Grožnjan

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Grožnjan
Grisignana
Wappen von GrožnjanGrisignana
Grožnjan (Kroatien)
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45.38399722222213.726541666667288Koordinaten: 45° 23′ 2″ N, 13° 43′ 36″ O
Basisdaten
Staat: Kroatische Flagge Kroatien
Gespanschaft: Flagge der Gespanschaft Istrien Istrien
Höhe: 288 m. i. J.
Fläche: 68 km²
Einwohner: 736 (2011)
Bevölkerungsdichte: 11 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+385) 052
Postleitzahl: 52429
Kfz-Kennzeichen: PU
Struktur und Verwaltung
(Stand: 2013, vgl.)
Gemeindeart: Gemeinde
Bürgermeister: Claudio Stocovaz (IDS/DDI)
Website:
Groznjan Istria.jpg
Blick auf Grožnjan

Grožnjan (italienisch Grisignana; deutsch: Krisingan) ist ein Dorf und Stadtbezirk in Kroatien. Es befindet sich in der Gespanschaft Istrien. Die Zahl der Einwohner der Gemeinde lag 2011 bei etwa 736, wobei 164 in Grožnjan selbst wohnten[1].

Sprachen[Bearbeiten]

Bei der Volkszählung 2011 bezeichneten sich 39,40 % der Einwohner der Gemeinde als ethnische Italiener, 29,62 % Kroaten sowie 18,21 % Istrianer. Als Muttersprache gaben 56,52 % Italienisch, 37,36 % Kroatisch und 2,72 % Slowenisch an. Grožnjan/Grisignana ist somit die einzige Gemeinde Kroatiens mit einer italienischsprachigen Mehrheit.

Geschichte[Bearbeiten]

Gasse in der Altstadt
Kath. Pfarrkirche

Erstmals urkundlich erwähnt wird Grožnjan im Jahr 1102 als Besitztum der Patriarchen von Aquileia. Ab dem Jahr 1358 wurde Grožnjan von den Venezianern zu einem bedeutenden Militärstützpunkt ausgebaut. Über den Hafen Baštija hatte Grožnjan damals noch einen direkten Zugang zum Meer. Während des Uskokenkriegs wurde Grožnjan stark beschädigt und fiel nach dem Niedergang der venezianischen Löwenrepublik im Jahr 1779 immer mehr in die Bedeutungslosigkeit. Als Resultat des Zweiten Weltkriegs kam Istrien nach 1945 zur jugoslawischen Teilrepublik Kroatien. Durch den dadurch bedingten Exodus der italienischsprachigen Bewohner war Grožnjan bis Mitte des 20. Jahrhunderts quasi menschenleer. Der Ort verlor sogar den Status als eigenständige Gemeinde und wurde zwischen 1956 bis 1993 von Buje aus verwaltet.

Eine größere überregionale Bekanntheit erreichte die Siedlung wegen des in ihrem weiteren Umfeld abgebauten und von Steinmetzen sehr geschätzten Grisignana-Marmor (Kalkstein). Dieser hellbeige Kalkstein aus der Kreidezeit gelangte als sehr beständiges Architekturmaterial u. a. nach Triest, Wien, Budapest und in oberitalienische Städte. Der Höhepunkt für seine Verwendung lag im ausgehenden 19. Jahrhundert. Dieses Gestein prägt durch Anwendungen in der Architektur und Straßenbau in deutlicher Weise die Altstadt von Grožnjan.

Den eigentlichen Aufschwung und heutigen Status als Künstlerdorf verdankte Grožnjan dem Künstler und Bildhauer Aleksandar Rukavina, der 1965 erwirkte, dass die verlassenen und dem Zerfall geweihten Gebäude unentgeltlich von rund 30 Künstlern bewohnt werden durften, die als Gegenleistung sich für dessen Erhalt und Renovierung einsetzten. Ein Großteil der heutigen Bevölkerung des Dorfes sind noch heute Künstler.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Heute ist Grožnjan Treffpunkt für Musiker aus aller Welt. Im Sommer finden hier klassische Konzerte junger Musiker statt. Der Sparte Jazz gewidmet ist das in der zweiten Julihälfte stattfindende Festival Jazz is Back!. Auf die Bildende Kunst ausgerichtet ist das Ende September stattfindende Künstlertreffen Ex Tempore.

Dörfer im Stadtbezirk[Bearbeiten]

  • Antonci/Antonzi
  • Bijele Zemlje/Terre Bianche
  • Kostanjica/Castagna
  • Kuberton/Cuberton
  • Makovici/Macovzi
  • Martinčići/Martincici
  • Šterna/Sterna
  • Završje/Piemonte

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Loggia, heutige Gallerie fonticus

Die katholische Pfarrkirche, geweiht auf den Heiligen Vitus, dessen Begleiter Modestus und dessen Ehefrau Cresentia (Župna crkva Sveti Vida, Modesta i Krešencije), wurde im Jahr 1770 im Barockstil errichtet, ausgehend auf dem Bau einer älteren Kirche aus dem 14. Jahrhundert. Der aus Sandstein gebaute 36 Meter hohe Glockenturm stammt aus dem Jahr 1721. Im Innern der Kirche befinden sich 5 aus Marmor gefertigte Altäre und wertvoll geschnitzte Chorbänke.

Das Kastell links gegenüber der Kirche wurde erstmals 1102 erwähnt und beherbergte die Feudalherren und später die venezianischen Stadtverwalter. Heute wird das Gebäude als Konzertraum verwendet.

Im alten Kornhaus, der Stadtloggia, erbaut 1597, befindet sich heute die Galerie Fonticus mit Werken von nationalen und internationalen Künstlern. Das Stadttor gleich angrenzend an die Loggia stammt aus dem 15. Jahrhundert. Auf der Außenseite ist das Tor verziert mit in Stein gemeißelten Familienwappen venezianischer Stadtverwalter aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

Gleich außerhalb des Stadttors steht eine weitere, auf die heiligen Zwillingsbrüder Cosmas und Damian geweihte Kirche. Erbaut wurde diese Kirche im Jahr 1554 (so auf einem Stein oberhalb des Eingangs vermerkt). Das Kircheninnere wurde in den Jahren 1988/89 vom Maler Ivan Lovrenčić mit Fresken ausgemalt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Croatian Bureau of Statistics: Census 2011 Bevölkerung Volkszählung 2011

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Grožnjan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien