Das wird als Erinnerung an die Abspaltung von Großbritannien verstanden.

Geschichte[Bearbeiten]

Simitières Skizze von 1776

Unmittelbar nach der Unabhängigkeitserklärung beschloss der zweite Kontinentalkongress ein Siegel für den neu gegründeten Staat in Auftrag zu geben. Ein Komitee bestehend aus Benjamin Franklin, John Adams und Thomas Jefferson wurde beauftragt, einen Entwurf zu stellen, die alle drei heraldisch unerfahren waren. Daher nahmen sie die Hilfe des Künstlers Pierre Eugene du Simitiere in Anspruch, der die Jahreszahl und das Allsehende Auge (noch ohne Dreieck, nur mit Strahlen) beisteuerte. 1780 wurde ein zweites Komitee eingesetzt, bestehend aus James Lovell, John Morin Scott und William Churchill Houston, die sich von Francis Hopkinson zeichnerisch helfen ließen; von diesem stammt die Pyramide (ohne das Allsehende Auge), die er 1778 ursprünglich für einen 50-Dollar-Schein entworfen hatte. 1782 wurde ein drittes Komitee eingesetzt, dem Arthur Middleton, Elias Boudinot und John Rutledge angehörten, der bald von Arthur Lee ersetzt wurde. Dieses Komitee überließ die zeichnerische Arbeit in der Hauptsache William Barton. Seine Idee war es, die Pyramide und das Auge der Vorsehung zusammenzufügen. Als Textbestandteile schlug er die Überschrift Deo favente (lat.: „mit Gottes Gunst“) und als Unterschrift „Perennis“ (lat.: „beständig“ vor). Der endgültige Entwurf stammt von und Charles Thomson, der die Arbeitsergebnisse der drei Komitees zusammenführte und die Vergil-Zitate einbaute. Sein Bericht wurde am 20. Juni 1782 vom Kongress angenommen.

Verwendung[Bearbeiten]

Die Siegelpresse in Aktion

Der offizielle Name lautet Great Seal („Großes Siegel“), obwohl kein kleines Staatssiegel der Vereinigten Staaten existiert. Dies kommt daher, dass der englische König seit der Zeit des Königs Johann Ohneland ein großes Siegel für die Staatsgeschäfte und ein kleines Siegel für seine Privatangelegenheiten führte.[2].

Das Siegel dient mehreren Verwendungszwecken: Zum einen wird es als Siegel für verschiedene offizielle Dokumente verwendet, wenn nicht die Verwendung eines anderen Siegels (wie z.B. dem des Präsidenten) vorgeschrieben ist. Zu diesem Zweck wird die einzige offizielle Siegelpresse, die sich in der Ausstellungshalle des US-Außenministeriums befindet, ca. 2000 bis 3000 mal im Jahr genutzt.[3] Hierbei ist nur die Vorderseite des Siegels zu sehen.

Siegelabdruck auf einem offiziellen Dokument

Daneben wird das Siegel in seiner farbigen Variante mit Vorder- und Rückseite als Staatswappen der Vereinigten Staaten genutzt, beispielsweise an staatlichen Gebäuden, US-amerikanischen Botschaften und Konsulaten oder auf der Ein-Dollar-Note.[4]

Verschwörungstheorien[Bearbeiten]

Die Symbolik des Großen Siegels wird von verschiedenen Verschwörungstheoretikern als Indiz gedeutet, dass die Freimaurer oder die Illuminaten die entscheidende Antriebskraft hinter dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gewesen seien und noch heute die Politik der USA bestimmen würden. Der kanadische Autor William Guy Carr (1895–1959) behauptete bereits in den 1950er Jahren in seinen Schriften Pawns in the Game und Red Fog over America, dass das allsehende Auge über der Pyramide das Symbol des Illuminatenordens war – ohne jedoch auch nur einen Beweis zu liefern. Dies war Ausgangspunkt verschiedener Diskussionen. Populäre Beispiele für deren Verarbeitung in Romanen sind Robert Anton Wilson und Robert Sheas Romantrilogie Illuminatus! von 1975 und Dan Browns Thriller Angels and Demons von 2000 (deutscher Titel: Illuminati).

Carr vermutet in seinem Buch z. B., dass die Pyramide als angebliches Zeichen der Illuminati durch Taktieren von Henry A. Wallace (1888–1965), Vizepräsident in der Regierung unter Franklin D. Roosevelt und angeblicher Illuminat, ihren Platz im Siegel der USA und damit auch auf dem US-Dollar gefunden hat. Allerdings wurde das Siegel der USA 1782, d. h. lange vor seiner Geburt fertiggestellt, und so besteht die Verknüpfung zu den Illuminaten einzig darin, dass diese ebenfalls im Jahr 1776 von Adam Weishaupt in Bayern gegründet wurden. Der Illuminatenorden verwendete in seiner Symbolik auch nicht die Pyramide, sondern die Eule der Minerva.[5]

Nach anderen Verschwörungstheorien war in den ersten Entwürfen des Siegels der Vogel auf der Vorderseite kein Adler, sondern ein Phönix, ein freimaurerisches Symbol für Wiederauferstehung und Erneuerung. Das beweise angeblich, dass die USA ein wiederauferstandenes Atlantis unter der Ägide der Freimaurer werden sollten. Die Zahl der Federn an jedem Flügel weise auf die 33 Hochgrade des Schottischen Ritus hin. Die lateinischen Zitate auf der Schriftrolle im Schnabel des Adlers werden als Hinweis auf die Weltherrschaft bzw. auf die „Neue Weltordnung“ einer Weltregierung ohne souveräne Nationalstaaten gedeutet, die die Freimaurer angeblich anstreben würden.[6]

Auch viele konventionelle Historiker deuten die Symbolik des Siegels als freimauerisch geprägt. Sie sehen darin aber keinerlei Hinweise auf Verschwörungen, sondern nehmen an, dass die Schöpfer des Siegels diese Symbole einfach deshalb verwandten, weil sie ihnen vertraut waren.[7]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard S. Patterson und Dougall Richardson: The Eagle and the Shield: A History of the Great Seal of the United States. Department of State Publication 8900; Department and Foreign Service Series 161. Washington: Office of the Historian, Bureau of Public Affairs, Department of State, under the auspices of the American Revolution Bicentennial Administration, 1978.
  • Thomas White: Dollar Bill. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara, Denver und London 2003, Bd. 1, S. 226

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Siegel der Vereinigten Staaten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thomas White: Dollar Bill. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara, Denver und London 2003, Bd. 1, S. 226.
  2. US Department of State, Bureau of Public Affairs (Hrsg.), The Great Seal of the United States, Washington, D.C., 2003 (PDF; 3,2 MB), S. 3.
  3. US Department of State, Bureau of Public Affairs (Hrsg.), The Great Seal of the United States, Washington, D.C., 2003 (PDF; 3,2 MB), S. 12.
  4. US Department of State, Bureau of Public Affairs (Hrsg.), The Great Seal of the United States, Washington, D.C., 2003 (PDF; 3,2 MB), S. 13 f.
  5. Joachim Körber: Die Wissenschaft bei Dan Brown. Wiley-VCH Verlag, Weinheim 2009, S. 197.
  6. Thomas White: Dollar Bill. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara, Denver und London 2003, Bd. 1, S. 226 f.
  7. Thomas White: Dollar Bill. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara, Denver und London 2003, Bd. 1, S. 227.
Dieser Artikel existiert auch als Audiodatei.
Gesprochene Wikipedia Dieser Artikel ist als Audiodatei verfügbar:
Speichern | Informationen | 09:53 min (5,91 MB) Text der gesprochenen Version (21. Juli 2006)
Mehr Informationen zur gesprochenen Wikipedia
Dies ist ein als lesenswert ausgezeichneter Artikel.
Dieser Artikel wurde am 27. Mai 2005 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.