Großraumbüro

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Unterteiltes Großraumbüro

Ein Großraumbüro ist ein Bürokonzept. Es handelt sich um einen Raum mit großer Grundfläche, in dem sich eine Vielzahl von Büroarbeitsplätzen befindet. Eine eindeutige Definition für den Terminus Großraumbüro gibt es nicht. Verschiedene Definitionen beschreiben es als Büro mit mindestens zehn, einige auch als Büro mit mindestens 20 Arbeitsplätzen. Als Grundfläche weist ein Großraumbüro mindestens 400 m² auf.

Gestaltung der Großraumbüros[Bearbeiten]

Großraumbüros sind oft durch mittelhohe Raumteiler in Zellen und Gänge unterteilt. Die Zellen (meist einfach mit den englischen Begriffen Box oder Cubicle bezeichnet) enthalten einen oder mehrere Arbeitsplätze. In den USA ist vor allem das Cubicle-Office mit Einzel-Boxen verbreitet. Eine Box wird durch drei oder vier Raumteiler begrenzt. Diese haben meist eine Stoffbespannung und werden im Quadrat mit einer Seitenlänge von ca. 1,50 m aufgestellt, so dass sich eine Raumzelle mit einem Eingang ergibt. Die Raumteiler reichen nicht bis zur Decke, sie sind oft 1,50 m bis 1,65 m hoch.

Bei der modernen Großraumbüro-Gestaltung wird Wert darauf gelegt, die Boxen in Fensternähe zu platzieren, damit die dort Arbeitenden Tageslicht erhalten. Im Kernbereich im Zentrum des Großraumbüros werden Archive oder Besprechungsräume untergebracht. Schalldämmende Raumteiler grenzen die einzelnen Cubicles voneinander ab und sollen trotz des offenen Raumes eine ungestörte Arbeitsatmosphäre schaffen.[1] Cubicles für vier bis acht Beschäftigte sind tendenziell beliebter als Einzelarbeitsplätze.[2]

Die moderne Großraumbürogestaltung orientiert sich zudem an den ausgeführten Tätigkeiten. Für Tätigkeiten, die eine hohe Konzentration erfordern, sind schallgedämmte Zellen von Vorteil. Tätigkeiten, die Teamarbeit erfordern, profitieren von einem offenen Raumkonzept, das Kommunikation erleichtert. Bei der Planung sind zudem die Richtwerte des Arbeitsschutzes zu beachten, die bspw. in Deutschland pro Arbeitsplatz inklusive Verkehrsflächen 12 bis 15 m² pro Person vorsehen (siehe Abschnitt „Recht“). Rückzugsräume sollen zu einem angenehmen Arbeitsklima beitragen.

Vor- und Nachteile des Großraumbüros[Bearbeiten]

Großraumbüros sind bei Arbeitnehmern in Deutschland oft unbeliebt, da der Schutz vor akustischen Störungen unzureichend ist und die Privatsphäre geringer ist; Mitarbeiter sehen sich einer ständigen sozialen Kontrolle oder Überwachung ausgesetzt und müssen zur Sicherung von vertraulichen Unterlagen und persönlichen Gegenständen vor Diebstahl oder unberechtigter Einsichtnahme Aufwand betreiben. Verschiedenen Studien zufolge fühlen sich Beschäftigte in Großraumbüros schneller gestresst, sind weniger produktiv und werden auch schneller krank. Eine australische Metastudie von 2009 analysierte Studien aus aller Welt zur Bürogestaltung und ermittelte, dass 90 Prozent der in Großraumbüros arbeitenden Beschäftigten über negative Einflüsse auf die körperliche und psychische Gesundheit berichteten. Probleme sind unter anderem Reizüberflutung, Verlust der Privatsphäre sowie das Gefühl, dass die Kollegen die Arbeit stetig überwachen würden. Diese Probleme würden bis zum Identitätsverlust führen. Zudem sei die Ansteckungsgefahr mit Viren und Bakterien im Großraumbüro deutlich höher als im Einzelbüro.[3]

Je nach Gestaltung können Großraumbüros noch weitere Nachteile aufweisen: In den inneren Bereichen sitzen die Beschäftigten weit vom Tageslicht entfernt bei Kunstlicht. Die Belüftung erfolgt häufig über Klimaanlagen. Welchen Einfluss die Büroraumgestaltung auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten hat, zeigte 2003 auch die 'Office Studie' des Fraunhofer Instituts.[4]

Großraumbüros haben auch Vorteile. Arbeitgeber können durch die Nutzung der großen Büroflächen bis zu 20 Prozent ihrer Entwicklungskosten senken, heißt es in der australischen Studie. Zudem soll die Kommunikation der Beschäftigten gefördert werden. Größere Flexibilität bei der Raumgestaltung und eine bessere Überwachung der Mitarbeiter kann man als Vorteile sehen. Besonders die wirtschaftliche Flächennutzung lässt das Großraumbüro für viele Arbeitgeber attraktiv erscheinen. Der Fachverband bso (Verband Büro-, Sitz- und Objektmöbel) warnt allerdings, dass die Einsparungen durch die wirtschaftliche Flächennutzung durch einen höheren Krankenstand der Beschäftigten im Großraumbüro nivelliert werden können.[5]

Recht[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR)[6] konkretisieren die Vorgaben der Arbeitsstättenverordnung von 2004, welche in § 6 ArbStättV Abs. 1 ArbStättV regelt:[7]

Der Arbeitgeber hat solche Arbeitsräume bereitzustellen, die eine ausreichende Grundfläche und Höhe sowie einen ausreichenden Luftraum aufweisen.

Mit der Fassung der Arbeitsstättenverordnung von 2004 waren die Zahlenangaben für Grundfläche, lichte Höhe und Mindestluftraum, wie sie in § 23 v. F. der Arbeitsstättenverordnung von 1975 geregelt waren, aufgehoben.[8] Mit den im September 2013 veröffentlichten ASR A1.2 „Raumabmessungen und Bewegungsflächen“ gelten nun wieder konkrete Zahlenvorgaben. So ist eine Mindestgrundfläche von 8 m² für einen Arbeitsplatz und 6 m² für jeden weiteren Arbeitsplatz vorgegeben, für Büros und Bildschirmarbeitsplätze sind es 8 bis 10 m² je Arbeitsplatz und für Großraumbüros aufgrund des höheren Verkehrsflächenbedarfs und der akustischen und visuellen Störfaktoren 12 bis 15 m² je Arbeitsplatz.[9]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.ergo-online.de
  2. Peter Martin: Fallbeispiele: Neue Konzepte zur Flexibilisierung der Büroarbeit (PDF; 3,6 MB)
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatArbeit im Großraumbüro macht krank. In: FAZ.net. 13. Januar 2009, abgerufen am 16. Dezember 2014.
  4. Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (Hrsg.): Zukunftsoffensive Office 21 - Mehr Leistung in innovativen Arbeitswelten. Köln/Stuttgart (Egmont vgs Verlagsgesellschaft mbH) 2003
  5. www.ergo-online.de
  6. Technische Regeln für Arbeitsstätten (ASR), baua.de
  7. § 6 ArbStättV bei juris
  8. Wolfram von Gagern: Die wichtigsten Änderungen der neuen Arbeitsstättenverordnung. BWR media, abgerufen am 3. Mai 2014.
  9. Neue Arbeitsstättenregeln ASR A4.1 und ASR A1.2. arbeitssicherheit.de, abgerufen am 3. Mai 2014.